Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
»Dank, Freunde, erwiderte der Doctor. Habt Ihr in Euren Bettchen gut geschlafen?
– Wie die Siebenschläfer mit gutem Gewissen, antwortete Pointe Pescade vergnügt.
– Hat Kap Matifu schon sein erstes Frühstück eingenommen?
– Ja, Herr Doctor, eine Suppenschüssel voll schwarzen Kaffees mit zwei Kilo Schiffszwieback.
– Hm… Ein bischen hart dieser Zwieback.
– Pah! Ein Mann, der sonst Kieselsteine als Zwischenspeise zu verzehren pflegte…«
Kap Matifu wiegte sanft seinen dicken Kopf – das galt ihm als Zeichen, daß er die Antworten seines Kameraden billigte.
Der »Ferrato« dampfte inzwischen, nach dem expressen Befehle des Doctors mit voller Schnelligkeit weiter; zwei dicke Schaumstreifen bezeichneten weit hinaus die Bahn, welche sein Kiel durchschnitten hatte.
Die Eile war nur ein Zeichen der Klugheit. Schon hatte Kapitän Köstrik mit dem Doctor überlegt, ob es nicht gerathen wäre, in Malta anzulegen, deren Leuchtfeuer man voraussichtlich in der achten Abendstunde zu Gesicht bekommen würde.
In der That wurde das Aussehen der Luft immer bedrohlicher. Trotz einer gegen Sonnenuntergang stärker werdenden westlichen Brise stiegen die Dunstmassen aus dem Osten immer weiter herauf; sie breiteten sich bereits über drei Viertel des Himmels aus. Dicht über der Wasserfläche lagerte eine durchsichtige graue Schicht, die sich in ein tiefes Tintenschwarz verwandelte, wenn ein Sonnenstrahl sich durch ihre Risse stahl. Schon durchfurchten hier und da die Blitze lautlos die elektrische Wolkenschicht, deren oberer Rand sich zu immer dichter herunterhängenden Massen aufballte, die kaum ihre Contouren veränderte. Es schien sich ein Kampf zwischen den westlichen und östlichen Winden entspinnen zu wollen, noch fühlte der Mensch ihn nicht, doch das unruhig gewordene Meer schien schon den Zusammenstoß zu empfinden; die Wellen thürmten sich zur Sturzsee auf, sie zerstoben und begannen das Deck der Yacht zu überfluthen. Gegen sechs Uhr trat durch die, nunmehr den ganzen Himmel bedeckenden dichten Wolkenmassen völlige Dunkelheit ein. Der Donner grollte und feurige Blitze erleuchteten die undurchdringliche Finsterniß.
»Manövriren Sie nach Gutdünken, sagte der Doctor zum Kapitän.
Es wird nicht anders gehen, Herr Doctor, antwortete dieser. Auf dem Mittelmeer muß man auf alles gefaßt sein. Ost-und Westwind streiten um die Herrschaft und da sich das Gewitter hineinmischt, so fürchte ich, daß der Sieg dem ersteren bleiben wird. Das Meer wird jenseits von Gozzo oder Malta sehr aufrührerisch sein und uns wahrscheinlich etwas geniren. Ich will Ihnen nicht vorschlagen, gerade in La Vallette Schutz zu suchen, doch halte ich es für rathsam, hinter die westliche Küste der einen oder der anderen Insel zu flüchten.
– Thun Sie, was Sie für richtig halten,« sagte der Doctor.
Die Dampf-Yacht befand sich gerade auf der westlichen Seite von Malta, vielleicht noch dreißig Meilen von der Insel entfernt. Auf der Insel Gozzo, die etwas nordwestlich von Malta gelegen und von dieser Insel durch zwei schmale, durch ein kleines Eiland gebildete Meerarme getrennt ist, wird ein Leuchtfeuer erster Ordnung unterhalten, welches auf siebenundzwanzig Meilen hinaus seinen Schein wirst.
Noch vor Ablauf einer Stunde mußte der »Ferrato« trotz der Wuth des Meeres in den Bereich dieses Leuchtfeuers gelangen. Die erste Sorge galt dem Aufsuchen des letzteren; man mußte versuchen, ihm nahe zu kommen, ohne sich dem Lande zu sehr zu nähern, um während einiger Stunden Schutz vor dem Unwetter zu finden.
Das that denn auch Kapitän Köstrik; er traf aber die Vorsicht, die Schnelligkeit des »Ferrato« zu vermindern, um jedem Unfalle, sei es an der Maschine, sei es am Schnabel, vorzubeugen.
Doch selbst nach Verlauf einer vollen Stunde war das Leuchtfeuer von Gozzo noch nicht zu bemerken. Es war völlig unmöglich, Land zu erkennen, obgleich die Klippen dieser Insel zu einer ziemlich bedeutenden Höhe aufsteigen.
Das Gewitter tobte mit aller Heftigkeit. Ein warmer Regen fiel in Gestalt von dicken Tropfen hernieder. Die ganze Masse der am Horizont aufgethürmten Wolken wurde jetzt vom Wind mit rasender Schnelligkeit über den Himmelsraum dahingepeitscht. Dort, wo er sie zerriß, leuchteten plötzlich vereinzelte Sterne auf Augenblicke auf, um ebensobald wieder zu verschwinden. Drei gespaltene Blitze trafen die Wogen an ebensovielen Stellen; sie hüllten oft die Dampf-Yacht vollständig in ihren Schein ein und das Rollen des Donners hörte nicht mehr auf, die Luft zu erschüttern.
Bis dahin war die Lage der Seefahrer eine schwierige gewesen, jetzt sollte sie schnell eine beunruhigende werden.
Der Kapitän Köstrik, der sich mindestens bereits zwanzig Meilen im Bereiche des Leuchtfeuers der Insel Gozzo wußte, wagte es nicht, sich der Insel noch mehr zu nähern. Er konnte sogar befürchten, daß es nur die Höhe der Wellen war, die ihn hinderte, das Feuer zu bemerken. Er mußte jedenfalls der Insel sehr nahe sein. Lief man auf den isolirt stehenden Klippen am Fuße der Uferwände auf, so war man unrettbar verloren.
Gegen neun und ein halb Uhr entschloß sich der Kapitän, unter geringem Dampf zu fahren. Er wollte nicht ganz und gar stoppen, sondern die Schraube noch schwache Drehungen machen lassen; dadurch erzielte er, daß das Schiff sich dem Steuerruder gehorsam zeigte und seinen Schnabel stets den Wellen entgegenhielt. Unter diesen Umständen wurde die Yacht allerdings tüchtig zusammengerüttelt, sie entging aber gleichzeitig der Gefahr zu kentern.
Fast drei Stunden, bis gegen Mitternacht dauerte dieses Manövriren. Dann verschlimmerte sich die Situation noch mehr. Wie es häufig bei Gewitterstürmen der Fall ist, so auch hier. Der Kampf zwischen den sich gegenüberstehenden Oft-und Westwinden schwieg plötzlich. Die Brise wehte plötzlich wieder aus jener Richtung der Windrose, die sie Tags über innegehalten hatte, mit der Heftigkeit eines Windstoßes. Ihr durch die conträren Luftströmungen während einiger Stunden zurückgedrängtes Ungestüm gewann inmitten der elektrischen Garben des Himmels wieder die Oberhand.
»Feuer, auf Steuerbord« meldete ein Matrose der Wache, der am Fuße des Bugspriets auf Posten stand.
»Herum mit dem Steuer,« commandirte Köstrik, der von der Küste abtreiben wollte.
Er hatte ebenfalls das signalisirte Feuer gesehen. Es war ein Blickfeuer, also jedenfalls dasjenige von Gozzo. Es war gerade noch Zeit, nach der entgegengesetzten Richtung zu steuern, denn die conträren Winde entfesselten sich mit einer unvergleichlichen Wuth. Der »Ferrato« befand sich nur noch zwei Meilen entfernt von der Stelle, auf der plötzlich der Leuchtthurm aufgetaucht war.
Der Befehl »voll Dampf« wurde dem Maschinisten ertheilt, doch plötzlich arbeitete die Maschine langsamer, anstatt schneller.
Der Doctor, Peter Bathory, die Mannschaft, Alles was sich auf Deck befand, ahnte eine bedenkliche Beschädigung.
In der That war der Maschine ein Unfall zugestoßen. Das Ventil der Luftpumpe arbeitete nicht mehr, der Condensator functionirte schlecht, und nach einigen lärmenden Umdrehungen, die sich anhörten, als hätten einige Explosionen stattgefunden, stand die Schraube plötzlich still.
Ein solcher Schaden war, wenigstens in der Lage, in welcher sich das Schiff befand, nicht auszubessern. Man hätte die Pumpe abmontiren müssen, was mehrere Stunden Zeit beansprucht haben würde. In zwanzig Minuten schon konnte die von der Windsbraut niedergedrückte Dampf-Yacht gekentert sein.
»Hißt das Sturmsegel!… Hißt das große Focksegel!… Hißt das Marssegel!«