Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
– Aber meine Schwester?
– Eure Schwester wird zu der großen Familie gehören, die meine Insel Antekirtta bewohnt, antwortete der Doctor. Euer Leben gehört für die Folge mir, und ich werde Euch so glücklich machen, daß Eure Vergangenheit nichts Bedauerliches mehr für Euch haben wird, es müßte denn der Umstand sein, daß Ihr Euren Vater verloren habt.«
Luigi hatte sich stürmisch über die Hände des Doctors gebeugt, er drückte und küßte sie, während Maria ihre Erkenntlichkeit nur durch Thränen beweisen konnte.
»Ich erwarte Euch morgen an Bord,« sagte der Doctor.
Und schnell war er zur Thüre hinaus; es schien, als könnte er seine Bewegung nicht mehr meistern; Peter hatte er ein Zeichen gegeben, ihm zu folgen.
»Ah, sagte er zu ihm, es ist doch ein angenehmes Gefühl, wenn man belohnen kann.
– Ja, ein schöneres, als wenn man bestraft, meinte Peter.
– Und doch muß gestraft werden!«
Am nächsten Tage erwartete der Doctor Maria und Luigi an Bord seines Schiffes.
Kapitän Köstrik hatte inzwischen bereits seine Dispositionen dahin getroffen, daß die Beschädigungen, welche die Maschine der Dampf-Yacht erlitten, unverzüglich ausgebessert wurden. Dank der Beihilfe der Herren Samuel Grech und Compagnie, Schiffsagenten der Strada Levante, denen das Schiff consignirt worden war, gingen die Arbeiten schnell von Statten. Sie sollten trotzdem fünf bis sechs Tage in Anspruch nehmen, denn die Luftpumpe und der Condensator mußten vollständig auseinandergenommen werden, weil einige Röhren ungenügend functionirten. Dieser Verzug kam dem Doctor Antekirtt höchst ungelegen, denn es verlangte ihn sehnlichst, die sicilische Küste zu erreichen. Er hatte sogar eine Zeit lang die Absicht, den Schooner »Savarena« nach Malta kommen zu lassen, doch ließ er den Plan wieder fallen. Es schien ihm richtiger, sich lieber noch einige Tage zu gedulden und dann mit einem tüchtigen und gut bewaffneten Schiffe nach Sicilien zu fahren.
Vorsichtshalber und für den Fall, daß nicht vorherzusehende Zwischenfälle eintreten sollten, wurde eine Depesche mittelst des unterseeischen Kabels, welches Malta mit Antekirtta verbindet, nach der letzteren Insel befördert. Der Inhalt dieser Depesche ertheilte dem »Electric 2« den Befehl, unverzüglich an der Küste von Sicilien, in den Gewässern bei Kap Portio di Palo, zu kreuzen.
Gegen neun Uhr Früh brachte ein Boot Maria Ferrato mit ihrem Bruder an Bord. Beide wurden von dem Doctor mit den Ausdrücken der herzlichsten Freude empfangen.
Luigi wurde dem Kapitän, den Quartiermeistern und der Mannschaft als zweiter Officier vorgestellt. Der Lieutenant, der bis dahin diese Stellung bekleidet hatte, sollte auf den »Electric 2« übergehen, sobald man diesen vor der südlichen Küste Siciliens angetroffen haben würde.
Wenn man Luigi betrachtete, so gab es keine Täuschung; er war ein vollkommener Seemann. Seinen Muth, seine Kühnheit kannte man; sechsunddreißig Stunden vorher hatte er sie auf der Rhede von Melleah gezeigt. Er wurde willkommen geheißen. Sein Freund Peter und Kapitän Köstrik erwiesen ihm die Honneurs beim Ansehen des Schiffes, denn er wünschte es in allen seinen Einzelheiten kennen zu lernen. Während dieser Zeit unterhielt sich der Doctor mit Maria; er sprach mit ihr von dem Bruder in Ausdrücken, die sie tief ergreifen mußten.
»Ja, er ist der ganze Vater,« sagte sie.
Der Doctor ließ ihr die Wahl, an Bord zu bleiben, bis die geplante Expedition zu Ende geführt sein würde, oder direct nach Antekirtta zurückzukehren, wohin sie sicher geleitet werden sollte. Maria bat ihn, auf dem Schiffe die Fahrt nach Sicilien mitmachen zu dürfen. Es wurde deshalb verabredet, daß sie den Aufenthalt, den der »Ferrato« in La Vallete nehmen mußte, dazu benutzen sollte, ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, ihre kleinen Habseligkeiten zu verkaufen, die kaum den Werth von Andenken für sie besaßen, kurz das flüssig zu machen, was sie besaß, so zwar, daß sie sich am Tage vor der Abfahrt in der für sie eingerichteten Cabine häuslich niederlassen konnte.
Der Doctor hatte Maria darüber nicht im Unklaren gelassen, welches seine Pläne waren, die er bis zu ihrer völligen Erfüllung verfolgen wollte. Ein Theil seines Vorhabens hatte sich nun schon dadurch verwirklicht, daß er sich über die Zukunft der Kinder von Andrea Ferrato keine Sorgen mehr zu machen brauchte. Jetzt galt es noch, einerseits Silas Toronthal und Sarcany ausfindig zu machen, sodann sich Carpena’s zu bemächtigen; Beides mußte geschehen. Die Spuren der beiden Ersteren mußten, so rechnete man, in Sicilien wiederaufgefunden werden. Nach dem Dritten sollte dann weiter geforscht werden.
Maria bat darauf den Doctor, ihn unter vier Augen sprechen zu dürfen.
»Ich wollte Ihnen etwas mittheilen, sagte sie zu ihm, was ich bis heute meinem Bruder verbergen zu müssen glaubte. Er hätte sich jedenfalls nicht halten können, wenn er erfahren hätte, was ich weiß, und neues Unglück würde über uns hereingebrochen sein.
– Luigi besichtigt jetzt gerade die Cabinen der Mannschaft, erwiderte der Doctor. Wir wollen in den Salon hinuntergehen, Maria; dort könnt Ihr ohne Besorgniß gehört zu werden sprechen.«
Als sich die Thür des Salons hinter ihnen geschlossen hatte, nahmen Beide auf einem Divan Platz und Maria sagte:
»Carpena befindet sich hier, Herr Doctor!
– Auf Malta?
– Ja, seit wenigen Tagen.
– In La Vallette?
– Sogar im Manderaggio, wo wir wohnen.«
Der Doctor war sehr überrascht und befriedigt zugleich von dem soeben Gehörten. Dann fragte er:
»Täuscht Ihr Euch auch nicht, Maria?
– Nein, ich täusche mich nicht. Die Gestalt dieses Menschen haftet zu genau in meinem Gedächtnisse. Ich würde ihn noch nach hundert Jahren mit unfehlbarer Sicherheit wiedererkennen… Er ist hier.
– Luigi weiß es nicht?
– Nein, Herr Doctor, und Sie werden begreifen, warum ich meine Entdeckung vor ihm verheimlicht habe. Er würde diesen Carpena aufgesucht, ihn gereizt haben, vielleicht…
– Ihr habt vollständig richtig gehandelt, Maria. Mir allein gehört dieser Mann. Glaubt Ihr, daß er Euch wiedererkannt hat?
– Ich weiß es nicht, Herr Doctor. Zwei oder dreimal traf ich ihn in den Straßen des Manderaggio; er drehte sich stets mit einer mißtrauischen Aufmerksamkeit nach mir um. Wenn er mir nachgegangen ist, wenn er nach meinem Namen gefragt hat, so muß er auch wissen, wer ich bin.
– Er hat Euch nie angesprochen?
– Niemals.
– Und wißt Ihr vielleicht auch, warum er nach La Vallette gekommen ist, Maria, was er hier thut?
– Alles was ich sagen kann, ist, daß er inmitten der verworfensten Bevölkerung des Manderaggio lebt. Er verläßt kaum die verdächtigsten Wirthshäuser und sacht dort die verwegensten Banditen auf. Da er stets bei Gelde zu sein scheint, so glaube ich, daß er sich damit beschäftigt, die ihm ebenbürtigen Spitzbuben zum Eintritt in eine Verbrecherbande zu verleiten.
– Hier?
– Ich weiß es leider nicht, Herr Doctor.
– Ich werde es schon erfahren.«
Peter betrat jetzt gerade den Salon, ihm folgte der junge Fischer. Die Unterredung war also zu Ende.
»Nun, seid Ihr befriedigt von dem, was Ihr gesehen habt, Luigi? fragte Doctor Antekirtt.
– Der »Ferrato« ist ein Prachtschiff! erwiderte Luigi.
– Ich freue mich, daß er Euch gefällt, Luigi, entgegnete der Doctor, denn Ihr sollt mein zweiter Officier nur so lange bleiben, bis es die Umstände erlauben werden, Euch zum Kapitän zu machen.
– O, Herr Doctor!…
– Lieber Luigi, meinte Peter, denke daran, daß, wenn der Doctor etwas sagt, es auch sicher geschieht.
– Gewiß geschieht es, Peter, aber sage lieber mit Gottes Hilfe.«
Maria und Luigi verabschiedeten sich vom Doctor und von Peter, um in ihre kleine Behausung zurückzukehren. Es wurde verabredet, daß Luigi seinen Dienst erst nach der Installirung seiner Schwester an Bord antreten sollte. Maria’ sollte deshalb nicht allein im Manderaggio zurückbleiben, so wollte es der Doctor, weil es doch möglich war, daß Carpena in ihr die Tochter von Andrea Ferrato wiedererkannt hatte.