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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Nun würde alles nie wieder sein wie zuvor. Ish mochte nicht an das Geschehene denken, und wenn er es doch tat, so verspürte er leichte körperliche Übelkeit. Ohne den zuverlässigen George wären sie vielleicht gar nicht damit zu Ende gekommen. George, der Praktiker, hatte das Seil geknotet und die Leiter angestellt.

Nein, auch in Zukunft würde er immer nur sehr ungern daran denken. Dessen war er sicher. Dies war ein Ende, und es war zugleich ein Beginn. Es war das Ende jener einundzwanzig Jahre, da sie, wie er jetzt meinte, in einem idyllischen Zustand gelebt hatten, so wie er etwa im alten Garten Eden gewaltet hatte. Sie hatten Schwierigkeiten und Ärger gehabt; sie hatten sogar den Tod kennengelernt. Aber den Rückschauenden dünkte, als sei alles sehr einfach gewesen. Dies war ein Ende; doch es war zugleich ein Beginn, und ein langer Weg lag vor ihnen. In der Vergangenheit waren sie nichts als eine kleine Menschenschar gewesen, kaum mehr als eine überzahlreiche Familie. In Zukunft waren sie ein Staat.

»Es war notwendig … Es war notwendig«, sagte er sich immerfort. Ja, er konnte die Tat durch den erhabensten aller Beweggründe motivieren — die Sicherheit und das Glück des »Stammes«. Er konnte das Geschehene durch Vernunftgründe rechtfertigen. Obwohl der Tatbestand sich nicht restlos hatte beweisen lassen, war die Gefahr zu groß gewesen.

Doch nie würde er Gewißheit darüber erlangen, in welchem Maße andere Motive, sekundäre und persönliche, bei seinem Entschluß mitgewirkt hatten. Im Gefühl einer Schuld erinnerte er sich, wie sein Herz einen Freudensprung getan hatte, als Ezras Worte seinem eigenen Widerwillen und seinen Befürchtungen Unterstützung liehen. Auf jeden Fall aber war die Sache jetzt abgetan. Nein, er würde nur sagen: »Es ist ausgestanden.«

Er ging mit den andern. Sie schwiegen; aber die drei Jungs fanden nach und nach ihre gute Laune wieder. Dabei lag kein Grund vor, daß sie sich weniger betroffen fühlten als die älteren Männer. Die Jungs hatten zwar nicht mit abgestimmt; aber sie hatten bei der Hinrichtung mitgewirkt. »Ja«, dachte Ish, »wenn jemand schuldig ist, so sind wir alle schuldig, und in künftigen Zeiten kann keiner dem anderen etwas vorwerfen.«

Nie war ihnen eine Meile so lang vorgekommen wie bei diesem Rückweg von der alten Eiche bis zu den Häusern in der San-Lupo-Promenade.

Daheim trat Ish vor den Kamin und stellte den Hammer auf den Sims, den Kopf nach unten, so daß der Stiel kerzengerade nach oben ragte. Ja, er war ein alter Freund, sein Hammer. Und Ishs Gedanken eilten zurück in die Vergangenheit.

Plötzlich hörte er von der Straße her das Geräusch einer Säge und merkte, daß George sich wieder an die Arbeit an seinem geliebten Holz gemacht hatte. Schwerlich würde George allzuviel Zeit mit dem Zurückdenken an das Geschehene verschwenden. Und Ezra und die Jungs würden das genausowenig tun. Unter ihnen allen machte einzig er, Ish, sich Gedanken.

Em kam herein. Sie war nicht mit bei der Eiche gewesen; das war keine Frauensache. Doch auch sie hatte das Wort auf den Zettel geschrieben. Aber Em, so meinte er, würde sich darüber kaum allzu viele und allzu trübe Gedanken machen. Dazu war sie von Natur eine viel zu geschlossene, ungebrochene Persönlichkeit.

Sie sagte: »Denk jetzt nicht mehr darüber nach. Mach dir keine trüben Gedanken.«

Er nahm ihre Hand in die seine und drückte sie an seine Wange.

»Ich höre nie damit auf!« sagte er schließlich. »Mir trübe Gedanken zu machen, meine ich. Vermutlich macht mir das Freude. Aber ich muß versuchen, vorauszuschauen, den Nebel zu durchdringen. Wahrscheinlich habe ich in den Alten Zeiten den mir gemäßen Beruf gewählt; ich wäre ein guter Forscher und Gelehrter gewesen. Aber meiner Meinung nach ist es ein schlechter Scherz, daß ich einer der Überlebenden war. Nur Leute wie George und Ezra wären nötig gewesen; die kommen auch weiter, ohne daß sie sich Gedanken machen oder etwas unternehmen. Oder die neue Zeit bedarf der Menschen, die handeln und Führer sein könnten, ohne daß sie groß Überlegungen anstellen.«

Einen Augenblick schmiegte sich ihre Wange an die seine.

»Wie dem auch sei«, sagte sie, »ich will dich nicht anders, als du bist.«

Ja, so und nicht anders mußte eine Frau sprechen. Es war banal, aber es war tröstlich.

Eins der Kinder rief, und Em ging hinaus. Ish stand auf, trat an den Tisch und nahm aus einem der Schubfächer die kleine Pappschachtel, die die Jungs von der winzigen Gemeinschaft in der Nähe des Rio Grande mit heimgebracht hatten. Ish wußte, was darin war, aber infolge der sich überstürzenden Geschehnisse hatte er noch nicht die Zeit oder die innere Ruhe aufgebracht, es sich anzusehen.

Er öffnete die kleine Schachtel und tauchte den Finger in die kühlen, glatten Körner. Er schüttete ein paar in seinen Handteller und sah sie sich an. Sie waren rot und schwarz, schmal, an den Enden spitz — nicht die großen, flächigen, gelben oder weißen Körner, die zu erblicken er erwartet hatte. Diese nun aber hätte er von Rechts wegen erwarten müssen! Die großen Körner stammten von einer hochgezüchteten, wahrscheinlich sogar künstlich gekreuzten Maissorte. Die kleinen schwarzen und roten waren dem Urzustand näher, so, wie die Pueblo-Indianer sie von jeher angebaut hatten.

Er nahm die Schachtel mit zu seinem Sessel. Er nahm die roten und die schwarzen Körner heraus und ließ sie durch die Finger wieder in die Schachtel rinnen. Er spielte mit ihnen, und während er mit ihnen spielte, überkam ihn gnädiges Vergessen, und ein neuer Friede zog in sein Herz ein. Auch dies war ein Ergebnis der Expedition gen Osten. In diesem Mais ruhten Leben und Zukunft.

Weizen und Mais — auch diese beiden hatten sich, wie Hund und Pferd, zusammen mit dem Menschen weiterentwickelt und seine Schicksale geteilt, Freunde und Helfer auf einem langen Wege …

Fern auf einem trockenen Fleckchen der Alten Welt sproßte das niedrige, stachelige Gras üppiger, an den Grenzen der Lagerstätten, wo die Beschaffenheit des Bodens ihm behagte. So erwählte es sich vielleicht anfangs den Menschen; aber bald wurde es vom Menschen erwählt. Je mehr es ihm seine Sorgfalt vergalt, desto mehr hätschelte er es. Unter seiner Pflege wurde es höher und kräftiger und erzeugte mehr Samen; aber es verlangte auch gepflügten Boden und Befreiung seiner Wuchsstätte von den begehrlichen wilden Gräsern.

Im ersten Jahr nach dem Aufhören der gepflügten Felder sproßte der selbsttätig ausgesamte Weizen auf Tausenden von Morgen Ackerland; aber bald ging er mehr und mehr zurück. Wie die Wölfe über die Schafe, so brachen die wilden einheimischen Grasarten über den Weizen herein. Sie bildeten zähe Soden; Jahr für Jahr entwuchsen sie den gleichen Wurzeln und gediehen desto besser, als kein Ackerbau mehr betrieben wurde.

Nach einer gewissen Zeitspanne gab es keinen Weizen mehr, außer daß fern in trockenen Gebieten Asiens und Afrikas hier und dort noch immer das niedrige, stachelige Gras wuchs, wie es vor dem »Ackerbau« genannten Zwischenfall gewachsen war …

So geschah es auch mit dem Mais. Auch er hatte von den tropischen Gebieten Amerikas aus eine weite Reise mit dem Menschen zurückgelegt. Gleich dem Schaf hatte er seine Freiheit gegen ein fettes, verwöhntes Dasein eingetauscht. Er konnte nicht länger selber seinen Samen ausstreuen, der dicht in den zähen Hülsen saß. Noch schneller als der Weizen schwand der Mais dahin. Nur auf den mexikanischen Hochflächen hoben sich die zottigen Kolben der in dichten Gruppen wachsenden wilden Teosinte der hohen Sonne entgegen …

So geschieht es, wenn nicht hier und dort ein paar Menschen überleben. Denn wenn der Mensch nicht ohne Weizen und Mais gedeihen kann, so können Weizen und Mais noch weniger ohne den Menschen gedeihen.

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