Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Natürlich war das die Wahrheit, aber sie half erbärmlich wenig. Er hatte sehr viel mehr getan, als den Hund zu töten. Indiana wußte mit grausamer Sicherheit, daß er mit dem Messer, das er noch immer in der Hand hielt, nicht nur den Husky umgebracht hatte, sondern auch die Freundschaft ausgelöscht, die zwischen Quinn und ihm bestanden hatte.
«Alles in Ordnung mit Ihnen?«fragte der Soldat, der den zweiten Husky erschossen hatte, als Indiana an ihm vorbei aus dem Zelt ging. Indiana blieb einen Moment stehen und funkelte ihn fast haßerfüllt an. Plötzlich wollte er nichts mehr, als seine Fäuste in das Gesicht des Mannes schlagen, so lange, bis er sich nicht mehr bewegte, bis das Leben in seinen Augen erlosch und -
Was geschah nur mit ihm! Er versuchte, sich mit aller Macht zu beherrschen, aber sein Wille reichte nicht mehr.»Gehen Sie mir aus dem Weg!«zischte er gepreßt.
Die Sorge im Blick des Soldaten machte Zorn Platz.»Vielleicht hätte ich besser abwarten sollen, bis das Vieh Ihnen an der Kehle saß!«antwortete er wütend.»Oder diesen Wilden gleich mit erschießen.«
Indiana schluckte die beißende Antwort hinunter, die ihm auf der Zunge lag und drehte sich mit einem Ruck um, um sich mit ein paar Schritten zu entfernen. Wenn er oder der Soldat auch nur noch ein einziges Wort sagten, dann würde er sich nicht mehr zurückhalten können und sich auf ihn stürzen, das wußte er.
Vom anderen Ende des Lagers näherten sich Browning und Bates.»Was ist passiert?«fragte Browning aufgeregt.»Ich habe Schüsse gehört.«
«Nichts«, erwiderte Indiana und wandte sich brüsk ab.
Browning sah ihn verstört an und wollte ihn zurückhalten, aber Mabel trat mit einem Schritt zwischen sie und schüttelte den Kopf.»Lassen Sie ihn in Ruhe, Dr. Browning«, sagte sie.
«Es ist schon gut, Mabel«, murmelte Indiana. Zu Browning gewandt, fügte er hinzu:»Die Hunde haben Quinn angegriffen. Ich habe einen von ihnen getötet.«
«Und?«fragte Browning irritiert.
«Begreifen Sie denn nicht?«rief Indiana aufgebracht.»Diesmal war es nur ein Hund, aber das nächste Mal ist es vielleicht einer der Männer. Ich… ich kann mich kaum noch beherrschen.«
«Und es geht allen so, Doktor«, fügte Mabel hinzu.
Brownings Blick wanderte irritiert ein paarmal zwischen Indiana und Mabel hin und her. Er versuchte zu lachen, aber es gelang ihm nicht wirklich.»Das ist doch Unsinn«, sagte er hilflos.
«Das ist es nicht«, widersprach Mabel.»Und Sie wissen es genauso gut wie ich. Irgend etwas geschieht mit uns. Sehen Sie sich die Männer doch an. Heute nachmittag hätten sie fast Major von Ludolf umgebracht, und wenn Quinn nicht dazwischengegangen wäre, dann hätten sie sich auf Sie, Mr. Bates und Indiana gestürzt. Und es wird immer schlimmer.«
«Es ist dieser verdammte Eisberg«, sagte Bates. Browning funkelte ihn zornig an.»Fangen Sie nicht mit dem gleichen Unsinn an wie Morton!«befahl er barsch.
«Es ist kein Unsinn«, widersprach Indiana.»Wir hätten auf Morton hören sollen, solange noch Zeit war. Irgend etwas Unheimliches geschieht hier, Doktor. Und es wird mit jeder Minute schlimmer.«
Er war beinahe selbst überrascht, als Browning nicht widersprach, sondern Mabel und ihn nur betroffen ansah.»Und was schlagen Sie vor?«fragte er.
«Ich weiß es nicht«, gestand Indiana.»Aber wir müssen hier weg. Ganz egal, wie.«
Browning lachte humorlos.»Eine tolle Idee«, sagte er bissig.»Warum fangen Sie nicht an, sich ein Floß zu bauen?«
«Vielleicht wäre das immer noch besser, als hierzubleiben, bis wir anfangen, uns gegenseitig umzubringen«, antwortete Indiana ernsthaft.
«Denken Sie an van Hesling«, warf Mabel ein.»Sie wissen, in welchem Zustand Morton ihn gefunden hat.«
«Selbst wenn ich Ihnen glauben würde«, antwortete Browning unwillig,»was sollen wir tun? Es kann Wochen dauern, bis Hilfe eintrifft. Wenn überhaupt.«
«Das deutsche U-Boot«, sagte Indiana.
Browning starrte ihn an.»Das ist nicht Ihr Ernst!«
«Und ob!«antwortete Indiana.»Sobald es Tag wird, besorge ich mir ein weißes Tuch und bastle eine Fahne daraus. Ich bin sicher, sie sind noch irgendwo hier in der Gegend und beobachten uns. Sie werden kaum auf Männer schießen, die sich ergeben.«
«Ich glaube, Sie haben zu lange mit von Ludolf gesprochen«, knurrte Browning.
«Es ist mir völlig egal, was Sie von Major von Ludolf halten«, erwiderte Indiana.»Aber in einem Punkt hat er recht: Wenn sie verhindern können, daß wir auf diesem Berg bleiben, erreichen sie ihr Ziel auch, wenn sie uns als Gefangene an Bord nehmen.«
«Ich wußte gar nicht, daß Sie ein Feigling sind, Dr. Jones!«schnappte Browning.
Indiana holte tief Luft, aber er kam nicht dazu, Browning die scharfe Antwort zu geben, die ihm auf der Zunge lag, denn plötzlich hob Bates die Hand und legte den Kopf schräg.»Hört doch!«flüsterte er.
Auch Indiana und die anderen lauschten gebannt, und nach einem Augenblick hörten sie es: In das unablässige Heulen und Wimmern des Windes hatte sich ein anderer Ton gemischt, ein tiefes, gleichmäßiges Brummen, das allmählich näher kam. Und es war kein natürlicher Laut.
«Ein Flugzeug!«rief Mabel aufgeregt.»Das ist ein Flugzeug!«
Ihre Blicke suchten den Himmel ab, aber natürlich sahen sie nichts. Die Nacht war sternenklar, aber selbst wenn das Flugzeug seine Positionslampen eingeschaltet hätte, wäre es vor dem flimmernden Hintergrund der Milchstraße kaum sichtbar gewesen. Und der stetige heulende Wind machte es unmöglich, die genaue Richtung zu bestimmen, aus der das Geräusch kam.
«Ein Flugzeug!«sagte Mabel noch einmal.»Wir sind gerettet!«
Bates blickte sie kurz und zweifelnd an und begann dann wieder, den Himmel mit Blicken abzusuchen; auch Indiana war nicht ganz so überzeugt davon, daß dieses Geräusch wirklich die Rettung bedeutete.
Und er sollte recht behalten.
Das Geräusch schwoll beständig an und wurde lauter, und schließlich konnten sie ausmachen, daß es nicht ein, sondern mindestens drei Flugzeuge waren, die sich Odinsland näherten. Doch irgend etwas an diesem Geräusch störte Indiana. Er hatte diesen Klang schon einmal gehört, und das war in ganz und gar keinem erfreulichen Zusammenhang gewesen.
«Das sind… deutsche!«sagte Bates plötzlich.
«Woher wollen Sie das wissen?«fragte Mabel.
Bates machte eine entschiedene Handbewegung.»Das sind Flieger… und ich kenne den Klang. Das sind Messer Schmidt ME 109, mindestens drei Stück. Wahrscheinlich sogar vier.«
Brownings Augen weiteten sich, und auch Indiana fuhr leicht zusammen und blickte den Marineflieger erschrocken an.
«Stukas?«vergewisserte er sich. Die ME 109 war eines der ge-fürchtetsten Flugzeuge der deutschen Luftwaffe. Klein, schnell und ungeheuer wendig, gab es praktisch keine Möglichkeit der Abwehr gegen sie, und umgekehrt gab es so gut wie kein Ziel, das sie nicht angreifen und vernichten konnten. Und es waren sicher keine Flugzeuge, die man zu einer Rettungsaktion eingesetzt hätte!
«Aber das ist doch — «
Der Rest von Mabels Worten ging in einem dumpfen Krachen unter, das vom Meer herüberwehte, gefolgt von einem heulenden, rasend schnell anschwellenden Laut — und einer grell orangeweißen Explosion, die die Kante des Eisplateaus im Norden zerriß und die Nacht für Augenblicke in lodernden Feuerschein tauchte. Wie in einer blitzartigen Vision sah Indiana die Schatten der beiden Soldaten, die dort Wache gestanden hatten, vor der Druckwelle zurücktaumeln und stürzen, dann fuhr er herum, warf sich mit weit ausgebreiteten Armen auf Mabel und begrub sie schützend unter sich.
Der Donner der Explosion war noch nicht ganz verklungen, als ein neues, noch schrecklicheres Geräusch erscholclass="underline" Aus dem Motorengeräusch der Stukas wurde ein schrilles, an den Nerven zerrendes Wimmern und Heulen, das immer lauter und lauter und lauter wurde, und plötzlich fegten zwei, drei, schließlich vier gewaltige schwarze Schatten dicht über die Oberfläche von Odinsland hinweg. Kaum eine Sekunde später zerriß eine Folge neuerlicher ungeheurer Explosionen die Nacht.