Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
,Er ist vielleicht wahnsinnig', dachte Hendrik, und diese Erw�gung, obwohl sie doch die schlimmsten Perspektiven er�ffnete, hatte etwas Beruhigendes, beinahe Tr�stliches f�r ihn.,Ich halte f�r sehr wohl m�glich, da� er wahnsinnig ist. Bei gesundem Verstand w�rde er mir doch nicht diese tolle Visite machen, die ihn das Leben kosten k�nnte und die niemandem n�tzt. Kein Vern�nftiger setzt so viel aufs Spiel, nur um mich ein bi�chen zu erschrecken. Es ist kaum denkbar, da� wirklich Otto es war, der ihm dazu den Auftrag gegeben hat. Otto neigte keineswegs zu Exzentrizit�ten. Er wu�te, da� wir unsere Kr�fte f�r ernstere Dinge n�tig haben��
Hendrik war n�her an das Fenster herangetreten. Nun sprach er auf den Menschen ein wie auf einen Kranken - wobei er es aber immerhin f�r geraten hielt, die Hand am Griff des Revolvers zu lassen, der sich in der Tasche seines Hausgewandes befand. �Machen Sie, da� Sie wegkommen, Mann! Ich rate es Ihnen im guten! Ein Diener k�nnte Sie von unten sehen. Es ist jeden Augenblick m�glich, da� meine Frau hier ins Zimmer tritt oder meine Mutter. Sie bringen sich in die �rgste Gefahr, f�r nichts und wieder nichts! - So verschwinden Sie doch!� rief Hendrik gereizt, da die Figur im Fensterrahmen unbeweglich blieb.
Der Mann, statt auf H�fgens wohlmeinende Vorschl�ge irgend einzugehen, erwiderte mit einer Stimme, die pl�tzlich viel tiefer und �brigens v�llig ruhig klang: �Erz�hle deinen Freunden von der Regierung, da� Otto mir eine Stunde vor seinem Tod hat sagen lassen: Ich bin fester �berzeugt von unserem Sieg als jemals in meinem Leben. - Da war er schon am ganzen K�rper zerschlagen und konnte kaum noch reden, denn er hatte den Mund voll Blut.�
�Woher wissen Sie das?� fragte Hendrik, dessen Atem jetzt sehr hastig und etwas keuchend ging.
�Woher ich das wei�?� Der Besucher hatte wieder das schaurig-aufger�umte kurze Gel�chter. �Von einem SA-Mann, der bis zuletzt in seiner N�he war und der eigentlich zu uns geh�rt. Er hat sich alles gemerkt, was Otto in seiner letzten Stunde gesagt hat.,Wir werden siegen!' hat er immer wieder gesagt.,Wenn man so weit ist wie ich jetzt, irrt man sich nicht mehr', hat er gesagt,,Wir werden siegen!'� Der Besucher, beide Arme auf das Fenstersims gest�tzt, beugte den Oberk�rper vor und betrachtete drohend den Hausherrn mit seinen leuchtenden gr�nen Augen, die vielleicht die Augen eines Wahnsinnigen waren.
Hendrik fuhr zur�ck, von diesem Blick wie von einer Flamme getroffen, und keuchte: �Warum erz�hlen Sie mir das alles?�
�Damit deine hohen Freunde es erfahren!� rief der Mann mit einem b�sen, rauhen Jubel in der Stimme.
�Damit die gro�en Schufte es erfahren! Damit der Herr Ministerpr�sident es erfahrt!�
Hendrik begann die Nerven zu verlieren. Er bekam sonderbar zuckende Gesten: seine H�nde flogen zum Gesicht hinauf und sanken wieder hinab, auch seine Lippen zuckten, und seine kostbaren Augen verdrehten sich. �Was soll das alles?!� brachte er hervor und hatte ein wenig Schaum vor dem Munde. �Was beabsichtigen Sie denn eigentlich mit diesem theatralischen Scherz?! Wollen Sie mich erpressen? Wollen Sie Geld von mir? Bitte, hier ist welches!� Er griff sinnlos in die seidene Tasche seiner robe de chambre, in der sich nur der Revolver befand, keineswegs Geld. �Oder beabsichtigen Sie nur, mich einzusch�chtern? Das wird Ihnen nicht gelingen! Sie meinen wohl, ich zittere vor dem Moment, da ihr an die Herrschaft kommt - denn nat�rlich werdet ihr einmal herrschen!� Der Intendant redete mit wei�en, zuckenden Lippen; w�hrend er flatternde Schritte, die beinahe schon Spr�nge waren, durchs Zimmer tat. �Aber im Gegenteil!� rief er schrill und blieb mitten im Raum stehen. �Dann werde ich erst recht gro�! Meinen Sie vielleicht, ich habe mich f�r diesen Fall nicht gesichert?! Oho!� triumphierte hysterisch der Intendant. �Ich habe die besten Beziehungen zu euren Kreisen! Die Kommunistische Partei sch�tzt mich, man ist mir zu Dank verpflichtet!�
Hier war ein Hohngel�chter die Antwort. �Das k�nnte dir wohl so passen�, rief der Schreckliche aus dem Fenster. �Beste Beziehungen zu unseren Kreisen! So bequem, Freundchen, so bequem machen wir es euch doch nicht! Wir haben Unvers�hnlichkeit gelernt, Herr Intendant - ich bin eigens hier raufgeklettert, um dich davon zu unterrichten: da� wir die Unvers�hnlichkeit gelernt haben. Unser Ged�chtnis ist gut - ganz brillant ist unser Ged�chtnis, Freundchen! Wir vergesssen keinen! Wir wissen, welche wir als erste aufzuh�ngen haben!�
Da konnte Hendrik nur noch kreischen: �Scheren Sie sich zum Teufel!! Wenn Sie nicht in f�nf Sekunden verschwunden sind, rufe ich doch noch die Polizei - dann werden wir ja sehen, wer von uns beiden als erster h�ngt!�
In seiner zitternden Wut wollte er irgend etwas nach dem Unhold schleudern; fand nichts, was ihm f�r diesen Zweck geeignet schien, und ri� sich die Hornbrille von der Nase. Mit einem kr�chzenden Aufschrei warf er die Hornbrille in die Richtung des Fensters. Aber das armselige Gescho� traf den Gegner nicht und zerbrach mit einem leisen Klirren an der Wand.
Der f�rchterliche Gast war verschwunden. Hendrik eilte ans Fenster, um ihm noch etwas nachzurufen. �Ich bin �berhaupt unentbehrlich!� schrie der Intendant in den dunklen Garten. �Das Theater braucht mich, und jedes Regime braucht das Theater! Kein Regime kann ohne mich auskommen!�
Ei bekam keine Antwort; von dem rotb�rtigen Fassadenkletterer war keine Spur mehr zu sehen. Ihn schien der n�chtliche Garten verschluckt zu haben. Der n�chtliche Garten rauschte mit seinen schwarzen B�umen, seinen dunklen B�schen, auf denen die wei�en Bl�ten ein mattes Schimmern hatten. Der Garten schickte seine D�fte und seinen k�hlenden Atem. Hendrik wischte sich die feuchte Stirne. Er b�ckte sich, hob die Brille auf und stellte mit Betr�btheit fest, da� sie zerbrochen sei. Langsam und mit etwas schwankenden Schritten ging er durchs Zimmer, wobei er sich tastend wie ein Blinder air den M�beln hielt; denn seine Augen waren noch getr�bt vom Entsetzen, und �brigens fehlte ihnen die gewohnte Brille.
W�hrend er sich in einen der niedrigen, breiten Fauteuils sinken lie�, sp�rte er, wie unendlich m�de er war;,Was f�r ein Abend!' dachte er und empfand tiefes Mitleid mit sich, wenn er bedachte, was er alles �usgestan^ den hatte.,Dergleichen wirft ja den St�rksten um.' Dabei legte er sein feuchtes Gesicht in die H�nde. �Und ich bin nicht der St�rkste.' - Es w�re angenehm gewesen, jetzt ein wenig zu weinen. Aber er wollte nicht Tr�nen vergie�en, die niemand sah. Nach all den Schrecken, die hinter ihm lagen, glaubte er nun Anspruch zu haben auf die tr�stliche N�he eines lieben Menschen.
,Ich habe sie alle verloren', klagte er.,Barbara, meinen guten Engel; und Prinzessin Tebab, die dunkle Quelle meiner Kraft; und Frau von Herzfeld, die treue Freundin, und sogar die kleine Angelika: alle habe ich sie eingeb��t.' - In seiner gro�en Wehmut fand er, da� cler tote Otto Ulrichs zu beneiden sei. Der brauchte keine Schmerzen mehr zu ertragen; der war erl�st von der Einsamkeit dieses bitteren Lebens. Seine letzten Gedanken aber waren die des Glaubens und einer stolzen Zuversicht, gewesen. - War nicht sogar Miklas beneidenswert - Hans Miklas, dieser trotzige kleine Feind? Beneidensswert waren alle, die glauben konnten, und doppelt beneidenswert jene, die im Rausch des Glaubens ihr Leben gegeben hatten�
Wie war dieser Abend zu �berstehen? Wie war hinwegzukommen �ber diese Stunde voll tiefer Ratlosigkeit, voll Angst und voll einer Sehnsucht, die ins Leere irrte und der Verzweiflung verwandt schien? - Hendrik meinte, da� er die Einsamkeit kaum noch ein paar Minuten l�nger w�rde ertragen k�nnen.
Er wu�te: oben, in ihrem Boudoir1, erwartete ihn seine Frau - Nicoletta. Wahrscheinlich trug sie unter dem leichten Seidengewand die hohen, geschmeidigen Stiefel aus gl�nzendem rotem Leder. Die Peitsche, die auf dem Toilettentisch neben Dosen, Pasten und Flakons lag, war von gr�ner Farbe. Bei Juliette war die Peitsche rot, die Stiefel aber waren gr�n gewesen�