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Aufzeichnungen aus einem toten Hause
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»Nein, Kinder, ihn kann man nicht so schnell konfus machen, der steht schon für sich ein, mit ihm ist eben nichts auszurichten!« sagten die einen.

»Jolkin weiß mehr,« erwiderten die andern, aber recht nachgiebig. Beide Parteien sprachen plötzlich in einem sehr nachgiebigen Tone.

»Es ist weniger sein Wissen, er hat bloß eine leichtere Hand. Was aber das Vieh betrifft, so stellt auch Kulikow seinen Mann.«

»Der stellt schon seinen Mann!«

»Aber gewiß...«

Endlich war der neue Braune ausgesucht und gekauft. Es war ein nettes, junges, hübsches, kräftiges Pferdchen mit einem sehr lieben und lustigen Gesicht. Natürlich war es in allen Hinsichten makellos. Nun begann man zu handeln: der Händler verlangte dreißig Rubel, die Unsrigen boten nur fünfundzwanzig. Man handelte lange und mit großem Eifer hin und her, man ließ etwas nach und legte etwas zu. Endlich wurde es den Arrestanten selbst zu dumm.

»Mußt du das Geld etwa aus deiner eigenen Tasche auslegen?« fragten die einen. »Warum handelst du so?« »Tut dir die Staatskasse leid?« schrien die andern.

»Das Geld gehört aber doch der Gesamtheit, Brüder...«

»Der Gesamtheit! Offenbar braucht man solche Dummköpfe, wie es sie bei uns gibt, nicht zu säen, sie wachsen von selbst...«

Endlich kam der Kauf mit achtundzwanzig Rubeln zustande. Man meldete es dem Major, und das Geschäft war bestätigt. Natürlich brachte man sofort Brot und Salz und führte den neuen Braunen mit allen Ehren ins Zuchthaus ein. Ich glaube, es gab keinen Arrestanten, der ihn bei dieser Gelegenheit nicht am Halse getätschelt oder am Maule gestreichelt hätte. Am gleichen Tage wurde der Braune angespannt, um Wasser zu führen, und alle sahen interessiert zu, wie der neue Braune seine Tonne ziehen würde. Unser Wasserführer Roman blickte das neue Pferdchen mit außerordentlicher Zufriedenheit an. Er war ein etwa fünfzigjähriger Bauer von schweigsamem und gesetztem Charakter. Übrigens sind alle russischen Kutscher außerordentlich gesetzt und schweigsam, wie wenn es wirklich stimmte, daß der ständige Umgang mit Pferden dem Menschen eine besondere Gesetztheit und Würde verleihe. Roman war still, gegen alle freundlich, wortkarg, schnupfte Tabak und gab sich seit undenklichen Zeiten mit allen Braunen des Zuchthauses ab. Der soeben gekaufte war schon der dritte. Alle waren bei uns überzeugt, daß fürs Zuchthaus nur braune Pferde passen, daß nur solche bei uns gedeihen. Dasselbe bestätigte auch Roman. Einen Schecken z.B. hätte man niemals gekauft. Das Amt des Wasserführers versah nach irgendeinem Rechte ständig Roman, und niemand würde es einfallen, es ihm streitig zu machen. Als der letzte Braune eingegangen war, war es niemand, selbst dem Major nicht, in den Sinn gekommen, Roman irgendwelche Vorwürfe zu machen: es war eben Gottes Wille, Roman ist aber ein guter Kutscher. Der Braune wurde bald zum Liebling des Zuchthauses. Die Arrestanten waren zwar mürrische Leute, kamen aber oft zu ihm, um ihn zu streicheln. Wenn Roman vom Flusse heimkehrte und das ihm vom Unteroffizier aufgemachte Tor wieder zusperrte, stand der Braune mit seiner Tonne da, wartete auf ihn und sah sich nach ihm um. »Geh allein!« rief ihm Roman zu, und der Braune fuhr die Tonne allein bis zur Küche und wartete bis die »Köchinnen« und die Paraschniks mit ihren Wassereimern kamen. »Klug bist du, Brauner!« rief man ihm zu, »hast das Wasser allein gebracht!... So schön folgst du!«

»Nein wirklich, ist nur ein Tier und versteht doch alles!«

»Brav, Brauner!«

Der Braune schüttelte den Kopf und schnaubte, als verstünde er wirklich alles und sei mit dem Lobe zufrieden. Jedesmal brachte ihm jemand ein Stück Brot und Salz. Der Braune fraß und nickte wieder mit dem Kopf, als wollte er sagen: »Ich kenne dich! Ich kenne dich! Ich bin ein liebes Pferdchen, und du bist ein guter Mensch!«

Auch ich brachte dem Braunen gern Brot. Es war so angenehm, auf seine hübsche Schnauze zu schauen und auf der Handfläche seine weichen, warmen Lefzen zu fühlen, die das Dargebotene schnell auflasen.

Überhaupt wären unsere Arrestanten wohl imstande gewesen, Tiere zu lieben, und wenn man es ihnen gestattete, so hätten sie im Zuchthause eine Menge von Haustieren und Geflügel gehalten. Was hätte auch den harten und rohen Charakter so sehr mildern und veredeln können als gerade eine solche Beschäftigung? Aber es war nicht erlaubt. Weder die Vorschriften, noch der Ort gestatteten es.

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Главный герой
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