Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Es war schwer, auf der schmalen Unterlage Halt zu finden. Dan ging in die Hocke und klammerte sich mit beiden Händen an einem lockeren Rest der Wandverkleidung fest. Neben ihm sackte die Kabine Stück für Stück tiefer und verschwand im Schacht. Dan hätte sich gern davon überzeugt, ob er dem Sender näher gekommen war, doch er hatte keine Hand frei, um den Apparat aus der Tasche zu ziehen und auf Empfang zu schalten. Im Moment war es wichtiger, aus der Reichweite der Schuttlawinen zu kommen, die immer noch herunterprasselten. Vorsichtig balancierend, leicht an der herabhängenden Kunststoffplatte abgestützt, schob er sich nach links, wodurch er in die Nähe einer Schutthalde kam, über die er festen Boden zu erreichen hoffte. Es gelang ihm, bis auf zwei Meter an sie heranzukommen, er befand sich schräg über ihr, und es blieb ihm keine andere Wahl als zu springen. Er lockerte den Griff seiner Finger, ließ los, schwang sich zur Seite … er spürte nachgiebige Massen, sank bis zur Hüfte ein, dann geriet er ins Gleiten … fuhr talwärts, eine Stange rammte sich in seinen Bauch, er versuchte auszuweichen … ein Berg von Gerümpel kollerte über ihn hinweg … er riß sich die Wange an einem zerfetzten Drahtnetz auf … war eingezwängt … kam zum Stillstand, rang nach Atem … den Mund hatte er voll Fasern, er hustete und keuchte beim Versuch, sie auszuspucken.
Als er sich aufrichten wollte, fühlte er Widerstand. Auf einem Bein lag ein harter Gegenstand, er war eingeklemmt … Glücklicherweise war das Gerümpel nicht schwer, hatte sich noch nicht verfestigt, und als er sich ein wenig erholt hatte, konnte er es beiseite schieben, den Untergrund lockern und das Bein befreien. Er kroch noch ein wenig tiefer … hier war der Boden sicherer, er fühlte einen weichen Belag, darunter festes Material.
Nicht weit von ihm ein polterndes Geräusch, Bewegung – plötzlich erschien wieder die Aufzugskabine, fuhr schwingend und schwankend aufwärts … stieß an einen querliegenden, umgestürzten Pfeiler … dieser gab nach, eine Seite hob, die andere senkte sich, eine Staubwolke … dann ein lautes Splittern und Krachen … ein Aufschlag, tief unten. Als sich der Staub verzogen hatte, war die Kabine nicht mehr da, das Tragseil baumelte leer im Schacht.
Dan griff nach dem Sender – er hatte immer wieder danach gefühlt und darauf geachtet, ihn nicht zu verlieren. Jetzt drückte er die Empfangstaste, »… hier spricht Sonja, hallo, Dan, wir rufen dich, peile unseren Sender an, folge der Richtung, hallo Dan, hier spricht …«
Er schaltete wieder aus. Der Empfang war merklich besser geworden. Es konnte nicht mehr weit sein.
Wieder ein entnervendes Anlaufen gegen abgleitende Trümmerberge – dort oben eine dunkle Nische … vielleicht der rettende Ausschlupf. Er erreichte ein Stück festen Bodens, befand sich nun über den Lampen, ihr Schein erfaßte ihn nur noch indirekt im Widerschein der Schuttberge und Trümmer, und das reichte nicht aus, um zu erkennen, welche der dunklen Öffnungen zwischen größeren Stücken in Sackgassen und welche weiter führten.
Er horchte in das Dunkel hinein – ein Rieseln, und ein Schleifen, sonst nichts. Plötzlich berührte ihn etwas kühl an der Wange: Zugluft! Ein untrügliches Zeichen: Hier mußte eine Verbindung bestehen. Mehr auf die tastenden Hände als auf die Augen angewiesen, kroch Dan in den Hohlraum hinein. Es wurde enger, er mußte sich niederlegen. Er rief: »He! Pavel, Tibor! Hört ihr mich?«
Keine Antwort. Was blieb übrig, als es zu riskieren! Auf dem Bauch liegend schob er sich vorwärts. Erst bemühte er sich, die Decke nicht zu berühren, dann wurde sie so niedrig, daß sich an seinem Rücken Bruchstücke bewegten. Er hoffte nun, daß sich kein schwerer Brocken lockerte, dessen Last ihn erdrücken würde.
Sein Atem ging laut wie ein Blasebalg. Er mußte rasten. Als er weiterkriechen wollte, stieß er auf Widerstand. Hier war der Hohlraum zu Ende.
Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Müdigkeit überkamen ihn. Er legte den Kopf auf die vorgestreckten Hände und schloß die Augen.
Nach einer Weile hatte er sich so weit erholt, um den Sender aus der Tasche nesteln zu können. Sonjas Stimme war jetzt ganz nah. »… Dan, wir rufen dich, peile unsern Sender an …«
So knapp vor dem Ziel durfte er nicht aufgeben. Er richtete sich auf, so gut es ging, und versuchte den Schutt, der ihm den Weg versperrte, beiseite zu räumen. Den Sender hatte er eingesteckt, aber nicht abgeschaltet, und so begleitete ihn Sonjas warme Stimme: »Hallo, Dan, wir rufen dich …«
Die übereinandergetürmten Massen waren ineinander verkeilt, doch bei seiner Wühlarbeit brachte er sie in Bewegung, neben ihm brach ein schweres Stück durch, er hörte es nur, er arbeitete nun im Finstern, kümmerte sich nicht darum, fürchtete sich nicht mehr, war abgestumpft, gleichgültig geworden, und doch konnte er nicht aufgeben, solange er Sonjas Stimme hörte.
Dann ertastete er vor sich ein Hindernis, eine Querstrebe, die ihm den Weg versperrte, und ohne Rücksicht darauf, unter herabstürzenden Massen begraben zu werden, riß und zerrte er daran … sie ließ sich beiseite drücken … eine harte Kante drückte sich schmerzhaft in seinen Rücken – dazwischen Sonjas Stimme: »… wir rufen dich …« – er stemmte sich gegen die Last, der Druck ließ nach … oben fahles Licht, ein unregelmäßig gezackter grauer Fleck, er stemmte sich hoch –, überwand die Enge, wand sich hinaus …
Er stand in einer zerstörten Halle, deren Ausmaße nicht überblickbar waren. Keine Menschen. Das Licht kam von rechts oben – hier bestand direkte Verbindung mit dem freien Außenraum.
Sonjas Stimme war jetzt so laut, daß die Geräusche aus dem Lautsprecher mitunter in knackendes Röcheln umschlugen.
Dan regelte die Lautstärke tiefer. Er wartete, bis sich sein dampfender Körper ein wenig beruhigt hatte. Dann hob er den Sender und änderte die Richtung der Antenne … horchte … stieg vorsichtig über den Schutt hinweg … nun wies die Antenne schräg gegen den Boden.
Er bückte sich … ein Block aus Schaumstoff … er hob ihn: ein grünleuchtendes Abstimmauge, daneben regte sich etwas – eine Tonbandschleife lief über den Teller eines Magnetophons, daneben, durch ein Kabel verbunden, der Sender.
Dan schaltete ihn aus. Sein Blick fiel auf eine Mappe, die halb unter den Trümmern begraben war. Er hob sie auf und öffnete sie.
Ihre Gesichter waren verschlossen, sie fragten gleichgültig, uninteressiert, oft schien es, als hörten sie seinen Antworten nicht zu, wären in Gedanken schon bei der nächsten Frage, bemüht, ein langwieriges und unergiebiges Programm möglichst schnell durchzuziehen, sich der Aufgabe, die von vornherein keine Aussicht auf Erfolg bot, korrekt zu entledigen.
Nie horchten sie auf, nie waren sie überrascht, es schien, als wüßten sie seine Antworten von vornherein, als wäre dies alles nur die überflüssige Wiederholung einer längst beherrschten Testroutine, nur eine lästige, wenn auch nötige Arbeit.
Nötig – wozu?
Durchleuchten
examinieren
Check-Listen durchgehen
Vergleichen
validieren
Experiment am lebenden Material
Auswerten
Benoten
freigeben, sperren …
Das war die Aufgabe – wie bei den Autopiloten der Flugzeuge, den Druckkesseln der Reaktoren, den Schaltblöcken der Computer – technische Überwachung, Ausschaltung des Sicherheitsrisikos.
So geschah es. Sie vermuteten nichts, erwarteten nichts, waren sich stillschweigend einig. Aber sie mußten es tun, und wenn es noch so schwierig war, mußten ihre Listen durchgehen, jeden Punkt aufgreifen, jeder Spur nachgehen, auch wenn sie ins Leere führte, nur, um nichts zu übersehen, um mit Sicherheit ausschließen zu können, um Bedenken zu beseitigen.
Für die da draußen war es genauso sinnlos wie für ihn hinter der Mauer, und wahrscheinlich war längst beschlossen, welche Maßnahmen zu ergreifen wären, welche Schritte zu unternehmen, um die Situation ins Lot zu bringen, das Geschehen zu bereinigen, die Unruhe, die er erregt hatte, zu eliminieren.