Indiana Jones und das Schiff der Götter
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones und das Schiff der Götter». Краткое содержание книги:
Mittlerweile standen sie schweigend da und blickten auf das Meer hinab. Obwohl die Nacht sehr dunkel war und nicht einmal der Mond am Himmel stand, reichte der Blick sehr weit. Weit genug jedenfalls, um Indiana schmerzhaft die Unendlichkeit des Ozeans vor Augen zu führen, eine schier endlose Wüste aus Wasser, in die sie unaufhaltsam weiter hineintrieben. Der Eisberg mußte in den Griff einer unterseeischen Strömung geraten sein, denn er bewegte sich jetzt immer schneller nach Norden. Indiana schätzte, daß sie allein bis zum nächsten Morgen sicherlich dreißig, wenn nicht vierzig Meilen zurückgelegt haben mußten, wenn er seine Geschwindigkeit beibehielt. Selbst wenn jemand kam, um sie zu suchen, dachte er niedergeschlagen, würden sie einfach nicht mehr da sein, wo man sie vermutete…
Schließlich wandten sie sich wieder um und gingen zum Lager zurück, aber jetzt sehr viel langsamer als auf dem Hinweg, trotz des Windes und der beißenden Kälte.
«Glaubst du, daß wir eine Chance haben?«fragte Mabel plötzlich.
«Ich weiß es nicht, «gestand Indiana nach einer Weile.»Ich wollte, ich könnte mir einreden, wir hätten sie. Aber die Wahrheit ist, ich weiß es nicht.«
Das war eben nicht die Wahrheit. Im Grunde wußte er sehr genau, daß sie keine Chance mehr hatten. Selbst wenn das deutsche U-Boot nicht zurückkam und sie erwischte, dann würden Kälte und Wind sie töten. Ihre Lebensmittel reichten für allerhöchstens drei Tage, und auch, wenn sie das Risiko eingingen, ein Feuer zu entzünden, um sich zu wärmen, könnten sie auf diese Weise im Höchstfall noch zwei, drei weitere Tage herausschinden. Und dann? Sie befanden sich in einem Teil des Meeres, der so gut wie niemals von Schiffen befahren wurde.
Mabel blieb plötzlich stehen, drehte sich zu ihm herum und schlang die Arme um seine Brust, und Indiana erwiderte die Umarmung. Eine ganze Weile standen sie einfach da, hielten sich aneinander fest und schwiegen. Dann löste sich Mabel wieder aus seiner Umarmung und schüttelte den Kopf.»Es muß eine Möglichkeit geben zu überleben«, sagte sie. Ihre Stimme klang eher trotzig als überzeugt, aber Indiana widersprach nicht.
«Van Hesling hat es auch geschafft«, fuhr sie fort.»Er muß monatelang auf diesem Eisberg gewesen sein.«
«Das war etwas anderes«, erwiderte Indiana.»Er war allein. Und er hatte wahrscheinlich genügend Lebensmittel. Und außerdem niemanden, der ihm nach dem Leben getrachtet hat.«
Mabel wischte seine Worte mit einer ärgerlichen Bewegung beiseite.»Vielleicht ist das Schiff die Antwort«, meinte sie.»Er muß an Bord gewesen sein. Er hatte die Kleidung und diese Waffen bei sich.«
«Selbst wenn«, antwortete Indiana traurig,»dann hilft uns das nichts. Wenn Morton die Wahrheit gesagt hat, dann liegt das Ding eine halbe Meile unter uns.«
«Es gibt einen Weg dort hinunter«, widersprach Mabel überzeugt.»Und wir werden ihn finden.«
Sie wollte weitersprechen, aber in diesem Moment drang ein schrilles, wütendes Bellen an ihr Ohr und eine Sekunde später der Schmerzensschrei eines Menschen. Quinn!
«Verdammt!«rief Indiana.»Da stimmt was nicht!«
Sie rannten los. In dem kleinen Zeltlager entstanden Unruhe und Bewegung, ehe sie es erreichten. Männer stürmten aus den Zelten, und das Bellen und Heulen des Hundes wurde immer schriller. Zwei, drei Soldaten näherten sich Quinns Zelt und machten sich am Eingang zu schaffen, aber Indiana erreichte es, ehe sie die Schnüre gelöst hatten, und stieß sie grob beiseite.
Mit einem Ruck riß er die Zeltplane zur Seite und sprang geduckt ins Innere des Zeltes.
Was er sah, ließ ihn für eine Sekunde erstarren. Quinn lag auf dem Rücken, hatte die Knie schützend an den Leib gezogen und wehrte sich mit verzweifelter Kraft gegen die beiden Huskys, die wie tollwütig über ihn hergefallen waren. Sein Mantel hing in Fetzen, sein Gesicht war voller Blut, und der Verband an seiner linken Hand, den Mabel erst vor wenigen Stunden angelegt hatte, färbte sich schon wieder dunkelrot. Mit der anderen Hand schlug er verzweifelt nach einem der Huskys, der immer wieder versuchte, nach seiner Kehle zu schnappen, verfehlte ihn aber, denn das Tier wich seinen Hieben geschickt aus. Der andere Hund hatte sich in seinen linken Stiefel verbissen und zerrte mit einem wütenden Knurren daran.
Indiana war mit einem Satz bei Quinn, versetzte dem Hund, der es auf seine Kehle abgesehen hatte, einen Fußtritt in die Flanke, der ihn davonfliegen ließ, und zog sein Messer.
«Indiana! Nein!«
Indiana ignorierte Quinns Schrei, warf sich mit weit ausgebreiteten Armen auf den Hund und rammte ihm die Klinge mit aller Kraft in die Brust. Das Tier stieß ein schrilles Jaulen aus, bäumte sich auf und starb auf der Stelle.
Vielleicht war Indiana selbst von allen am meisten schockiert. Er… hatte das nicht gewollt. Er hatte Quinn helfen wollen, und er hatte auch Angst vor dem riesigen Hund gehabt, aber er hatte nie vorgehabt, ihn umzubringen. Es war, als hätte irgend etwas nach seiner Hand gegriffen und sie geführt.
Entsetzt richtete er sich auf, starrte das blutige Messer in seiner Hand an und dann Quinn, der mitten in der Bewegung erstarrt war und ihn aus aufgerissenen Augen anblickte. Dann registrierte er eine Bewegung aus den Augenwinkeln und wollte herumfahren. Aber seine Bewegung wäre nicht schnell genug gewesen. Der zweite Hus-ky stieß sich mit unglaublicher Kraft ab und flog wie ein lebendes Geschoß auf ihn zu, die Zähne gebleckt und auf seine empfindliche Kehle zielend.
Ein Schuß krachte. Die Kugel sauste nur eine Handbreit an Indiana vorbei und zerschmetterte den Schädel des Hundes. Das Tier wurde mitten im Sprung herumgerissen, überschlug sich in der Luft und stürzte direkt neben Quinn zu Boden.
Indiana wandte sich um. Im Zelteingang war ein Soldat erschienen. In seinen Händen lag ein Gewehr. Er starrte den Soldaten eine Sekunde lang an, dann drehte er sich um und ließ sich langsam neben dem Eskimo in die Hocke sinken. Er wollte die Hand ausstrecken, um seinen verletzten Freund zu berühren, aber als er dem Blick seiner Augen begegnete, führte er die Bewegung nicht zu Ende.
Quinn sagte kein Wort.
«Es tut mir leid, Quinn«, flüsterte Indiana. Seine Stimme zitterte, und plötzlich spürte er einen harten, bitteren Kloß im Hals.»Das… das habe ich nicht gewollt.«
Quinn schwieg noch immer.
«He, Quinn«, stammelte Indiana.»Das — «
Quinn hob die Hand und machte eine Geste, und Indiana verstummte mitten im Wort. Der Eskimo stand auf. Sein Gesicht war wie Stein, als er auf die beiden toten Huskys hinabblickte. Nicht das geringste Gefühl war darauf abzulesen. Aber als Mabel nach seinem verletzten Arm sehen wollte, stieß er sie grob von sich, wandte sich mit einem Ruck um und lief aus dem Zelt.
Indiana widerstand der Versuchung, ihm nachzulaufen. Er spürte, daß sein Freund jetzt allein sein wollte.
«Du brauchst dir nichts vorzuwerfen«, sagte Mabel, als er sich niedergeschlagen zu ihr herumdrehte.»Du hattest gar keine andere Wahl. Die Hunde hätten ihn umgebracht. Oder dich.«