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Azrael: Die Wiederkehr

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Azrael: Die Wiederkehr
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Trotzdem war es eine Zelle. Das so einladend erscheinende Fenster bestand aus unzerbrechlichem Panzerglas und ließ sich nicht öffnen, und die Tür hatte keinen Griff an der Innenseite. Als er das Zimmer etwas eingehender betrachtete, entdeckte er eine Anzahl verräterischer, daumennagelgroßer Linien, die dezent in Winkeln und Dach angebracht waren: Videokameras, die das Zimmer so überblickten, daß auch nicht der kleinste tote Winkel blieb. Am Bettgestell befand sich eine dezente Vorrichtung, die anscheinend dem Zweck diente, jemanden darauf festzuschnallen Die Wände bestanden aus Kunststoff in freundlichen Pastellfarben, waren aber so hart wie Beton.

Nachdem er eine gute Viertelstunde in seiner Zelle auf und ab gelaufen war und damit begonnen hatte, vor lauter Frust gegen das Mobiliar zu treten, ging die Tür auf und zwei von Brauns Männern kamen, um ihn abzuholen. Bremer hatte - neben etlichen anderen Ideen - auch den Plan erwogen, sich sofort und kompromißlos auf den ersten zu stürzen, der die Tür aufmachte, vergaß die Idee aber augenblicklich wieder, als er die beiden Männer sah: Breitschultrige, an die zwei Meter große Kleiderschränke, die vermutlich nicht einmal gezuckt hätten, wenn er sie mit einem Totschläger attackierte. Er würde fliehen, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit. Aber das hier war keine. Wortlos folgte er den beiden Agenten.

Sie gingen einen langen, nur schwach erhellten Korridor entlang und betraten einen Aufzug, mit dem sie nach oben fuhren. Bremer versäumte es, auf die Anzeige zu sehen, um festzustellen, in welcher Etage sie sich befanden, aber es mußte wohl das Keller- oder Erdgeschoß sein, denn sie fuhren ziemlich lange. Er hatte ein ungutes Gefühl. Zwei- oder dreimal ertappte er sich dabei, einen nervösen Blick zur Decke hinauf zu werfen, als rechne er jeden Moment damit, das Metall zerreißen und ... etwas hindurchbrechen zu sehen. Natürlich geschah das nicht. Wenn das Ungeheuer noch lebte, dann hockte es in irgendeiner finsteren Ecke des Universums und leckte seine Wunden. Trotzdem atmete er hörbar auf, als der Lift endlich anhielt und sie die Kabine verließen.

Der Flur, in den sie hinaustraten, schien eher zu einem modernen Bürogebäude zu gehören als in ein Krankenhaus. Sie gingen wieder bis zu seinem jenseitigen Ende und jagten in ein typisches Direktorenvorzimmer, das allerdings ein untypisches Accessoire hatte: Einen Mann in einem dunkelblauen Anzug, der vor der gegenüberliegenden Tür stand und eine Uzi in der rechten Hand hielt. Bremer fragte sich spöttisch, warum es nicht gleich ein Flammenwerfer war. Der Zwischenfall in Mecklenburgs Haus schien Braun wirklich einen gehörigen Schrecken eingejagt zu haben.

Der Gorilla trat zur Seite, als sie näher kamen, und öffnete gleichzeitig mit der linken Hand die Tür. Dahinter lag ein großzügiges, modern eingerichtetes Büro, das sich ganz um einen überdimensionalen Schreibtisch gruppierte. Auf der einen Seite des Schreibtisches saß Braun, in einem frischen Anzug und mit einem gewaltigen Pflaster im Gesicht. Auf der anderen Seite saß Angela. Braun hatte offensichtlich noch immer keine Ahnung, mit wem er es wirklich zu tun hatte, denn sie trug keine Handschellen mehr, und er war vollkommen allein mit ihr im Zimmer. Als sie hereinkamen, drehte sie den Kopf in seine Richtung und lächelte ihm zu. Bremer reagierte nur mit einem knappen Nicken darauf. Mit einem Gefühl leiser Verwirrung stellte er fest, daß Angelas Gesicht vollkommen unversehrt war. Die Schwellung ihrer Unterlippe war zurückgegangen. Selbst die Rißwunde war nicht mehr zu sehen.

»Setzen Sie sich, Herr Bremer«, sagte Braun. Gleichzeitig deutete er auf die beiden Männer, die zusammen mit ihm hereingekommen waren. »Brauchen wir die, oder habe ich Ihr Ehrenwort, daß Sie keine Dummheiten machen?«

»Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich Sie nicht sofort umbringe«, knurrte Bremer. »Das wäre zu leicht.« Braun zuckte die Achseln und gab den beiden Männern einen Wink. Bremer konnte hören, daß sie hinter Angela und ihm Aufstellung nahmen, während er sich setzte. Angela blickte ein wenig verärgert. Vielleicht hatte sie vorgehabt, gleich hier einen Fluchtversuch zu unternehmen. Bremer seinerseits war trotz seiner Verwirrung vor allem erleichtert, sie unversehrt zu sehen. Ein in diesem Moment schon fast absurd erscheinendes, warmes Gefühl von Zuneigung durchströmte ihn. Er mußte sich beherrschen, um nicht die Hand auszustrecken und nach ihr zu greifen.

Offensichtlich hatte er sein Gesicht nicht so gut unter Kontrolle, wie er geglaubt hatte, denn Braun sagte spöttisch: »Keine Angst. Wir haben Ihrem kleinen Engel kein Haar gekrümmt.«

»Fragt sich nur, wie lange das so bleibt«, sagte Angela.

Braun seufzte, schüttelte abermals den Kopf und verzog das Gesicht. Danach war sein Lächeln verschwunden. »Ganz wie Sie wollen«, sagte er. »Dann fangen wir mit Ihnen an. Wer sind Sie?«

»Wie?« fragte Angela. »Aber das wissen Sie doch.«

»Nein«, sagte Braun. »Ich weiß, wer Sie nicht sind. Und vor allem, was Sie nicht sind. Sie kommen nicht frisch von der Polizeischule, und ich nehme auch an, Ihr Name lautet nicht Angela West.« Bremer sah zuerst Braun, dann Angela verwirrt an. Angela hielt Brauns Blick gelassen stand, wirkte aber plötzlich ein kleines bißchen angespannt.

»Das ist seltsam«, sagte sie. »Als ich das letztemal in meinen Dienstausweis gesehen habe, stand dieser Name darin.«

»Der ist gefälscht«, antwortete Braun. »Perfekt, wie ich gestehen muß. Wir können die Fälschung nicht einmal jetzt nachweisen, wo wir wissen, daß er falsch ist. Aber er ist es - genauso wie die Dienstanweisung an Nördlinger Sie Herrn Bremer zuzuteilen und Ihre Abgangspapiere von der Polizeihochschule. Ich muß Ihnen mein Kompliment aussprechen: Ihre Legende ist perfekt, bis hin zur letzten Computerdatei: Zeugnisse, Zwischenbewertungen, sogar die obligatorischen Krankmeldungen und Atteste ... besser hätte ich es auch nicht hingekriegt. Nur, daß niemand auf der Schule, auf der Sie angeblich waren, sich an Sie erinnern kann. Weder die Lehrer, noch das Sekretariat, noch einer Ihrer Mitschüler. Es scheint, das Angela West nur im Computer existiert.«

»Und das haben Sie alles in einer Stunde herausbekommen?« Angela lachte. »Sie bluffen.«

»Ich habe ein bißchen herumtelefoniert«, antwortete Braun, »und ein paar Leute aus dem Bett geworfen. Verschwenden Sie nicht unsere Zeit, Angela - oder wie immer Sie heißen. Ich weiß, daß Sie lügen. Wer sind Sie wirklich? CIA? KGB? Secret Service?«

»Sie schmeicheln mir«, sagte Angela. »Aber ich bin einfach nur jemand, der in Bremers Nähe kommen wollte. Sie würden sich wundern, was man alles anstellen kann, wenn man sich ein bißchen mit Computern auskennt.«

»Blödsinn!« Braun hob die Hand, als wolle er mit der Faust auf den Tisch schlagen, ohne es aber dann zu tun. »Ich kenne mich mit so etwas aus. Ich tue es selbst oft genug, vergessen Sie das nicht! Man muß schon mehr sein als ein talentierter Hacker, um sich eine komplett falsche Identität aufzubauen - jedenfalls, wenn sie so perfekt sein soll wie Ihre! Jemand hat Ihnen geholfen! Für wen arbeiten Sie? Die Amerikaner? Die Russen?«

»Wenn Sie so gut sind, warum finden Sie es dann nicht heraus?« fragte Angela.

»Weil ich keine Zeit dafür habe«, antwortete Braun. »Also? Und versuchen Sie erst gar nicht, mir eine neue verrückte Geschichte aufzutischen. Ich finde heraus, ob sie stimmt.«

»Und Sie würden mir auch nicht glauben, wenn ich die Wahrheit sage«, vermutete Angela. »Warum sollte ich Ihnen also überhaupt antworten? Außerdem ist es doch sowieso egal, oder? Oder wollen Sie mir etwa erzählen, daß Sie vorhaben, mich noch einmal lebend hier herauszulassen?«

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Главный герой
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