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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Als Ezra von Joey sprach, merkte Ish, daß einige der Kinder hastige, verstohlene Seitenblicke auf ihn warfen. Sie wußten um die enge Bindung, die zwischen Joey und seinem Vater bestanden hatte. Überlegten sie sich, ob er, Ish, im letzten Augenblick vortreten werde? Er, der »Alte«, der Amerikaner, der so viele seltsame Dinge wußte — würde er im letzten Augenblick vortreten, starr den Hammer ausstrecken und erklären, Joey sei nicht von ihnen gegangen, Joey lebe noch, Joey würde wiederkommen? Würde die Erde des kleinen Hügels aufbrechen?

Doch Ish gewahrte lediglich ihre hastigen, scheuen, verstohlenen Blicke. Sie sagten nichts. Und was sie auch denken mochten: Ish wußte, daß er kein Wunder tun konnte.

Als Ezra damit fertig war, von Joey zu erzählen, fuhr er in allgemeineren Wendungen fort. Warum hörte er nicht an dieser Stelle auf? Ish verspürte einigen Unwillen. Der Gottesdienst durfte sich nicht zu lange hinschleppen!

Da fand Ezra unvermittelt den Schluß, und im gleichen Augenblick nahm Ish eine Veränderung wahr. Plötzlich war die ganze Welt heller geworden. Der obere Rand der Sonne war über dem Hügelkamm erschienen!

Ish wußte nicht, ob er erfreut oder bestürzt sein sollte. »Gut ausgedacht!« sagte er sich. »Aber ein Bühnentrick!« Doch als er dann Umschau hielt, sah er, daß die andern glücklich waren. Da ließ er es gut sein, und obwohl er den Theatercoup durchschaute, empfand er Trost.

Die Wiederkehr der Sonne! Das uralte Sinnbild! Ezra war zu ehrenhaft und innerlich zu sauber, als daß er Unsterblichkeit verheißen hätte; aber er hatte den rechten Augenblick gewählt, und zu seinem Glück war der Morgen klar. Gleichgültig, ob man an eine persönliche Auferstehung oder das Fortdauern der Rasse glaubte: das Sinnbild war erschienen.

Jetzt dehnten sich Pfade gelben Sonnenlichts zwischen den Schatten der hageren, düsteren Bäume.

Auch darin sind wir Menschen, daß wir uns Gedanken über den Tod machen. Einstmals war das nicht so, und wenn einer von uns gestorben war, so lag er, wo er eben lag, vor dem Höhleneingang, und wir liefen hinein und heraus, und wir liefen wohl beinahe noch auf allen vieren. Jetzt stehen wir aufrecht, und jetzt machen wir uns Gedanken über den Tod.

Wenn jetzt ein Gefährte daliegt, lassen wir ihn nicht einfach dort liegen, wo er gestorben ist. Und wir nehmen ihn nicht einfach bei den Armen und Beinen und schleppen ihn, den Füchsen und Ratten zum Fraß, in den Wald. Wir werfen ihn auch nicht einfach in den Fluß, auf daß die Strömung ihn von dannen trage.

Nein, wir legen ihn vielmehr dorthin, wo sich eine kleine Mulde im Boden befindet, und dann bedecken wir ihn mit Laub und Zweigen. So kehrt er zurück zur Erde, der alle Dinge entstammen.

Oder wir betten ihn im Baumgeäst zur Ruhe und geben ihn der Luft preis. Wenn dann die schwarzen Vögel in Schwärmen von fern herbeigeflogen kommen und an ihm herumpicken, so ist auch das recht, denn sie sind die Geschöpfe der Luft.

Oder wir überantworten ihn dem hellen, heißen, reinigenden Feuer.

Dann setzen wir unser Leben fort, wie es vorher war, und bald vergessen wir, wie die Tiere. Aber wir haben wenigstens dieses getan, und wenn wir es nicht mehr tun, dann sind wir keine Menschen mehr.

Nachdem die Feier an den Gräbern vorüber war, gingen sie alle durch den frühen Sonnenschein zurück zu ihren Häusern. Ish verspürte den Wunsch, allein zu sein. Allerdings wußte er, daß es unrecht sei, Em in diesem Augenblick sich selbst zu überlassen. Aber sie mußte gewittert haben, was in ihm vorging, und so gab sie ihm ihrerseits die Anregung.

»Geh nur«, sagte sie. »Es ist besser für dich, wenn du jetzt einen Spaziergang machst und ein Weilchen allein bist.«

Er entschloß sich, es zu tun. Wie er gefürchtet, hatte die Trauerfeier ihn tief verstört. Manche Menschen suchen, wenn sie Kummer haben, Gesellschaft; aber er gehörte zu denen, die dann besser für sich bleiben. Über Em machte er sich keine trüben Gedanken; sie war stärker als er.

Er nahm keinen Mundvorrat mit, weil er keinen Hunger verspürte. Im Notfalle konnte er unterwegs in einen Laden gehen und sich eine Dose holen. Er schnallte das Pistolenkoppel nicht um, obwohl es zu ihren Gepflogenheiten gehörte, sich nicht ohne Waffe weit von den Häusern zu entfernen. Doch im letzten Augenblick zögerte er, und dann nahm er den Hammer vom Kaminsims.

Die bloße Tatsache, daß er ihn mitnahm, verwirrte ihn ein bißchen. Wie kam es nur, daß der Hammer in seinem Denken einen so großen Raum einnahm? Er war durchaus nicht sein ältestes Besitztum; denn überall im Hause verstreut fanden sich Dinge, die ihm gehörten und deren er sich aus seiner frühesten Kindheit erinnerte. Aber keins von ihnen allen war wie der Hammer. Vielleicht rührte das daher, daß er ihn in Zusammenhang mit der Tatsache brachte, daß er mit dem Leben davongekommen war. Und dennoch glaubte er durchaus nicht, was die Kinder von dem Hammer zu glauben schienen.

Er verließ das Haus und gab nicht acht, welche Richtung er einschlug, sofern er nur allein bleiben konnte. Der in seiner Hand baumelnde Hammer wurde ihm lästig. Er begann, Widerwillen gegen ihn zu empfinden. Hatte sich auch in seinem Geist der Aberglauben eingenistet, wie es bei den Kindern der Fall war?

Nun, warum legte er den Hammer nicht einfach irgendwohin und nahm ihn auf dem Heimweg wieder an sich? Oder holte ihn sich morgen? Aber er legte ihn nicht hin.

Es fiel ihm ein, daß sein Widerwille gegen den Hammer nicht dem Umstand entsprang, daß er ihm im Augenblick unbequem war, sondern weit eher von der Empfindung herrührte daß er sich an ihn gebunden glaubte. Sogleich beschloß er, sich seiner zu entledigen. Er sollte ihn nicht länger innerlich belasten. Wie er es früher schon einmal erwogen hatte, wollte er hinunter an die Meeresbucht gehen, an den alten Kai, und dann den Hammer mit einem gewaltigen Schwung weit hinaus in die Wogen werfen. Er schritt wacker aus. Dann durchflutete ihn wieder die Erinnerung an Joey, und im Weitergehen kam ihm der Hammer aus dem Sinn.

Nach einer Weile wich der Kummer von ihm, und er wurde sich bewußt, daß er auf einem Spaziergang begriffen war und den Hammer bei sich hatte. Dann merkte er, daß er ungeachtet seines Entschlusses gar nicht in Richtung der Meeresbucht ging. Er wanderte nach Süden, nicht nach Westen.

»Es wäre ein weiter Weg bis zur Bucht, und ich fühle mich noch nicht kräftig«, sagte er sich. »Es hat keinen Zweck, so weit zu gehen, nur um den alten Hammer loszuwerden. Ich kann ihn in einen Abzugsgraben oder ins Gebüsch werfen; dann habe ich bald vergessen, wo ich ihn hingeworfen habe.«

Dann wurde er sich abermals bewußt, daß sein Geist ihn zu täuschen versuchte und daß er, auch wenn er den Hammer in einen Abzugsgraben warf, kaum je vergessen würde, wohin er ihn geworfen hatte: auf diese Weise würde er ihn also nicht endgültig loswerden. Er gab sein Vorhaben auf, weil er erkannte, daß er sich im Grunde gar nicht von dem Hammer trennen wollte, und daß es auf eine verzwickte Weise dahin gekommen war, daß der Hammer ihm sehr viel bedeutete. Gleichzeitig fiel ihm ein, warum er südwärts wanderte und wohin sein Geist, ihm unbewußt, seine Schritte lenkte.

Er folgte der breiten Straße, die auf das Universitätsgelände zu führte. Seit langer Zeit war er nicht dort gewesen. Während er dahinschritt, bohrte der Schmerz noch immer in ihm. Irgendwie hatte er aber an Kraft verloren, als habe seine Entscheidung über den Hammer eine Wandlung herbeigeführt.

Nun, wie früher so oft schon, hielt er Umschau, und das Schauspiel des Zeitenwandels packte ihn und lenkte ihn von seinem Kummer ab. Gerade dieser Bezirk hatte besonders schwer unter dem Erdboden gelitten. Ein tiefer Riß zog sich quer durch das alte Betonpflaster; Regen und rinnendes Wasser hatten ihn erweitert und vertieft, und nun erhoben sich aus dem Erdspalt Büsche und Bäume quer über die breite Straße. Ish schwang den Hammer, um sich Schwungkraft zu geben, übersprang die vier Fuß breite Schlucht und freute sich, daß seine Beine dazu trotz der Krankheit nicht zu schwach geworden waren.

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