Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Die Worte schienen Quinn endgültig in die Wirklichkeit zurückzu-reißen. Eine Sekunde lang stand er hoch aufgerichtet und reglos einfach da und starrte abwechselnd Indiana und die Hunde an, dann hob er wie in einer flehenden Geste beide Hände und wollte etwas sagen, aber Indiana ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen. Grob packte er ihn am unverletzten Arm, zerrte ihn mit sich aus der Kabine und stolperte, so schnell er konnte, den zerstörten Laufsteg entlang auf die Bodenklappe zu. Sein Blick fiel durch eines der gewaltigen Löcher in der Außenhülle der Dragon aufs Meer hinaus. Er konnte das Unterseeboot jetzt sehen. Das dumpfe Hämmern und Dröhnen erklang jetzt ununterbrochen, und auf dem Bug des U-Boots blitzte es im gleichen Rhythmus auf. Dünne grelle Lichtfinger stachen nach der Dragon und schlugen mit fürchterlicher Wucht in ihren Rumpf; Leuchtspurgeschosse, mit denen das MG am Bug des U-Boots das sterbende Luftschiff eindeckte. Der Weg nach unten wurde zu einem Spießrutenlauf. Es war nicht nur das MG-Feuer, mit dem das U-Boot die Dragon regelrecht in Stücke schoß. Rings um sie herum begann das Schiff, nun vollends seiner Stabilität beraubt, auseinanderzubrechen. Ganze Teile der Passagiergondel brachen auseinander und stürzten polternd in die Tiefe, und von oben regneten jetzt unentwegt Trümmer herab. Irgend etwas explodierte, und einmal blieb Quinn für eine einzige, aber entsetzlich lange Sekunde stehen und blickte den Weg zurück, den sie gekommen waren, als sich in das Krachen und Bersten des sterbenden Schiffes das schrille Jaulen eines Hundes mischte. Wie sie es geschafft hatten, in einem Stück und unverletzt nach unten zu kommen, wußte selbst Indiana hinterher nicht mehr zu sagen. Irgendwann, nach einer Ewigkeit, die sie durch ein Chaos aus zusammenbrechenden Wänden, fliegenden Trümmern und tödlichen Leuchtspurgeschossen getaumelt zu sein schienen, lag der Notausstieg unter ihnen, und das Wunder, auf das Indiana kaum noch zu hoffen gewagt hatte, war geschehen: Die Strickleiter war noch da, und die Dragon hatte sich sogar noch ein gutes Stück weiter auf das Eis herabgesenkt, jetzt, wo das Gas aus ihren durchschossenen Tanks schneller entwich. Das U-Boot feuerte noch immer, aber das MG konzentrierte seine Garben jetzt auf die Hülle der Dragon, so daß sie zumindest im Moment nicht Gefahr liefen, getroffen zu werden.
Indiana gestikulierte heftig mit Quinn, um ihn dazu zu bewegen, als erster die Strickleiter hinabzusteigen, aber der Eskimo schüttelte nur den Kopf. Indiana verschwendete keine kostbare Zeit darauf, mit ihm zu diskutieren, sondern schwang sich auf die Strickleiter und begann, so schnell er konnte, in die Tiefe zu steigen. Über ihm erschien die riesige Gestalt Quinns.
Sie hatten die Hälfte des Weges hinter sich, als sie auch dem U-Boot-Kommandanten aufzufallen schienen. Für eine Sekunde verstummte das MG-Feuer, und als es wieder einsetzte, zielten die weißglühenden Leuchtspurgeschosse wie tödliche Lichtblitze auf Quinn und ihn. Wahrscheinlich war es einzig der Umstand, daß sich die Dragon wie ein sterbender Wal über ihnen hin und her warf und die Strickleiter immer stärker zu hüpfen und schwanken begann, der ihnen das Leben rettete. Mehr als einmal kamen die MG-Garben so nah, daß Indiana in Erwartung des tödlichen Aufschlages bereits die Augen schloß, aber sie wurden nicht getroffen. Eines der Geschosse durchschlug eine der geflochtenen Sprossen, kaum eine Handbreit über ihm, und ein zweites streifte Quinn, brannte aber nur eine rauchende Spur in das Fell seines Mantels, ohne ihn wirklich zu treffen.
Dann waren sie aus dem Schußfeld heraus und in einem toten Winkel, in dem sie das MG nicht mehr erreichen konnte. Wieder stockte das Feuer, und die winzige Pause, die ihnen blieb, reichte für Indiana gerade aus, den letzten Meter mit einem gewaltigen Sprung zurückzulegen und hastig beiseite zu treten, als Quinn ihm auf die gleiche Weise folgte.
«Verschwindet! Um Gottes willen, lauft weg!«
Indiana wußte nicht, wem die Stimme gehörte oder woher sie kam — aber als er sich herumdrehte, sah er, wie die Besatzung der Dragon in ihrer Panik vor ihm und Quinn zurückwich. Genauer gesagt, weniger vor Quinn und ihm, als vielmehr vor der Dragon selbst, die sich langsam, aber unaufhaltsam auf die Seite zu legen und gleichzeitig zu stürzen begann.
In verzweifelter Hast rannten sie los. Der Abstand zwischen ihnen und der zerrissenen Unterseite der Dragon betrug noch zehn Meter, dann noch acht, sieben…
Sie hätten es trotz allem nicht geschafft, hätte das deutsche U-Boot nicht abermals in diesem Moment das Feuer eröffnet. Seiner beiden lebenden Zielscheiben beraubt, lenkte der MG-Schütze seine Garben wieder auf das gewaltige Luftschiff. Die Leuchtspurgeschosse rissen kopfgroße Löcher in die Außenhülle der Dragon, prallten als funkensprühende Querschläger von den Leichtmetallrippen ab oder zerfetzten die Luftsäcke darunter. Das Schiff bebte, schien sich wie ein tödlich getroffenes Riesentier aufzubäumen — und zerbrach in zwei Teile!
Das hintere, größere Bruchstück, in dem sich noch ein oder zwei intakte Gastanks befinden mußten, taumelte wie ein übergroßer durchlöcherter Luftballon davon, während das vordere Drittel mit den Überresten der Passagiergondel plötzlich wie ein Stein zu Boden stürzte. Indiana kam nicht einmal mehr dazu, einen Schreckensruf auszustoßen, sondern riß nur noch instinktiv die Arme über den Kopf und warf sich flach auf den Boden; eine halbe Sekunde, bevor etwas von der Größe eines Berges direkt auf ihn und Quinn herabzustürzen schien und sie unter sich begrub. Die gesamte Eisinsel erbebte unter dem Aufprall des tonnenschweren Wracks, und rings um ihn herum zersplitterten Glas, Holz und Stahl. Etwas traf seinen Arm und jagte einen dumpfen und betäubenden Schmerz durch seinen Körper, und ein glühendheißer Luftzug streifte seinen Hinterkopf und seinen Rücken. Ein Regen kleiner und großer Trümmerstücke prasselte auf ihn herab, und dann legte sich etwas Gewaltiges, Weiches über ihn und verschluckte auch noch das letzte bißchen Licht.
Sekundenlang blieb er einfach reglos liegen und überlegte ernsthaft, ob er überhaupt noch am Leben war. Eigentlich hätte er es nicht sein dürfen; er lag völlig unter den Trümmern eines ganzen Luftschiffs begraben. Und als wäre das noch nicht genug, schien ein Teil des Wracks direkt über ihm explodiert oder zumindest in Brand geraten zu sein, denn aus dem anfangs warmen Hauch, der ihn gestreift hatte, wurde allmählich Hitze, die schon mehr als unangenehm war. Er versuchte, sich zu bewegen, aber es ging nicht: Seine Beine waren unter einem scheinbar tonnenschweren Gewicht eingeklemmt, und alles, was unterhalb seiner Hüfte lag, war völlig gefühllos. Im ersten Moment empfand er einen jähen Schrecken, als ihm die Möglichkeit durch den Kopf schoß, daß er zwar überlebt hatte, möglicherweise aber gelähmt war. Dann versuchte er noch einmal, sein rechtes Bein zu bewegen, und diesmal spürte er nicht nur einen scharfen Schmerz, der durch seinen Knöchel bis ins Knie hinaufschoß, sondern auch, wie sich das Gewicht auf seinem Unterleib unter den Bewegungen ein wenig verlagerte.
Aber das Wissen, nicht mit gebrochenem Rückgrat, sondern nur hilflos eingeklemmt dazuliegen, beruhigte ihn nur wenig. Die Hitze stieg immer mehr, jetzt konnte er das Prasseln von Flammen hören, und auch die Dunkelheit rings um ihn war nicht mehr ganz so undurchdringlich. Ein blasser rötlicher Schein drang durch die Schwärze. Indiana versuchte abermals, sich hochzustemmen, aber das Ergebnis war das gleiche wie vorher. Was immer quer über seinen Beinen lag und ihn gegen den Boden nagelte, mußte Tonnen wiegen.
Durch das Zischen der Flammen drangen jetzt Schreie an sein Ohr, Schritte und die Geräusche zahlreicher Menschen, die sich näherten. Indiana begann verzweifelt um Hilfe zu schreien, aber er ahnte, daß seine Rufe kaum gehört werden würden.
Die Zeit wurde ihm lang und länger. Die Hitze stieg immer mehr, erreichte die Grenze des Erträglichen und überstieg sie. Die Luft in seinem winzigen Versteck wurde warm und schließlich kochend heiß, so daß jeder einzelne Atemzug ihm unerträgliche Schmerzen bereitete. Und er begann den Druck des auf ihm lastenden Gewichts nun doch ganz erheblich zu spüren.