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Der Medicus

Электронная книга - «Der Medicus». Краткое содержание книги:

Noah Gordon
Der Medicus
Roman

Titel der Originalausgabe »The Physician«
Copyright © 1986 by Noah Gordon

Aus dem Amerikanische übersetzt
Von Willy Thaler
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Rob verzog das Gesicht und ging nachdenklich weiter; es gab vieles, das er nicht wußte, zu vieles, das er nicht verstand. Er blieb vor einem uralten Gebäude stehen, an das eine Moschee mit einem schlanken Minarett angebaut war, und er fragte einen Studenten mit grünem Turban, in welchem Gebäude Medizin gelehrt werde.

»Im dritten Gebäude. In dem hier unterrichten sie Theologie, im nächsten islamisches Recht, dort Medizin.« Er deutete auf ein kuppelgekröntes Gebäude aus weißem Stein. Es ähnelte der in Isfahan vorherrschenden Architektur so vollständig, daß Rob es von nun an im Geist als die Große Titte bezeichnete. Daneben befand sich ein mächtiges einstöckiges Gebäude, das eine Inschrift als den maristan, den Ort für Kranke, bezeichnete.

Interessiert schritt er, statt die maärassa zu betreten, die drei Marmorstufen des maristan hinauf, um durch das schmiedeeiserne Tor zu gelangen.

Das Haus der Kranken hatte einen Innenhof mit einem Becken, in dem farbige Fische schwammen; unter Obstbäumen standen Bänke. Von dem Hof gingen wie Sonnenstrahlen Korridore aus, entlang denen sich große Räume befanden. Die meisten waren belegt. Rob hatte noch nie so viele Kranke und Verletzte an einem Ort gesehen, und er ging verwundert umher.

Die Patienten waren nach ihren Leiden zusammengefaßt: Ein langgestreckter Raum war voller Männer, die gebrochene Gliedmaßen hatten; hier Opfer von Fiebern; dort - er rümpfte die Nase, es war offensichtlich der Raum für Patienten mit Durchfall und anderen Krankheiten der Ausscheidungsorgane. Doch nicht einmal in diesem Raum war die Atmosphäre so bedrückend, wie man eigentlich hätte annehmen müssen, denn überall gab es große Fenster, bei denen der Luftzug nur durch leichte Stoffe behindert wurde, die gespannt worden waren, um die Insekten fernzuhalten. Rob bemerkte am oberen und unteren Ende der Fensterrahmen Rinnen, in die im Winter Fensterläden geschoben werden konnten.

Die Wände waren weiß getüncht, die Fußböden aus Stein und somit leicht zu reinigen; im ganzen Gebäude war es im Vergleich zu der beträchtlichen Hitze, die draußen herrschte, angenehm kühl. In jedem Raum plätscherte ein kleiner Springbrunnen.

Rob blieb vor einer geschlossenen Tür stehen, weil ihm das Schild auffiel, das daran hing: äar-al-maraftan, Aufenthaltsort für jene, die

gefesselt werden müssen. Als er die Tür öffnete, erblickte er drei nackte Männer mit rasierten Köpfen und gefesselten Armen, die mit um den Hals gelegten Eisenringen an ein hohes Fenster gekettet waren. Zwei waren schlafend oder bewußtlos zusammengesunken, doch der dritte starrte vor sich hin und begann zu heulen wie ein Tier, während Tränen über seine schlaffen Wangen liefen. »Es tut mir leid«, sagte Rob ruhig und verließ die Verrückten. Er kam zu einer Halle mit operierten Patienten und wäre gern an jedem Bett stehengeblieben, um die Verbände abzunehmen und die Stümpfe und die Wunden zu untersuchen.

Die Vorstellung, jeden Tag so viele interessante Patienten untersuchen zu können und von großen Gelehrten unterrichtet zu werden - das war, als verbrächte man seine Jugend in der Dasht-i-Kavir und entdeckte dann, daß einem eine Oase gehörte.

Das Schild am Eingang zur nächsten Halle überforderte seine beschränkten Persischkenntnisse, doch als er eintrat, erkannte er rasch, daß dieser Raum für die Krankheiten und Verletzungen der Augen reserviert war. In der Nähe stand ein kräftiger Krankenpfleger zitternd vor einem scheltenden Mann. »Es war ein Irrtum, Meister Karim Harun«, beteuerte der Pfleger. »Ich dachte, Ihr hättet mir aufgetragen, Eswed Omars Verbände abzunehmen.«

»Du Eselsschwanz«, schimpfte der andere angewidert. Er war jung und athletisch schlank, und Rob sah zu seiner Überraschung, daß er den grünen Turban eines Studenten trug, obwohl sein Benehmen so selbstbewußt war wie das eines Arztes, dem das Krankenhaus gehörte, in dem er arbeitet. Er wirkte wie ein gutaussehender Edelmann und war der schönste Mann, den Rob je zu Gesicht bekommen hatte, keine Spur feminin, mit glänzendem schwarzem Haar und tiefliegenden braunen Augen, die jetzt vor Zorn blitzten. »Es war dein Fehler, Rumi. Ich habe dir aufgetragen, die Verbände von Kuru Jesidi zu wechseln, nicht die von Eswed Omar. Ustad Juzjani hat Eswed Omar persönlich den Star gestochen und mir befohlen, dafür zu sorgen, daß seine Verbände fünf Tage lang nicht angerührt werden. Ich habe den Befehl an dich weitergegeben, und du hast ihn nicht befolgt, du Scheißkerl. Wenn nun Eswed Omar nicht vollkommen klar sehen wird, und wenn al-Juzjanis Zorn auf mich fällt, werde ich dir deinen fetten Arsch aufschneiden wie einen Lammbraten.«

Er bemerkte Rob, der wie angewurzelt neben ihm stand, und runzelte die Stirn. »Was wollt Ihr?«

»Mit Ibn Sina darüber sprechen, wie ich in die Ärzteschule kommen kann.«

»Ihr seid schon drin. Erwartet Euch der Arzt aller Ärzte?« »Nein.«

»Dann müßt Ihr ins erste Stockwerk des nächsten Gebäudes gehen und Hadschi Davout Hosein aufsuchen, den stellvertretenden Leiter der Schule. Der Leiter ist Rotun ben Nasr, ein entfernter Vetter des Schahs und General der Armee, dem es um die Ehre geht und der nie die Schule betritt. Hadschi Davout Hosein leitet sie, an ihn müßt Ihr Euch wenden.« Dann wandte sich der Student Karim Harun wieder verärgert an den Pfleger: »Glaubst du jetzt, du grüne Scheiße auf einem Kamelhuf, daß du Kuru Jesidis Verbände wechseln kannst?«

Zumindest einige Medizinstudenten wohnten in der Großen Titte, denn entlang des Korridors des düsteren Erdgeschosses lagen viele kleine Zellen. Durch eine offene Tür in der Nähe des Treppenaufganges sah Rob zwei Männer, die offenbar einen gelben Hund aufschnitten, der auf dem Tisch lag und wohl schon tot war. Im ersten Stockwerk ersuchte er einen Mann mit einem grünen Turban, ihm den Weg zum hadschi zu zeigen, und so wurde er schließlich in das Dienstzimmer Davout Hoseins geführt.

Der stellvertretende Schulleiter war ein kleiner, magerer, noch nicht alter Mann, der sich wichtigtuerisch gab, ein Gewand aus gutem, grauem Stoff und den weißen Turban des Mannes trug, der die Pilgerfahrt nach Mekka hinter sich hat. Er hatte kleine, dunkle Augen, und auf seiner Stirne zeugte eine deutlich sichtbare zahiha von seiner Frömmigkeit.

Nachdem sie salams ausgetauscht hatten, hörte er sich Robs Gesuch an und musterte ihn eingehend. »Ihr sagt, daß Ihr aus England gekommen seid. Aus Europa! Ah, welcher Teil von Europa ist das?« »Der Norden.« >•.

»Der Norden Europas. Wie lange habt Ihr gebraucht bis zu uns?« • »Nicht ganz zwei Jahre, Hadschi.«

»Zwei Jahre? Wie außergewöhnlich! Euer Vater ist ein Medicus, ein Absolvent unserer Schule?«

»Mein Vater? Nein, Hadschi.« »Hm. Vielleicht war es ein Onkel?«

»Nein. Ich werde der erste Medicus in meiner Familie sein.« Hosein zog die Stirn in Falten. »Wir haben hier nur Studenten, die aus alten Arztfamilien stammen... Besitzt Ihr Empfehlungsschreiben, Dhimmi?«

»Nein, Meister Hosein.« In Rob stieg Panik auf. »Ich bin ein Baderchirurg. Ich habe bereits eine gewisse Ausbildung...« »Keine Empfehlung von einem unserer berühmten Absolventen?« fragte Hosein erstaunt.

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