Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Indiana gab sich allerdings Mühe, sich seine Niedergeschlagenheit nicht allzu deutlich anmerken zu lassen, als er kurz nach Dunkelwerden in das kleine Zelt kroch, das er sich mit Mabel, Browning, Bates, Morton und von Ludolf teilte. Aber der Ausdruck auf den Gesichtern der anderen sagte ihm deutlich, daß sie ebenfalls wußten, wie aussichtslos ihre Lage war.
Sie aßen schweigend: kaltes, geschmackloses Konservenfleisch, denn nicht ein einziger Gaskocher hatte den Absturz überstanden, und sie wagten nicht, ein Feuer anzuzünden. Es gab genügend Holz im Wrack der Dragon, und Indiana hatte einen Teil der Männer während der letzten eineinhalb Stunden dazu abgestellt, es in Sicherheit zu bringen. Aber ein Feuer bedeutete Licht, und keiner von ihnen hatte das deutsche Unterseeboot vergessen, das mit Sicherheit noch irgendwo in der Nähe der Insel lauerte. Nach dem Essen verteilte Bates die letzten Zigaretten, die er in seiner Dose hatte. Morton, Browning und von Ludolf griffen dankbar zu, während Mabel und Indiana ablehnten. Aber Indiana griff in die Tasche und gab dem deutschen Major Feuer.
Von Ludolf nickte dankbar und nahm einen tiefen, gierigen Zug.
«Danke«, sagte er. Er sah Indiana eine Sekunde lang an.»Und auch noch einmal Dank dafür, daß Sie mir das Leben gerettet haben.«
«Das war ein reines Versehen«, antwortete Indiana spitz.»Außerdem — bedanken Sie sich nicht zu früh. Vielleicht habe ich Ihnen damit nicht einmal einen Gefallen getan.«
«Sie haben eine wunderbare Art, Optimismus zu verbreiten, Doktor Jones«, sagte Browning feindselig.
«Wieso auch nicht?«meinte Indiana sarkastisch.»Unsere Lage ist doch wirklich hervorragend. Wir haben Lebensmittel für zwei, vielleicht sogar drei Tage, keine Möglichkeit, Hilfe herbeizurufen, und praktisch keine Chance, daß irgend jemand unser Verschwinden bemerkt. Und selbst wenn, wüßten sie nicht, wo sie nach uns suchen sollen. Lestrade hat ja während der letzten Tage Funkstille befohlen. Und wenn mich nicht alles täuscht«, fügte er nach einer Sekunde hinzu,»dann treibt diese verdammte Eisscholle weiter nach Norden, und damit noch weiter weg von irgendwelchen Schiffahrtslinien.«
«Wissen Sie, wo sich das Unterseeboot im Moment aufhält?«fragte von Ludolf plötzlich.
Nicht nur Browning sah ihn irritiert und alarmiert zugleich an.»Wieso?«hakte er nach.
«Weil das vielleicht die Rettung wäre«, sagte von Ludolf.
«Das ist nicht Ihr Ernst«, rief Mabel verstört.»Sie glauben, dasselbe Schiff, das uns abgeschossen hat, könnte uns — «
«Bitte verzeihen Sie, Dr. Rosenfeld«, unterbrach sie von Ludolf.»Aber das ist etwas völlig anderes. Ich weiß nicht, warum das U-Boot das Feuer auf die Dragon eröffnet hat. Ich bin sicher, sein Kommandant hatte entsprechende Befehle. Aber selbst wenn es so war, liegt die Situation jetzt etwas anders. Ein feindliches Luftfahrzeug abzuschießen ist eine Sache. Schiffbrüchige zurückzulassen eine ganz andere. Ein deutscher U-Boot-Kommandant tut so etwas nicht.«
«Ein feindliches Luftschiff?«fragte Browning lauernd.
Von Ludolf maß ihn mit einem fast verächtlichen Blick.
«Bitte, Dr. Browning, halten Sie mich nicht für einen Narren. Ich weiß sehr gut, warum die Dragon wirklich hier war.«
«Woher?«zischte Browning.
«Ich habe das eine oder andere aufgeschnappt im Laufe der Tage«, antwortete von Ludolf.»Und ich war auch mit im Wrack, vergessen Sie das nicht. Dort drüben liegen genügend Waffen, um einen Krieg anzufangen. Jedenfalls entschieden zu viele, als daß es sich hier nur um eine wissenschaftliche Expedition handeln könnte.«
«Worum dann?«schnappte Browning. Ein lauernder Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit.
Auch in von Ludolfs Augen blitzte es auf.»Ich habe bisher weder an Ihrer Intelligenz gezweifelt, noch Sie wie einen Trottel behandelt, Dr. Browning«, sagte er kalt.»Also bitte, tun Sie mir den Gefallen, es umgekehrt auch nicht zu tun.«
Browning beherrschte sich mühsam. Indiana sah, wie sich seine Hände zu Fäusten ballten und wieder öffneten. Die vergangenen Stunden, so hart sie gewesen waren, hatten nichts an der gereizten Stimmung geändert, die hier überall herrschte. Auch er selbst war nicht ganz frei davon. Die Feindseligkeit, die er von Ludolf gegenüber die ganze Zeit über verspürt hatte, drohte allmählich zu echtem Haß anzuwachsen, den er nur noch mühsam beherrschte; und das eigentlich auch nur noch, weil er sich mit aller Macht immer wieder selbst vorhielt, daß es überhaupt keinen Grund für dieses Gefühl gäbe.
«Vielleicht wissen Sie doch mehr, als Sie zugeben«, sagte Browning nach einer Weile.
«Hört auf!«
Morton hatte sich vorgebeugt. Sein Gesicht war kreideweiß, und vielleicht war es das einzige, auf dem nicht Zorn und mühsam unterdrückter Haß, sondern pures Entsetzen geschrieben stand.»Hört auf«, rief er noch einmal.
«Was ist los mit Ihnen«, fragte Mabel besorgt.
Morton sah mit einem Ruck auf. Seine Augen weiteten sich noch mehr.»Spürt ihr es denn nicht?«fragte er.»Es… es greift nach uns allen. Es geht schon wieder los!«
Niemand antwortete, aber Indiana wußte nur zu gut, daß Morton recht hatte. Es war jetzt keine Ahnung mehr, es war die absolute Gewißheit, daß irgend etwas auf diesem Berg auf ihre Gedanken einwirkte.
Er stand auf, schlug den Kragen seiner Pelzjacke hoch und deutete auf den Zeltausgang.»Ich sehe nur kurz nach den Wachen«, sagte er.»Hat jemand Lust, mich zu begleiten?«
Browning und Bates schüttelten den Kopf, aber nach einer Sekunde erhob sich Mabel wortlos und folgte ihm aus dem Zelt.
Ein eisiger Wind schlug ihnen in die Gesichter, als sie sich aufrichteten. Die schwarzen Sturmwolken hatten sich längst verzogen, aber die Temperaturen lagen trotzdem weit unter dem Gefrierpunkt, und der Wind war so stark, daß sie aufpassen mußten, wohin sie traten, um nicht aus dem Gleichgewicht zu geraten. Indiana drehte sich fröstelnd einmal um seine Achse und sah sich in dem winzigen, improvisierten Lager um. Sie hatten insgesamt fünf Zelte aus dem Wrack des Luftschiffs retten können. In vier davon waren die Soldaten und sie selbst untergebracht, das fünfte hatten sie Quinn und seinen beiden Hunden zugewiesen. Die Tiere waren im Lauf des Tages immer nervöser geworden, so daß Quinn selbst vorgeschlagen hatte, sie von den Männern zu trennen. Und natürlich hatte er darauf bestanden, bei ihnen zu bleiben. Indiana war nicht sehr glücklich über diese Entscheidung. Er kannte die Tiere lange genug, um zu wissen, daß sie sich nicht normal verhielten. Und wenn sie den gleichen grundlosen Haß auf alles, was sich bewegte und lebte, verspürten wie die Menschen hier, dann war sogar Quinn vielleicht nicht mehr sicher in ihrer Nähe.
«Paß auf, wo du hintrittst«, sagte er, während er sich langsam nach Norden wandte und losging. Mabel antwortete nicht, aber sie trat etwas näher an ihn heran, so daß ihre Schulter die seine berührte, als sie sich auf den nördlichen Rand des Eisplateaus zubewegten.
Unter dem sternenübersäten Nachthimmel hoben sich die Gestalten der beiden Männer, die am Rand der gewaltigen Eisfläche standen und das Meer beobachteten, als scharf umrissene schwarze Schatten ab. Einer von ihnen drehte sich um und riß erschrocken seine Waffe hoch, als er ihre Schritte hörte, entspannte sich aber wieder, als Indiana die Hand hob und seinen Namen rief. Sie hatten die Männer dort aufgestellt, um das Meer und den kleinen Eisstrand zu beobachten, an dem vor einem halben Jahr die Beiboote der POSEIDON angelegt hatten. Es war die einzige Stelle, an der überhaupt jemand an Land gehen konnte. Falls das U-Boot zurückkam und etwa Soldaten absetzte, dann hier. Das war auch der Grund, warum sie ihr Lager nicht dort unten aufgeschlagen hatten. Zwar wären sie dort vor dem eisigen Wind geschützt gewesen, aber sie hätten prächtige Zielscheiben für das Maschinengewehr des Unterseeboots abgegeben. Und Indiana und Browning waren nicht halb so überzeugt von der Ehrenhaftigkeit eines deutschen U-Boot-Kommandanten, wie von Ludolf es war.