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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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»Ein schlechter Spaß, sagte der Doctor.

– Ein Spaß ist es, allerdings, aber ein schlechter nicht, Herr Doctor!«

Dieser erkannte jetzt Pointe Pescade und konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Dann, ohne jeden Uebergang, fragte er hastig nach Carpena.

»Er arbeitet in der That an der Anwerbung einer Handvoll der ausgefeimtesten Schurken des Manderaggio.

– Für wen?

– Für Rechnung eines gewissen Zirone.«

Des Sicilianers Zirone, des Genossen von Sarcany? Welche Verbindung konnte zwischen diesem Elenden und Carpena bestehen?

Als der Doctor genauer darüber nachdachte, fand er auch eine Erklärung für dieses merkwürdige Zusammentreffen und er täuschte sich in seinen Schlüssen nicht.

Der Verrath des Spaniers, der die Festnahme der Flüchtlinge aus dem Thurme von Pisino zur Folge hatte, konnte Sarcany nicht verborgen geblieben sein. Dieser hatte Carpena zweifellos aufsuchen lassen und ihn in den jämmerlichsten Verhältnissen gefunden. Er hatte deshalb nicht gezaudert, ihn zu einem der Agenten Zirone’s zu machen, deren Dienste dieser im Interesse seiner Genossenschaft beanspruchte. Carpena bildete also die erste Etappe auf der Spur, welche der Doctor nun nicht mehr im Dunkeln zu verfolgen brauchte.

»Weißt Du, zu welchem Zwecke diese Anwerbung geschieht? fragte er Pointe Pescade.

– Für eine Bande, die auf Sicilien thätig ist.

– Auf Sicilien? Ja, ja!… Es stimmt!… Und wo dort?

– In den östlichen Provinzen, zwischen Syrakus und Catania.«

Der Ausgangspunkt des Unternehmens war endlich gefunden.

»Wie gelang es Dir, das zu erfahren?

– Von Carpena selbst, der mir seine Freundschaft angetragen hat und den ich Eurer Excellenz empfehle.«

Ein Nicken mit dem Kopfe bildete die ganze Antwort des Doctors.

»Du kannst jetzt an Bord zurückkehren, sagte er, und Dir ein anständigeres Gewand anlegen.

– Noch nicht, denn dieses gefällt mir gerade.

– Wieso?

– Weil ich die Ehre habe, Bandit in der Truppe des vorgenannten Zirone zu sein.

– Nimm Dich in Acht, mein Freund. Du wagst bei diesem Spiele Dein Leben…

– In Ihren Diensten, Herr Doctor, sagte Pointe Pescade, und Ihnen schulde ich es.

– Braver Junge!

– Ich bin übrigens so ein kleiner Spitzbube, ohne mir zu schmeicheln, und ich will jene Kerle sämmtlich in meinem Sack voll Bosheit verschwinden lassen.«

Der Doctor sah ein, daß unter diesen Umständen die Beihilfe Pointe Pescade’s seinem Vorhaben sehr nützen könnte. Dadurch, daß Pointe Pescade die Rolle eines Bösewichtes spielte, hatte er sich das Vertrauen von Carpena zu erwerben gewußt, er kannte sogar jetzt dessen Geheimnisse, es war also gut, ihn nach Gutdünken handeln zu lassen.

Nach weiteren fünf Minuten war die Unterredung zu Ende; der Doctor und Pointe Pescade trennten sich, um nicht zusammen gesehen zu werden. Pointe Pescade ging an den Quais der Senglea entlang, nahm im großen Hafen ein Boot und kehrte auf diesem Wege in das Manderaggio zurück.

Ehe er dort wieder eintraf, war der Doctor schon auf seine Dampf-Yacht zurückgekehrt. Dort erzählte er Peter, was sich zugetragen. Er glaubte zugleich es vor Kap Matifu nicht verheimlichen zu dürfen, daß Pointe Pescade sich zum allgemeinen Wohle in ein äußerst gefährliches Unternehmen eingelassen hatte.

Der Hercules hob den Kopf auf und öffnete und schloß dreimal seine riesigen Hände. Dann sagte er wiederholt, wie zu sich selbst:

»Wehe, wenn ihm nur ein Haar auf dem Kopfe fehlt, nur ein Haar…«

Die letzten Worte besagten mehr als Alles, was Kap Matifu hätte reden können, wenn er überhaupt das Talent gehabt hätte, viel Redensarten zu machen.

Sechstes Capitel.

In den Umgebungen von Catania.

Wenn ein Mensch beauftragt gewesen wäre, den Erdglobus herzustellen, so würde er ihn zweifellos in einem Zuge hergestellt, er würde ihn auf mechanischem Wege bereitet haben, wie eine Billardkugel, ohne auf ihm eine Unebenheit oder eine Runzel zurückzulassen. Allein der Schöpfer war es, der das Werk unternommen. Daher fehlen auf der sicilianischen Küste, zwischen Aci-Reale und Catania, Kaps, Klippen, Höhlen, Felskegel und Gebirge nicht dem unvergleichlichen Gestade.

In diesem Theile des tyrrhenischen Meeres beginnt die Meerenge von Messina, deren gegenüberliegendes Ufer von den Ketten der calabrischen Gebirge eingerahmt wird. Wie diese Meerenge, diese Küste, diese Berge, welche der Aetna überragt, zu den Zeiten des Homer gewesen sind, so sind sie es noch heute – herrlich! Wenn auch der Wald, in welchem Aeneas den Achemeniden fand, verschwunden ist, so sind doch die Grotte der Galathea, die des Polyphemos, die Inseln der Cyklopen, und etwas nördlicher die Felsen der Scylla und Charybdis auf ihren geschichtlichen Plätzen geblieben und man kann sogar noch auf derselben Stelle festen Fuß fassen, wo der troische Held aus Land stieg, als er sich anschickte, ein neues Reich zu gründen.

Daß der Riese Polyphemos Heldenthaten ausführte, welche der Hercules Kap Matifu nicht zu Stande gebracht haben würde, muß billigerweise anerkannt werden. Dafür hatte aber Kap Matifu den Vorzug, noch am Leben zu sein, während Polyphemos schon mindestens dreitausend Jahre todt ist – wenn er überhaupt jemals gelebt hat, obgleich es Odysseus behauptet. Elisée Reclus hat die höchst wahrscheinlich klingende Behauptung aufgestellt, daß mit diesem Cyklop Niemand anderes als der Aetna selbst gemeint ist, »dessen Krater während der Ausbrüche wie ein ungeheures offenes Auge auf der Spitze des Berges glänzt und der von der höchsten Stelle der Abhänge Steinstücke schleudert, die Inselchen werden und zu Klippen, wie die Farraglioni.«

Diese Faraglioni, die einige hundert Meter vor der Küste und der Straße nach Catania liegen, welch’ letztere jetzt von der von Syrakus nach Messina führenden Eisenbahn doublirt wird, sind die einstigen Cyklopeninseln. Die Höhle des Polyphemos liegt nicht weit von ihnen ab, und längs dieser ganzen Küste ist dieses betäubende Getöse der Wellen vernehmbar, welches das Meer innerhalb der Basalthöhlen hervorbringt.

Genau inmitten dieser Felsen plauderten am Abend des 29. August zwei Männer miteinander, die nicht danach aussahen, als fragten sie viel nach dem Reize geschichtlicher Erinnerungen; denn sie sprachen von Dingen, die zu vernehmen den Gendarmen Siciliens nicht gerade unlieb gewesen wäre.

Der eine dieser Männer, der einige Zeit bereits auf die Ankunft des Zweiten gewartet hatte, war Zirone. Der Andere, der auf der Straße von Catania aufgetaucht, war Carpena.

»Endlich bist Du da, fuhr ihn Zirone an. Du hast sehr gezögert. Ich glaubte wahrhaftig schon, Malta wäre, wie einst ihre Nachbarin, die Insel Julia, verschwunden und Du hättest bereits den Thunfischen und den Bonits auf dem herrlichen Grunde des Mittelmeeres als Pastete gedient.«

Man sieht, trotzdem fünfzehn Jahre über den Scheitel des Genossen von Sarcany dahingezogen waren, hatte sich seine Schwatzhaftigkeit der langen Zeit zum Trotze doch nicht vermindert, ebenso wenig wie seine ihm angeborene Frechheit. Mit dem Hut auf dem Ohre, einer bräunlichen Kapuze, die ihm um die Schulter hieng, mit bis zum Knie verschnürten Fußschienen hatte er ganz das Aussehen dessen, was zu sein er nie aufgehört hatte – eines Banditen.

»Es war mir unmöglich, früher zurückzukehren, erwiderte Carpena, erst heute Früh hat mich das Packetboot in Catania gelandet.

– Dich und Deine Leute?

– Ja.

– Wie viele bringst Du mit?

– Ein Dutzend.

– Nur?

– Ja, aber tüchtige Leute.

– Aus dem Manderaggio?

– Nur theilweise, aber namentlich Malteser.

– Gute Recruten also und doch sind ihrer nicht genug, denn seit einigen Monaten ist der Dienst hart und kostspielig geworden, sagte Zirone. Man möchte meinen, daß die Gensdarmen auf Sicilien jetzt aus dem Boden sprießen. Das hilft nun aber nichts. Wenn Deine Waare wirklich von guter Qualität ist…

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