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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Dann schwieg sie, und er sah, daß sie das Gesicht in den Händen barg, so daß er nicht sehen konnte, ob Furcht darin war oder nicht. Doch er wußte, daß sie schluchzte.

Und abermals kam er sich ihr gegenüber klein und sehr gering vor. Wiederum hatte sie ihn nicht im Stich gelassen. Das Wichtigste indessen war, daß er in sich Ruhe, Frieden und eine neue Sicherheit verspürte. Ja, er hätte es wissen müssen. Er vor allen andern hätte nicht zweifeln dürfen.

Er streckte den Arm aus und ergriff eine ihrer Hände.

»Fürchte dich nicht«, hörte er sich sagen, obwohl es widersinnig war, daß gerade er ihr das sagte. »Du hast recht; du hast recht!

Nie wieder darf ich dergleichen Dinge denken. Ich weiß um die Beweisgründe. Aber wenn es um den Tod geht und man sehr krank gewesen ist, dann ist man schwach. Ja, du darfst nicht vergessen, ich bin noch nicht ganz wieder ich selbst.«

Da plötzlich küßte sie ihn unter heißen Tränen, und dann verließ sie das Zimmer. Wiederum erkannte er, daß sie stark war. Wiederum konnte der Mut aus ihr strömen. O Mutter von Nationen!

Auch er, obwohl er noch schwach und ermattet dalag, verspürte wieder Mut.

Ja, dachte er, und jetzt floh er nicht vor dem Gedanken: Joey ist von uns gegangen. Joey ist tot. Er kehrt nie wieder. Und dennoch gibt es für uns eine Zukunft. Obwohl ich jetzt graues Haar habe, ist Em, sind die andern noch da, und so darf ich sogar glücklich sein. Unsere Zukunft wird nicht wie die sein, die ich plante, nun Joey tot ist. Aber ich werde tun, was in meinen Kräften steht.

Nochmals kam er sich klein und gering vor. Er spürte, wie alle großen Kräfte der Welt sich gegen ihn wandten, gegen den einzigen noch liebenden Menschen, der denken und Pläne für die Zukunft fassen konnte. Er hatte versucht, jenen Kräften entgegenzutreten, und sie waren über ihn hinweggerollt. Vielleicht wären ihrer gar zu viele gewesen, auch wenn Joey noch gelebt hätte. Fortan mußte er scharfsinniger planen, behutsamer zu Werke gehen, sich an geringere und praktischere Dinge machen, Fuchs und nicht Löwe sein.

Aber zunächst mußte er wieder zu Kräften kommen. Noch bevor das Jahr zu Ende ging, würde er dann etwas unternehmen können.

Sogleich spürte er, wie sein Geist sich umstellte und zu arbeiten begann. Es war doch ein guter Geist! Er merkte, daß er dem eigenen Gehirn Beifall zollte, als sei es ein vertrautes Werkzeug oder ein Motor — zwar alt, aber geschmeidig funktionierend.

Doch er war sehr schwach, und ehe er richtig zu denken angefangen hatte, war er eingeschlafen.

Vielleicht hatte es zu viele Menschen gegeben, zu viele alte Wege des Denkens, zu viele Bücher. Vielleicht waren die Wurzeln des Denkens zu tief gewachsen, und die Abfälle der Vergangenheit lagen zu schwer rings um uns, gleich Haufen von Kehricht und alten Kleidern! Warum sollte der Philosoph es nicht begrüßen, daß alles hinweggefegt worden war, daß jetzt ein neuer Beginn vollzogen würde und die Menschen das Spiel mit neuen Rollen spielten? Vielleicht war dabei mehr Gewinn denn Verlust.

Während der Wochen der Epidemie hatten diejenigen, die verschont geblieben waren, den Gestorbenen nur ein hastiges Begräbnis zuteil werden lassen können. Als die Genesenden das Bett verlassen konnten, regten George, Maurine und Molly einen Trauergottesdienst an.

Ish, und ebenso Em, wären nur zu froh gewesen, wenn man alles in dem Zustand belassen hätte, in dem es sich befand. Ish indessen meinte, die anderen würden glücklicher sein, wenn der Gottesdienst gehalten würde.

So regte er denn an, der Gottesdienst sollte stattfinden, und am folgenden Tage sollten alle normalen Tätigkeiten wieder aufgenommen werden. Obwohl er keine besonderen Gedanken über die Wiederaufnahme des Schulunterrichts geäußert hatte, merkte er, daß die andern ihn stillschweigend voraussetzten, und dem konnte er nur beistimmen.

Unter allgemeiner Billigung wurde Ezra ausersehen, den Gottesdienst zu halten. Er bestimmte dazu eine frühe Morgenstunde.

Wie in jeder Gemeinschaft, wo künstliches Licht knapp und unzulänglich war, bestand die Gewohnheit, mit der Sonne aufzustehen, und so brauchten sie kaum früher als gewöhnlich aus den Betten zu kriechen, um an die kleine Reihe von Gräbern heranzutreten. Der Himmel war klar; aber der Westhang der Hügelkette lag noch lichtlos. Ein paar hagere Kiefern, die in der Nähe der Gräber standen, warfen noch keinen Schatten.

Die Jahreszeit war schon zu weit vorgeschritten, als daß es noch Wiesenblumen gegeben hätte; aber auf Ezras Weisung hin hatten die Kinder grüne Tannenzweige abgebrochen und damit die Hügel bedeckt. Obwohl es nur fünf Gräber waren, bedeutete der Verlust ein großes Unglück. Im Vergleich zu der geringen Kopfzahl des »Stamms« galten fünf Tote mehr als hunderttausend in einer Stadt von einer Million Einwohnern.

Die Überlebenden waren sämtlich gekommen — Mütter trugen ihre Babys auf dem Arm, kleine Jungen oder Mädchen hielten die Hände ihrer Väter.

Ish stand da und spürte den schweren Hammer in seiner rechten Hand. Er war ohne ihn fortgegangen, aber Josey hatte ihn daran erinnert in der Annahme, er habe ihn bloß vergessen. Nach Auffassung der Jüngeren war der Hammer bei einer feierlichen Gelegenheit unentbehrlich. Noch vor ein paar Monaten hätte Ish nicht nachgegeben, sondern er hätte die Gelegenheit wahrgenommen und Josey einen Vortrag über den Aberglauben gehalten. Heute indessen hatte er den Hammer geholt und mitgenommen.

Inzwischen hatten sich alle in einem unregelmäßigen Halbkreis aufgestellt, die Gesichter den Gräbern zugewandt, jede Familie in einer Gruppe. Von seinem Platz in der Mitte aus schaute Ish erst nach der einen und dann nach der andern Seite. George trug einen altertümlich wirkenden dunkelgrauen Anzug, wahrscheinlich hatte er ihn früher schon immer bei Begräbnissen getragen, als er in den Alten Zeiten Gemeindehelfer gewesen war. Maurine, die neben ihm stand, trug ein schlichtes schwarzes Kleid und einen Schleier. Zumindest solange diese beiden am Leben waren, würden die alten Bräuche fortdauern. Alle andern indessen waren mit den vom Zufall zusammengewürfelten, aber bequemen Sachen bekleidet, die die Zivilisation ihnen hinterlassen hatte. Die Männer und Knaben trugen blaue Baumwollhosen, Sporthemden und leichte Windjacken, der Kälte des frühen Morgens wegen. Ein paar der kleineren Mädchen waren kaum von den Jungs zu unterscheiden, abgesehen von dem längeren Haar; aber die Frauen und die meisten Mädchen betonten ihre Weiblichkeit durch Röcke, und sie huldigten der Farbe durch rote, grüne oder blaue Tücher und Bänder.

Ezra trat vor und schickte sich an, zu beginnen. Das Sonnenlicht hinter den Hügeln leuchtete jetzt hell golden; das Schweigen wurde immer tiefer. Ish hatte ein würgendes Gefühl im Halse.

Ezra begann zu sprechen. Er knüpfte nicht an die alten Trauergottesdienste an. Er erging sich nicht in abgedroschenen Phrasen. Er sprach nicht von der Hoffnung jenseits des Grabes. In dergleichen Worten hätten von allen, die hier standen, nur George und Maurine und vielleicht Molly Trost gefunden. Es fiel einem schwer, an so etwas zu denken, wenn sich über die Tradition der mächtige schwarze Schatten des Großen Unheils breitete.

Ezra, der Menschenkenner, sprach ein paar Worte über jedes der Kinder. Er erzählte von jedem einzelnen eine liebenswerte kleine Geschichte, etwas, dessen er sich erinnerte und dessen die andern sich wohl ebenfalls erinnerten.

Schließlich begann er von Joey zu sprechen, und Ish überkam eine jähe Schwäche. Doch Ezra sprach nicht von irgendwelchen bemerkenswerten Dingen, die Joey getan hatte, und er erwähnte nicht einmal, daß ein Jahr nach ihm benannt worden war. Statt dessen erzählte er, wie er es bei den andern getan, ein kleines Geschehnis, das sich beim Spielen zugetragen hatte.

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