Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
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Das tat ich.
Und Sie fanden einen Weg durch die Trümmer. Hatten Sie Schwierigkeiten?
Es ging.
Bestand Einsturzgefahr?
Ja.
Hatten Sie Angst? Oder hatten Sie irgendwie das Gefühl, daß Ihnen nichts passieren könnte?
Ich hatte ganz gewöhnliche Angst, wie jeder andere, der sich in Gebäuden aufhält, die jeden Moment zusammenstürzen können.
Sondermeldung: Die Aktionen in der Zone Null wurden erfolgreich abgeschlossen. Die Verluste sind gering. Bis auf ein Sonderkommando, das mit einer speziellen Aufgabe betraut war - 186 Mann, 11 Offiziere –, kehrten alle Angehörigen der Besatzungstruppe wohlbehalten zurück. Wir ehren die Gefallenen.
Nun ist die Zone Null der Freien Welt angegliedert. Nun umfaßt diese die Gesamtheit aller Kontinente, das gesamte feste Land von Meer zu Meer. Damit ist das Ziel erreicht, das wir uns vor Jahrhunderten gestellt hatten – die Welt ist frei von Unterdrückung, Ausbeutung und Sklaverei.
Neue Aufgaben stehen bevor. Der weite Bereich der Zone Null muß der menschlichen Besiedlung erschlossen werden. Wir fanden eine leblose Wildnis vor, für Menschen unbewohnbar. Die Experten sind dabei, ein Programm auszuarbeiten, das die völlige Integration dieser Gebiete einleitet. Am Anfang stehen klimatechnische Maßnahmen. Durch eine künstliche Wolkendecke soll die gefährliche Sonnenstrahlung abgeschirmt und die Abdiffusion der Feuchtigkeit unterbunden werden. Künstliche Satelliten werden für gleichmäßiges Licht und die Beseitigung der archaischen nächtlichen Dunkelheit sorgen. Nach einer einmaligen chemischen Düngung, dem Absprühen von Präparaten durch ferngelenkte Flugkörper, werden Bodenbakterien für die Aufbereitung der Oberflächenschichten angepflanzt. Sobald der Bereich den Menschen zugänglich ist, wird der Aufbau von Kolonien beginnen, von denen aus die zweite Phase der Eingliederungsmaßnahmen, die Besiedlung durch Menschen, eingeleitet wird.
Der Zustand, in dem wir die Zone Null vorfanden, ist ein Zeugnis kapitalistischer Mißwirtschaft. Statt ihre Aufgabe am Allgemeinwohl der Bewohner zu messen, hat sich die Führung industriellem Profitdenken unterworfen. Es erfolgte eine Konzentration der Einwohner in den Städten, wo sie mit Hilfe eines mißbrauchten Kommunikationssystems dem Konsumzwang widerstandslos unterworfen waren. Da auf dem Sektor der Gebrauchsgüter kein unbeschränkter Bedarf zu erzwingen ist, wich die Industrie auf Freizeitrequisiten aus. Dadurch kam es zu einem Rückfall in kindische Vergnügungssucht, zu einer Degeneration, die um so ungehemmter vor sich gehen konnte, als durch die Isolierung ein Abschluß vor freiheitlichem Gedankengut mit politischer Verantwortlichkeit erreicht war. Hier liegt ein typisches Beispiel für den Mißbrauch technischer Machtmittel vor, der bis zur Selbstzerstörung reicht.
Unser Einschreiten fiel in die letzte Phase des Zusammenbruchs. Die meisten Siedlungen waren leer, die Gebäude zerfallen, die Maschinen zerstört, von den Bewohnern keine Spur. Nur eine einzige Stadt wurde noch vor ihrer Auflösung besetzt, und somit wissen wir etwas mehr über die Lebensweise ihrer Bewohner, die ein Gegenstand soziologischer Untersuchungen der nächsten Jahre sein wird. Wir sind überzeugt, daß wir daraus Wissen schöpfen werden, das dem weiteren Aufbau unserer freien Gesellschaft nützlich ist.
Die Integration der Zone Null unterschied sich wesentlich von der Eingliederung jener verschiedenartigen Land- und Stadtkulturen, die wir in letzter Zeit vorgenommen haben. Dort fanden wir Menschen, die zwar unterdrückt und unterentwickelt waren, die aber nach kurzen Intervallen der Umschulung glücklich waren, in unserer Gesellschaft mitarbeiten zu dürfen. Ein solches Resultat war uns in der Zone Null nicht beschieden; das Land ist tot, die Bewohner ausgestorben. Wir bedauern, daß wir nicht früher eingreifen konnten, doch wurde das durch die wohlbegründete hermetische Abriegelung durch automatische Abwehrwaffen verhindert. Nun ist es dank des Fortschritts unserer Technik doch gelungen, diesem Land die Freiheit zu bringen, und wenn sie auch den ursprünglichen Bewohnern nicht mehr zugute kommen kann, so wird sie doch das Symbol für jene Pioniere sein, die unsere Zivilisation dort ansiedeln und pflegen werden. In diesem Sinn sehen wir die Aktion als vollen Erfolg an, als einen Markstein in der Geschichte der Freien Welt.
Abend. Die Befragung war zu Ende.
Dan starrte an die makellos saubere Decke – grün getönt, nach den Richtlinien der Psychologen. Es waren die Zweifel, die ihn nicht schlafen ließen.
Die Besetzung – ein Erfolg?
So hatten sie es bekanntgegeben, aber es war zu einfach, und sie wußten es, oder sie ahnten es zumindest. Hatten auch sie Zweifel? Waren sie anders ausgebildet? Kritisch, skeptisch, argwöhnisch? Hatten sie andere Vorstellungen vom perfekten Menschen? Oder gab es viele Arten von Perfektion?
War die anerzogene Sicherheit nur Mittel zum Zweck? Lehrte man andere das Zweifeln? Braucht man unterschiedliche Charaktere in einem System? Züchtet man auch Unruhestifter und Verbrecher? Waren auch diese mit sich selbst zufrieden? Gab es Dimensionen der Psyche, die ihm verschlossen waren? Konnte er sich noch umstellen? Konnte er ein Stadium erreichen, in dem er über allen diesen Möglichkeiten stand? Und wie konnte er dieses Stadium erreichen – von hier aus, seinem Gefängnis?
Die Besetzung der Zone Null – ein Erfolg. Die Einwohner degeneriert, ausgestorben. Ihre Technik sinnlos, jetzt zerstört. Der Weg zur Weiterentwicklung abgeschnitten. Oder: War es die Freie Welt, die den statischen Zustand konservierte und die Tore zur Entfaltung verschlossen hielt? Gehört das Risiko zum Fortschritt, und soll man es auf sich nehmen? Und zu welchem Zweck?
Gewinnmaximierung
optimale Effizienz
perfekte Funktionalität
Einheit von Körper und Geist
Konkordanz
Harmonie der Emotionen
Gefüge, Netze, Graphen, Funktionen, Systeme
beschreibbar durch Zahlen
mathematisierbar
quantifizierbar
schematisierbar
automatisierbar
verifizierbar …
Jedes Problem läßt sich stellen, aufbereiten, lösen, doch stets bleibt die Entscheidung offen: Was soll man optimieren? Was ist das Ziel?
die Technik?
die Partei?
die Gesellschaft?
der Mensch?
Regelkreise, Wirkungsgefüge, Abhängigkeiten, feedback, Einschwingvorgänge, polydirektionale Information, hochkomplexe Systeme, Symbiose Mensch-Maschine …
transparent oder transparent zu machen, zu differenzieren und zu integrieren, zu analysieren und zu synthetisieren … keine logischen Schwierigkeiten, jedenfalls keine prinzipiellen … Wahrscheinlichkeiten, Strukturredundanz, irreversible Prozesse, Maschen, Schleifen, Sackgassen, das Weltgeschehen als Entropieprozeß, Urknall und Wärmetod, Aggregation und Evolution, Zeit und Antizeit, Periodizitäten, Antinomien, aber was nutzt das, wer fordert das Resultat, kommen wir so weiter, laufen wir im Kreise, wer deutet die Antwort, wem nützt das Ergebnis? Wir können alles, aber wir wissen nicht wozu …
Ich habe mich nicht mehr in der Gewalt, sagte sich Dan. Habe ich mich verändert? Bin ich nicht mehr derselbe? Finde ich noch zu mir zurück? Ich verliere den Boden unter den Füßen. Ich muß kühl bleiben, das ist die Methode, die ich beherrsche, die Situation nüchtern durchdenken …
Die Besetzung … ein Erfolg?
Sie hatten Land gewonnen, Luftraum, Berge, Flüsse, Sand, zerfallene Gebäude, Bodenschätze, Siedlungsgebiet, noch war es leer, doch das Programm lief an, würde zum Ziel führen, doch was dann?
Sie hatten schon mehrere Städte besetzt, moderne Kuppelbauten, primitive Siedlungen, hatten sie einbezogen in ihre Organisation, die Menschen zu gewinnen versucht und gewonnen …