Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
Was Bremer schon einmal zu sehen geglaubt hatte, bewahrheitete sich: Es war kein Engel. Wäre er es gewesen, dann müßte die Bibel neu geschrieben werden.
Die Kreatur war weit über zwei Meter groß, dabei aber so dürr, daß sie schon fast lächerlich wirkte. Ihre Flügel, die wie die einer Fledermaus von einem dünnen Knochengerüst durchzogen waren, waren halb ausgebreitet und zerfetzt wie ein alter Mantel. Sein Körper war nicht wirklich der eines Insekts, aber ganz eindeutig auch nicht der eines Menschen, sondern wirkte irgendwie ... fledermausartig; als hätte sich eine Ameise mit einer Ratte gekreuzt. Der Kopf schließlich war der schiere Alptraum, ein riesiger, dreieckiger Insektenschädel mit schimmernden Facettenaugen und grauenerregenden Mandibeln, der von drahtigem, rotbraunem Fell bedeckt war.
Das Wesen war verletzt. Die meisten Risse in seinen Flügeln schienen neu zu sein; in einigen steckten noch Glassplitter. Aus dem metallisch schimmernden Fell, das seinen dreigeteilten Körper und seine Glieder bedeckte, tropfte hellrotes Blut. Es machte einen einzelnen, eckigen Schritt, blieb wieder stehen und sah sich um, als wäre es unschlüssig. Benommen.
»Was ... was ist das?« stammelte einer der Männer. »So etwas gibt es doch gar nicht! Was ist das für ein Ding?«
»Keine Ahnung«, antwortete Braun grimmig. »Aber es blutet. Was blutet, das kann auch sterben. Sorgen wir dafür, daß es noch ein bißchen mehr blutet!« Er hob sein Gewehr, zielte sorgfältig und schoß. In dem langen, marmorverkleideten Korridor hallte die Explosion wie ein Kanonenschuß wider, und der Rückstoß war so gewaltig, daß Braun fast von den Füßen gerissen worden wäre.
Die Wirkung war verheerend. Aus der Brust des Ungeheuers explodierte ein Schwall aus zerberstendem Chitin und Blut, faustgroße Marmorbrocken stoben aus der Wand hinter ihm, und die ganze gewaltige Kreatur wurde fast einen Meter weit zurückgeschleudert und fand nur im letzten Moment ihr Gleichgewicht wieder. Sie schrie in hohen quälend spitzen Tönen.
Braun feuerte erneut. Diesmal fetzte die Kugel ein Stück aus der Schulter der Bestie. Der riesige Flügel, der daran befestigt war, hätte eigentlich heruntersinken müssen, tat es aber nicht. Ebensowenig, wie die Kreatur an den beiden fürchterlichen Verletzungen starb, die selbst einen Elefanten niedergeworfen hätten. Ganz im Gegenteiclass="underline" Sie richtete sich auf, schüttelte sich wie ein Boxer, der einen unerwartet heftigen Schlag abbekommen hatte, und kam mit steifen Schritten wieder auf sie zu.
»Sieht so aus, als hätten Sie sich geirrt«, sagte Angela. »Man kann sie nicht töten. Man kann sie nur wütend machen.«
Braun feuerte ein drittes Mal, und als das Donnern des Schusses in Bremers Ohren verhallte, hörte er hinter sich ein leises ›Ping.‹ Der Aufzug war da. Angela und die beiden Agenten zwängten sich in die Kabine, noch bevor sich die Türen zur Gänze geöffnet hatten. Braun verpaßte dem Ungeheuer eine vierte Kugel, die es diesmal tatsächlich von den Beinen riß, stieß Bremer in den Aufzug und sprang als letzter hinterher. Jemand hatte bereits den Knopf für das Erdgeschoß gedrückt. Die Türen glitten zu, und die Kabine setzte sich summend in Bewegung.
»Ist es tot?« keuchte Angela. »Haben Sie es erwischt?«
»Ich weiß nicht«, gestand Braun. Sein Blick schien sich an der Anzeige über der Tür festzusaugen. »Wahrscheinlich nicht. Aber vielleicht habe ich es so schwer verletzt, daß wir eine Chance haben.«
Der Aufzug erreichte die dritte Etage und glitt weiter. Sie mußten den langsamsten Fahrstuhl der Welt erwischt haben, oder irgend etwas stimmte mit der Zeit nicht.
»Na wunderbar«, sagte Angela. »Dann machen Sie endlich diese verdammten Handschellen los, damit ich mich wenigstens wehren kann!«
»Wenn dieses Ding hier hereinkommt, macht das keinen Unterschied mehr«, sagte Braun. Er rührte keinen Finger, um Angela zu befreien. Der Aufzug glitt weiter, erreichte die zweite Etage...
...und hielt an. Die Türen glitten auf, und sie blickten in das Gesicht eines erbosten Hausbewohners, der wahrscheinlich gekommen war, um sich nach der Ursache des Lärms zu erkundigen.
Braun gab ihm allerdings keine Gelegenheit dazu, sondern stieß ihm den Gewehrlauf mit solcher Wucht in den Leib, daß er keuchend zurücktaumelte und an der gegenüberliegenden Wand zu Boden sank; gleichzeitig schlug er mit der Faust erneut auf den Schalter. Die Türen begannen sich quälend langsam zu schließen.
Als sich die Kabine in Bewegung setzte, erklang im Liftschacht über ihnen das Geräusch von reißendem Metall. Alle Köpfe flogen entsetzt in den Nacken.
Eine Sekunde lang herrschte ein fast unheimliches Schweigen, in dem selbst das Summen des Liftmotors kaum noch zu hören war. Dann traf etwas mit so fürchterlicher Wucht das Kabinendach, daß das Metall deutlich eingebeult wurde und sie alle gegeneinander stürzten. Der gesamte Lift schwankte, schien für einen gräßlichen, endlosen Moment stillzustehen und bewegte sich dann ruckelnd und ungleichmäßig weiter. Ein schrilles, in den Ohren schmerzendes Kreischen erklang, und das Kabinendach beulte sich weiter ein. Dann krachte etwas durch das Metall, das wie eine rostige, dreißig Zentimeter lange Sichel aussah, und riß es im Zurückziehen noch weiter auf. Braun tat etwas vollkommen Wahnsinniges: Er hob sein Gewehr und schoß durch das Dach.
In der Enge der Kabine war der Knall im buchstäblichen Sinne des Wortes ohrenbetäubend. Die beiden Agenten schrien auf und schlugen die Hände vor die Ohren, und Angela krümmte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht und riß vergeblich an ihren Handschellen. Bremer sah das alles nur. Er hörte nichts. Seine Ohren waren taub. Alles was er wahrnahm, war ein dumpfes Dröhnen, wie das ferne Echo des Gewehrschusses, das einfach nicht aufhören wollte.
Auch Braun war zurückgetaumelt und hatte das Gesicht verzerrt, hob seine Waffe aber bereits wieder zu einem zweiten Schuß. Im Dach der Liftkabine prangte jetzt ein faustgroßes Loch mit brandgeschwärzten Rändern, aber Braun schien nicht getroffen zu haben: Diesmal hackten gleich drei rostige Sicheln durch das Metall und schälten es auf wie den Deckel einer Sardinendose.
Einer von Brauns Agenten hob seine Pistole und feuerte wieder in schneller Folge das gesamte Magazin durch das Dach, gleichzeitig machte Braun selbst Anstalten, noch einmal zu schießen - womit er ihnen allen vermutlich endgültig die Trommelfelle zerrissen hätte. Bevor er es jedoch tun konnte, hielt der Aufzug an und die Türen glitten auf; Braun, der sich mit der Schulter dagegen gelehnt hatte, um festeren Stand zu haben, verlor das Gleichgewicht und stürzte rücklings aus der Kabine. Angela und die beiden Agenten flankten über ihn hinweg, wobei Angela trotz aller Eile der Versuchung nicht widerstehen konnte, ihm kräftig auf die Hand zu treten.
Bremer verließ die Kabine als letzter, schnell, aber nicht annähernd so hastig wie die anderen. Braun sprang auf und schrie ihm etwas zu, was ebenso wie alle anderen Geräusche in dem anhaltenden Rauschen in seinen Ohren unterging. Als er nicht schnell genug reagierte, packte Braun ihn an der Schulter und schleuderte ihn grob an sich vorbei. Gleichzeitig feuerte er sein Gewehr in die Liftkabine ab.
Bremer hörte den Schuß. Sehr leise und falsch: Er klang eher wie das Knallen eines Sektkorkens als ein Gewehrschuß. Aber er konnte hören. Wenigstens war er nicht taub. Weitere Männer stürmten auf ihn zu. Braun schien eine ganze Armee mitgebracht zu haben. Bremer und Angela wurden gepackt und hastig durch den Flur geschleift, während Braun hinter ihnen offenbar ausprobieren wollte, wie viele Schrotladungen die Decke der Liftkabine aushielt. Er gab sieben oder acht Schüsse ab, wirbelte dann herum und raste hinter ihnen her. Bremer sah, wie sich seine Lippen bewegten, hörte aber nur ein heiseres, unverständliches Flüstern. Hinter ihm, im Inneren der Liftkabine, bewegte sjch ein Schatten.