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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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Torian warf ihm einen mahnenden Blick zu, aber Boron schien die besondere Betonung des letzten Wortes entgangen zu sein. »Wie du meinst«, sagte er. »Es ist eure Entscheidung.« Plötzlich hellte sich sein Gesicht auf. »Aber zumindest werdet ihr bleiben müssen, bis eure Freundin gesund ist.«

»Ein paar Tage, ja«, knurrte Torian. »Allerhöchstens.«

Boron zuckte mit den Schultern. »Das ist mehr als nichts. Wer ist dieses Mädchen?«

»Eine Bekannte«, antwortete Torian rasch. Es war unnötig, Boron allzuviel zu verraten. Er kannte Boron nicht, und Garth war für seinen Geschmack bereits viel zu vertrauensselig. »Sie ist vom Pferd gestürzt und mit dem Kopf aufgeschlagen.«

»Arkela wird alles Menschenmögliche für sie tun«, versicherte Boron. »Ihr braucht euch keine Sorgen um sie zu machen. Und was eine Passage betrifft, solltet ihr euch bei Kaam umhören. Bei ihm findet ihr auch eine Unterkunft. Das ist sicherer als hier.«

»Wer ist dieser Kaam?«

»Er besitzt eine Schenke«, antwortete Garth. »Und nebenbei ist er noch der größte Hehler und Schmuggler Armars. Das schlimmste Schlitzohr, das du dir vorstellen kannst, aber er ist absolut diskret und besitzt die denkbar besten Kontakte.« Er gähnte ungeniert und leerte seinen Weinkrug in einem Zug. »Am besten brechen wir direkt auf. Ich bin hundemüde. Morgen können wir über alles sprechen.«

»Was wird aus Shyleen?« Torian rührte sich nicht.

»Sie kann hierbleiben«, bot Boron an. »In ihrem Zustand könnt ihr sie nicht durch die halbe Stadt schleppen.«

Torian zögerte. Es gefiel ihm gar nicht, das Mädchen allein zurückzulassen. Aber Boron hatte recht, und so nickte er schließlich. »Vorher will ich sie noch einmal sehen.«

»Dann kommt.«

Sie folgten Boron über einen Flur, bis sie eine kleine Kammer erreichten, wo man Shyleen ein Lager errichtet hatte. Eine alte Frau mit schlohweißem Haar befand sich bei ihr.

»Wie geht es ihr?« fragte Torian.

Arkela wandte ihm ihr runzeliges Gesicht zu. Trotz ihres hohen Alters – Torian schätzte sie auf mindestens achtzig Jahre – war der Blick ihrer Augen klar. Ein fast jugendliches Feuer brannte darin. »Sie hat ungeheures Glück gehabt. Der Knochen scheint unverletzt zu sein, aber sie braucht viel Ruhe. Ein oder zwei Wochen lang wird sie nicht aufstehen können, und auch dann muß sie sich noch sehr schonen.«

»Ein oder zwei Wochen?« echote Torian erschrocken. »Das ist völlig unmöglich!« Mißtrauisch wandte er sich an Boron. »Hast du...?«

»Natürlich«, antwortete Boron ernsthaft. »Ich habe nicht nur große Ohren, sondern auch die Fähigkeit, mich zu teilen, wobei meine zweite Hälfte unsichtbar bleibt. Die habe ich vorgeschickt, um Arkela zu instruieren, weißt du?«

Torian hielt seinem Blick einen Herzschlag lang stand, dann lächelte er verlegen und wandte sich wieder um. Er war ein Narr, diesem Mann Vorwürfe zu machen, statt sich darüber zu freuen, daß Shyleen außer Gefahr war. Ein oder zwei Wochen...? Nun, man würde sehen.

Er betrachtete Shyleens blasses Gesicht einige Sekunden lang und wandte sich dann abrupt ab.

»Gehen wir!« sagte er.

Wie graue Watte aus Spinnweben hing der Nebel zwischen den Häusern und tränkte die Luft mit Feuchtigkeit. In dichten Schwaden trieb er durch die menschenleeren Gassen und formte gespenstische Fratzen, wenn er von einem Windstoß für wenige Sekunden zu quirlendem Leben erweckt wurde, schien mit faserigen vielfingrigen Händen nach Torian und Garth zu greifen und bildete vergängliche Formen und Umrisse, die alles oder auch nichts bedeuten konnten. Die Straßen waren mit Schmutz und Unrat übersät, und überall lagen zerborstene Lehmziegel, die das Unwetter von den Häusern gerissen hatte. Alles war feucht und klamm und wirkte auf sehr unangenehme Art klebrig. Die Kälte war nicht einmal sehr intensiv, aber sie kroch unaufhaltsam durch jedes noch so dicke Kleidungsstück. Wasser schwappte in Torians Schuhe. Der Regen hatte das Erdreich selbst hier, hinter den schützenden Mauern der Stadt, in schlammigen Morast verwandelt, in den sie bei jedem Schritt bis an die Knöchel einsanken, so daß das Gehen zur Qual wurde und große Kraft kostete. Der Nebel verschluckte das saugende Schmatzen ihrer Schritte in den engen Straßenschluchten. Hier und da war er so dicht, daß Torian kaum die jenseitige Häuserwand erkennen konnte. Immerhin erkannte er, daß es sich um kleine heruntergekommene Baracken handelte, die so verschachtelt erbaut waren, daß sie an eine Herde von Tieren erinnerten, die sich schutzsuchend aneinanderdrängten. Sehr schmutzige Tiere und sehr ängstliche. Gelegentlich fiel irgendwo ein schwacher Streifen Licht wie ein Gruß aus einer anderen Welt zwischen den Läden oder den Brettern hervor, die an ihrer Stelle vor die Fenster genagelt waren. So beeindruckend und groß Armar von weitem erschien, als so erbärmlich entpuppte es sich von innen. Wenn diese Stadt jemals so etwas wie eine Blütezeit erlebt hatte, dann mußte sie lange, sehr lange vorüber sein. »Mir gefällt das nicht«, flüsterte Torian, von einer unerklärlichen Scheu gepackt, laut zu sprechen. Fröstelnd zog er den Mantel noch enger um die Schultern. Der Nebel war allgegenwärtig. Mit Macht mußte er gegen die verrückte Vorstellung ankämpfen, daß er nicht nur unter seine Kleidung kroch, sondern auch in seinen Körper eindrang. »Ich komme mir vor wie in einer unbewohnten Geisterstadt.« Wenn sie das wenigstens wäre, fügte er in Gedanken hinzu: Unbewohnt.

Garth hob die Schultern und sah sich unbehaglich um, aber es war ein ganz anderes Unbehagen als das, das Torian gepackt hatte. »Wir befinden uns im Elendsviertel«, sagte er, als wäre das bereits Erklärung genug. »Nachts treiben sich hier höchstens ein paar Halsabschneider herum«, fügte er nach einigen Sekunden hinzu. »Hast du Angst?«

»Unsinn«, knurrte Torian barsch. »Wenn es hier wenigstens noch ein paar Halsabschneider gäbe, würde ich mich wohler fühlen. Aber hier sind ja nicht einmal Ratten.« Er sah sich demonstrativ um, ohne indes mehr als ein paar graue Fetzen und schwarzen, feuchtglänzenden Stein zu erblicken. »Ich kenne genügend Elendsviertel in allen möglichen Städten«, fuhr er fort. »Nirgendwo ist es um diese Zeit so ruhig, nicht einmal bei solchem Wetter.«

Die Menschen – wenn es in diesem Teil der Stadt überhaupt so etwas wie Menschen gab – schienen sich geradezu verkrochen zu haben. Als hätten sie panische Angst vor irgend etwas. Dem Nebel? Garth zuckte nervös mit den Achseln und sah weg.

»Wie weit ist es noch?« fragte Torian nach einer Weile.

»Ein ganzes Stück«, gab Garth gedämpft zurück. »Bei allen finsteren Göttern, ich wünschte allmählich auch, wir wären schon da.«

Schweigend schritten sie weiter die morastige Straße entlang. Torian ertappte sich dabei, daß seine Hand immer wieder zum Schwertknauf kroch. Irgendwo begann eine Katze lautstark ihren Liebeskummer zu beklagen. Wie jeder Laut klang es unheimlich und verzerrt, fast wie der Schrei eines Kindes. Dennoch atmete Torian nach dem ersten Schrecken erleichtert auf. Das ganz profane Liebeswerben der Katze machte ihm bewußt, daß Armar trotz allem eine lebendige Stadt war, die sich wahrscheinlich bei Tage von einer anderen Seite präsentierte als in dieser nebeldurchwobenen Dunkelheit.

»Hier entlang.« Garth deutete in eine schmale Gasse zwischen zwei Häusern. Torian nickte und folgte ihm; doch bevor er in die Gasse trat, blickte er noch einmal zurück; warum, wußte er selbst nicht genau zu sagen.

Der Anblick traf ihn wie ein Schlag.

Sie waren nicht mehr allein.

Ein Windstoß riß die Nebelwand für einige Sekunden ein wenig auf; gerade genug, um ein Dutzend Schritte weit sehen zu können. Inmitten der durcheinanderwirbelnden Schwaden zeichneten sich fünf Gestalten ab, zu weit und zu undeutlich, um sie genauer zu erkennen, aber auch zu nahe und zu deutlich, um nur ein Trugbild zu sein.

Blitzartig griff Torian zum Schwert und riß die Waffe aus der Scheide. Gleichzeitig wurde ihm bewußt, daß er sich völlig falsch verhielt. Er hatte die Straßenräuber durch seine überhastete Reaktion gewarnt, statt sie herankommen und in eine Falle laufen zu lassen.

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