Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Doch ich trug nichts außer meinem Unterkleid, dem Korsett und Strümpfen – ich hatte meine Schuhe verloren, als sie mich zu dem Pferd schleiften. Die Strümpfe schienen die einzige Möglichkeit zu sein; doch die Strumpfbänder waren perverserweise diesmal ordentlich befestigt und im Moment für mich völlig unerreichbar.
Überall ringsum hörte ich die Geräusche von Männern und Pferden, und der Trupp teilte sich unter allgemeinem Rufen und Schubsen. Hodge trieb das Pferd schnalzend an, und wir begannen, uns erheblich schneller zu bewegen.
Mein loses Haar verfing sich an einem Zweig, als wir an einem Gebüsch vorbeistrichen, blieb eine Sekunde hängen und kam dann mit einem schmerzhaften Ping! wieder frei, als der Zweig abbrach, von meinem Wangenknochen abprallte und nur knapp mein Auge verfehlte. Ich sagte etwas sehr Rüdes, und jemand – wahrscheinlich Hodge – verpasste mir einen tadelnden Schlag auf den Hintern.
Ich sagte etwas noch viel, viel Rüderes, allerdings leise und mit zusammengebissenen Zähnen. Mein einziger Trost war der Gedanke, dass es kein großes Kunststück sein würde, eine Bande zu verfolgen, die eine so breite Spur aus abgebrochenen Zweigen, Hufabdrücken und umgedrehten Steinen hinterließ.
Ich hatte Jamie schon oft dabei beobachtet, wie er die Spur kleiner, schlauer Geschöpfe verfolgte, aber auch solcher, die groß und trampelig waren – und dabei gesehen, wie er im Vorübergehen die Rinde der Bäume und die Zweige der Büsche nach Kratzern absuchte und nach verräterischen … Haarbüscheln.
Auf der Seite des Pferdes, an der mein Haar hing, ging niemand. Hastig begann ich, mir Haare auszureißen. Drei, vier, fünf – reichte das? Ich streckte die Hand aus und zog sie durch einen Ilexstrauch; die Bewegung des vorbeigehenden Pferdes ließ die langen, lockigen Haare im Wind wehen, doch sie blieben fest in den gezackten Blättern hängen.
Das wiederholte ich noch viermal. Er würde doch sicher wenigstens eins der Zeichen sehen und daran erkennen, welcher Spur er folgen musste – wenn er nicht Zeit damit verlor, zuerst einer der anderen zu folgen. Doch dagegen konnte ich nichts tun, außer zu beten – und daran machte ich mich jetzt mit aller Hingabe, indem ich mit einer Fürbitte für Marsali und Monsieur l’Œuf begann, deren Not eindeutig sehr viel größer war als meine.
Wir bewegten uns eine ganze Weile weiter bergauf; es war vollständig dunkel, als wir etwas erreichten, was ein Berggipfel zu sein schien, und ich war halb bewusstlos, denn mein mit Blut gefüllter Kopf dröhnte, und mein Korsett drückte sich so fest in meinen Oberkörper, dass ich jede einzelne Fischbeinstange wie ein Brandzeichen auf meiner Haut spürte.
Mir blieb gerade noch die Energie, mich abzustoßen, als das Pferd stehen blieb. Ich landete als Häufchen Elend auf dem Boden, wo ich benommen sitzen blieb und mir die Hände rieb, die vom langen Hängen geschwollen waren.
Die Männer hatten sich zu einer kleinen Gruppe umeinander geschart und waren in ein leises Gespräch vertieft, doch zu dicht bei mir, als dass ich auch nur hätte daran denken können, ins Gebüsch davonzukriechen. Ein Mann stand in kurzer Entfernung von mir und behielt mich unablässig im Auge.
Ich spähte zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Halb fürchtete, halb hoffte ich, tief unten das Glühen eines Feuers zu sehen. Das Feuer würde jemandem aufgefallen sein – inzwischen würde jemand wissen, was geschehen war, in diesem Moment Alarm schlagen, die Verfolgung organisieren. Und doch … Marsali.
War sie schon tot – und das Baby mit ihr?
Ich schluckte krampfhaft und blinzelte angestrengt in die Dunkelheit – um die Tränen zu unterdrücken, aber genauso in der Hoffnung, irgendetwas zu sehen. Doch die Bäume ringsum waren dicht gewachsen, und alles, was ich erkennen konnte, war Tintenschwärze in unterschiedlichen Schattierungen.
Es gab kein Licht; der Mond war noch nicht aufgegangen, und die Sterne waren noch blass – doch meine Augen hatten mehr als genug Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen, und ich war zwar keine Katze, die im Dunkeln sehen konnte, doch ich konnte genug wahrnehmen, um eine grobe Schätzung vorzunehmen. Sie diskutierten und blickten dann und wann in meine Richtung. Vielleicht ein Dutzend Männer … wie viele waren es ursprünglich gewesen? Zwanzig? Dreißig?
Ich ballte zitternd meine Finger zur Faust. Mein Handgelenk war übel mitgenommen, doch das war es nicht, was mir gegenwärtig Sorgen machte.
Mir war klar – und ihnen daher wahrscheinlich ebenfalls –, dass sie nicht direkt auf das Whiskyversteck zuhalten konnten, selbst wenn ich in der Lage gewesen wäre, es bei Nacht zu finden. Ob Marsali nun überlebt hatte, um zu reden, oder nicht – ich spürte, wie mir dieser Gedanke die Kehle verschnürte –, Jamie würde wahrscheinlich begreifen, dass es die Eindringlinge auf den Whisky abgesehen hatten, und ihn bewachen lassen.
Hätten sich die Dinge anders entwickelt, hätten mich die Männer im Idealfall gezwungen, sie zum Versteck zu führen, den Whisky an sich gebracht und sich davongemacht, in der Hoffnung zu fliehen, bevor der Diebstahl entdeckt wurde. Hätten sie mich und Marsali am Leben gelassen, um Alarm zu schlagen?, fragte ich mich. Vielleicht, vielleicht auch nicht.
Doch in der Panik, die auf Marsalis Angriff folgte, war der ursprüngliche Plan zunichtegemacht worden. Was nun?
Die Gruppe der Männer löste sich auf, obwohl der Streit weiterging. Schritte kamen näher.
»Ich sag’s euch, das geht nicht gut«, sagte einer der Männer erhitzt. Aus seiner belegten Stimme schloss ich, dass es der Gentleman mit der gebrochenen Nase war, der sich durch seine Verletzung nicht abschrecken ließ. »Erledigt sie jetzt. Lasst sie hier; eher werden die wilden Tiere ihre Knochen verstreuen, als dass sie jemand findet.«
»Aye? Und wenn niemand sie findet, werden sie denken, dass sie immer noch bei uns ist, oder nicht?«
»Aber wenn uns Fraser einholt, und sie ist nicht da, wie soll er uns vorwerfen …«
Sie blieben stehen, vier oder fünf von ihnen, die sich um mich herum aufstellten. Ich ging hastig in die Hocke, und meine Hand umschloss reflexartig den nächstbesten, einer Waffe ähnlichen Gegenstand – einen unglücklicherweise reichlich kleinen Stein.
»Wie weit sind wir von dem Whisky entfernt?«, wollte Hodge wissen. Er hatte den Hut abgesetzt, und seine Augen glänzten im Schatten wie die einer Ratte.
»Ich weiß es nicht«, sagte ich und behielt meine Nerven – und den Stein – fest im Griff. Meine Lippe war wund und geschwollen von seinem Schlag, und ich musste die Worte sorgfältig aussprechen. »Ich weiß ja nicht einmal, wo wir sind.«
Das stimmte, obwohl ich es hätte erraten können. Wir waren seit mehreren Stunden unterwegs, meistens bergauf, und die Bäume hier waren Tannen und Fichten; ich konnte ihr Harz riechen, scharf und rein. Wir befanden uns oben auf dem Hang, wahrscheinlich in der Nähe eines kleinen Passes, der die Bergschulter durchschnitt.
»Erledigt sie«, drängte einer der anderen. »Sie nützt uns nichts, und wenn Fraser sie bei uns findet –«
»Halt’s Maul!« Hodge baute sich mit solcher Heftigkeit vor dem Sprecher auf, dass dieser unwillkürlich zurücktrat, obwohl er viel größer war. Als er keine Bedrohung mehr darstellte, ignorierte ihn Hodge und packte mich am Arm.
»Spielt mir nicht die Harmlose vor. Ihr sagt mir jetzt, was ich wissen will.« Er machte sich erst gar nicht die Mühe, ein »sonst« anzufügen – etwas Kaltes glitt mir über die Brust, und eine Sekunde später folgte das Beißen des Schnittes, und Blut begann daraus aufzuquellen.
»Jesus H. Roosevelt Christ!«, sagte ich eher überrascht als vor Schmerz. Ich entriss ihm meinen Arm. »Ich sage Euch doch, ich weiß ja nicht einmal, wo wir sind, Idiot! Wie soll ich Euch da sagen, wo irgendetwas anderes ist?«
Er kniff verblüfft die Augen zu und hob instinktiv das Messer, argwöhnisch, als dächte er, ich wollte mich auf ihn stürzen. Als er begriff, dass ich das nicht vorhatte, sah er mich finster an.