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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Pointe Pescade wurde dem Genesenden als Pfleger beigesellt. (S. 284.)

Als fünfzehn Jahre später Graf Mathias Sandorf wieder auf der Bildfläche erschien, vermuthete Niemand, daß er es war, der sich unter dem Namen und dem Spiel der Rolle des Doctor Antekirtt verbarg.

Mathias Sandorf lebte nun vollständig der Erfüllung seiner Pläne. Er stand jetzt allein auf der Welt und hatte nur noch ein Werk zu vollenden, ein Werk, dessen Durchführung er als eine heilige Aufgabe betrachtete. Mehrere Jahre, nachdem er Otranto verlassen hatte, nachdem er mächtig durch jene Macht geworden, welche allein ein ungeheures Vermögen verleiht, erworben unter Umständen, die wir bald kennen lernen werden, nachdem er vergessen war und durch sein Incognito geschützt wurde, begann er jenen nachzuspüren, die er entschädigen, beziehungsweise bestrafen wollte. Peter Bathory – so war es längst seine Absicht gewesen – sollte diesem Werke der Gerechtigkeit verbündet werden. Er hatte Agenten in den verschiedensten Städten an der Küste des Mittelländischen Meeres angeworben. Sie wurden reichlich belohnt, dafür aber angehalten, unverbrüchliches Schweigen über ihre Thätigkeit zu beobachten. Sie correspondirten nur mit dem Doctor, theils vermittelst der Eilschiffe, die wir bereits kennen, theils durch das unterseeische Kabel, welches die Insel Antekirtta mit den elektrischen Drähten auf Malta, und Malta wiederum mit Europa verband.

Dadurch, daß er den Berichten seiner Agenten die eigenen Untersuchungen folgen ließ, gelangte er schließlich auf die Spuren aller derer, welche direct oder indirect an der Verschwörung des Grafen Sandorf betheiligt gewesen waren. Er konnte sie so von Weitem überwachen, sich über ihre Unternehmungen im Laufenden erhalten und ihnen, namentlich seit vier oder fünf Jahren, sozusagen auf Schritt und Tritt folgen. Er wußte, daß Silas Toronthal Triest verlassen und sich mit Frau und Kind im bewußten Hotel im Stradone von Ragusa niedergelassen hatte. Er beobachtete Sarcany’s Rundreise durch die verschiedenen Hauptstädte Europa’s, in denen er sein Vermögen verschwendete, dann seinen Aufenthalt in den östlichen Provinzen Siciliens, woselbst er und sein Genosse Zirone über die Coups nachsannen, mit Hilfe derer sie sich flott erhalten konnten. Er wußte, daß Carpena von Rovigno und Istrien nach Italien und Oesterreich gegangen und so lange müßig geblieben war, als die wenigen tausend Gulden, der Judaslohn, dies gestatteten. Er hätte Andrea Ferrato ganz gewiß aus dem Gefängnisse von Stein in Nieder-Oesterreich erlöst, wo er für seine edelmüthige Handlungsweise an den Flüchtlingen von Pisino büßte, wenn nicht schon nach einigen Monaten der Tod den ehrbaren Fischer von Ketten und Banden erlöst haben würde. Seine Kinder, Maria und Luigi, hatten Rovigno gleichfalls verlassen und kämpften wahrscheinlich gegen das Unglück eines zweimal gebrochenen Lebens an. Sie hatten sich indessen so gut zu verbergen gewußt, daß es bisher nicht möglich gewesen war, sie aufzufinden. Frau Bathory, die sich mit ihrem Sohne Peter und Borik, dem früheren Diener des Grafen Ladislaus Zathmar, in Ragusa niedergelassen, hatte der Doctor niemals aus den Augen verloren und man weiß, daß er ihnen eine bedeutende Summe hatte zukommen lassen, die von der stolzen und muthigen Frau aber nicht angenommen worden war.

Endlich war nun die Stunde gekommen, in welcher der Doctor seinen schwierigen Feldzug beginnen konnte. Als ein schon seit fünfzehn Jahren todter Mann fühlte er sich sicher, nach so langer Abwesenheit von Keinem erkannt zu werden, und so kam er nach Ragusa, gerade gelegen, um den Sohn Stephan Bathory’s und die Tochter Silas Toronthal’s in Liebe zu einander entbrannt zu sehen, die er um jeden Preis vernichten mußte. Man wird nicht vergessen haben, was damals geschah, Sarcany’s Dazwischenkunft und die Folgen für beide Theile, wie Peter in das Haus seiner Mutter gebracht wurde und was Doctor Antekirtt in dem Augenblicke that, als der junge Mann zu sterben schien, wie und unter welchen Umständen er ihn ins Leben zurückrief und sich ihm unter seinem wirklichen Namen Mathias Sandorf vorstellte.

Jetzt mußte Peter geheilt werden und Alles erfahren, was er noch nicht wußte, das heißt, daß ein gemeiner Verrath zugleich mit seinem Vater dessen beide Genossen betroffen hatte; es mußte ihm gesagt werden, wer die Verräther waren, er mußte nun zum unerbittlichen Richter in der Sache werden, welche der Doctor abseits von der Gerichtsbarkeit der Menschen entscheiden wollte, da er selbst ein Opfer dieser Gerechtigkeitspflege geworden war.

Zunächst die Heilung Peter Bathory’s! Und dieser Heilung widmete der Doctor sein ganzes Können.

Während der ersten acht Tage nach seiner Transportirung auf die Insel schwebte Peter thatsächlich zwischen Leben und Tod. Nicht nur, daß seine Wunde ein sehr bedenkliches Aussehen hatte, auch sein Verstand schien schwer erkrankt. Die Erinnerung an Sarah, welche er jetzt mit Sarcany verheiratet wähnen mußte, der Gedanke an seine Mutter, die ihn beweinte, dann die Auferstehung des Grafen Mathias Sandorf, der unter dem Namen des Doctors Antekirtt lebte – Mathias Sandorf’s, des ergebensten Freundes seines Vaters – Alles das konnte ein schon so hart geprüftes Gemüth recht wohl in Verwirrung setzen.

Der Doctor wollte Peter Tag und Nacht nicht allein lassen. Er hörte ihn in seinen Fieberträumen den Namen Sarah Toronthal’s unablässig wiederholen. Er sah recht, wie tief die Liebe in ihm wurzelte und welche Qual Peter die Heirat Derjenigen, die er liebte, verursachte. Er mußte sich schließlich fragen, ob eine so große Liebe nicht Allem widerstehen würde, selbst der Mittheilung, daß Sarah die Tochter des Mannes sei, der seinen Vater verrathen, verkauft, getödtet hätte. Und doch wollte der Doctor es ihm sagen. Er war dazu entschlossen, solches seine Pflicht.

Zwanzig Male glaubte man Peter unterliegen zu sehen. An Körper und Geist sterbenskrank, war er dem Tode so nahe, daß er Mathias Sandorf, der an seinen Kissen stand, nicht mehr erkannte. Er besaß nicht einmal die Kraft mehr, den Namen Sarah auszusprechen.

Die ihn umgebende Sorgfalt half ihm endlich über die Krisis fort. Die Kraft der Jugend gewann die Oberhand. Der Kranke begann bereits am Körper zu genesen, als der Geist noch krankte Die Wunde fing an zu vernarben, die Lungenflügel nahmen ihre regelmäßige Thätigkeit wieder auf, am 17. Juli konnte der Doctor es als gewiß ansehen, daß Peter am Leben blieb.

An diesem Tage erkannte dieser den Doctor wieder Mit einer noch schwachen Stimme konnte er ihn bei seinem wirklichen Namen nennen.

»Für Dich, mein Sohn, bin ich Mathias Sandorf, antwortete dieser ihm, doch nur allein für Dich.«

Und da Peter ihn mit einem Blick betrachtete, der ungeduldig Erklärungen zu fordern schien, setzte er hinzu:

»Später, später.«

In einem traulichen Gemache, das durch seine sich nach Norden und Osten öffnenden Fenster der gesunden Meeresluft freien Eintritt gestattete und im Schatten schöner Bäume gelegen war, denen munter fließende Gewässer ein ewiges Grün verliehen, mußte die Gesundheit Peter’s schnell und sicher wieder zunehmen. Der Doctor hörte nicht auf, ihn mit jeder nur denkbaren Sorgfalt zu umgeben; von Minute zu Minute war er bei ihm, seitdem aber die Heilung gesichert schien, hatte er billigerweise einen Pfleger angestellt, dessen Umsicht und gutem Willen er durchaus Vertrauen schenkte.

Es war das Pointe Pescade, der Peter Bathory ebenso ergeben war wie dem Doctor. Er sowohl wie Kap Matifu hatten selbstverständlich über die Vorgänge auf dem Kirchhofe von Ragusa reinen Mund gehalten; ebenso gewiß war es, daß sie nie darüber sprechen würden, daß der junge Mann noch lebend seinem Grabe entrissen worden war.

Pointe Pescade war ziemlich tief in alle Geschehnisse eingeweiht worden, die sich während des Verlaufes dieser wenigen Monate zugetragen hatten. Er hatte demgemäß ein erhöhtes Interesse an seinem Kranken. Diese Liebe Peter Bathory’s, welche das Dazwischentreten Sarcany’s gekreuzt hatte – ein Unverschämter in seinen Augen, der ihm eine wohl gerechtfertigte Antipathie einflößte – das Zusammentreffen des Trauerzuges mit den hochzeitlichen Kutschen vor dem Hotel im Stradone, die auf dem Kirchhofe von Ragusa vorgenommene Ausgrabung, alles das hatte das gutmüthige Wesen sehr zum Mitleid angeregt, umsomehr als er sich den Plänen des Doctors Antekirtt verbunden fühlte, ohne das Endziel derselben begreifen zu können.

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