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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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– Ich glaube es, Zirone, erwiderte Carpena, und Du wirst nach dem ersten Versuche, den Du machst, darüber am besten urtheilen können. Ich bringe übrigens einen netten Kerl mit, einen früheren Meßbudenakrobaten, einen geschickten und anstelligen Menschen, aus dem man unter Umständen leicht ein Mädchen machen kann; ich denke, er wird uns große Dienste leisten.

– Was that er auf Malta?

– Er stahl Uhren, wenn sich ihm Gelegenheit darbot, Taschentücher, wenn er keine Uhren bekommen konnte.

– Er heißt?

– Pescador.

Catania.

– Schön, meinte Zirone. Man wird sich seine Talente und seine Einsicht zu Nutze machen. Wo hast Du die ganze Bande gelassen?

– In der Herberge von Santa Grotta, oberhalb von Nicolosi.

– Du wirst doch Deine Functionen als Herbergsvater wieder aufnehmen?

– Von morgen an.

– Nein, heute Abend noch, erwiderte Zirone, da ich neue Verhaltungsbefehle empfangen habe. Ich warte hier auf die Vorbeifahrt des Zuges von Messina. Durch eine Thür des letzten Waggons soll mir ein Zeichen gegeben werden.

– Ein Zeichen… von ihm?

– Ja… von ihm!… Dadurch, daß er mit seiner Heirat noch immer Pech gehabt hat, zwingt er mich zu arbeiten, damit er leben kann. Pah! Was würde man für einen so tapferen Kumpan nicht noch thun?«

Ein fernes Rollen, das sich von dem Gebrüll der Wogen deutlich abhob, ließ sich von der Seite Catanias her jetzt vernehmen. Es rührte von dem Eisenbahnzuge her, den Zirone erwartete. Carpena und er stiegen die Felsen hinauf, in wenigen Augenblicken gelangten sie an den Weg, dessen Ausgänge kein Sicherheitszaun versperrte.

Zwei Pfiffe, welche bei der Einfahrt in einen kleinen Tunnel von der Locomotive ausgestoßen wurden, zeigten die Annäherung des Zuges an, der mit einer nur mäßigen Geschwindigkeit herannahte; bald drückte sich das Schnauben der Locomotive deutlicher aus, ihre Laternen durchbohrten mit ihren großen weißen Lichtreflexen die Finsterniß und die Schienen erglänzten auf eine weite Strecke schon im Voraus. Zirone verfolgte mit aufmerksamen Blicken den Zug, der nur drei Schritte weit entfernt an ihm vorüberrollte.

Dort zündete Zirone eine kleine Laterne an… (S. 362.)

Kurz bevor der letzte Wagen sich auf gleicher Höhe mit ihm befand, wurde eine Waggonscheibe heruntergelassen und eine Frau streckte den Kopf zum Fenster hinaus. Sobald sie den Sicilianer auf seinem Posten gesehen hatte, warf sie flink eine Orange aus dem Wagen, die auf den Weg rollte, auf dem Zirone stand und wenige Schritte vor ihm liegen blieb.

Diese Frau war Namir, die Spionin Sarcany’s. Einige Augenblicke später war sie mit dem Zuge in der Richtung nach Aci-Reale verschwunden.

Zirone machte sich daran, die Orange aufzuheben oder vielmehr die beiden Hälften einer Orangenschale, welche durch eine Nadel zusammengehalten wurden. Der Spanier und er gingen dann den Weg wieder zurück und verbargen sich hinter einem hohen Felsen. Dort zündete Zirone eine kleine Laterne an, nahm die beiden Hälften der Orange auseinander und enthüllte dadurch einen Zettel, auf dem folgende Benachrichtigung stand:

»Er hofft Euch in fünf bis sechs Tagen in Nicolosi anzutreffen. Mißtrauet namentlich einem gewissen Doctor Antekirtt!«

Sarcany hatte jedenfalls in Ragusa vernommen, daß diese geheimnißvolle Persönlichkeit, mit der sich die öffentliche Neugierde so lebhaft beschäftigte, zwei oder dreimal im Hause der Frau Bathory empfangen wurde. Daher stammte bei diesem, gewohnheitsmäßig Allem und Allen gegenüber mißtrauischen Menschen eine bestimmte Unruhe. Daher auch diese Benachrichtigung, welche er mit Umgehung der Post und durch Vermittlung von Namir seinem Genossen Zirone zukommen ließ.

Dieser steckte das Billet in die Tasche und löschte seine Laterne aus. Er wandte sich darauf an Carpena und fragte ihn:

»Hast Du schon jemals von einem Doctor Antekirtt sprechen gehört?

– Nein, antwortete dieser, doch kennt ihn vielleicht der kleine Pescador. Dieser schmucke Junge weiß Alles.

– Wir werden sehen, gab Zirone zurück. Sage, Carpena, wir haben doch keine Furcht, in der Nacht zu marschiren, he?

Weniger Furcht, als wenn wir am Tage marschieren müssen, Zirone.

– Richtig…. Am Tage stößt man auf die geschwätzigen Gensdarmen. Vorwärts also! Ehe drei Stunden um sind, müssen wir in dem Wirthshause von Santa Grotta sein.«

Beide überschritten den Bahndamm und lenkten in die Zirone wohlbekannten Fußpfade ein, die sich nach den Abhängen des Aetna hin über das Terrain secundärer Formation ziehen.

Vor achtzehn Jahren existirte in Sicilien, namentlich in Palermo, der Hauptstadt, eine furchtbare Verbrecherbande. Unter einander durch eine Art Freimaurergesetze verbunden, zählte sie mehrere tausende Anhänger. Diebstahl und Betrug mit Hilfe aller nur möglichen Mittel auszuführen, das war der Zweck dieser Genossenschaft der Maffia, der eine große Anzahl von Kaufleuten und Industriellen buchstäblich einen jährlichen Tribut zahlten, damit sie ihrem Gewerbe oder Handel ungestört und unbelästigt nachgehen konnten.

Damals befanden sich Sarcany und Zirone – und zwar vor der Verschwörungsgeschichte in Triest – unter den hervorragendsten Theilnehmern der Maffia, und auch nicht gerade unter den Unthätigsten.

Doch mit dem Vorwärtsschreiten aller Dinge, mit der besseren Verwaltung der Städte, wenn auch nicht der Landbezirke, begann diese Verbrüderung in ihrem Geschäftsbetriebe behindert zu werden. Die Abgaben und die Frohnleistungen verminderten sich. Auch trennte sich eine überwiegende Anzahl von Theilnehmern von den Anderen, die in der Räuberei ein lucrativeres Geschäft sahen.

Zu jener Zeit änderte sich auch gerade das politische Regime Italiens in Folge der vollzogenen Einigkeit. Sicilien mußte, wie die anderen Provinzen, ebenfalls dem gemeinsamen Schicksale sich fügen, sich den neuen Gesetzen unterwerfen und namentlich dem Joche der Conscription. Diese neue Ordnung der Dinge schuf Rebellen, die sich den Gesetzen nicht anbequemen wollten, und Ungehorsame, die sich weigerten zu dienen – Leute ohne Gewissensbisse, Massier oder Andere, deren Banden das Land ausplünderten.

Zirone stand an der Spitze einer dieser Banden, und als der von Sarcany für den Preis der Angeberei erworbene Antheil an den Gütern des Grafen Sandorf aufgezehrt worden war, nahmen Beide ihr altes Leben wieder auf, in der Erwartung, daß eine gewichtige Unternehmung ihr Vermögen wiederherstellen würde.

Die Gelegenheit hierzu hatte sich gezeigt: es war die Verheiratung Sarcany’s mit der Tochter von Silas Toronthal. Man weiß, wie erfolglos Sarcany’s Schritte in dieser Hinsicht bis dahin waren, und warum.

Dieses Sicilien ist ein dem Räuberwesen merkwürdig günstiges Land selbst bis auf den heutigen Tag. Was bietet die alte Trinakria nicht Alles innerhalb eines Umkreises von siebenhundertundzwanzig Kilometern und zwischen den drei vorspringenden Spitzen dieses Triangels, im Nordosten Kap Faro, im Westen Kap Marsala, im Südosten Kap Pessaro? Gebirgszüge wie die Peloren und Nebroden, eine selbständige Gruppe vulkanischer Berge, den Aetna, Wasserläufe wie die Giarella, Cantara, den Platani, Strudel, Thäler, Ebenen, Städte, die mit einander kaum in Verbindung stehen, Flecken, die höchst unbequeme Zugänge haben, Ortschaften, die auf kaum zugänglichen Höhen angelegt sind, Klöster in den Schluchten und auf den Abhängen der Berge, endlich eine große Menge von Zufluchtsorten, in welche ein Rückzug sich stets bewerkstelligen läßt, und unzählige Buchten, welche tausend Gelegenheiten zur Flucht auf das offene Meer bieten. Kurz, dieses Stückchen sicilischer Erde ist ein vollkommener Abklatsch des ganzen Erdglobus, weil sich in ihm Alles zusammenfindet, woraus die Erdkugel besteht: Berge, Vulcane, Thäler, Ebenen, Flüsse, Bäche, Seen, Strudel, Städte, Dörfer, Rheden, Häfen, Buchten, Vorgebirge, Kaps, Klippen und Brandungen. Und diese Gesammtheit von natürlichen und künstlichen Anlagen steht einer Bevölkerung von fast zwei Millionen zur Verfügung, die über eine Fläche von sechsundzwanzigtausend Quadratkilometern vertheilt sind.

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