Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #6
- Год: 2018
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Jamie blätterte hin und her und suchte sich da und dort Schriftpassagen aus, doch Christie war jetzt ganz auf ihn konzentriert und sprach die Worte gemeinsam mit ihm. Ich warf hastig einen verstohlenen Blick auf ihn; seine Hautfarbe war immer noch ungesund, und sein Puls donnerte, aber seine Atmung war besser. Er sagte die Passagen eindeutig auswendig auf; seine Brillengläser waren beschlagen.
Ich hatte das Gewebe, das die Behinderung hervorrief, jetzt vollständig freigelegt und löste die winzigen Fasern von der Oberfläche der Sehne.
Die verkrümmten Finger zuckten, und die freiliegenden Sehnen bewegten sich plötzlich wie silberne Fische. Ich packte die schwach wackelnden Finger und drückte sie fest.
»Ihr dürft Euch nicht bewegen«, sagte ich. »Ich brauche meine Hände; ich kann Eure nicht festhalten.«
Ich konnte nicht hochsehen, spürte aber sein Nicken und ließ seine Finger los. Ich entfernte die letzten Reste der Aponeurose von den matt glänzenden Sehnen, besprühte die Wunde zur Desinfektion mit einer Mischung aus Alkohol und Wasser und machte mich daran, die Einschnitte zu schließen.
Die Stimmen der Männer waren nicht mehr als ein Flüstern, ein leises Rauschen, dem ich keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt hatte, so konzentriert hatte ich gearbeitet. Als ich mich jetzt jedoch entspannte und die Wunde zu nähen begann, kamen sie mir wieder zu Bewusstsein.
»Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln …«
Ich blickte auf, wischte mir mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn und sah, dass Thomas Christie die kleine Bibel jetzt geschlossen hatte und sie mit dem freien Arm an sich gedrückt hielt. Er hatte das Kinn fest auf die Brust gelegt, die Augen geschlossen, und sein Gesicht war schmerzverzerrt.
Jamie hielt nach wie vor seinen angebundenen Arm fest, hatte die andere Hand aber auf Christies Schulter liegen und den Kopf dicht neben Christies gesenkt; auch er hatte die Augen geschlossen, während er seinen Text flüsterte.
»Und ob ich schon wandere im tiefen Tal, fürchte ich kein Unglück …«
Ich verknotete den letzten Faden, kürzte seine Enden, schnitt mit derselben Bewegung die Leinenbandagen durch und hörte auf, den Atem anzuhalten. Die Stimmen der Männer verstummten abrupt.
Ich hob die Hand, wickelte einen frischen Verband fest darum und zog die verkrümmten Finger vorsichtig gerade.
Christie öffnete langsam die Augen. Die Pupillen hinter seinen Brillengläsern waren groß und schwarz, als er blinzelnd auf seine Hand blickte. Ich lächelte ihm zu und tätschelte sie.
»Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang«, zitierte ich leise. »Und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.«
Kapitel 24
Rühr mich nicht an
Christies Puls ging ein wenig zu schnell, doch er war kräftig. Ich legte sein Handgelenk hin, das ich festgehalten hatte, und hielt ihm den Handrücken an die Stirn.
»Ihr habt leichtes Fieber«, sagte ich. »Hier, trinkt das.« Ich schob ihm eine Hand in den Rücken, um ihm beim Hinsetzen im Bett zu helfen, was ihn in Alarm versetzte. Er setzte sich unter fliegenden Bettdecken auf und atmete scharf ein, als er sich dabei die verletzte Hand stieß.
Ich gab taktvoll vor, seine Bestürzung nicht zu bemerken, die ich der Tatsache zuschrieb, dass er im Hemd war und ich mich schon für die Nacht umgezogen hatte. Ich hatte zwar den Anstand gewahrt und mir ein leichtes Schultertuch über mein Leinennachthemd gelegt, doch ich war mir hinreichend sicher, dass er seit dem Tod seiner Frau nicht mal in die Nähe einer unvollständig bekleideten Frau gekommen war – falls überhaupt jemals.
Ich murmelte etwas Bedeutungsloses und hielt den Becher mit Schwarzwurzeltee für ihn fest, dann schüttelte ich ihm tröstend, aber professionell die Kissen auf.
Anstatt ihn in seine eigene Blockhütte zurückzuschicken, hatte ich darauf bestanden, dass er über Nacht blieb, damit ich für den Fall einer postoperativen Entzündung ein Auge auf ihn haben konnte. Halsstarrig, wie er war, hatte ich nicht das geringste Vertrauen, dass er meinen Anweisungen Folge leisten und nicht mit der verletzten Hand die Schweine füttern, Holz hacken oder sich den Hintern abwischen würde. Ich hatte nicht vor, ihn aus meinem Sichtfeld zu lassen, bis der Schnitt zu granulieren begann – was am nächsten Tag der Fall sein sollte, wenn alles gutging.
Immer noch wackelig durch den Schock der Operation, hatte er keine Einwände gehabt, und Mrs. Bug und ich hatten ihn im Zimmer der Wemyss’ untergebracht, da Mr. Wemyss und Lizzie bei den McGillivrays waren.
Ich besaß kein Laudanum, hatte Christie aber einen starken Aufguss aus Baldrian und Johanniskraut untergejubelt, und er hatte den Großteil des Nachmittags verschlafen. Er hatte kein Abendessen gewollt, doch Mrs. Bug, die große Stücke auf Mr. Christie hielt, hatte ihn den ganzen Abend mit Glühwein und anderen nahrhaften Elixieren belagert – die allesamt einen hohen Alkoholanteil enthielten. Demzufolge war er mir sehr benommen und rot vorgekommen und hatte nicht protestiert, als ich die verbundene Hand hochhob und sie dicht an die Kerze hielt, um sie zu untersuchen.
Die Hand war geschwollen, was zu erwarten war, aber nicht übermäßig. Dennoch, der Verband saß sehr fest und drückte unangenehm in die Haut. Ich schnitt ihn auf, hielt die honiggetränkte Wundauflage vorsichtig an Ort und Stelle fest, hob die Hand und roch daran.
Ich konnte Honig, Blut, Kräuter und den schwachen Metallgeruch frisch aufgeschnittenen Gewebes riechen – aber keinen süßlichen Eitergeruch. Gut. Ich drückte vorsichtig auf eine Stelle neben der Wundauflage und achtete auf Anzeichen heftigen Schmerzes oder leuchtend rote Streifen auf der Haut, doch abgesehen davon, dass die Stelle verständlicherweise empfindlich war, entdeckte ich nur eine sehr schwache Entzündung.
Dennoch, er hatte Fieber; das musste beobachtet werden. Ich nahm einen frischen Verband, wickelte ihn vorsichtig um die Wundauflage und befestigte ihn mit einer ordentlichen Schleife auf dem Handrücken.
»Warum tragt Ihr nie eine anständige Haube«, platzte er heraus.
»Was?« Mein Kopf zuckte überrascht hoch. Für den Augenblick hatte ich den Mann, der an der Hand hing, ganz vergessen. Ich hob meine freie Hand an mein Haar. »Warum sollte ich?«
Manchmal flocht ich mir die Haare, bevor ich zu Bett ging, aber heute Abend hatte ich es nicht getan. Doch ich hatte es gebürstet; es fiel mir lose um die Schultern und duftete angenehm nach der Lösung aus Ysop und Nesselblüten, mit der ich es durchgekämmt hatte, um die Läuse fernzuhalten.
»Warum?« Seine Stimme wurde etwas lauter. »Ein Weib aber, das da betet oder weissagt mit unbedecktem Haupt, die schändet ihr Haupt; denn es ist ebenso viel, als wäre sie geschoren.«
»Oh, sind wir wieder bei Paulus?«, murmelte ich und richtete meine Aufmerksamkeit erneut auf seine Hand. »Kommt es Euch nicht so vor, dass der Mann einen ziemlichen Spleen hatte, was die Frauen angeht? Außerdem bete ich im Moment ja nicht, und ich will erst sehen, wie sich das hier über Nacht entwickelt, bevor ich diesbezüglich irgendwelche Weissagungen riskiere. Bis jetzt sieht es allerdings –«
»Euer Haar.« Als ich aufblickte, sah ich, dass er mich anstarrte und sich sein Mund missbilligend verzogen hatte. »Es ist …« Er deutete mit einer vagen Bewegung auf seinen eigenen, kurzgeschorenen Kopf. »Es ist …«
Ich musterte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen.
»Es ist wirklich viel«, endete er ziemlich lahm.
Ich betrachtete ihn einen Moment wortlos, dann legte ich seine Hand hin und griff nach der kleinen grünen Bibel, die auf dem Tisch lag.
»Korinther, nicht wahr? Hm, o ja, da ist es ja.« Ich richtete mich auf und las den Vers: »Oder lehrt euch auch nicht die Natur, dass es einem Manne eine Unehre ist, so er das Haar lang wachsen lässt, und dem Weibe eine Ehre, so sie langes Haar hat? Das Haar ist ihr zur Decke gegeben.« Ich schlug das Buch abrupt zu und legte es hin.