Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Es rollten die K�pfe adliger junger M�dchen, von denen man behauptete, sie h�tten etwas ausgeplaudert, was der totale Staat geheimhalten wollte - K�pfe ab, diesmal waren es zwei /arte Damenk�pfe. Es rollten die K�pfe von M�nnern, die kein anderes Verschulden kannten, als da� sie ihre soxialistische Gesinnung nicht hatten abschw�ren wollen - auch der Messias aber, der sie hinrichten lie�, nannte sich Sozialist. Der Messias behauptete, da� er den Frieden liebe, und lie� die Pazifisten in den Konzentrationslagern martern. Sie wurden get�tet, den Angeh�rigen ging ihre Asche in versiegelter Urne zu, samt der Mitteilung, das Pazifistenschwein habe sich erh�ngt oder sei auf der Flucht erschossen worden. Die deutsche Jugend lernte das Wort �Pazifist� als einen Schimpfnamen; die deutsche Jugend brauchte nicht mehr Goethe oder Plato zu lesen, sie lernte schie�en, Bomben werfen, sie erg�tzte sich bei n�chtlichen Gel�nde�bungen; wenn der F�hrer vom Frieden schwatzte, begriff sie, da� er es nur scherzhaft meinte. Diese milit�risch organisierte, disziplinierte, gedrillte Jugend kannte nur ein Ziel, hatte nur eine Perspektive: den Revanchekrieg, den Eroberungskrieg. Elsa�-Lothringen5" ist deutsch, die Schweiz ist deutsch, Holland ist deutsch, D�nemark ist deutsch, die Tschechoslowakei ist deutsch, die Ukraine ist deutsch, �sterreich ist so besonders deutsch, da� eigentlich kaum ein Wort dar�ber zu verlieren ist, Deutschland mu� seine Kolonien wiederhaben. Das ganze Land verwandelt sich in ein Heerlager, die R�stungsindustrie floriert, es ist die totale Mobilmachung in Permanenz, und das Ausland schaut gebannt auf dies imposante, grauenerregende Schauspiel wie das Kaninchen auf die Schlange, von der es gleich gefressen sein wird.
Man am�siert sich auch unter der Diktatur. �Kraft durch Freude� ist die Parole, Volksfeste werden arrangiert, die Saar ist deutsch* - ein Volksfest. Der Dicke heiratet endlich seine Lindenthal und l��t sich Hochzeitsgeschenke im Wert von Millionen machen - ein Volksfest. Deutschland tritt aus dem V�lkerbund aus, Deutschland hat seine �Wehrhoheit� wieder: lauter Volksfeste. Zum Volksfest wird jeder Vertragsbruch, ob es sich um den Vertrag von Versailles oder um den von Locarno* handelt, und das obligate �Plebiszit�, das sich anschlie�t. Lang ausgedehnte Volksfeste sind die Verfolgung der Juden und die �ffentliche Anprangerung jener M�dchen, die mit ihnen �Rassenschande� trieben; die Verfolgung der Katholiken, von denen man jetzt erst erf�hrt, da� sie niemals viel besser als die Juden waren, und gegen die schalkhaf-terweise �Devisenprozesse� wegen Bagatellen arrangiert werden, w�hrend die nationalen F�hrer Riesenverm�gen ins Ausland verschieben; die Verfolgung der �Reaktion�, unter der man sich nichts Genaues vorstellen kann. Der Marxismus ist ausgerottet, aber immer noch eine Gefahr und Anla� zu Massenprozessen, die deutsche Kultur ist �judenrein�, daf�r aber so �de geworden, da� niemand mehr etwas von ihr wissen will; die Butter wird knapp, aber Kanonen sind wichtiger; zum 1. Mai, der fr�her der Feiertag des Proletariats gewesen, erz�hlt heute ein versoffener Doktor - aufgeschwemmte Champagnerleiche - etwas �ber die Lebensfreude. WTircl dies Volk denn nicht m�de so zahlreicher und so fragw�rdiger festlicher Veranstaltungen? Vielleicht ist es schon m�de. Vielleicht st�hnt es schon. Aber der L�rm aus den Megaphonen und Mikrophonen �bert�nt seinen Jammerlaut.
Das Regime geht weiter seinen schauerlichen Weg. Am Rand des Weges h�ufen sich die Leichen.
Wer sich auflehnte, wu�te, was er riskierte. Wer die Wahrheit sagte, mu�te mit der Rache der L�gner rechnen. Wer die Wahrheit zu verbreiten suchte und in ihrem Dienste k�mpfte, war bedroht mit dem Tode und mit allen jenen Schrecken, die dem Tod in den Kerkern des Dritten Reiches voranzugehen pflegten.
Otto Ulrichs hatte sich sehr weit vorgewagt. Seine politischen Freunde wiesen ihm die Schwierigsten und gef�hrlichsten Aufgaben zu. Man war der Ansicht - oder man hoffte doch, da� seine Stellung am Staatstheater ihn bis zu einem gewissen Grade sch�tzte. Jedenfalls war seine Situation g�nstiger als die von manchen seiner Kameraden, die unter falschen Namen in Verstecken lebten - immer auf der Flucht vor den Agenten der Gestapo, verfolgt von der Polizei wie Verbrecher, wie Diebsgesindel oder M�rder gehetzt durch dieses Land, das verfallen an die M�rder und an das diebische Gesindel war. Otto Ulrichs konnte manches wagen, was f�r seine Freunde den gar zu sicheren Untergang bedeutet h�tte. Er wagte zuviel. Eines Morgens wurde er verhaftet.
Damals studierte man im Staatstheater den �Hamlet� ein; der Intendant selber hatte die Titelrolle. Otto Ulrichs sollte den Hofmann G�ldenstern spielen. Als er, ohne da� er sich entschuldigt h�tte, nicht zur Probe kam, erschrak H�fgen, der sofort wu�te oder doch ahnte, was geschehen war. Er zog sich vorzeitig von der Probe zur�ck, das Ensemble arbeitete ohne ihn weiter. Als der Intendant durch Ottos Wirtin erfahren hatte, da� Ulrichs am fr�hen Morgen von drei Herren in Zivil abgeholt worden war, lie� er sich mit dem Palais des Ministerpr�sidenten verbinden. Wirklich bem�hte der Dicke sich selbst an den Apparat, wurde aber recht kurz angebunden und zerstreut, als Hendrik ihn fragte, ob er etwas �ber die Verhaftung Otto Ulrichs' wisse. Der Fliegergeneral erkl�rte, da� er nicht unterrichtet sei. �Ich bin auch gar nicht zust�ndig�, sagte er etwas nerv�s. �Wenn unsere Leute den Kerl einstecken, wird er schon irgend etwas auf dem Kerbholz haben. Ich war ja von Anfang an mi�trauisch gegen den Burschen. Und dieser �Sturmvogel' damals, das war doch wohl eine verdammt �ble Kiste.� Als Hendrik dann noch zu fragen wagte, ob man denn gar nichts zur Milderung von Ulrichs' Situation unternehmen k�nne, wurde der Dicke ungn�dig. �Nein, nein, mein Lieber - lassen Sie nur besser Ihre Finger von dieser Sache!� lie� sich seine fette und scharfe Stimme vernehmen. �Sie tun kl�ger daran, sich um Ihre eigenen Angelegenheiten zu k�mmern.� Das klang bedrohlich. Auch die Anspielung auf den �Sturmvogel�, wo H�fgen doch selber als �Gen�sse� aufgetreten war, hatte keinen angenehmen Ion gehabt. Hendrik begriff, da� er den Verlust der allerh�chsten Gnade riskierte, wenn er sich f�r den Augenblick weiter um das Los seines alten Freundes bek�mmerte.,Ich will ein paar l�ge vergehen lassen', beschlo� er.,Wenn ich den Dicken einmal in besserer Laune treffe, werde ich mit aller Vorsicht versuchen, auf die Sache zur�ckzukommen. Einmal werde ich den Otto schon noch herausbekommen, aus dem Columbiahaus oder aus dem Lager. Aber jetzt ist Schlu�! Der Bursche mu� mir ins Ausland. Durch seine sinnlose Unvorsichtigkeit, durch seinen antiquierten und kindischen Begriff vom Heroischen wird er mich noch in die schlimmsten Unannehmlichkeiten bringen�'
Als es Hendrik nach zwei 'lagen noch immer nicht gegl�ckt war, sich irgendwelche Nachrichten �ber Ulrichs zu verschaffen, wurde er unruhig. Den Ministerpr�sidenten schon wieder telefonisch zu behelligen, wagte er nicht. Nach langem �berlegen entschlo� er sich dazu, Lotte anzurufen. Die herzensgute Frau des gro�en Mannes erkl�rte zun�chst, sie sei froh, einmal wieder Hendriks liebe Stimme zu h�ren. Er versicherte ihr, etwas hastig, da� es ihm, was ihre Stimme betreffe, genauso ergehe; �brigens habe er diesmal f�r seinen Anruf auch noch einen besonderen Grund. �Ich mache mir Sorgen um Otto Ulrichs�, sagte H�fgen. - �Wieso denn Sorgen?� rief die �hrenblonde aus ihrem Rokokoboudoir zur�ck. �Er ist doch tot.� Sie war erstaunt dar�ber und schien es beinahe drollig zu finden, da� Hendrik es noch nicht wu�te. �Er ist tot��, wiederholte Hendrik leise. Zum Erstaunen der Frau Generalin h�ngte er ein, ohne sich von ihr verabschiedet zu haben.