Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
»Nun, so möchte ich den Anlaß benützen, heute morgen ein Herrenfrühstück zu geben, zur Feier des glücklichen Ausgangs, den dieses Duell genommen hat. Lucenay wird sich gewiß freuen, denn er vermutet doch so etwas nicht.« – »Das ist nur zu gewiß, Herr Marquis! Wieviel Kuverts soll ich decken?« – »Sechs,« antwortete Harville, »und im kleinen Winterfestsaale.« – »Ich eile, gnädiger Herr!«
Vicomte von Saint-Remy, Baron von Monville, Lord Douglas und Graf von Sezanne waren die Herren, an die Harbille durch einen expressen Boten die Einladungen zur Teilnahme an dem Herrenfrühstück ergehen ließ. Joseph konnte sich vor Freude nicht fassen.. »So lustig und guter Dinge habe ich Sie seit langem ja nicht gesehen,« rief er, »sonst sahen Sie immer bleich aus, und heute haben Sie richtig rote Wangen.« – »Da kannst du sehen, Joseph, was Glück beim Menschen ausmacht!« erwiderte Harville; »aber weißt du, Joseph, du mußt mir bei einer kleinen Intrige beistehen, das heißt: du mußt dich bei Jungfer Julien erkundigen, wer der Juwelier ihrer Herrin ist, und wo er wohnt; du mußt ihr aber ans Herz legen, ihrer Herrin kein Sterbenswort davon zu sagen. Schnell, schnell, hörst du? Da kommt ja Doublet!«
Während Joseph hinausging, trat der Intendant tatsächlich auf die Schwelle. »Nun, mein lieber Doublet,« sagte Harville, »heut will ich mal Geld springen lassen.« – »Nun, Herr Marquis, das können wir doch auch, wir haben es doch, Gott sei Dank!« – »Ich will schon lange nach dem Garten zu eine Galerie an den rechten Flügel meines Palais bauen, habe ja lange gezaudert und deshalb noch nicht mit Ihnen geredet; nun habe ich mich aber fest entschlossen. Mein Baumeister soll einmal zu mir kommen, damit wir zusammen über die Sache sprechen.« – »Ich habe immer gesagt, es fehlt dem gnädigen Herrn weiter nichts als eine bestimmte Arbeit oder, sagen wir lieber, Zerstreuung, ein kleines Steckenpferd. Um das Geld brauchen wir uns wahrhaftig keinerlei Gedanken zu machen. Wir können uns das Steckenpferd, wie ich sagte, wählen, ganz nach Belieben.«
Joseph trat ein... »Hier ist die Adresse des Juweliers.. Baudoin heißt er.« – »Ach, Doublet, Sie gehen wohl bei dem Manne mit heran und sagen ihm, er möge mir sogleich eine Diamantenschnur herbringen im Werte von annähernd 2000 Louisdor.« – »Gewiß, Herr Marquis! Auf der Stelle. Behalten doch Diamanten, genau wie Häuser, immer ihren Wert.«
Harville, wieder mit sich allein, ging, die Arme über der Brust gekreuzt, nachdenklich in seinem Zimmer auf und ab. Da änderte sich jäh sein Gesichtsausdruck: die Zufriedenheit, die darin bislang geherrscht hatte, schwand, und ruhige, kalte Entschlossenheit trat an ihre Stelle. Noch ein paar Schritte machte er durch das Zimmer. Dann sank er auf einen Sessel, wie wenn ihn die Wucht seiner Schmerzen niederdrückte: dann stützte er beide Ellbogen auf den Schreibtisch und die Stirn auf beide Hände. Dann fuhr er wieder jäh empor, wischte sich eine Träne aus dem Auge und sprach mit Anstrengung zu sich: »Mut! Mut!« Dann machte er verschiedene Notizen auf einem Blatte, verlegte besprochene Zusammenkünfte auf spätere Tage und ordnete allerhand Papiere in seinem Schreibsekretär.
Ein Wagen rollte in den Hof.. Joseph trat mit der Meldung ein, daß die Frau Marquise ihre Equipage zur Ausfahrt bestellt habe. Kaum war der Diener wieder gegangen, als Harville vor den Spiegel trat und sich aufmerksam betrachtete.. »Recht so,« sprach er vor sich hin, »rote Wangen und Augen, aus denen Fieber leuchtet. Was hats zu sagen, wenn man sich bloß dadurch irreführen läßt? Nun noch ein Lächeln um die Lippen! Wer wird dann ahnen, daß Todesgedanken sich dahinter bergen? Sicherlich niemand.. Aber ich höre meine Frau.. Nun zu Deiner Rolle, Du armer Histrio!«
»Guten Morgen, lieber Mann,« rief ihm Clemence mit liebevollem Stimmklange entgegen und gab ihm die Hand.. »Aber was ist dir denn?« fragte sie neugierig, als sie den lächelnden Zug um seine Lippen sah, »du strahlst ja schier vor Freude!« – »O, ich war eben bei dir in Gedanken, meine Liebe, und dann ist mir die Nacht etwas eingefallen.« – »Nun, so sprich doch!« – »All die gestrigen Vorgänge, dein bewunderungswürdiger Edelmut, das vornehme Verhalten des Fürsten haben mir zu denken gegeben und mich zu deinen Ideen bekehrt; ich beklage, daß ich gestern so aufbrauste, aber du bist mir deshalb nicht weiter böse.. wie? Du hättest es mir doch nicht verzeihen können, wenn ich mich in den Verlust deiner Liebe ohne weiteres still gefügt hätte?« – »Ach, was sind das für liebe Worte, guter Albert! Sieh, das freut mich von ganzem Herzen, daß du mich jetzt besser verstehen willst; o, ich habe mir immer gedacht, daß es besser zwischen uns werden müsse, wenn ich nicht bloß an dein Herz, sondern auch an deinen Verstand appellierte. Jetzt macht mir die Zukunft keine Bange mehr. Geschwisterlich aufeinander gestützt, wollen wir einem gemeinsamen Ziele zupilgern; und beschließen wir unsre Laufbahn, werden wir einander so wiederfinden, wie wir uns jetzt wiedergefunden haben.«
»Meine teure Clemence,« antwortete der Marquis, »ich habe dich gebeten, einen Augenblick hier zu erscheinen, weil ich dir sagen wollte, daß wir heute nicht zusammen den Tee einnehmen könnten. Ich habe ein paar gute Bekannte zu einem Imbiß eingeladen, den ich zur Feier des glücklichen Ausgangs improvisiert habe, den Lucenays Duell genommen hat.«
Die Marquise errötete, als sie an die Ursache dachte, die diesem Duell zugrunde lag: jenes kränkende Wort, das Lucenay in ihrer Gegenwart zu Karl Robert gesagt hatte.. »Ein seltsames Zusammentreffen!« sagte sie, »Lucenay frühstückt bei dir, und mich hat seine Frau, leider auf eine etwas zudringliche Art, zu sich zum Frühstück geladen. Nun, ich habe mancherlei mit ihr im Interesse meiner beiden unbekannten Schützlinge zu sprechen. Ich werde von ihr aus nach Saint-Lazare fahren, denn ich will versuchen, zu den jungen Häftlingen zu gelangen.« –
Es klingelte... »Wohl schon einer deiner Gäste?« fragte die Marquise, »nun, ich gehe jetzt. Was hast du für den Abend vor? Ich ginge gern einmal in die italienische Oper ... Du begleitest mich doch?« – »Mit größtem Vergnügen!« – »Dann also auf Wiedersehen, Albert! Ich räume das Feld und wünsche dir viel Amüsement.«
Sie reichte ihm die Hand und ging zur einen Tür hinaus, wahrend zur andern Herzog von Lucenay hereintrat.
Siebentes Kapitel.
Ein Dejeuner.
Lucenays Verwundung war so geringfügiger Natur gewesen, daß er nicht einmal den Arm in der Binde trug. Auf seinem Gesicht lag noch immer, ein hochmütiger Ausdruck. Seine quecksilberne Unruhe hatte sich nicht gelegt, auch seine Spottsucht hatte sich nicht gemildert. – »Sie müssen mich doch für recht gleichgiltig halten, lieber Lucenay,« sagte Harville, dem Freunde die Hand reichend, »aber ich habe tatsächlich erst heute morgen von dem leidigen Rencontre Kenntnis erhalten.« – »Leidig? Ach, reden Sie doch nicht, Harville! Habe ich doch kaum je im Leben so herzlich gelacht wie bei dieser Affäre ... Der scharmante Karl Robert schnitt ein so feierliches Gesicht, als ich ihm an den Kopf warf, er litte an Fettsucht, daß ich wirklich dachte, er wolle beichten ... Und darum ein Duell? Freilich, vor jungen Damen hört man so was nicht gern! Das macht allemal böses Blut.« – »Nun, daran erkenne ich Sie wieder!« sagte Harville, »aber was ist das für ein Karl Robert?« – »Ich weiß es selbst nicht,« sagte Lucenay, »in einem Badeorte habe ich ihn kennen gelernt. Im Wintergarten beim Gesandtschaftsballe ging ich an ihm vorüber und neckte ihn. Am andern Tage setzte es dafür zur Antwort einen Degenstoß. So stehen wir zusammen. Aber genug von diesen Dummheiten! Ich bin hergekommen, eine Tasse Tee bei Ihnen zu trinken.«
Lucenay warf sich auf ein Sofa.
Harville erwiderte: »Ich habe Ihnen eine Ueberraschung zugedacht, mein Lieber.« – »So? und die wäre?« fragte Lucenay. – »Es kommen ein paar gute Freunde her, zu einem kleinen Imbiß.« – »Das lasse ich mir gefallen. Marquis,« rief Lucenay, »bravo! bravissimo!« – »Saint-Remy wird auch gleich da sein,« sagte Harville; »hoffentlich hat ihn meine Einladung in Paris getroffen.«