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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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»Hol dir jetzt Ezra und George und die Jungs«, sagte sie. »Nein, ich schicke eins von den Kindern hin. So kann es nicht weitergehen; es muß besprochen werden, was mit ihm und uns zu geschehen hat!«

George kam als erster, und kurz nach ihm Ezra. Ish gewahrte, daß Ezras behende Augen von George zu Em und wieder zurückglitten. »Er hat irgend etwas«, dachte Ish. »Aber er will es nur mir sagen.« Doch Ezra machte keinen Versuch, eine Gelegenheit zu finden. Statt dessen schaute er schließlich einigermaßen verlegen auf Em.

»Molly hat Evie in einem der oberen Zimmer einschließen müssen«, sagte er. Ish spürte deutlich, wie hart es Ezra als einem höflichen und gebildeten Menschen ankam, daß er vor anderen Leuten auf diese Weise von dem Leidenschaftsausbruch sprechen mußte, der das schwachsinnige Mädchen nach den Liebkosungen durch einen Mann heimgesucht hatte.

»Sind Vorkehrungen getroffen, daß sie nicht aus dem Fenster springen kann?« fragte Ish.

»Ich glaube nicht«, antwortete Ezra.

»Ich könnte ein paar Latten davornageln«, sagte George eifrig. »Wir könnten irgendwas quer über das Fenster nageln.«

Alle lachten ein bißchen, trotz des Ernstes der Lage.

In diesem Augenblick kamen Jack und Roger, Ishs Söhne, herein, und nach ihnen Ralph, der letzte des Trios.

Das Kommen der Jungs führte eine kleine Entspannung herbei; man setzte sich und machte es sich bequem. Sogleich war Ish sich darüber klar, daß alle erwarteten, er würde jetzt etwas sagen, und ihm war wieder, als vollziehe sich alles viel zu schnell. Er sah sich einer Aufgabe gegenüber, die fast der Organisation eines neuen Staates glich. Aber schließlich konnten sie nicht ruhig beeinander sitzen und mit der Niederschrift einer Verfassung mit alterprobten Einleitungssätzen beginnen. Nein, sie sahen sich einer besonderen, ärgerlichen Lage gegenüber, und jetzt mußte gehandelt werden.

So stellte er denn die eindeutige Frage: »Was müssen wir in bezug auf Evie und diesen Charlie tun?«

Es erhob sich ein Durcheinander von Gerede, und sogleich überrieselte es Ish kalt bei der Erwägung, daß von all diesen Menschen nur Ezra mit ihm übereinstimmte. Die Jungs und sogar George schienen zu meinen, daß Charlie eine von außen her wirkende Kraft zur Anfachung und Bereicherung des Daseins des »Stammes« darstellte. Wenn er Evie mochte, dann desto besser. Sie empfanden genug Respekt Ish gegenüber, daß sie darauf bestanden, Charlie müsse sich des Vorkommnisses am Morgen wegen entschuldigen. Aber Ish spürte deutlich, daß sie alle der Ansicht waren, er habe voreilig gehandelt — er hätte sich mit den anderen aussprechen müssen, ehe er Charlie entgegentrat.

Ish warf das Argument in die Debatte, sie könnten es nicht zulassen, daß Evie schwachsinnige Kinder in die Welt setzte. Doch seine Worte machten weniger Eindruck, als er erwartet hatte. Evie hatte von jeher einen Teil des Lebens der Jungs gebildet, und der Gedanke, andere, ihr ähnliche Menschen könnten um sie sein, schuf ihnen wenig Unbehagen. Sie konnten nicht weit genug denken, um sich vorzustellen, daß Evies Nachkommenschaft sich notwendigerweise mit den übrigen mischen und das Gesamtniveau herabdrücken würde.

Seltsamerweise brachte Georges langsamer Geist einen vernünftigen Einwand vor: »Wie können wir denn wissen«, sagte er, »ob sie tatsächlich schwachsinnig ist? Vielleicht kommt es nur daher, daß sie es als kleines Mädchen hat erleben müssen, daß alle um sie her starben und sie ganz allein blieb und für sich sorgen mußte. Darüber hätte jeder andere ebenfalls verrückt werden können. Vielleicht ist sie im Grunde so wenig auf den Kopf gefallen wie wir übrigen, und dann werden ihre Kinder ganz normal.«

Obwohl sich Ish nicht vorstellen konnte, daß Evie jemals normale Kinder haben würde, gab er zu, daß dieser Einwand seine Berechtigung habe, und er merkte, daß er auf die anderen Eindruck gemacht hatte, Ezra ausgenommen. Sie schienen alle der Ansicht zu sein, Charlie sei ein Wohltäter der Gemeinschaft. Nun aber sah Ish, daß Ezra tatsächlich etwas vorzubringen wünschte.

Ezra stand auf. Sein Gesicht war stärker gerötet als sonst; er schaute hierhin und dorthin, zumal auf Em, wie es schien, und er war seiner selbst nicht sicher.

»Ich möchte noch etwas sagen«, sagte er. »Gestern nacht, als wir heimgegangen waren, habe ich mit dem Burschen, dem Charlie, noch eine Weile geredet. Er hatte tüchtig getrunken, wie ihr wißt, und so hat er ziemlich frei von der Leber weg geredet.« Er hielt inne, und Ish nahm abermals seinen halb verlegenen Blick in Richtung auf Em wahr. »Er hat sich mächtig aufgespielt, wißt ihr.« Und jetzt sah Ezra die Jungs an, als fiele ihm ein, daß diese armen Halbwilden vielleicht gar nicht verstehen würden, wovon hier ein gebildeter Mensch sprach. »Er hat ein bißchen über sich selbst aus der Schule geplaudert, ganz wie ich es gewollt habe.«

Abermals hielt er inne, und Ish konnte sich nicht erinnern, Ezra je in einem solchen Zustand gesehen zu haben.

»Weiter, Ezra«, sagte er. »Erzähl es uns. Wir sind ja unter uns.«

Plötzlich schwanden Ezras Hemmungen. »Dieser Bursche, dieser Charlie!« brüllte er. »Der ist innerlich verdorben wie ein zehn Tage alter Fisch! Er ist krank, geschlechtskrank ist er. Den Teufel auch, er hat alle Geschlechtskrankheiten gehabt, die es überhaupt gibt!«

Ish sah, wie Georges dicker Körper bei dieser Enthüllung zusammenzuckte, als habe er einen Kinnhaken bekommen. Er sah, wie Röte Ems bräunliches Gesicht überflutete. Den Jungs sagte die Enthüllung nicht das mindeste. Sie wußten gar nicht, wovon Ezra sprach.

Ezra wollte nicht versuchen, es ihnen zu erklären, ehe nicht Em das Zimmer verlassen hatte, und selbst dann hatte er seine liebe Not damit, weil der Begriff der Geschlechtskrankheiten für die Jungs etwas völlig Nebelhaftes war.

Als Ezra es auseinanderzusetzen versuchte, saß Ish da und spürte förmlich, wie seine Gedanken sich überschlugen.

»Schick die Jungs hinaus!« sagte er plötzlich zu Ezra. »Dies müssen wir Männer besprechen und dann eine Entscheidung treffen.« Die Jungs, so war ihm eingefallen, waren in doppelter Beziehung fehl am Platze — sie kannten die Gefahren nicht, die einer Gemeinschaft durch einen Geschlechtskranken drohten, und sie kannten die Macht nicht, die jeder Gesellschaft eingeräumt war, wenn es ihrer Verteidigung galt.

Die Jungs trotteten hinaus; trotz ihres Alters, ihrer Körpergröße und ihrer Vaterschaft schienen sie wieder zu Kindern geworden zu sein. »Haltet den Mund über diese ganze Geschichte«, rief Ezra ihnen nach.

Als die Jungs draußen waren, wandten die drei älteren Männer sich wieder einander zu.

»Auch Em kann wieder hereinkommen«, sagte Ezra. Em kam, und nun waren sie zu viert.

Eine Minute schwiegen sie, als drohe ihnen eine unmittelbare Gefahr.

»Nun, was meint ihr?« sagte Ish aus dem Wissen heraus, daß er jetzt wieder die Führerschaft übernehmen müsse.

Als auf diese Weise das Schweigen gebrochen war, sprachen sie die Lage vorbehaltlos durch. Vor allem stimmten sie darin überein, daß der »Stamm« das Recht zum Selbstschutz besitze und es ausüben müsse. Es ging hier nicht um Gesetz und Gericht, sondern vor allem um Selbstschutz, und dazu konnte sowohl eine Gemeinschaft als auch ein einzelner aufrufen.

Aber selbst wenn man das Recht und die Notwendigkeit zugestand: welches sollten die Mittel sein?

Das Nächstliegende war Verbannung. Sie konnten ihn aus der Gemeinschaft ausstoßen und ihm sagen, er solle seines Weges gehen. Durchschlagen würde er sich schon können. Wenn er wiederkam, drohte ihm die Todesstrafe.

Tod — bei der bloßen Erwähnung zuckten sie unwillkürlich zusammen! Es war gar zu lange her, daß es Kriege oder Hinrichtungen gegeben hatte. Daß ihre Gemeinschaft solch eine unwiderrufliche Strafe verhängen sollte — allein schon der Gedanke machte sie seltsam betroffen.

»Was also soll geschehen?« Em schien den Befürchtungen Ausdruck zu geben. »Wenn er nun aber dennoch heimlich wiederkommt? Denn schließlich sind wir nur ein paar ältere Leute, und mit den jüngeren kann er sich leicht anfreunden. Was soll werden, wenn er mit ein paar von den Jungs Freundschaft schließt und sie ihn schützen? Und er könnte ja auch mit ein paar von den Mädchen Freundschaft schließen, nicht nur mit Evie.«

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