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Azrael: Die Wiederkehr

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Azrael: Die Wiederkehr
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Angela, Braun und er erreichten den Ausgang nahezu gleichzeitig und stolperten ins Freie. Braun hatte sein Gewehr weggeworfen, aber drei oder vier seiner Leute feuerten gleichzeitig auf den Schatten, der aus dem Aufzug herausdrängen wollte.

Draußen vor dem Haus parkten drei große Limousinen. Die Motoren liefen, Scheinwerfer und Scheibenwischer waren eingeschaltet, aber Bremer konnte durch die offenstehenden Türen erkennen, daß niemand darin saß. Hinter ihnen stürmten die Agenten aus dem Haus. Der letzte Mann zog einen kleinen, dunklen Gegenstand aus der Tasche und schleuderte ihn im hohen Bogen in die Aufzugkabine. Bremer wußte genau, was es war, aber er war immer noch zu benommen, um irgendwie zu reagieren.

Drei Sekunden später verwandelten sich die offenstehenden Lifttüren in den Schlund eines feuerspeienden Vulkans.

Die Druckwelle ließ sämtliche Scheiben im Erdgeschoß des Hauses zerbersten und fegte sie alle von den Füßen. Flammen und Trümmer explodierten aus dem Lift, und rings um sie herum regneten gefährliche Glassplitter zu Boden. Die Wagen hinter ihnen schwankten wie kleine Boote in der Brandung, und Bremer bekam für einen Moment keine Luft mehr. Eine Welle intensiver Hitze strich über sein Gesicht und ließ ihn aufstöhnen. Neben ihm schrie einer der Agenten und umklammerte sein linkes Handgelenk. Aus seinem Unterarm ragte eine gebogene Glasscherbe, von der Blut tropfte.

Bremer wälzte sich stöhnend auf den Bauch, stemmte die Handflächen gegen den Boden und drückte seinen Oberkörper in die Höhe. Sein Hörvermögen kehrte immer schneller zurück, aber er registrierte trotzdem nichts außer Schreien, Lärm, dem Klirren von Glas und dem Geräusch prasselnder Flammen. Irgendwo heulte eine Sirene.

Eine Hand packte ihn an der Schulter, riß ihn grob in die Höhe und stieß ihn auf einen der wartenden Wagen zu. Bremer prallte mit der Stirn gegen die Dachkante, sank halb benommen auf den Rücksitz und bekam einen zweiten derben Stoß in die Seite, der ihn weiter in den Wagen hineinschleuderte. Nur eine Sekunde später folgte ihm Angela auf die gleiche Weise, und die Tür wurde zugeschlagen. Einen Augenblick später warf sich Braun vor ihnen auf den Beifahrersitz.

Bremer rappelte sich hoch und sah über Angela hinweg nach draußen. Vor dem Haus herrschte ein einziges Chaos. Kaum einer der Männer war ohne Schnittwunden oder andere Verletzungen davongekommen. Einige feuerten blindlings ins Haus hinein, andere hetzten auf die Wagen zu. Im Haus waren mittlerweile sämtliche Lichter angegangen, und auch die benachbarten Häuser erwachten in rascher Folge zum Leben. Hinter den zerborstenen Scheiben des Hauseinganges brodelte schwarzer, von roten und gelben Flammen durchzogener Qualm. Dahinter schien sich noch etwas zu bewegen. Etwas Riesiges, Mißgestaltetes. Aber das war unmöglich, dachte Bremer. Das Ungeheuer konnte die Explosion nicht überlebt haben. Er täuschte sich.

Ein Agent mit einer häßlichen Schnittwunde auf der Stirn raste auf den Wagen zu und warf sich hinter das Steuer, und aus dem Rauch taumelte das Ungeheuer hervor. Es bot einen grauenerregenden Anblick. Sein Körper blutete aus buchstäblich zahllosen Wunden. Das braunrote Fell war zum Großteil versengt oder abgerissen, und eines der riesigen, schillernden Facettenaugen war erloschen; an seiner Stelle gähnte ein faustgroßer Krater in dem dreieckigen Insektenschädel. Einer seiner Flügel brannte. Es bewegte sich langsam, torkelnd, wie ein Mensch, der sich nur noch mit allerletzter Kraft auf den Beinen hielt.

Trotzdem löste sein Anblick unter den Agenten augenblicklich Panik aus.

Mit Ausnahme der beiden, die mit ihnen im Aufzug gewesen waren, hatte keiner der Männer die Bestie bisher gesehen. Sie hatten nur geschossen, weil sie gesehen hatten, daß irgend etwas nicht stimmte, und Braun die anderen in kopfloser Panik aus dem Aufzug stürzen sahen. Jetzt erblickten sie das Monster, und die Wirkung war verheerend. Zwei oder drei von ihnen warfen einfach ihre Waffen weg und stürzten davon, die anderen begannen zu schießen, aber wahrscheinlich nur aus einem blinden Reflex heraus, nicht, weil sie wirklich wußten, was sie taten.

»Worauf warten Sie?!« brüllte Braun. »Fahren Sie los!« Der Mann hinter dem Steuer legte den ersten Gang ein und warf gleichzeitig die Tür hinter sich zu, war aber so nervös, daß er den Motor auf der Stelle wieder abwürgte. Der Wagen machte einen anderthalb Meter weiten Satz und blieb wieder stehen.

Im gleichen Moment ruckte der Kopf der Bestie herum, und Bremer konnte den Blick ihres einzelnen verbliebenen Auges fast wie eine körperliche Berührung spüren. Sie machte einen einzelnen Schritt, blieb wieder stehen und spreizte die Flügel.

»Idiot!« brüllte Braun. »Fahren Sie schon los!« Der Agent drehte den Zündschlüssel. Der Anlasser wimmerte, aber der Motor sprang nicht an. Das Ungeheuer knickte seine Beine ein und spreizte die Flügel weiter. Die Agenten feuerten immer noch, und Bremer konnte genau sehen, daß sie trafen. Die Bestie wankte, zeigte sich aber nicht weiter beeindruckt. Mit einem ungeheuer kraftvollen Satz stieß sie sich ab, breitete die Schwingen noch weiter aus und raste auf den Wagen zu. Sie flog nicht wirklich, sondern segelte eher, wie ein bizarrer prähistorischer Pterodaktylus mit brennenden Flügeln, landete aber trotzdem nach einer Sekunde zielsicher auf der Motorhaube des BMW.

Braun schrie auf und riß instinktiv schützend die Hände vors Gesicht, als die Windschutzscheibe zerbarst. Der Wagen schwankte unter dem Aufprall des geflügelten Dämons.

Endlich sprang der Motor an. Der Fahrer hatte offenbar gar nicht mehr damit gerechnet, denn das Geräusch des Anlassers wurde plötzlich zum ratternden Mahlen überlasteter Zahnräder. Es dauerte fast eine Sekunde, bis er den Zündschlüssel endlich losließ und den Gang hineinhämmerte.

Der BMW raste mit durchdrehenden Reifen los. Das Ungeheuer auf seiner Motorhaube kreischte, flatterte wild mit den Flügeln und grub die Krallen in das Metall. Im nächsten Moment warf es sich vor. Eine sichelförmige Klaue hackte durch das Wagendach und verfehlte den Fahrer um Haaresbreite. Der Mann schrie auf, trat so hart auf die Bremse, daß sich der Wagen querstellte, und die Bestie rutschte mit einem zornigen Pfeifen von der Motorhaube. Seine Klaue riß das Dach dabei auf gut vierzig Zentimeter auf wie dünnes Papier.

Der Fahrer hämmerte den Rückwärtsgang hinein, gab Gas und ließ den Wagen zurückschießen. Dann brachte er ihn mit einem harten Tritt auf die Bremse wieder zum Stehen, schaltete und beschleunigte erneut.

Der BMW rammte das Ungeheuer, noch bevor es sich ganz aufgerichtet hatte.

Metall barst. Beide Scheinwerfer zerbrachen, und die Insassen des Wagens wurden nach vorne geschleudert, als wären sie gegen eine Wand aus massivem Beton geprallt, nicht gegen ein Wesen von der Größe eines Menschen. Der Dämon wurde im hohen Bogen weg geschleudert und landete mit hilflos schlagenden Flügeln auf dem Asphalt, und der Motor erstarb. Diesmal konnte Bremer hören, daß es endgültig war.

»Raus!« befahl Braun. Gleichzeitig stieß er die Tür auf und ließ sich aus dem Wagen fallen. Bremer krabbelte ungeschickt hinterher, humpelte um den Wagen herum und wollte die Tür auf Angelas Seite öffnen, da sie mit ihren gefesselten Händen dazu wohl kaum in der Lage war. Er kam jedoch nicht dazu, denn Braun packte ihn grob an der Schulter, stieß ihn herum und winkte gleichzeitig einen der beiden anderen Wagen heran. Der BMW hielt mit quietschenden Reifen vor ihm an. Die Türen flogen auf, und drei der vier Insassen sprangen heraus, als Braun ihnen mit hastigen Gesten den Befehl dazu gab. Bremer hörte das näherkommende Heulen einer Sirene, dann wieder Schüsse. Er kam nicht einmal dazu, sich zu dem Ungeheuer herumzudrehen, denn Braun stieß ihn grob auf den Rücksitz. Einen Augenblick später wurde Angela zu ihm hereingeschubst, und sie fuhren los.

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