Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Als Bruder und Schwester gegangen waren, ließ der Doctor Pointe Pescade kommen, mit dem er in Gegenwart Peter Bathory’s sprechen wollte.
Pointe Pescade kam sofort und nahm die Haltung an, wie sie ein Mann bewahrt, der bereit ist, einen Auftrag entgegenzunehmen und ihn auch auszuführen.
»Ich bedarf Deiner, Pointe Pescade, sagte der Doctor zu ihm.
– Meiner und Kap Matifu’s?
– Vorläufig Deiner allein.
– Was soll ich thun?
– Du gehst sofort an Land und begibst Dich in das Manderaggio, das ist eines der unter La Vallette gelegenen Stadtviertel; dort miethest Du Dir irgend eine Wohnung, ein Zimmer oder eine Kammer, und zwar in der gewöhnlichsten Herberge.
– Verstanden.
– Von dort hast Du die Thätigkeit eines Mannes zu überwachen, der mir – die Sache ist sehr wichtig – nicht mehr entschwinden darf. Doch kein Mensch soll ahnen, daß wir uns kennen. Wenn es nöthig ist, verkleidest Du Dich.
– Das ist mein Fall.
– Dieser Mann soll, so hat man mir erzählt, fuhr der Doctor fort, die verwegensten Schurken des Manderaggio für baares Geld anwerben. Für wessen Rechnung oder zu welchem Zwecke er es thut, weiß man nicht. Du sollst dieses nun so schnell als möglich ausfindig machen.
– Ich werde es erfahren.
– Wenn Du erst weißt, woran Du Dich zu halten hast, so kehre nicht an Bord zurück, weil man Dir vielleicht nachgeht. Begnüge Dich damit, mir mit der Post in La Vallette ein Wort zu schreiben und gib mir ein Rendezvous am Abend am äußersten Ende der Vorstadt La Senglea. Dort wirst Du mich finden.
– Einverstanden, antwortete Pointe Pescade. Doch woran werde ich diesen Mann erkennen?
– Das wird Dir nicht schwer fallen. Du bist einsichtsvoll, mein Freund, ich rechne auf Deine Intelligenz.
– Kann ich wenigstens den Namen dieses Gentlemans erfahren?
– Er heißt Carpena.«
Kaum vernahm Peter diesen Namen, so rief er laut:
»Wie? Dieser Spanier ist hier?
– Ja! erwiderte Doctor Antekirtt; er wohnt in demselben Stadttheile, in welchem wir die Kinder von Andrea Ferrato wiedergefunden haben, den er in das Gefängniß und in den Tod geschickt hat.«
Der Doctor erzählte Alles, was Maria gesagt hatte. Pointe Pescade begriff nun auch, wie dringend nothwendig es war, Einsicht in das Spiel dieses Spaniers zu gewinnen, der ganz gewiß in diesen Diebeshöhlen von La Vallette an irgend einem Werke der Finsterniß mitarbeitete.
Eine Stunde später verließ Pointe Pescade die Yacht. Um jede Spionage zu vereiteln, im Falle er verfolgt wurde, begann er die lange Strada Reale entlang zu schlendern, welche vom Fort Sanct Elmo bis zur Floriana führt. Als der Abend anbrach, wandte er sich dem Manderaggio zu.
Um eine Bande von Schuften zusammenzustellen, die schon von Natur aus zum Morde wie zum Raube neigten, konnte man in der That keinen geeigneteren Ort finden, als diese unterirdische Stadt. Es gab dort zweifellos Leute aus aller Herren Länder, schuftige Kerle aus dem Morgen-und Abendlande, Flüchtlinge von Handelsschiffen und Deserteure der Kriegsmarine, vor Allem aber Malteser aus der Hefe des Volkes, verrufene Halsabschneider, die in ihren Adern noch das Piratenblut haben, welches ihre Ahnen zur Zeit der Barbaresken-Raubzüge so furchtbar machte.
Carpena, beauftragt, eine Handvoll entschlossener Burschen – zu Allem entschlossener – ausfindig zu machen, konnte dort in keine Verlegenheit der Auswahl wegen kommen. Er verließ seit seiner Ankunft kaum die Schänken der am tiefsten gelegenen Straßen des Manderaggio, wo seine Kundschaft ihn zu finden wußte. Pointe Pescade hatte daher so gut wie keine Mühe, seinen Mann ausfindig zu machen; das Schwierige bei der Sache war lediglich, herauszubekommen, für wessen Rechnung der Spanier mit dem Gelde in der Hand operirte.
Während dieser Zeit unterhielt sich der Doctor mit Maria. (S. 349.)
Das Geld gehörte augenscheinlich nicht ihm selbst. Die Prämie von fünftausend Gulden, die er sich nach den Vorfällen in Rovigno erschachert hatte, war schon längst verzehrt worden. Carpena war durch die öffentliche Meinung aus Istrien, aus allen Salinen an der Küste gejagt worden; er hatte sich daher entschlossen, ziellos durch die Welt zu streifen. Sein Geld zerfloß pfeilschnell; war er schon vor jener Heldenthat ein elender Kerl, so sank er jetzt noch tiefer.
Es wird also Niemand Wunder nehmen, ihn jetzt im Dienste einer großen Räuberbande zu erblicken, für welche er eine Anzahl Schufte anwarb, welche die durch den Strick der Gerechtigkeit leer gewordenen Plätze wieder ausfüllen sollten. Zu diesem Zwecke war er nach Malta, und besonders in den Stadttheil Manderaggio gekommen
Wohin Carpena seine Bande führen wollte, hütete er sich wohl zu sagen, denn er war seinen neu angeworbenen Genossen gegenüber sehr mißtrauisch. Denen war es übrigens gleichgiltig, ob sie es wußten oder nicht. Vorausgesetzt, daß man sie baar bezahlte, vorausgesetzt, daß man sie in eine an Diebstählen und Räubereien reiche Zukunft blicken ließ, wären sie bis aus Ende der Welt gegangen.
Es muß hier angemerkt werden, daß Carpena nicht wenig überrascht war als er Maria in den Straßen des Manderaggio wiederfand. Trotzdem er sie fünfzehn Jahre hindurch nicht gesehen, hatte er sie auf der Stelle wiedererkannt, wie es auch bei ihr der Fall gewesen war. Er fühlte sich übrigens sehr mißgestimmt darüber, daß sie wahrscheinlich unterrichtet war von dem, was er in La Vallette zu thun beabsichtigte.
Pointe Pescade mußte also sehr schlau zu Werke gehen, um das zu erfahren, woran dem Doctor sehr viel lag und was der Spanier sorgsam hütete. Carpena wurde trotzdem bald von Jenem hinter’s Licht geführt. Wie hätte ihm auch dieser frühreife junge Bandit entgehen sollen, der sich so eng an seine Person anschloß, sich in sein Vertrauen drängte, der ihn von allen Kanaillen im Manderaggio am Besten zu nehmen wußte, der sich brüstete, schon einen Actenstoß auf seine Rechnung angehäuft zu haben, dessen kleinste Seite ihm den Strick auf Malta, die Guillotine in Italien, die Garotte in Spanien einbringen mußte, der die tiefste Mißachtung vor allen den Memmen des Viertels zur Schau trug, welchen beim Anblick eines Polizisten schon schlimm wurde, kurz ein prächtiger Bursche! Carpena, der sich in dieser Gattung Menschen sehr bewandert wußte, mußte ihn zu schätzen wissen.
Aus dieser so geschickt gespielten Rolle erwuchs denn auch das Resultat, daß Pointe Pescade sein Ziel erreichte. Am Morgen des 26. August empfing Doctor Antekirtt eine Zeile, die ihm ein Rendezvous für denselben Abend am äußersten Ende der Senglea gab.
Während der letzten Tage waren die Arbeiten an Bord des »Ferrato« emsig gefördert worden. In drei Tagen längstens waren die Reparaturen beendet, Kohlen eingenommen, das Schiff konnte wieder in See stechen.
Am Abend begab sich der Doctor an den von Pointe Pescade bezeichneten Ort. Es war ein kleiner Arkadenplatz, nahe dem Rundengange, in der äußersten Vorstadt.
Es schlug acht Uhr. An fünfzig Personen wohl bewegten sich noch auf dem Platze, denn es wurde hier ein Markt abgehalten, der noch nicht geschlossen war.
Doctor Antekirtt spazierte zwischen den Leuten umher, Männern und Frauen; sie waren fast Alle Einheimische. Plötzlich fühlte er, daß eine Hand sich auf seinen Arm legte.
Ein gemeiner Schnapphahn in schmutzige Lumpen gekleidet und mit einem alten zerknüllten Hute bedeckt, bot ihm ein Taschentuch an mit den Worten:
»Ich habe das Ding da soeben Eurer Excellenz gestohlen. Ein anderes Mal geben Excellenz besser Acht auf Ihre Taschen.«
Pointe Pescade war’s, den man in seiner angelegten Verkleidung nicht wiedererkannte.