Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Der Posten war nicht mehr zu sehen, nur noch sein Schatten auf dem Betonboden, dann nichts mehr.
Dan durchstieß die Stege. Er zog die Platte zu sich herein, lehnte sie geräuschlos gegen die Stuhllehne, er legte sich auf den Bauch, kroch hindurch. Von außen griff er noch einmal hinein, zog den Tisch vor … vielleicht bemerkten sie die Öffnung nicht, suchten ihn zunächst innerhalb der Station …
Mit seinen leichten Schuhen bewegte er sich lautlos. Er brauchte keine zehn Sekunden, um bis zum Tor zu laufen. Es war nicht verschlossen.
Er sah sich um. Der Posten befand sich noch auf der gegenüberliegenden Seite, im Hintergrund der Halle.
Dan öffnete das Tor einen Spalt, schlüpfte hindurch, zog es hinter sich zu … vor ihm lag eine weite ebene Fläche, die Schatten von großen, quaderförmigen Bauwerken zeichneten sich gegen den Himmel ab. Im Osten graute der Morgen.
Das Gebäude der militärwissenschaftlichen Akademie; er kannte jeden Stein, jeden Winkel. Er wußte, wie man hier herauskam, ohne gesehen zu werden.
Er atmete die frische, kühle Luft einige Male tief ein und lief dann geduckt den Schatten einer Mauer entlang.
CS … bei einer ferngesteuerten Bohrung in der Zone Null wurden in einer Tiefe von 4600 Metern erdölhaltige Sande angefahren. Es besteht gute Aussicht, daß sich das Terrain als fündig erweist. Auch die Kultivierungsarbeiten gehen planmäßig voran. Ein Trupp von Biologen, der für kurze Zeit mit Schutzanzügen abgesetzt wurde, stellte die Ausbreitung von Flechten fest – erste Anzeichen einer Besiedlung durch Pflanzen und damit einer Urbarmachung des Bodens. Daran zeigen sich die ersten positiven Auswirkungen der Klimatisierungsmaßnahmen, insbesondere der Erhöhung der Feuchtigkeit. Nach wie vor ist der Aufenthalt in der Zone Null für Menschen gefährlich und deshalb verboten.
Geschwächt durch die Folgen radioaktiver Verbrennungen ist heute der letzte Überlebende des Expertenteams unter Oberst Kunsky in der Isolierstation der Akademie der Infektion durch einen unbekannten Virus erlegen, die er sich während der Forschungsarbeiten in der Zone Null zugezogen hatte. Die Verbreitung des Virus wurde verhindert, Grund zur Besorgnis unter der Bevölkerung besteht nicht.
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Einsteins Erben
Es war still. Kein Laut drang durch die schalldicht verglasten Fenster. Nur durch die Tür kam hin und wieder ein Geräusch: das Schleifen von Gummirädern auf dem Kunstharzboden, das Knistern der imprägnierten Kittel, ein geflüstertes Wort. Über allem lag der Geruch eines Desinfektionsmittels. Er hing in den Teppichen, an Büchern und Zimmerpflanzen, in den Haaren des Arztes. Mit der Luft aus der Klimaanlage wehte er in den letzten Winkel.
»Hier ist sie!« murmelte die Krankenschwester. Sie zog eine Lochkarte aus der Kartei. »Forsythe, James. 26 Jahre alt. Abteilung R 2.«
»Abteilung R 2?« fragte der blasse, schwarzhaarige Mann, der zusammengekrümmt im orangebezogenen Wannensessel saß.
Der Arzt griff nach der Karte. »R 2 – Abteilung für geisteskranke Verbrecher. Wenn Sie etwas von ihm erfahren wollen, dann beeilen Sie sich, Inspektor. Er wird heute nachmittag umorientiert.«
»Kann ich ihn sehen?«
»Kommen Sie!«
Der Arzt ging voran, eilig, aber gemessenen Schrittes, Herr über 600 Operationsautomaten, und sich dessen bewußt. Der Inspektor folgte ihm.
Die blanken Stahltüren öffneten sich vor ihnen, bewegt durch verborgene Servomotoren, und glitten dann lautlos wieder zusammen. Sie reagierten auf das Magnetmuster in der Steckplakette des Arztes, das sie mit Tausenden ultrakurzen Stromimpulsen abtasteten. Lange, leere Gänge taten sich vor ihnen auf, ein Lift brachte sie ins Souterrain.
»Sehen Sie: hier!« Der Arzt war vor einer Tür stehengeblieben. In Augenhöhe befand sich ein Guckloch. Der Inspektor blickte in eine Kammer, die nichts als ein Rollbett und eine sanitäre Anlage enthielt. Die Wände waren grau und glänzten. Auf der Schaumgummimatratze saß ein junger Mann, der in keiner Weise auffällig wirkte. Er hatte eine hohe, zerfurchte Stirn und einen tiefsitzenden Mund, der ihm einen leicht verächtlichen oder auch trauernden Zug verlieh.
»Halten Sie ihn nicht unter Somnalin?« fragte der Inspektor.
»Er ist nicht gefährlich.«
»Wie äußert sich seine Krankheit?«
»Wir haben schon einige Experimente mit ihm gemacht«, antwortete der Arzt. »Warten Sie, vielleicht kann ich es Ihnen demonstrieren …« Er blickte sich um, dann trat er in einen in der Wand eingelassenen Schrank. Er holte einen Staubsauger heraus, einen stromlinienförmigen Körper, mit einer mattbraunen Kunststoffhülle überzogen – und natürlich versiegelt.
Der Arzt öffnete die Tür und schob das Gerät mit dem Fuß hinein. Ohne ein Wort zu sprechen, zog er die Tür wieder zu. Dann winkte er seinem Besucher und deutete auf das Guckloch. Nach einer Weile fragte er: »Was sehen Sie?«
»Nichts«, flüsterte der Inspektor. Der Arzt lehnte sich an die Wand. »Na, dann warten Sie ein wenig.« Er zog einen Corphorin-Spray aus der Tasche, schob den Ärmel zurück und suchte eine Stelle, die noch nicht vernarbt war. Er legte das Mundstück auf und spritzte sich das belebende Nervenmittel ein. »Wollen Sie auch?« fragte er.
Der Inspektor hob aufmerksamkeitheischend die Hand. »Er bewegt sich. Er steht auf … bückt sich … Er hebt das Gerät auf, setzt es auf das Bett.«
»Gut!« sagte der Arzt mit leichtem Triumph in der Stimme. »Gleich werden Sie es erleben!«
»Er dreht es um, beugt sich darüber … jetzt verdeckt er mir die Sicht!«
»Lassen Sie mich … aha … dachte ich mir’s doch! Jetzt können Sie sich überzeugen!«
Wieder trat der Inspektor an die Luke. »Hat er …? Mein Gott, er hat das Siegel erbrochen!« Er drehte sich um. »Sie lassen das zu, Doktor?«
Der Arzt zuckte die Achseln. »Dieser Raum, mein Lieber, ist extraterritoriales Terrain – gewissermaßen. Hier sind die Gesetze der Ethik außer Kraft gesetzt. Aber gerade jetzt sollten Sie aufpassen!«
Der Inspektor blickte wieder in den Raum, an die Tür gelehnt, gebückt, wie unter einer Last. Er schwieg.
»Nun?« fragte der Arzt.
Sein Gast schob mit einer entschlossenen Bewegung den Deckel vor die Öffnung. – Er war bleich und seine Stimme zitterte, als er sagte: »Es ist unfaßbar. Pervers. Wahnwitzig. Er hat die Schrauben gelöst, den Deckel abgehoben. Er hat etwas herausgezogen, Draht, einen Glaskolben, etwas Glänzendes aus Metall … Es ist ekelhaft – ich kann es nicht ertragen.«
»Nun ja«, sagte der Arzt. »Er ist ein schwerer Fall. Deshalb wird er auch behandelt.« Er wandte sich um. »Das wär’s also.«
»Er darf nicht umorientiert werden«, sagte der Inspektor gepreßt.
Der Arzt fuhr herum. Seine Augen mit den vergrößerten Pupillen waren weit geöffnet. »Ich verstehe nicht. Der Mann ist entartet. Krank, ein perverser Verbrecher, wenn Sie so wollen. Er vergeht sich hemmungslos an den Gesetzen. Er verletzt den Anstand und die guten Sitten. Hören Sie, Inspektor …«
Der Polizeibeamte zog ein Schriftstück aus seiner Brusttasche. Das vollsynthetische Papier entfaltete sich von selbst zu einem bedruckten und mit Prägestempeln versehenen Dokument. Der Arzt überflog es.
»Das ist seltsam«, sagte er. »Die Polizei schützt einen Wüstling vor dem Gerichtsvollzug. Darf ich den Grund wissen?«
»Warum nicht? Aber behalten Sie ihn für sich.« Der Inspektor trat näher an den Arzt heran. Er flüsterte: »Es tut sich etwas Geheimnisvolles, ja, es verläuft, es geschieht … wie soll ich es ausdrücken …?«
»Was geschieht?« unterbrach ihn der Arzt ungeduldig.
Der Inspektor machte eine vage Handbewegung. »Vieles. Vereinzelt. Im großen und ganzen Kleinigkeiten. In der Gesamtheit eine Bedrohung: Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Untergrundbahn hat sich in den letzten sechs Wochen um 20 Stundenkilometer erhöht. Die neuesten Videoboxen laufen monatelang ohne Beeinträchtigung ihrer Leistung. Das Material der Laufbänder ist praktisch unverwüstlich geworden. Die Glaswände für die Selbstbau-Eigenheime sind unzerbrechlich und dennoch klar, und so weiter und so weiter. Sie verstehen, was das bedeutet?«