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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Wenngleich George und Maurine noch die Monate und Tage wußten (oder sie wenigstens zu wissen glaubten), richteten alle übrigen sich nach dem Stand der Sonne und der Vegetation. Ish setzte seinen Stolz darein, daß er bestimmen konnte, wo man sich im Jahresablauf befand; und wenn er seine Aufzeichnungen mit Georges Kalender verglich, so war er im allgemeinen froh, wenn er sah, daß er sich nur um etwa eine Woche geirrt hatte — immer vorausgesetzt, daß er und nicht George unrecht hatte; denn Ish glaubte nicht recht an Georges Zuverlässigkeit in dieser Beziehung.

Aber wie dem auch sei: es kam auf eine Woche oder zwei nicht an, wenn es sich darum handelte, den Mais zu säen. Jetzt war die Jahreszeit dazu schon zu weit vorgeschritten. Das kalte Wetter würde einsetzen, noch bevor die Saat richtig aufgegangen war. Sie würden es im nächsten Jahr versuchen.

Indessen verwandte Ish während der nun folgenden Tage einige Zeit darauf, in der Umgebung Umschau zu halten und eine geeignete Stelle für die Anlage eines Maisfeldes ausfindig zu machen. Er nahm Joey mit, und die beiden unterhielten sich, Ish als Lehrender, über Lage, Bodenbeschaffenheit und die Möglichkeiten, das wilde Vieh fernzuhalten. Ish dachte, daß gerade ihr Bezirk vielleicht der ungünstigste für den Maisbau in den gesamten Vereinigten Staaten sei. Eine Sorte, die sich dem trockenen, heißen Klima des Rio-Grande-Tals angepaßt hatte, kam vielleicht in den kühlen, nebelverhangenen Sommern der Bucht von San Francisco nicht einmal zur Reife. Überdies war er kein Landwirt, und beim Gartenbau hatte er wenig Geschick und Glück bewiesen. Seine Kenntnisse von Pflanzen und Bodenverhältnissen waren in der Hauptsache theoretisch und ein Ergebnis seiner geographischen Studien. Kein einziger Angehöriger des »Stammes« war Landwirt gewesen, wenngleich Maurine auf einem Bauernhof aufgewachsen war. Dieser unglückliche Zufall, wie man es nennen könnte, daß sich kein einziger unter ihnen befand, der dem Boden verbunden war, hatte bereits weitgehend ihrer aller Lebensanschauung beeinflußt.

Eines Tages — mehr als eine Woche war vergangen, und die Erinnerung an Charlie und den Eichbaum war schon etwas verblaßt — kamen Ish und Joey heim, nachdem sie die beste unter allen in Frage kommenden Stellen ausfindig gemacht hatten. Em kam ihnen auf der Vortreppe entgegen, und sogleich wußte Ish, daß etwas geschehen war.

»Was ist los?« fragte er hastig.

»Oh, nichts Besonderes«, antwortete sie. »Ich hoffe es wenigstens. Bob scheint ein bißchen krank zu sein.«

Zu Tode erschrocken blieb Ish auf der Vortreppe stehen und sah Em an.

»Nein, ich glaube, das ist es nicht«, sagte sie. »Ich bin zwar kein Arzt, aber ich glaube nicht, daß es so etwas ist. Ich sehe nicht einmal ein, wieso das möglich sein sollte. Komm und sieh ihn dir an. Er sagt, er sei schon während der ganzen letzten Tage nicht ganz auf der Höhe gewesen.«

Während all der Jahre hatte gewöhnlich Ish die Verantwortung der ärztlichen Betreuung auf sich genommen. Er hatte eine gewisse Geschicklichkeit in der Behandlung von Schnittwunden, Beulen und Verrenkungen erworben und einmal sogar einen gebrochenen Arm geschient. Aber mit ansteckenden Krankheiten besaß er nicht die mindeste Erfahrung, da es dem Anschein nach ja innerhalb des »Stammes« nur zwei zu geben schien.

»Hat Bob vielleicht einen Anfall von Halsentzündung?« fragte er. »Das kann ich schnell wieder in Ordnung bringen.«

»Nein«, sagte sie, »Halsentzündung ist es nicht. Er will immer nur flach auf dem Rücken liegen.«

»Da werden die Sulfa-Pillen schon nützen«, sagt Ish aufgeräumt. »Solange noch Tausende von Pillen in den Drugstores lagern, sind wir gut dran! Und wenn Sulfa nicht hilft, versuche ich es eben mit Penicillin.«

Er ging schnell hinauf. Bob lag im Bett; er lag sehr still und hielt das Gesicht vom Licht abgekehrt.

»Ach, mir geht es ganz gut«, sagte er unwirsch. »Mutter regt sich immer gleich so auf!«

Ein Beweis für das Gegenteil, meinte Ish, war die Tatsache daß er sich ins Bett gelegt hatte. Mit sechzehn Jahren legt man sich nicht ins Bett, solange man noch stehen kann.

Ish sah sich um und erblickte Joey, der neugierig zu seinem Bruder hinsah.

»Joey, mach, daß du rauskommst!« fuhr er ihn an.

»Ich möchte aber zusehen. Ich will wissen, wie das ist, wenn man krank ist!«

»Nein, hier steckst du deine Nase nicht hinein. Wenn du größer und kräftiger bist, dann zeige ich es dir und erzähle dir etwas darüber. Wir wollen nicht, daß du ebenfalls krank wirst. Das erste, was man über Krankheiten lernen muß, ist, daß sie sich von einem Menschen auf den andern übertragen.«

Joey trollte sich widerstrebend; seine Neugier war größer als alle theoretische Furcht vor Ansteckung. Der »Stamm« besaß zu wenig Erfahrungen mit ansteckenden Krankheiten, als daß die Kinder Respekt vor ihnen gehabt hätten.

Bob klagte über Kopfschmerzen und allgemeines schlechtes Befinden, ohne daß ihm eine bestimmte Stelle weh getan hätte. Er lag ganz still im Bett, augenscheinlich sehr erschöpft. Ish maß ihm die Temperatur, die unterhalb der Fiebergrenze lag und also weder besonders gut noch besonders schlecht war. Er verschrieb zwei Sulfatabletten und ein ganzes Glas Wasser. Bob verschluckte sich; er war es nicht gewohnt, so etwas hinunterzuschlucken.

Nachdem er Bob gesagt hatte, er solle versuchen zu schlafen, ging Ish und zog die Tür hinter sich zu.

»Was hat er denn?« fragte Em.

Er zuckte mit den Achseln. »Nichts, was durch Sulfa kuriert werden könnte, glaube ich.«

»Und dennoch glaube ich es nicht. So schnell …«

»Ja. Aber du weißt ja, daß es etwas wie ein zufälliges Zusammentreffen gibt.«

»Das weiß ich. Aber du machst dir wieder trübe Gedanken darüber.«

»Ich will ihm die Tabletten alle vier Stunden geben, wenigstens über Nacht, ehe ich mit den trüben Gedanken anfange.«

»Es wäre schön, wenn du das tätest«, schloß sie die Unterhaltung ab und ging weg.

Aber noch ehe Ish hinaufgegangen war, hatte er gewußt, daß ihr Skeptizismus nur zu berechtigt sei. Und warum sollte ein Mann sich nicht Sorgen machen? Selbst in den Alten Zeiten, als man im Schutz der Ärzte und des öffentlichen Gesundheitsdienstes gelebt hatte, waren die geheimnisvollen, plötzlichen Ausbrüche ansteckender Krankheiten mit Schrecken verbunden gewesen. In wieviel stärkerem Maße war das jetzt der Fall!

»Es ist meine Schuld!« dachte er. »All diese Jahre der Gnadenfrist! Ich hätte die Medizinbücher durcharbeiten sollen. Ich hätte mich selbst als Arzt ausbilden sollen.«

Seine Unruhe wuchs. Wenngleich noch nicht eine halbe Stunde vergangen war, ging Ish nach oben und sah nach Bob. Es war inzwischen Abend geworden, und Bob lag ruhig in dem halbdunklen Raum. Ish wollte ihn nicht stören und ging wieder nach unten.

Er setzte sich in den großen Sessel und rauchte. Gern hätte er den Fall mit jemandem besprochen; aber Em besaß dazu nicht die nötige Bildung, und Joey war noch zu unerfahren. So war er denn auf sich selbst angewiesen.

Der »Stamm« hatte die Masern und eine Art Halsentzündung bewahrt. Irgend jemand, vielleicht er selbst, war der Bazillenträger gewesen, oder die Keime hatten sich auf einem Tier gehalten, mit dem sie in Berührung gekommen waren. Dagegen waren die Leute in Los Angeles vielleicht frei von Masern und hatten statt dessen Mumps oder Keuchhusten bewahrt. Und bei denen am Rio Grande gab es vielleicht die Ruhr.

Und dann Charlie! Selbst wenn er nicht die Krankheiten gehabt haben sollte, mit denen er großgetan hatte, so war er vielleicht der Träger einer anderen Krankheit gewesen, die in der Gegend von Los Angeles grassierte. Der Gedanke, die Jungs auf eine Entdeckungsfahrt zu schicken, war also alles andere als gut gewesen! Plötzlich begann Ish eine unvernünftige Furcht vor jedem Fremden zu empfinden. Man mußte sie in einem Abstand von zweihundert Fuß halten, das war es, und sie dann über die Visiervorrichtung eines guten Gewehrs hinweg beobachten!

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