Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Als die Nachricht zu den Mannschaften durchsickerte, kam es zum offenen Aufstand. Von da an sind wir nur mangelhaft informiert. Die uns mitgegebenen Leute hatten sich längst in alle Winde zerstreut; wir waren allein. Als wir Schüsse hörten, versuchten Pavel und Josef die Ursache festzustellen. Sie drangen bis zum Obersten vor; nur wenige Leute, vielleicht dreißig Mann, waren bei ihm geblieben. Er ließ gerade die Granatwerfer auf ein Gebäude richten, das von Meuterern besetzt war. Durch das Megaphon forderte er sie auf, zurückzukommen, und als niemand seiner Aufforderung folgte, setzte er die Granaten ein. Er hatte gedroht, jedes Gebäude zu zerstören, in dem er Deserteure vermutete, und es sah so aus, als wollte er seine Drohung wahr machen. Das wissen wir von Pavel. Der Oberst hatte ihn und Josef zu den Kampfmannschaften eingeteilt, hatte ihnen verboten, sich zu entfernen. Am Abend versuchten sie, sich durchzuschlagen. Pavel kam davon, doch Josef wurde getroffen – ein Schuß von den Wachmannschaften. In den Kopf. Er war sofort tot.
Schon am nächsten Tag merkten wir, daß sich in der Stadt etwas tat. Zuerst stellten wir fest, daß es keine verschlossenen Räume mehr gab. Alle Türen waren offen, alle Räume leer. Dann funktionierte die Schienenbahn nicht mehr, und wenig später – wir hatten es uns angewöhnt, Essen und Trinken aus den Gebäuden zu holen – fiel die automatische Versorgung aus. Und dann erlosch das Licht. Wir waren auf die Sonne angewiesen, die matt durch das Kunststoffdach schien. Es gab wieder Tag und Nacht.
An diesem Tag begann der Zerfall der Stadt und zugleich ein erbarmungsloser Kampf um die Vorräte. Wir hatten genug davon, denn die Soldaten unseres Begleittrupps hatten alles zurückgelassen, wir brachten es in Sicherheit, legten einige Depots an und versuchten, uns zu verstecken. Als der Zusammenbruch der Stadt begann, mußten wir sie mehrmals verlagern, zwei Depots wurden trotzdem verschüttet, im Moment haben wir noch drei.
Bei einer solchen Verlagerung kam es zu einem Überfall, der Greg das Leben kostete. Wir hatten uns einen Raum in der ersten Etage für ein provisorisches Lager ausgesucht. Eine langsam anwachsende Schutthalde drohte den Zugang zu verschütten, und wir mußten es räumen. Dabei hatten sie uns aufgespürt. Sie haben Greg erschlagen und einen Teil der Vorräte fortgeschleppt. Dann warteten sie, bis wir anderen zurückkehrten, und beschossen uns. Es gab einen kurzen Feuerwechsel, dann flüchteten sie. Tibor bekam einen Schuß in die Schulter – nicht weiter schlimm, trotzdem bedenklich, weil wir kaum noch Medikamente und Verbandsmaterial haben. Er liegt neben mir auf dem Haufen zerrissener Schaumstoffmatten. Er läßt dich grüßen.
Die Schüsse sind inzwischen seltener geworden – es sieht so aus, als wären nicht mehr viele Menschen übriggeblieben. Trotzdem müssen wir vorsichtig sein.
Die Gebäude brechen unaufhaltsam in sich zusammen – es gibt keine Terrasse mehr, man klettert über Schutthänge, watet im Staub.
Tibor braucht Pflege, er hat Fieber. Wir haben beschlossen, uns zur Peripherie hin durchzuschlagen; vielleicht gibt es irgendwo Medikamente.
Wir installieren den Sender hier und lassen ihn laufen - für den Fall, daß du doch noch kommst. Du wirst ihn hören und kannst ihn anpeilen. Wir lassen auch einige Reserven zurück – Notrationen und Wasser; viel haben wir nicht mehr. Wenn du kommst, können wir uns über Funk miteinander in Verbindung setzen. Wir haben noch ein Sendegerät. Alles Gute!
Sonja
Pavel
Tibor
Wie war Ihre Reaktion auf diese Nachricht? Sie hatten nicht nur Ihre Kameraden verloren, sondern Sie mußten auch erkennen, daß Sie Ihre Aufgabe nicht erfüllt hatten, daß die Aktion gescheitert war. Wurde Ihnen das bewußt?
Ich weiß nicht mehr, was ich gefühlt und gedacht habe. Ich war müde und ausgebrannt. Lange saß ich in der riesigen Halle. Es war dunkel, nur durch ein Loch irgendwo hoch oben fiel Tageslicht ein.
Was haben Sie dann unternommen?
Ich suchte die Vorräte, von denen im Brief die Rede war. Halb von Staub und krümeligen Massen bedeckt, fand ich einen Seesack mit Wasserflaschen und Proviant und noch einigen Kleinigkeiten – Schmerztabletten, ein Verbandspäckchen, eine Taschenlampe …
Faßten Sie sofort den Plan, die Stadt zu verlassen, sich durchzuschlagen?
Das erschien mir selbstverständlich … ich habe nichts anderes erwogen.
Aber Sie hatten doch erfahren, daß die Stadt durch einen Strahlengürtel abgeriegelt war. Waren Sie darüber informiert, daß die Sperre inzwischen aufgehoben war?
Die Stadt war aufgegeben, geräumt. Es befanden sich keine Menschen mehr hier, es gab nichts zu schützen. Eine Sperre war sinnlos geworden.
Haben Sie sich mit dem Geigerzähler davon überzeugt, daß die Strahlung aufgehört hatte?
Nein.
Wie kamen Sie durch die Wand der Kuppel?
Ich fand eine gesprengte Öffnung – offenbar jene des Trupps, den der Oberst ausgeschickt hatte.
Sie hatte sich nicht wieder geschlossen?
Nein.
Bemerkten Sie Spuren von Menschen?
Die Zerstörungen waren deutlich genug. Ich meine Spuren von lebenden Menschen.
Nein.
Haben Sie nach Menschen gesucht?
Ich bin nachts gewandert, um nicht gesehen zu werden. Ich besaß Vorräte.
Hatten Sie keine Hoffnung mehr, die Angehörigen Ihres Teams noch am Leben zu finden?
Von Zeit zu Zeit schaltete ich den Sender ein – im Äther herrschte absolute Stille. Nicht einmal ein Hintergrundrauschen. Die Abschirmung war absolut.
War das nicht ein Widerspruch zu Ihrer Annahme, man hätte die Strahlungssperre aufgehoben?
Darüber habe ich nicht nachgedacht.
Wieviel Tage vergingen, bis Sie mit uns Verbindung aufnehmen konnten?
Vor der Stadtgrenze fand ich einen unversehrten Ballonwagen. Ich belud ihn mit Treibstoff – es gab genug davon. Nur die Nahrungsmittel waren knapp, und das Wasser. Die letzten Tage trank ich vom Kühlwasser. Ich brauchte zehn oder elf Tage, genau weiß ich es nicht mehr. Ich hatte nichts mehr zu essen und trank immer wieder Kühlwasser. Der Motor wurde rasch heiß, doch ich achtete genau auf die Temperatur. Zuletzt konnte ich immer nur zehn Minuten fahren, mußte lange Pausen einlegen. Die Sonne brannte, es regnete nie. Ich überlegte, ob ich den letzten Wasservorrat entnehmen und zu Fuß weitergehen sollte. Ich zapfte das Wasser ab und hatte wieder etwas Vorrat. Dann kam ich auf die Idee, Kerosin in den Kühlwassertank zu schütten. Ich wußte, was ich riskierte. Aber es ging – die Kühlung funktionierte wieder besser. Wenn ich langsam fuhr, konnte ich längere Strecken überwinden. Bis der Tank plötzlich explodierte. Ich ließ mich seitlich aus dem Wagen hinausfallen. Unter der Motorhaube schlug eine Stichflamme heraus. Der Wagen fuhr weiter, eine Fackel. Er brannte aus. Ich ging zu Fuß weiter. Zwischendurch hatte ich immer wieder versucht, Funkverbindung aufzunehmen. Ich hatte nur noch wenig Hoffnung, aber für mich stand fest: Ich würde mich so lange weiterschleppen, als es möglich war. Dann auf einmal normale Funkgeräusche, Stimmen, Musik. Ich rief auf unserer Welle und erhielt Antwort. Eine Stunde später holte mich ein Hubschrauber ab.
Wir kommen noch einmal auf Ihre Erlebnisse in der Zentrale zurück. Vielleicht bilden sie den Schlüssel zum ganzen Geschehen, vielleicht haben sie auch keinerlei Bedeutung. Wie stehen Sie dazu? Meinen Sie, daß es sich um wirkliche Vorfälle gehandelt hat oder daß Sie einer Sinnestäuschung zum Opfer gefallen sind?
Ich weiß nicht, ob man diese Frage so eindeutig beantworten kann.
Sie müssen sich doch irgendein Urteil gebildet haben. Ich würde es nicht als Täuschung bezeichnen.
Was Sie und andere an den Projektionswänden erlebten, waren doch offenbar künstlich gelenkte Halluzinationen.