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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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In einer der verborgensten und unbekanntesten Gegenden dieses ungeheuren Mittelländischen Sees hatte Graf Sandorf – er mußte bis zur festgesetzten Stunde, bis zur vollständigen Vollendung seines Werkes der Doctor Antekirtt bleiben – sein Leben geborgen, um alle Vortheile, die ihm sein falscher Tod bringen mußte, genießen zu können.

Es gibt auf der Erdkugel zwei Mittelmeere, eines in der alten, eines in der neuen Welt. Das amerikanische Mittelmeer ist der Golf von Mexiko; es nimmt nicht weniger als vier und eine halbe Million Quadratkilometer ein. Während indessen das lateinische Mittelmeer nur über eine Oberfläche von zwei Millionen achtmalhundertfünfundachtzigtausend fünfhundert und zweiundzwanzig Quadratkilometer verfügt, also nur halb so groß ist als das andere, erscheint es in seiner ganzen Gestaltung viel bunter, an prächtigen Bassins und Meerbusen reicher und an breiten hydrographischen Unterabtheilungen, welche den Namen von Meeren verdienen. So der griechische Archipel, das Meer von Creta oberhalb der gleichnamigen Insel, das untere Lybische Meer, das Adriatische zwischen Italien, Oesterreich, der Türkei und Griechenland, das Ionische, welches Korfu, Xante, Kephalonia und die anderen Inseln bespült, das Tyrrhenische im Westen Italiens, das Aeolische bei der Gruppe der Liparischen Inseln, der Golf von Lyon, der Meerbusen der Provence, der Golf von Genua, die Bucht der Ligurischen Halbinsel, der Golf von Gabes, die Bai des tunesischen Gestades, die beiden Syrten, die so tief zwischen der Cyrenäischen Halbinsel und Tripolis in den afrikanischen Continent einschneiden.

Welchen verborgenen Theil dieses Meeres, von dem einige Küsten noch wenig bekannt sind, hatte Doctor Antekirtt zu seinem Wohnsitze auserkoren? Es gibt im Umfange dieses ungeheuren Bassins hunderte, ja tausende kleinerer Inseln. Es würde vergebene Mühe sein, ihre Kaps und Baien zu zählen. Wie viele Völker verschiedenster Rasse, verschieden in Sitten, politischen Zuständen drängen sich nicht auf diesen Gestaden, denen die Geschichte der Menschheit seit mehr als zwanzig Jahrhunderten ihr Siegel aufgedrückt hat: Franzosen, Italiener, Spanier, Oesterreicher, Türken, Griechen, Araber, Aegypter, Tripolitaner, Tunesen, Algerier, Marokkaner – sogar Engländer in Gibraltar, Malta und Cypern? Drei ungeheure Continente bilden die Ufer dieses Meeres: Europa, Asien, Afrika. Wo also hatte Graf Mathias Sandorf, jetzt Doctor Antekirtt – ein Name, der den Orientalen theuer war – seine ferne Residenz aufgeschlagen, in der das Programm seines neuen Lebens sich abspielte? Peter Bathory sollte es bald erfahren.

Nachdem er einen Augenblick die Augen aufgeschlagen hatte, war er wieder in die vollständige Bewußtlosigkeit zurückgefallen, und ebenso unempfindlich wie in dem Augenblick, als der Doctor ihn für todt in dem Hause in Ragusa zurückgelassen hatte. Damals hatte der Doctor eines jener physiologischen Experimente ausgeführt, bei denen der Wille eine so bedeutende Rolle spielt und deren phänomenale Erscheinungen nicht mehr angezweifelt werden. Mit einer außerordentlichen Eingebungskraft begabt, hatte er vermocht, ohne erst das Magnesiumlicht oder einen brillirenden Metallknopf anwenden zu müssen, nur durch das Durchbohrende seines Blickes einen hypnotischen Zustand hervorzurufen und seinen Willen an Stelle desjenigen Peter’s zu setzen. Dieser, vom Blutverluste geschwächt, gab kein Lebenszeichen mehr von sich, er war entschlummert und nach dem Willen des Doctors wieder erwacht. Jetzt handelte es sich darum, das zum Verlöschen neigende Leben zu erhalten. Ein schwieriges Unternehmen, denn es erforderte ungeheure Sorgfalt und alle Hilfsmittel der medicinischen Kunst. Der Doctor durfte darin nichts versehen.

»Er wird leben!… Ich will es, daß er lebt! wiederholte er. Warum habe ich auch in Cattaro meinen ersten Plan nicht ausgeführt?… Warum hat die Ankunft Sarcany’s in Ragusa mich abgehalten, ihn dieser verwünschten Stadt zu entreißen?… Ich werde ihn aber retten!… In Zukunft soll Peter Bathory der rechte Arm von Mathias Sandorf sein!«

Seit fünfzehn Jahren war es der beständige Gedanke des Doctors Antekirtt, rächen und Vergeltung üben zu können. Was er seinen Genossen, Stephan Bathory und Ladislaus Zathmar, mehr noch als sich selbst schuldig war, hatte er nicht vergessen. Jetzt war die Stunde zum Handeln gekommen und deshalb hatte die »Savarena« ihn nach Ragusa gebracht.

Des Doctors Aussehen war während dieser langen Zeit ein völlig anderes geworden, so daß Niemand ihn hätte wiedererkennen können. Seine Haare, die er bürstenförmig trug, waren weiß geworden und sein Teint hatte eine glanzlose Farbe angenommen. Er war einer jener Fünfziger, welche sich die Kraft der Jugend erhalten, während sie die Kälte und Ruhe des reisen Alters gewonnen haben. Das gewellte Haar, die angehauchte Hautfarbe, der Bart vom venetianischen Blond, die dem jungen Grafen zu eigen gewesen waren, alles das konnte in keiner Weise in der Erinnerung Jener wieder auftauchen, die dem strengen und frostigen Doctor Antekirtt gegenüberstanden. Doch mehr geläutert und abgehärtet, war er eine jener eisenfesten Naturen geblieben, von denen man sagen kann, daß sie die Magnetnadel schon durch ihre bloße Annäherung erzittern machen. Nun wohl, aus dem Sohne Stephan Bathory’s wollte er dasselbe machen, wozu er selbst geworden war.

Doctor Antekirtt war übrigens schon seit geraumer Zeit der Letzte aus der großen Familie der Sandorf’s. Man wird nicht vergessen haben, daß er ein Kind, ein Töchterchen besessen hatte, welches nach seiner Verhaftung der Frau Landeck’s, des Verwalters von Schloß Artenak, anvertraut worden war.

Dieses Mädchen, damals zwei Jahre alt, war die einzige Erbin des Grafen. An sie sollte, sobald sie das achtzehnte Lebensjahr erreicht haben würde, die Hälfte der Güter ihres Vaters ausgeliefert werden. Durch denselben Urtheilsspruch, der die Confiscation der Besitzthümer und den Tod des Besitzers verfügte, war ihr diese Gunst zu Theil geworden. Da Intendant Landeck in seiner Stellung als Verwalter des unter Sequester gestellten Theiles der siebenbürgischen Domäne belassen worden war, so waren er und seine Frau mit dem Kinde auf dem Schlosse geblieben, dem sie ihr ganzes ferneres Leben weihen wollten. Doch es schien, als schwebte ein Verhängniß über die nur noch aus diesem kleinen Wesen bestehende Familie Sandorf. Einige Monate nach der Verurtheilung der Verschwörer von Triest und den Ereignissen, welche darauf folgten, verschwand das Kind, ohne daß es gelang, seiner wieder habhaft zu werden. Man fand nur sein Hütchen am Rande eines der zahlreichen Bäche, welche von den benachbarten Abhängen der Berge in den Park sich ergießen. Man mußte leider annehmen, daß die Kleine in einen der Abgründe gerissen worden war, durch welche die Karpathenströme ihren Weg nehmen; eine fernere Spur fand man nicht. Rosena Landeck, die Frau des Intendanten, traf dieser Schlag tödtlich; einige Wochen nach der Katastrophe starb sie. Die Regierung wollte trotzdem eine Aenderung ihrer einmal erlassenen Verfügungen nicht eintreten lassen. Das Sequester über den einen reservirten Theil der Sandorf’schen Besitzungen blieb in Kraft, und die Güter des Grafen sollten nur dann an den Staat fallen, wenn seine Erbin, deren Tod nicht in gesetzmäßiger Weise constatirt werden konnte, nicht innerhalb der festgesetzten Zeit wieder zum Vorschein käme, um die Erbschaft in Empfang zu nehmen.

Dieses war der letzte Schlag, der die Sandorf’s getroffen hatte, deren Geschlecht durch das Verschwinden der einzigen Sprossin dieser edlen und mächtigen Familie so gut wie erloschen schien. Die Zeit that im Uebrigen ihr Werk und bald war dieses Ereigniß ebenso wie die anderen Vorfälle vergessen, die sich an die Verschwörung geknüpft hatten.

In Otranto, wo damals Graf Mathias Sandorf im strengsten Incognito lebte, erfuhr derselbe den Tod seines Kindes. Mit ihm verschwand Alles, was ihm noch von der Gräfin Réna geblieben, welche nur so kurze Zeit seine Gattin und von ihm so heiß geliebt worden war. Unbemerkt wie er gekommen, verließ er eines Tages Otranto und Niemand hätte verrathen können, wo er ein neues Leben begann.

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