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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Qandrasseh rührte sich nicht, aber Rob schloß aus seinem Blick, daß dem Imam weder die Geschichte noch die Reaktion zusagte, die sie bei der Menge ausgelöst hatte.

»Beeile dich, Inghiliz«, forderte er ihn kühl auf, »und erkläre, was du zu Füßen des einzigen wahren Schahs erbittest.« Rob holte tief Luft, um sich zu beruhigen. »Da auch geschrieben steht, daß jemand, der ein Leben rettet, für dieses verantwortlich ist, bitte ich den Schah um Hilfe, um aus meinem Leben das Bestmögliche zu machen.« Er berichtete von seinem vergeblichen Versuch, als Student in Ibn Sinas Schule für Ärzte aufgenommen zu werden. Die Geschichte von dem Panther hatte sich jetzt bis in die entfernteste Ecke der Halle herumgesprochen, und das große Auditorium erbebte unter dem andauernden Donner stampfender Füße.

Zweifellos war Alä-al-Dawla an Furcht und Gehorsam gewöhnt, aber vielleicht war es lange her, daß er so spontanen Beifall erhalten hatte. Nach seinem Gesichtsausdruck zu schließen war dieser Lärm für ihn süße Musik.

»Ha!« Der einzige wahre Schah beugte sich vor, seine Augen strahlten, und Rob wußte, daß er sich nun an ihn und den Vorfall mit dem Panther erinnerte.

Der Schah sah Rob einen Augenblick lang in die Augen, dann wandte er sich an den Imam und sagte zum erstenmal seit Beginn der Audienz etwas.

»Gib dem Hebräer einen calaat«, befahl er.

Aus einem unerfindlichen Grund lachten die Zuschauer.

»Ihr kommt mit mir!« forderte ihn ein ergrauter Offizier auf. Er würde in wenigen Jahren ein alter Mann sein, aber jetzt war er noch mächtig und stark. Er trug einen flachen Helm aus poliertem Metall, ein Lederwams über einer braunen Militärtunika und Sandalen mit Lederriemen. Seine Narben sprachen für ihn: die Schwielen von geheilten Schwertwunden leuchteten weiß auf den kräftigen braunen Armen, sein linkes Ohr war plattgedrückt und sein Mund war wegen einer alten Stichwunde unter seinem rechten Backenknochen verzerrt.

»Ich bin Khuff«, stellte er sich vor, »Hauptmann der Stadtwache. Mir überträgt man Fälle wie den Euren.« Er betrachtete Robs wunden Hals und lächelte. »Der carcan?« »Ja.«

»Der carcan ist schon eine Sache«, stellte Khuff bewundernd fest. Sie verließen die Halle der Säulen und gingen zu den Ställen. Auf der großen, grünen Wiese mit den Pylonen galoppierten jetzt Männer auf Pferden aufeinander zu, wirbelten herum und schwangen lange Lanzen wie umgekehrte Hirtenstäbe, doch keiner stürzte aus dem Sattel. »Versuchen sie einander zu treffen?«

»Sie versuchen einen Ball vor sich herzutreiben. Es ist ein Ball- und Stockspiel für Reiter.« Khuff musterte ihn.

»Es gibt vieles, was Ihr nicht wißt. Wißt Ihr über den calaat Bescheid?« Rob schüttelte den Kopf.

»Wenn früher jemand die Gunst eines persischen Herrschers errang, nahm der Monarch einen calaat ab, eines seiner Kleidungsstücke, und verlieh es ihm als Zeichen seiner Zufriedenheit. Der Brauch hat sich durch die Zeiten als Zeichen höchster Gunst erhalten. Heute besteht dieses königliche Kleidungsstück aus einer regelmäßigen finanziellen Zuwendung, einem Gewand, einer Wohnstatt und einem Pferd.« Rob war wie benommen. »Dann bin ich reich?« Khuff lächelte, als wäre Rob verrückt. »Ein calaat ist eine einzigartige Auszeichnung, die aber in ihrem Wert sehr unterschiedlich ausfallen kann. Der Gesandte einer Nation, die im Krieg Persiens enger Verbündeter war, würde kostbare Kleidung, einen Palast, der fast so prächtig wie das Haus des Paradieses wäre, und einen feurigen Hengst erhalten, dessen Geschirr und Putz mit Edelsteinen verziert sind. Aber Ihr seid kein Gesandter.«

Hinter den Ställen befand sich ein großer Pferch, in dem sich zahllose Pferde tummelten. Der Bader hatte immer gepredigt, daß man, wenn man ein Pferd aussucht, nach einem Tier mit dem Kopf einer Prinzessin und dem Hinterteil einer fetten Hure Ausschau halten solle. Rob erblickte eine Grauschimmelstute, auf die diese Voraussetzungen zutrafen und aus deren Augen außerdem Stolz sprach. »Kann ich diese Stute haben?« fragte er und zeigte auf sie. Khuff versuchte erst gar nicht, ihm zu erklären, daß es sich bei der Stute um ein Pferd für einen Fürsten handelte, aber ein spöttisches Lächeln verlieh seinem entstellten Mund ein seltsames Aussehen.

Der Stadthauptmann band ein gesatteltes Pferd los und schwang sich darauf. Er ritt in die bewegte Herde und holte geschickt einen ansprechenden, aber recht temperamentlosen braunen Wallach mit kurzen, stämmigen Beinen und kräftigen Schultern heraus.

Khuff zeigte ihm ein großes Brandmal in Form einer Tulpe auf dem Schenkel des Pferdes. »Alä Shahansha ist der einzige Pferdezüchter in Persien, und das ist sein Brandzeichen. Dieses Pferd kann gegen ein anderes, das ebenfalls die Tulpe trägt, eingetauscht, aber nie verkauft werden. Sollte es sterben, schneidet das Stück mit dem Brandzeichen heraus, und ich werde Euch dafür ein anderes Pferd geben.« Khuff überreichte ihm eine Börse, die weniger Münzen enthielt, als Rob durch den Verkauf des Spezificums bei einer einzigen Vorstellung verdient hätte. In einem Lagerhaus in der Nähe suchte der Stadthauptmann, bis er einen brauchbaren Sattel aus Armeebeständen fand. Die Kleidung, die er Rob gab, war gut gearbeitet, aber einfach. Sie bestand aus einer losen Hose, die man an der Taille mit einer Schnur festhielt, leinenen Wickelgamaschen, die über die Hose um die Beine gewunden wurden und wie Bandagen vom Knöchel bis zum Knie reichten, einem losen Hemd, dem khamisa, das bis zu den Knien über die Hose herabhing, einer Tunika, die äurra hieß, zwei Mänteln für die verschiedenen Jahreszeiten - einem kurzen, leichten und einem langen, mit Schaffell gefütterten -, einer qalansuwa genannten kegelförmigen Turbanstütze und einem braunen Turban. »Gibt es den auch in Grün?«

»Dieser ist besser. Der grüne Turban ist aus schlechtem, schwerem Stoff; er wird nur von Studenten und den Ärmsten der Armen getragen.«

»Ich will dennoch so einen«, beharrte Rob. Khuff gab ihm einen billigen grünen Turban und warf ihm einen scharfen, verächtlichen Blick zu.

Diener mit wachsamen Augen beeilten sich, den Befehl des Hauptmanns auszuführen, als er sein persönliches Pferd verlangte. Es war ein arabischer Hengst, der der grauen Stute ähnelte, die sich Rob ausgesucht hätte. Rob trug einen Stoffsack mit seinen neuen Kleidern und ritt auf dem frommen braunen Wallach wie ein Edelmann den ganzen Weg bis zur Jehuddijeh hinter Khuff her. Sie ritten lange durch die engen Straßen des Judenviertels, bis Khuff endlich bei einem kleinen Haus aus alten, dunkelroten Ziegeln anhielt. Zum Haus gehörten ein kleiner Stall, der nur aus einem Dach auf vier Pfosten bestand, und ein winziger Garten, in dem eine Eidechse Rob anblinzelte und dann in einer Spalte der Steinmauer verschwand. Vier verwilderte Aprikosenbäume warfen ihren Schatten auf Dornenbüsche, die ausgeschnitten gehörten. Drinnen gab es drei Räume: einen mit einem Fußboden aus gestampftem Lehm und zwei mit Böden aus den gleichen roten Ziegeln wie die Wände, in denen die Füße vieler Generationen flache Mulden' ausgetreten hatten. Die vertrocknete Mumie einer Maus lag in einer Ecke des Raumes mit dem Lehmboden, und ein schwacher, widerlicher Fäulnisgestank hing in der Luft.

»Es gehört Euch«, verkündete Khuff. Er nickte einmal und ging dann fort.

Noch bevor das Geräusch der Hufe seines Pferdes verklungen war, gaben Robs Knie nach. Er sank auf den Lehmboden, legte sich dann auf den Rücken und wußte im nächsten Augenblick genauso wenig wie die tote Maus.

Er schlief achtzehn Stunden lang. Als er erwachte, waren seine Glieder verkrampft; sie schmerzten wie bei einem alten Mann mit steifen Gelenken. Das Haus befand sich nicht gerade im besten Zustand -Sprünge durchzogen den Lehmverputz der Wände, und eines der Fensterbretter zerbröckelte - aber seit seine Eltern gestorben waren, stellte dies die erste Behausung dar, die wirklich ihm gehörte.

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