Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
– Der nächste Augenblick mußte entscheidend sein. Da der Dampfer von der Richtung, wo Triest lag, kam, so sprach Alles dafür, daß er unter österreichischer Flagge fuhr. Ihn um Aufnahme bitten, hieß genau so viel, als sich in die Hände der Gensdarmen von Rovigno begeben. Ich war vollständig entschlossen, es nicht zu thun, aber nicht weniger entschlossen, das Rettungsmittel, das sich mir bot, zu benützen.
– Der Dampfer war ein Eilboot. Je mehr er sich mir näherte, desto unermeßlicher erschien sein Umfang, und ich sah das Meer unter seinem Vordersteven aufschäumen. In weniger als zwei Minuten mußte er die Stelle passiren, woselbst ich fast unbeweglich lag.
– Ich zweifelte nicht daran, daß es ein österreichischer Dampfer war. Doch war es nicht unmöglich, daß seine Bestimmung auf Brindisi oder Otranto lautete, oder daß er dort Station machte. Wenn das der Fall war, so mußte er in ungefähr vierundzwanzig Stunden dort eintreffen.
– Mein Entschluß war gefaßt: ich wartete ab. In der Gewißheit, inmitten der Dunkelheit nicht bemerkt zu werden, hielt ich mich in der Richtung, welche die ungeheure Masse verfolgte, deren Geschwindigkeit eine nur mäßige war und die in der rollenden See kaum schwankte.
– Endlich hatte der Dampfer mich erreicht. Sein über zwanzig Fuß aus dem Wasser ragender Vordersteven beherrschte das Meer rings umher. Ich wurde in den Schaum des Bugs verwickelt, doch nicht von ihm fortgeschleudert. Der lange eiserne Schnabel streifte mich und ich stieß mich kräftig mit der Hand ab. Das dauerte kaum einige Secunden. Dann, als ich die hohen Formen des Hintertheiles sich abzeichnen sah, klammerte ich mich auf die Gefahr hin, von der Schraube erfaßt zu werden, an das Steuerruder an.
– Der Dampfer hatte glücklicher Weise volle Ladung, so daß seine tiefliegende Schraube nicht die Oberfläche des Wassers peitschte, denn sonst hätte ich dem Wirbel nicht widerstehen und mich nicht an der Handhabe festklammern können, wie ich es gethan. Wie bei allen diesen Schiffen, so hingen auch hier zwei eiserne Ketten vom Hintertheile herunter, die an dem Steuerruder befestigt waren. Ich ergriff eine dieser Ketten und zog mich bis zu ihrer Verankerung, dicht über dem Wasserspiegel empor; dort installirte ich mich, so schlecht und recht es eben anging, nahe dem Hintersteven…. Ich befand mich in verhältnißmäßiger Sicherheit.
– Drei Stunden später brach der Tag an. Ich überlegte, daß ich noch zwanzig Stunden in dieser Lage ausharren müßte, falls der Dampfer in Brindisi oder Otranto anlegte. Vom Hunger und Durst mußte ich am Meisten leiden…. Sehr wichtig war der Umstand, daß ich vom Deck aus nicht bemerkt werden konnte, nicht einmal von dem Rettungsboote aus, das auf dem Hinterdeck zwischen seinen Trägern ruhte. Von uns entgegenkommenden Schiffen konnte ich allerdings gesehen und signalisirt werden, doch nur wenige Schiffe kreuzten uns an diesem Tage und diese fuhren in so großer Entfernung an uns vorüber, daß sie kaum den Menschen erblicken konnten, der in den Ketten des Steuerruders hing.
Die glühenden Sonnenstrahlen gestatteten mir bald, meine Kleidungsstücke zu trocknen, deren ich mich entledigte. Die dreihundert Gulden Andrea Ferrato’s befanden sich noch immer in dem Gürtel um meinem Leibe. Sie mußten mir Sicherheit verschaffen, sobald ich am Lande war. Dort hatte ich nichts mehr zu befürchten. Im fremden Lande drohte mir von den Agenten Oesterreichs keine Gefahr. Es gab noch keinen Auslieferungsvertrag bezüglich politischer Flüchtlinge. Ich wollte indessen nicht nur, daß mein Leben gerettet war, sondern auch, daß man an meinen Tod glaubte. Niemand durfte erfahren, daß der letzte Flüchtling aus dem Wartthurme von Pisino den Fuß auf italienischen Boden gesetzt hatte.
– Was ich wollte, ging in Erfüllung. Der Tag ging ohne Zwischenfälle vorüber. Die Nacht brach herein. Gegen zehn Uhr Abends blitzte südwestlich ein Feuer in regelmäßigen Pausen auf. Es rührte vom Leuchthurme von Brindisi her. Zwei Stunden später lenkte der Dampfer in das Fahrwasser zum Hafen ein.
– Doch bevor noch der Lootse an. Bord gekommen war, zwei Seemeilen vom Lande entfernt, verließ ich die Ketten des Steuerruders, nachdem ich aus meinen Kleidungsstücken ein Bündel gemacht und mir um den Hals gebunden hatte; ich ließ mich sanft in das Wasser gleiten.
– Eine Minute später hatte ich das Schiff aus den Augen verloren, dessen Dampfpfeife seine heulenden Signale gab.
– Nach einer halben Stunde landete ich bei ruhigem Meere an einem brandungfreien Ufer, vor jedem Blicke geborgen; ich zog mich zwischen die Klippen zurück, kleidete mich dort wieder an und inmitten einer mit trockenem Seetang ausgefüllten Mulde entschlummerte ich: die Abspannung besiegte den Hunger.
– Bei Tagesanbruch ging ich nach Brindisi hinein, ich sachte eines der einfachsten Gasthäuser auf und wartete dort die Ereignisse ab, bevor ich mir den Plan zu einem ganz neuen Leben zurechtlegte.
– Nach zwei Tagen belehrten mich die Zeitungen, daß die Verschwörung von Triest ihr Ende erreicht habe. Man schrieb auch, daß Nachforschungen nach dem Verbleib des Körpers des Grafen Mathias Sandorf angestellt worden waren, doch keinen Erfolg gehabt hätten. Ich wurde für todt gehalten – für ebenso todt, als wenn ich mit meinen beiden Genossen, Ladislaus Zathmar und Deinem Vater Stephan, auf dem Schloßhofe von Pisino erschossen worden wäre.
– Ich todt!… Nein, Peter, und man soll noch sehen, daß ich am Leben bin!«
Peter Bathory hatte aufmerksam der Erzählung des Doctors gelauscht. Er war ebenso lebhaft davon ergriffen, als wenn das Gesagte zu ihm aus der Grabesgruft hinübergeschallt hätte. Ja, so nur konnte Graf Mathias Sandorf sprechen! Ihm gegenüber, der ein lebendiges Abbild seines Vaters vorstellte, war die gewöhnlich gezeigte Kälte allmählich gewichen; er hatte ihm vollständig seine Seele geöffnet, er wollte sich ihm so zeigen, wie er war, nachdem er so viele Jahre hindurch sich hatte verstellen müssen. Mathias Sandorf hatte aber bisher noch nichts davon gesagt, was zu hören Peter eifrig verlangte, noch nichts davon, wobei er auf seine Hilfe rechnete.
Was der Doctor von seiner kühnen Ueberfahrt über das Adriatische Meer erzählt hatte, entsprach bis in die kleinsten Einzelheiten der Wahrheit. Er war heil und gesund in Brindisi angekommen, während Mathias Sandorf ein für alle Male todt war.
Es handelte sich zunächst für ihn darum, Brindisi so schnell als möglich zu verlassen. Diese Stadt ist nur ein Durchfahrtshafen. Man schifft sich dort nach Indien ein, oder nach Europa aus. Sie liegt gewöhnlich verlassen da, nur an einem oder zwei Tagen in der Woche herrscht in ihr reges Leben, wenn die überseeischen Dampfer eintreffen, namentlich diejenigen der »Peninsular and Oriental Company«. Der durch diese bewirkte Verkehr genügte aber gerade, um den Flüchtling von Pisino unter Umständen erkannt werden zu lassen und wenn er auch, um es nochmals zu wiederholen, für sein Leben nichts zu fürchten hatte, so war es ihm doch von großer Wichtigkeit, daß man an seinen Tod glaubte.
Darüber dachte der Doctor nach, als er am Tage nach seiner Ankunft in Brindisi am Fuße der Terrasse lustwandelte, welche die Säule der Kleopatra beherrscht, gerade dort, wo die alte appische Straße beginnt. Den Plan seines neuen Lebens hatte er sich schon zurechtgelegt. Er wollte nach dem Orient gehen, dort Reichthümer sammeln und mit ihnen Macht. Es paßte aber nicht in seinen Plan, auf einem der Packetboote, inmitten von Passagieren aller Nationalitäten, die Ueberfahrt zu machen, welche den Verkehr mit der Küste Kleinasiens unterhalten. Er konnte sich nur eines weniger auffälligen Transportschiffes bedienen, das er allerdings in Brindisi nicht finden konnte. Er fuhr also noch am selben Abend mit der Eisenbahn nach Otranto.
In anderthalb Stunden hatte der Zug diesen Ort erreicht, der fast am Endpunkte des Absatzes des italienischen Stiefels, an jenem Canale gelegen ist, welcher den schmalen Eingang zum Adriatischen Meere bildet. In diesem halbverlassenen Hafen konnte der Doctor mit dem Eigenthümer einer Schebecke handelseinig werden, die zum Auslaufen nach Smyrna bereit lag und eine Partie albanesischer Pferde an Bord hatte, für welche sich in Otranto kein Käufer gefunden.