Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Aber noch während er sich selbst einen Narren schalt, wußte er bereits, daß sie es nicht mit gewöhnlichen Dieben zu tun hatten. Er konnte sich nicht erklären, woher er das wußte, er wußte es einfach; es war ein so untrügliches Gefühl, daß es nicht nur an Sicherheit grenzte, sondern war. Obwohl – oder vielleicht gerade weil – er die Gestalten nur schemenhaft erkennen konnte, strahlte etwas Unheimliches von ihnen aus, eine stumme, fast körperlich spürbare Bedrohung. Ihre Konturen blieben unscharf und zerfranst, flössen wie huschende Schatten ineinander und verzerrten sich wieder zu etwas völlig anderem, Fremdem. Es sah aus, als hätte die Dunkelheit selbst auf gespenstische Art Gestalt angenommen. Und lautlos und schwebend wie Gespenster kamen die Schatten näher; Kreaturen des Nebels, die kaum mehr Substanz als dieser hatten.
Torian versuchte sich selbst mit dem Gedanken zu beruhigen, daß dieser Eindruck nur vom Nebel hervorgerufen wurde, aber er war machtlos gegen das eisige Entsetzen, das ihn gepackt hatte. Er war unfähig, auch nur einen Schritt zu tun. Seine Reflexe versagten. Er hatte nur noch Angst.
Garths Hand krampfte sich schmerzhaft fest um seinen Schwertarm.
»Was... was ist das?« stieß der Dieb hervor.
Wie zur Antwort flaute der Wind ab. Der Nebel senkte sich wieder wie ein milchiger Vorhang auf die Gestalten herab und verbarg sie vor ihren Blicken, doch Torian wußte, daß sie immer noch da waren und lautlos näher geschlichen kamen. Nun, da er sie nicht mehr sehen konnte, fiel auch die Erstarrung von ihm ab. »Weg hier!« keuchte er und versetzte Garth einen Stoß.
Sie rannten die Gasse entlang, die nach wenigen Metern in eine breite, gepflasterte Straße mündete. Soweit es im Nebel zu erkennen war, waren die Häuser hier größer, und ihre Fassaden sahen etwas weniger heruntergekommen aus. Sie hatten das Elendsviertel verlassen, und wenn sie auch nicht gerade eine der noblen Prachtalleen erreicht hatten, so wirkte die Umgebung doch sehr viel vertrauenerweckender. Es schien Torian fast, als hätten sie mit der Grenze zu den Slums zugleich auch ein unsichtbares Portal durchschritten, an dessen Schwelle die Aura des Schweigens und der Angst hinter ihnen zurückblieb.
Trotzdem sah er immer wieder zurück. Aber die Straße hinter ihnen war leer.
Sie war nicht verlassen. Vereinzelt hasteten Menschen an ihnen vorbei. Der Nebel machte auch aus ihnen gesichtslose, anonyme Schemen, aber ihnen fehlte die Ausstrahlung des Bedrohlichen, die von den fünf unheimlichen Gestalten ausgegangen war. Fast erschien es Torian sogar, als wären die Schwaden hier weniger dicht als im Elendsviertel.
Eine Gruppe patrouillierender Soldaten kam ihnen entgegen.
Auch wenn Torian gewöhnlich um alles, was mit Uniformen zu tun hatte, einen möglichst großen Bogen machte, erleichterte ihr Anblick ihn jetzt beinahe. Niemand kannte ihn hier, und auch Garth wurde für tot gehalten. In dem Nebel konnte sie ohnehin niemand erkennen, so daß ihnen keine unmittelbare Gefahr drohte. Trotzdem wandten sie die Gesichter ab, bis die Patrouille vorbei war. Kurze Zeit später verklang auch das Hallen der schweren Stiefel hinter ihnen. Torian atmete hörbar auf, und auch Garth entspannte sich.
»Dort ist es«, sagte Garth und deutete auf ein Eckhaus, das wie der Rammsporn eines gemauerten Schiffes ein wenig aus dem Häuserblock hervorwuchs.
Ein von einer flackernden Öllampe dürftig beleuchtetes Schild schwang über der Tür knarrend hin und her. Die Schrift darauf war längst verblaßt und so unleserlich geworden, daß sich die Buchstaben nicht einmal mehr erahnen ließen. Gedämpftes Stimmengemurmel und vereinzeltes Lachen drang aus dem Inneren der Schenke. Torian stieß die Holztür auf und trat ein.
Ein Duft, gemischt aus Schweiß, gebratenem Fleisch, Tabakrauch, Wein und abgestandenem Bier, schlug ihnen entgegen, der unbeschreibliche Gestank einer Hafenkneipe, der überall auf der Welt gleich war. In diesem Moment begrüßte Torian ihn fast, obgleich er ihm auf der anderen Seite beinahe den Magen umdrehte. Aber er war nach allem ein Stück Realität, etwas, das er kannte und einschätzen konnte und das nicht mit dürren Spinnenbeinen der Furcht nach seiner Seele griff und ihn lahmte.
In der Schenke waren überraschend viele Menschen, die meisten mit Gesichtern und Händen, wie man sie in einer Hafenstadt anzutreffen erwartete: von Wind und Salzwasser gegerbt und grob, viele in den typischen Kleidern von Fischern oder Matrosen. Einige wandten die Köpfe und warfen Torian gelangweilte, aber auch abschätzende Blicke zu. Das Interesse an den beiden Neuankömmlingen verging allerdings so rasch, wie es gekommen war. Jedermann erkannte wohl, daß bei diesen beiden nicht viel zu holen war, außer einem eingeschlagenen Schädel vielleicht.
Garth drängte sich an Torian vorbei und bahnte ihnen mit seinen Schultern und Ellenbogen einen Weg zum Tresen. Zum Ausgleich kassierte auch Torian von den Umstehenden einige unsanfte Knüffe, die er aber wohlweislich ignorierte. Da an der Theke kein Platz frei war, schob Garth kurzerhand zwei der Männer zur Seite. Angesichts seiner massigen Statur verzichteten sie auf jeden Protest und beschränkten sich darauf, ihm einige böse Blicke zuzuwerfen. Torian runzelte die Stirn, schwieg aber. Es mochte sein, daß Garth besser als er wußte, wie man sich hier zu benehmen hatte, aber er hielt nicht viel davon, unnötigen Streit zu provozieren.
Der Wirt kam herbeigeschlurft, ein langer, unglaublich dürrer Kerl, der aussah, als ob ihn jeder Windstoß aus den Schuhen heben würde. Auf seinem Gesicht lag ein überaus dämliches Grinsen, und er hielt die Augen halb geschlossen, als würde er jeden Moment im Stehen einschlafen.
»Was soll’s sein«, nuschelte er so undeutlich, daß Torian seine Worte mit viel Phantasie gerade noch verstehen konnte.
»Zwei Bier und einen ordentlichen Braten«, bestellte Garth.
»Aber ein gutes Stück. Rind oder Schwein. Laß dir nicht einfallen, uns deinen üblichen Rattenbraten zu servieren.«
Der Hagere, bei dem es sich nur um Kaam handeln konnte, schüttelte träge den Kopf. »Wir ham nur Fisch.«
»Hätte ich mir denken können«, seufzte Garth. »Dann eben Fisch. Aber schnell.« Der Wirt verdrehte ergeben die Augen und entfernte sich.
»Das ist Kaam«, erklärte Garth, nachdem sie beide einen Krug Bier bekommen hatten. »Laß dich von seinem blöden Grinsen nicht täuschen. Er ist genauso intelligent, wie er dumm aussieht. Außerdem habe ich noch nie jemanden gesehen, der geschickter mit einem Wurfmesser umgehen kann.«
»Dafür scheint es mit seinem Gedächtnis nicht zum besten bestellt zu sein«, erwiderte Torian. »Oder seine Wiedersehensfreude hält sich sehr in Grenzen.«
Garth zog eine Grimasse. »Unsinn! Natürlich hat er mich erkannt. Aber bei so vielen neugierigen Ohren ringsum ist es manchmal besser, so etwas nicht offen zu zeigen, weißt du? Wir sollten selbst auch nicht davon sprechen.«
Torian blickte sich unauffällig um. Die Menschen saßen und standen in Gruppen zusammen, würfelten, lachten und grölten Seemannslieder. Niemand schien von den beiden Fremden Notiz zu nehmen, aber was besagte das schon? Er wäre schon ein dutzendmal umgebracht worden, hätte er sich auf den Schein verlassen. Spelunken wie diese waren ein Paradies für Gauner und Spitzel, die nichts weiter taten als lauschen und die jede noch so unwichtige Information in bare Münze zu verwandeln verstanden. Die Nachricht, daß Garth noch lebte, wäre einigen Leuten mit Sicherheit einen ganz hübschen Batzen Geld wert.
Ein Betrunkener kam herangetaumelt, stolperte dicht vor Torian und klammerte sich haltsuchend an ihm fest, bevor er mit einer gemurmelten Entschuldigung weitertorkelte. Garth grinste und wog einen Lederbeutel in der Hand, in dem einige Münzen klimperten. »Sei froh, daß du nichts Wertvolles bei dir hast«, sagte er kopfschüttelnd und ließ den Beutel in der Tasche verschwinden. »Der Kerl hat recht geschickte Finger, aber ansonsten ist er ein absoluter Amateur. Findet nichts und läßt sich selbst noch beklauen. Boron kann einem leid tun, wenn er auf solche Leute angewiesen ist.«