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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Man hatte sie von einem Glas mit Perrierwasser abgenommen, aus einem Büro der Gemeinschaftsbank in Zürich entfernt. Es waren die Fingerabdrücke von Jason Borowskis rechter Hand.

Der Europäer nahm das Brandyglas und drückte das Band mit der Geduld des Künstlers, der er war, um das Glas herum und zog es dann vorsichtig wieder ab. Er hob das Glas. Die Abdrücke zeichneten sich vor dem Licht der Tischlampe perfekt ab.

Er trug das Glas in eine Ecke des Parkettbodens und ließ es fallen. Dann kniete er nieder und untersuchte die Scherben, einige entfernte er, den Rest fegte er unter den Vorhang. Sie würden reichen.

Kapitel 21

«Später«, sagte Borowski und warf ihr den Koffer aufs Bett.»Wir müssen hier weg.«

Marie saß im Sessel. Sie hatte den Artikel erneut gelesen; Satz für Satz sich eingeprägt. Sie konzentrierte sich völlig; war sich der Richtigkeit ihrer Analyse immer sicherer.

«Glaub mir, Jason. Jemand schickt uns eine Nachricht.«

«Wir können später darüber sprechen; wir sind hier schon viel zu lange geblieben. In einer Stunde liegt diese Zeitung überall im Hotel aus, und die Morgenzeitungen sind vielleicht noch schlimmer. Du fällst in jeder Hotelhalle auf, und in dem hier haben dich schon zu viele Leute gesehen. Hol deine Sachen.«

Marie erhob sich und blieb stehen. Sie zwang ihn, sie anzusehen.»Wir werden später über einige Dinge reden müssen«, sagte sie mit fester Stimme.»Du wolltest mich verlassen, und ich möchte den Grund wissen.«

«Ich hab' dir doch gesagt, daß ich dir das erklären würde«, antwortete er und sah ihr in die Augen.»Ich möchte, daß du es weißt. Aber im Augenblick ist es am allerwichtigsten, daß wir hier herauskommen. Hol deine Sachen, verdammt!«Sie kniff die Augen zusammen, sah ihn voll an. Dann tat sein plötzlicher Ärger seine Wirkung.

«Ja, natürlich«, flüsterte sie.

Sie fuhren mit dem Lift in die Halle. Als sie unten ankamen, hatte Borowski das Gefühl, in einem Käfig zu stecken, für alle sichtbar und verletzbar. Auf der linken Seite befand sich die Rezeption, der Portier saß dahinter, einen Stapel Zeitungen vor sich liegen. Es war die Zeitung, die Jason in den Aktenkoffer gelegt hatte, den Marie jetzt trug. Der Portier las ganz vertieft, stocherte mit einem Zahnstocher zwischen den Zähnen. Und hatte für nichts Augen außer dem letzten Skandal.

«Geh einfach durch«, sagte Jason.»Bleib nicht stehen, geh einfach zur Türe. Wir treffen uns draußen.«

«O mein Gott«, flüsterte sie, als sie den Portier sah.

«Ich zahle sofort.«

Das Klicken von Maries Absätzen auf dem Marmorboden ließ den Portier von seiner Zeitung hochblicken.

«Ist sehr schade«, sagte er auf Französisch,»aber leider muß ich noch heute nacht nach Lyon fahren. Runden Sie einfach auf volle fünfhundert Franc auf. Der Rest ist für die Angestellten.«

Der Portier reichte die Rechnung über die Theke. Jason zahlte und bückte sich nach den Koffern, blickte auf, als er den überraschten Laut hörte, der sich dem aufgerissenen Mund des Portiers entrang. Der Mann starrte den Stapel Zeitungen zu seiner Rechten an, und seine Augen ruhten auf der Fotografie von Marie St. Jacques. Er blickte zu den Glastüren des Eingangsportals; Marie stand draußen auf dem Pflaster. Jetzt wanderte sein verblüffter Blick zu Borowski; der Groschen war gefallen, und plötzlich lahmte den Mann eine panische, tödliche Angst.

Jason ging schnell auf die Glastüren zu, schob die Schulter vor, um sie aufzustoßen, und sah zur Rezeption zurück. Der Portier griff nach einem Telefon.

«Schnell!«rief er Marie zu.»Such ein Taxi!«

Sie fanden eines auf der Rue Lecourbe, fünf Blocks vom Hotel weg. Borowski spielte die Rolle eines unerfahrenen amerikanischen Touristen und benutzte das gebrochene Französisch, das ihm in der Valois-Bank so gute Dienste geleistet hatte. Er erklärte dem Fahrer, daß er und seine kleine Freundin auf ein oder zwei Tage Paris verlassen wollten, irgendwohin fahren, wo sie nicht gestört würden. Vielleicht wüßte der Fahrer ein paar Vorschläge, und sie würden sich dann einen auswählen. Das tat er bereitwillig.»Es gibt einen kleinen Gasthof außerhalb von Issy-les-Moulineaux, er nennt sich >La Mai-son Carree<«, sagte er.»Und dann in Ivry sur Seine, das könnte Ihnen auch gefallen. Es ist sehr privat, Monsieur, oder vielleicht die >Auberge du Coin< in Montrouge; die ist sehr diskret.«

«Nehmen wir das, was Ihnen als erstes eingefallen ist«, sagte Jason.»Wie lange dauert die Fahrt?«

«Höchstens fünfzehn, zwanzig Minuten, Monsieur.«

«Gut. «Borowski wandte sich zu Marie und sagte mit leiser Stimme:»Du mußt dein Haar verändern.«

«Was?«

«Dein Haar verändern. Es hochstecken, oder nach hinten kämmen, das ist mir egal, aber verändern mußt du es. Setz dich so, daß er dich im Spiegel nicht sehen kann. Schnell!«

Ein paar Augenblicke später war Maries langes kastanienbraunes Haar streng nach hinten gekämmt, und mit Hilfe von ein paar Haarnadeln, die sie in der Handtasche trug, hinten zu einem Knoten zusammengesteckt. Ihr Gesicht und ihr Nacken lagen jetzt frei. Jason musterte sie im schwachen Licht.

«Wisch dir den Lippenstift weg. Ganz.«

Sie holte ein Papiertaschentuch heraus und entfernte den Rest des Stiftes auf ihren Lippen.»Gut so?«

«Ja. Hast du einen Augenbrauenstift? Mach deine Augenbrauen etwas dicker — nur ein wenig. Vielleicht etwas länger; und den Bogen nach unten auslaufend.«

Wieder befolgte sie seine Anweisungen.»So?«fragte sie.

«So ist's besser«, erwiderte er und musterte sie. Die Veränderungen waren geringfügig, aber wirkungsvoll. Auf subtile Art hatte sie sich von einer weichen, elegant wirkenden, auffälligen Frau in eine mit viel strengeren Zügen verwandelt. Zumindest war sie nicht auf den ersten Blick die Frau von dem Foto in der Zeitung, und das war alles, worauf es jetzt ankam.

«Wenn wir nach Moulineaux kommen«, flüsterte er,»mußt du ganz schnell aussteigen und dich aufrichten. Der Fahrer darf dich nicht sehen.«

«Dafür ist es ein wenig spät, nicht wahr?«

«Tu, was ich sage.«

Endlich erreichten sie den Gasthof. Zur Rechten gab es einen Parkplatz, der von einem Staketenzaun umgrenzt war; soeben kamen ein paar späte Gäste heraus. Borowski beugte sich im Sitz nach vorne.

«Lassen Sie uns auf dem Parkplatz aussteigen, wenn es Ihnen nichts ausmacht«, befahl er, ohne die seltsame Bitte zu erklären.

«Selbstverständlich, Monsieur«, sagte der Fahrer, nickte und zuckte dann die Achseln, wie um anzudeuten, daß seine Fahrgäste wirklich sehr vorsichtig wären. Es war jetzt ein leichter, nebelhafter Nieselregen. Das Taxi rollte davon. Borowski und Marie blieben im Schatten der Sträucher an der Seite des Gasthofs stehen, bis es verschwunden war. Jason stellte die Koffer ab.»Warte hier«, sagte er.

«Wo gehst du hin?«

«Ich will telefonisch ein Taxi bestellen.«

Das zweite Taxi brachte sie ins Montrouge-Viertel. Diesmal war der Fahrer von dem streng blickenden Paar unbeeindruckt. Es stammte offenbar aus der Provinz und suchte ein billigeres Quartier. Falls er später eine Zeitung in die Finger bekam und die Fotografie einer Frankokanadierin sah, die in einen Mordfall und in einen Bankdiebstahl in Zürich verwickelt war, würde ihm die Frau, die jetzt im Fond seines Wagens saß, nicht in den Sinn kommen.

Die >Auberge du Coin< hielt nicht ganz das, was ihr Name versprach. Es war keine pittoreske Dorfgaststätte in einem verschwiegenen Winkel auf dem Land. Vielmehr war es ein großes, flaches, zweistöckiges Gebäude, etwa eine Viertelmeile von der Straße entfernt. Es erinnerte eher an unpersönliche Motels, die es inzwischen auf der ganzen Welt gab, und die die Außenbezirke der Städte wie eine Krankheit zu befallen schienen.

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