Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Ich glaube nicht, daß Sie ihn beklagen«, sagte der Europäer.
«Nein«, sagte der >Mönch<.
«Dort draußen ist wirklich Borowski, wissen Sie. Cain hat kehrtgemacht; er ist zerbrochen. Die lange Periode des Schweigens ist vorbei. Die Schlange aus dem Medusenhaupt hat beschlossen, sich selbständig zu machen. Vielleicht hat man ihn auch gekauft, auch das ist möglich, nicht wahr? Carlos kauft viele Männer, der jetzt im Wagen liegt, beispielsweise.«
«Von mir werden Sie nichts erfahren. Versuchen Sie es nicht.«
«Es gibt nichts zu erfahren. Wir wissen dies. Delta, Charlie… Cain. Aber die Namen sind jetzt nicht mehr wichtig; eigentlich waren sie das nie. Was uns noch bleibt, ist die Beseitigung des >Mönches<, der die Entscheidungen trifft. Borowski ist in der Falle. Er ist erledigt.«
«Er wird andere finden, die Entscheidungen treffen.«
«Wenn er das tut, werden sie ihn töten. Es gibt nichts Verabscheuungswürdigeres als einen Mann, der seine Loyalität vertauscht hat, aber um das zu tun, muß es unwiderlegbare Beweise geben, daß er am Anfang auf Ihrer Seite stand. Carlos besitzt diesen Beweis; er war Ihr Mann, und sein Ursprung ist ebenso delikat, wie alles andere, was in der Medusa-Akte steht.«
Der alte Mann runzelte die Stirn; er hatte Angst, nicht um sein Leben, sondern etwas unendlich Wichtigeres.»Sie sind nicht bei Sinnen«, sagte er.»Es gibt keine Beweise.«
«Sie haben einen Fehler begangen. Carlos ist gründlich; seine Verbindungen reichen überall hin. Sie brauchten einen Mann von Medusa, jemanden, der gelebt hatte und dann verschwunden war. Sie wählten einen Mann namens Borowski, weil die Umstände seines Verschwindens im dunkel lagen. Aber an Hanois Leute, die Medusa infiltriert hatten, dachten Sie nicht; es existierten Akten darüber. Am 25. März 1968 wurde Jason Borowski von einem Offizier der amerikanischen Abwehr im Dschungel von Tam Quan exekutiert.«
Der >Mönch< warf sich nach vorne; ihm blieb nichts mehr als eine letzte Geste, ein letztes Sichaufbäumen. Der Europäer schoß.
Die Tür der Backsteinvilla öffnete sich. Im Schatten unter der Treppe lächelte der Chauffeur. Der Mann aus dem Weißen Haus wurde von dem alten Mann, der hier wohnte, hinausgeführt, dem, den sie den Yachtsegler nannten. Der Killer wußte, daß die Alarmanlage abgeschaltet war.
«Nett, daß Sie vorbeigekommen sind«, sagte der Yachtsegler und schüttelte ihm die Hand.
«Vielen Dank, Sir.«
Das waren die letzten Worte der beiden Männer. Der Chauffeur zielte über die Ziegelmauer und drückte zweimal ab. Der Yachtsegler fiel zurück; der Mann aus dem Weißen Haus griff sich an die Brust und stürzte gegen den Türrahmen. Der Chauffeur rannte um das Ziegelgeländer herum, eilte die Treppe hinauf und packte Stevens, der langsam zu Boden rutschte. Mit der Kraft eines Bullen hob der Killer Stevens hoch und schleuderte ihn durch die Tür ins Foyer an dem anderen vorbei. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit der Innenseite der schweren, gepanzerten Türe zu. Er wußte, wonach er suchen mußte; er fand es auch. An der oberen Verkleidung führte ein dickes Kabel in die Wand, es war von der gleichen Farbe wie der Türrahmen. Er schloß die Türe teilweise, hob die Waffe und schoß auf das Kabel, um die Sicherheitskameras außer Funktion zu setzen.
Als er die Tür öffnete, kam der Europäer bereits mit schnellen Schritten über die stille Straße. Binnen Sekunden war er die Treppe hinaufgeeilt und im Hause, sah sich im Foyer und im Korridor um. Beide Männer hoben einen Teppich vom Boden, und der Europäer schloß die Türe am Ende des Korridors so, daß der Teppich eingezwängt war und die Türe somit zwei Zoll breit offenstand, mit vorgeschobenem Riegel. So war kein Alarm möglich.
Da öffnete sich oben eine Tür, es waren Schritte zu hören und Worte, eine gepflegte Frauenstimme sprach:»Darling! Ich habe gerade bemerkt, daß die verdammte Kamera ausgefallen ist. Würdest du bitte nachsehen?«Eine kurze Pause — dann:»Oder besser, sollten wir es nicht David sagen?«Wieder die Pause, wieder das exakte Timing.»Du solltest den Jesuiten nicht damit belästigen. Sag es David.«
Zwei Schritte. Schweigen. Das Rascheln von Tuch. Der Europäer musterte das Treppenhaus. Ein Licht ging aus.
«Jetzt!«rief er dem Chauffeur zu und fuhr herum, die Waffe auf die Tür am Ende des Korridors gerichtet.
Der Mann mit der Uniform raste die Treppe hinauf; ein Schuß hallte; er kam aus einer schweren Waffe — ungedämpft. Der Europäer blickte nach oben; der Chauffeur hielt sich die Schulter, sein Uniformrock war blutgetränkt, er hielt die Pistole ausgestreckt und feuerte einige Schüsse ins Treppenhaus hinauf.
Die Tür am Ende des Korridors wurde aufgerissen, der Major stand erschreckt da, einen Aktendeckel in der Hand. Der Europäer feuerte zweimal; Gordon Webb wurde nach hinten geschleudert, die Kehle aufgerissen, die Papiere in dem Aktendeckel flogen herunter. Der Mann im Regenmantel rannte die Treppe zu dem Chauffeur hinauf; oben über dem Geländer lag die grauhaarige Frau, tot, Blut quoll ihr aus Kopf und Nacken.»Ist alles in Ordnung? Können Sie sich bewegen?«fragte der Europäer.
Der Chauffeur nickte.»Dieses Miststück hat mir die halbe Schulter zerfetzt, aber es geht schon.«
«Nehmen Sie meinen Mantel«, befahl sein Vorgesetzter und riß sich den Regenmantel herunter.»Ich will den >Mönch< hier drinnen haben! Schnell!«
«Herrgott!.. «
«Carlos will den >Mönch< hier drinnen haben!«
Der Verwundete fuhr mühsam in den schwarzen
Regenmantel und arbeitete sich die Treppe hinunter, vorbei an den Leichen des Yachtseglers und des Mannes aus dem Weißen Haus. Vorsichtig, mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht ging er zur Türe hinaus und die Treppe hinunter.
Der Europäer beobachtete ihn, hielt ihm die Tür, vergewisserte sich, daß der Mann sich genügend bewegen konnte, um der Aufgabe gewachsen zu sein. Das war er; er war ein Bulle, und Carlos sorgte dafür, daß sein Appetit gestillt wurde. Der Chauffeur würde David Abbotts Leiche in die Villa bringen, würde sie stützen und so tun, als wäre er einem alten Betrunkenen behilflich, für den Fall, daß jemand ihn auf der Straße beobachtete, und nachdem er seine Blutung gestillt hatte, Alfred Gillettes Leiche über den Fluß fahren und im Sumpf begraben.
Der Europäer drehte sich um und ging den Korridor hinunter; es gab Arbeit für ihn. Der Mann, der Jason Borowski hieß, mußte endgültig vernichtet werden.
Die Akten waren ein Geschenk ungeahnten Ausmaßes. Sie enthielten Mappen mit jedem einzelnen Code und jeder Kommunikationsmethode, die der geheimnisvolle Cain je benutzt hatte. Die Szene war klassisch, vier Leichen in einer friedlichen, eleganten Bibliothek, lagen in Positur; David Abbot nach vorne zusammengesunken in einem Stuhl, die toten Augen verstört, Elliot Stevens zu seinen Füßen. Der Yachtsegler hing zusammengesunken über dem Klapptisch, eine umgekippte Whiskyflasche in der Hand, während Gordon Webb auf dem Boden lag und die Aktentasche umklammert hielt. Was auch immer hier geschehen war, die Szene ließ erkennen, daß es völlig unerwartet passierte, daß plötzliches Pistolenfeuer die Gespräche unterbrochen hatte.
Der Europäer ging mit Wildlederhandschuhen herum, prüfte seine Kunst, die wirklich perfekt war. Er hatte den Chauffeur entlassen, jeden Türgriff, jeden Knopf, jede Holzfläche abgewischt. Jetzt war die Zeit für den krönenden Abschluß. Er trat an einen Tisch, auf dem ein silbernes Tablett mit Brandygläsern stand, nahm eines, hielt es ans Licht; es war fleckenlos, wie er erwartet hatte. Er stellte es ab und holte ein kleines, flaches Plastiketui aus der Tasche. Er öffnete es, entnahm ihm einen durchsichtigen Streifen Band und hielt ihn ebenfalls ans Licht. Da waren sie, so klar wie Porträts — denn Porträts waren es, ebenso unwiderlegbar wie jede Fotografie.