Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Sie waren in neue Bereiche gedrungen, waren darauf eingestellt, in neue Bereiche einzudringen, aber es waren nur Landstriche gewesen, Gebirge, Täler, Inseln, mit Grenzen und Ufern, Flecken auf der Landkarte, Räume, absteckbar, mit dem Metermaß meßbar, zu kartographieren …
Sie hatten fremdartige Menschen kennengelernt (aber waren sie wirklich so fremdartig?), hatten seltsame Gebräuche studiert (aber waren sie wirklich so seltsam?), Ungewohntes gesehen, Unwahrscheinliches festgestellt, aber nichts, was Probleme aufwarf, nichts, was Bedenken auslöste, nichts, was Zweifel aufkommen ließ …
Die Invasion – ein Erfolg?
Sie hatten das Land besetzt, aber nur einen Teil des Raums, in den sie eingedrungen waren. Das Problem war nicht das Land mit seinen Gegenständen – das Problem lag in Bereichen, die nicht mit dem Meterstab aufzugliedern oder mit der Waage zu gewichten waren. Es lag in der Art des Denkens, im Raum des Wissens, in der Kenntnis von Möglichkeiten, die außerhalb historischer Kategorien liegen. Hier ist der Ort der Auseinandersetzung, hier die Stelle des Eingriffs, und hier hatten sie versagt – nichts von dem bemerkt, was unter der Oberfläche lag:
Die Zone Null war kein materieller Bereich.
Oder hatten sie es bemerkt und einen perfekten Rückzug vollzogen? War er die Störungsquelle im Fluchtplan, und ging es darum, diese Quelle zum Versiegen zu bringen?
Konnte er dem Gleichgewicht schaden?
Er, ein einzelner, abgeschlossen, abgeschirmt, ohne Freunde, ohne Schutz?
Daß sie ihn so sorgfältig hüteten, deutete auf das Gegenteil. Und es lag nahe: Er besaß das Wissen. Er hatte keine Aufzeichnungen und keine Tagebücher, keine Mikrofilme und keine Tonbänder, aber er trug das gesamte Material in seinem Gehirn, und dieses Material kann so gefährlich sein wie ein Funke. Wissen ist der gefährlichste Explosivstoff. Eine Erfindung, die Kenntnis eines Zusammenhangs – und schon wandert die Wirkung in die Umgebung, einer Stoßwelle gleich, wühlt auf, sucht Widerstand, erntet Begeisterung … eine Methode wird aufgegriffen, erprobt, verbessert, nachgeahmt, eine Idee bricht sich Bahn, weist Richtungen, reißt ein und baut auf …
Er war eine potentielle Gefahr.
Jetzt, da er es einsah, fühlte er Angst in sich hochsteigen, doch sie lähmte ihn nicht, sondern spornte ihn an.
Der einzige Weg führte durch den Schutt bergauf. Er versuchte es erst in der Mitte der Halde, doch dabei war ihm das Glück nicht gewogen – sofort kamen die lockeren Massen in Bewegung, und er hatte Mühe, rechtzeitig beiseite zuspringen, wenn größere Trümmer herabpolterten. Staubfontänen wirbelten auf und trübten das spärliche Licht. Er wiederholte den Versuch an anderer Stelle, seitlich, die Wand entlang, versetzte auch von hier aus Bruchstücke in Bewegung, doch sie rollten und glitten gegen die Mitte und gefährdeten ihn nicht. Dennoch rutschte er immer wieder aus, die Massen lagen locker, waren viel leichter als Gestein, so daß der geringste Anlaß genügte, sie in Bewegung zu versetzen.
Es waren über zehn Meter zu überwinden. Mit einem Sprung erreichte Dan die Deckenkante der nächsten Zwischenetage und brachte damit die ganze Halde in Bewegung. Er griff mit beiden Händen zu und klammerte sich fest, doch er hatte keinen Boden mehr unter den Füßen, überdies regneten nun auch noch von oben Scherben auf ihn herab, und der Staub behinderte seinen Atem.
Mit einem Klimmzug zog er sich hoch, winkelte einen Ellbogen ab, brachte ein Bein hoch, konnte sich hinaufschwingen. Er beeilte sich, vom Rand der Decke wegzukommen, doch hier oben war es düster, er stolperte und stürzte in einen Haufen verbogener Metallstäbe.
Er zog das Sendegerät aus der Brusttasche, kippte den Schalter, ein Summen – das Gerät arbeitete noch.
»Hallo, Sonja, hier spricht Dan. Hörst du mich? Ich gehe auf Empfang!«
»Hallo, Dan, wir rufen dich, peile unsern Sender an, folge der Richtung, hallo Dan …«
Sie schien ihn nicht zu hören, aber die vertraute Stimme gab ihm Mut.
Dan sah sich um – hier brannte nur noch eine einzige Röhre, und sie schien beschädigt zu sein; in unregelmäßigen Abständen goß sie ihr fahlweißes Licht aus, dann erlosch sie wieder für einige Sekunden. Es dauerte eine Weile, bis er sich an die mangelhafte Beleuchtung gewöhnt hatte. Obwohl auch hier Schuttberge lagen, schien es nach mehreren Seiten weiterzugehen, doch für Dan war es wichtiger, höher hinauf zu gelangen. Auf diese Weise mußte er früher oder später aus dem Gebäudekomplex hinauskommen, und dann hatte er das Ärgste hinter sich. Dieser Raum bot keine Möglichkeit dazu, und darum begann er die Nachbarräume zu durchforschen. Jetzt machte es sich übel bemerkbar, daß es hier keine Treppen gab, sondern nur Aufzüge. An einer Stelle war die Wand durchbrochen und das Stützgerüst freigelegt, man sah geknickte Röhren und zerrissene Kabel, Schienen, Teile von Förderanlagen. Dan fand einen herabhängenden Kabelstrang und kletterte in die Höhe. Es war leichter, als er gedacht hatte, er konnte sich an Querstreben abstützen, doch stürzte er fast in die Tiefe, als das Kabel plötzlich nachgab und um zwei Meter absackte.
Auf der nächsten Etage angekommen, ruhte sich Dan erst einmal aus, bevor er den Sender wieder in Betrieb setzte. Sonja meldete sich sofort, eine Spur lauter – zweifellos kamen sie einander näher.
Der Raum, in dem sich Dan jetzt aufhielt, war stark beschädigt, die Decke war herabgestürzt, die Trümmer auf dem Boden verstreut, eine Seite war von Schutt verschlossen, die andere schien unbeschädigt, doch gab es keine Türen, durch die er diesen Ort hätte verlassen können, um sich nach weiteren Möglichkeiten zum Aufstieg umzusehen.
Er suchte sorgfältig, aber er fand nichts. Nur eine Tür stand offen; sie führte in einen Schacht, offenbar den Schacht eines Lifts. Dan wollte sich schon abwenden, als er das glühende Lämpchen an der Schalttafel sah. Sollte der Lift noch funktionsfähig sein?
Er drückte die Taste.
Irgendwo unten hörte er ein Knirschen und Prasseln. Zwei Seile bewegten sich – das Unerwartete geschah, der Lift war intakt.
Der Lärm kam näher. Mitunter polterte es, krachte es, dröhnte es … ein Schuttberg tauchte auf – das Dach der Kabine war von Trümmern bedeckt, die sie mit emporhob. Mit einem ohrenzerreißenden Kreischen kam der Kasten zum Stillstand. Das sah nicht vertrauenerweckend aus, aber Dan blieb nichts anderes übrig – er wagte den Schritt und hielt sich am Tragseil fest. Er drückte den Start-Knopf für das oberste Stockwerk, und nach einem Ächzen, das spürbar durch die Seile lief, setzte sich der Lift in Bewegung.
Die Kabine hing schief, von Zeit zu Zeit streifte sie die Wand, schlug auf, prallte ab – es polterte und ruckte, von oben prasselte Schutt auf das Dach, darunter auch größere Brocken, die die Kabine aus dem Gleichgewicht brachten und an ihrem Tragseil schwanken ließen.
Es war nicht festzustellen, wieviel Stockwerke die Fahrt überwand … sie endete mit einem gewaltigen Stoß, der Dan gegen die Wand warf. Jetzt schien ein schweres Gewicht auf dem Dach zu lasten, die Kabine sackte zentimeterweise ab.
Vor Dan ein mattes Leuchten – es ging von einigen Xenonröhren aus, die an einem Stück unversehrter Decke erhalten geblieben waren. Sonst war wenig von Decken und Wänden zu sehen – der Raum war nichts als eine zufällig offengebliebene Höhle in einem Berg von Schutt.
Die Rucke, mit denen die Liftkabine tiefer sackte, folgten nun rascher aufeinander, an der offenen Vorderfläche, am Ausstieg, der nun ins Leere führte, fielen Schuttfontänen vorbei, eine Wolke von Staub füllte die Kabine. Der Aufenthalt wurde immer gefährlicher, und als der nächste Ruck nun so stark war, daß er Dan in die Knie zwang, wartete dieser nicht länger ab, sondern schwang sich auf eine Querstrebe, einen Teil des Stützgerüsts, das nun entkleidet war wie ein Skelett.