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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Es geht aus Gesagtem hervor, daß Pointe Pescade mit Eifer den Auftrag, den Kranken zu pflegen, entgegennahm. Es wurde ihm gleichzeitig vom Doctor anempfohlen, Peter durch seinen drolligen Humor so viel als möglich zu zerstreuen. Daran konnte es ihm nun nicht fehlen. Er betrachtete überdies seit dem Feste in Gravosa Peter Bathory als seinen Gläubiger und hatte sich schon längst vorgenommen, gelegentlich auf die eine oder die andere Weise mit ihm abzurechnen.

Deshalb gab sich Pointe Pescade nach erfolgter Installirung bei dem Kranken alle Mühe, die Gedanken Peter’s durch Plaudern und Schwatzen abzulenken und ihm keine Zeit zum Nachdenken zu lassen.

So wurde er eines Tages auf eine directe Frage Peter’s hin veranlaßt, zu erzählen, wie er die Bekanntschaft des Doctors Antekirtt gemacht habe.

»Bei dem Stapellaufe des Trabocolo, Herr Peter, gab er zur Antwort. Sie müssen sich dessen doch noch erinnern? Die Geschichte mit dem Trabocolo, welche aus Kap Matifu einen Helden gemacht hat?«

Peter hatte keineswegs das ernste Ereigniß vergessen, welches das Jahrmarktsfest in Gravosa bei der Ankunft der Vergnügungs-Yacht unterbrochen hatte; doch das wußte er bisher nicht, daß auf den Vorschlag des Doctors hin die beiden Akrobaten ihre Künste aufgegeben hatten und bei Letzterem in Dienst getreten waren.

»Ja. Herr Peter, meinte Pointe Pescade, das war es und die Aufopferung Kap Matifu’s ist für uns ein großes Glück geworden. Doch dürfen wir über dem was wir dem Doctor schulden, nicht vergessen, Ihnen zu danken.

– Mir?

– Ihnen, Herr Peter, der Sie an jenem Tage beinahe unser ganzes und einziges Publicum gewesen wären; das heißt mit anderen Worten, wir hatten zwei Gulden verdient, ohne sie verdient zu haben, weil das geehrte Publicum uns im Stiche ließ, obwohl es seinen Platz bezahlt hatte.«

Und Pointe Pescade rief Peter Bathory ins Gedächtniß zurück, wie dieser, kaum nachdem er die zwei Gulden erlegt hatte und im Begriffe stand, die provençalische Arena zu betreten, plötzlich verschwunden war.

Der junge Mann hatte an diesen Vorfall nicht mehr gedacht, doch jetzt erinnerte er sich desselben mit einem traurigen Lächeln, denn es fiel ihm gleichzeitig ein, daß er sich nur, um Sarah Toronthal wieder zu finden, in der Menge verloren hatte.

Seine Augen schlossen sich. Er sann darüber nach, wie Alles von jenem Tage an gekommen war. Sobald er an Sarah dachte, die er jetzt verheiratet glaubte, folterte ihn eine schmerzende Beklemmung und er war oft nahe daran, Jenen zu fluchen, die ihn dem Tode entrissen hatten.

Pointe Pescade sah wohl, daß dieses Fest in Gravosa in Peter trübe Erinnerungen wachrief. Er sprach also nicht weiter von demselben und hüllte sich selbst in Schweigen, indem er bei sich meinte:

»Mein Kranker soll alle fünf Minuten einen halben Löffel voll guter Laune einnehmen. So wünscht es der Herr Doctor, aber es ist nicht so leicht.«

Peter selbst war es, der von Neuem zu fragen begann, als er einige Augenblicke später die Augen wieder aufschlug:

»Kanntet Ihr den Doctor Antekirtt schon vor dem Stapellaufe des Trabocolo, Pointe Pescade?

– Wir hatten ihn nie zuvor gesehen, Herr Peter, antwortete Pointe Pescade, und kannten bis dahin nicht einmal seinen Namen.

– Von jenem Tage an aber habt Ihr ihn nie verlassen?

– Niemals, außer wenn er mich mit einigen Aufträgen beehrte.

– In welchem Lande befinden wir uns hier? Könnt Ihr mir das sagen, Pointe Pescade?

– Ich muß annehmen, daß wir uns auf einer Insel befinden, da das Meer uns auf allen Seiten umgibt.

– Jedenfalls, doch in welchem Theile des Mittelmeeres?

– Ja so! Offen gestanden, ich weiß es nicht, ob im Norden, Westen, Süden oder Osten, meinte Pointe Pescade. Es ist das auch im Uebrigen vollständig gleichgiltig. Eines ist sicher, daß wir uns nämlich beim Doctor Antekirtt befinden und daß man uns gut beköstigt, kleidet, schlafen läßt, ohne der Auszeichnungen zu gedenken…

– Aber Ihr werdet doch wenigstens wissen, wie diese Insel heißt, wenn Ihr auch nicht ihre Lage kennt? fragte Peter.

– Wie sie heißt?… O gewiß! Sie heißt Antekirtta!« erwiderte Pointe Pescade.

Peter Bathory strengte vergebens sein Gedächtniß an, um sich zu erinnern, ob eine Insel des Mittelmeeres diesen Namen trüge. Er blickte Pointe Pescade an.

»Ja, Herr Peter, Antekirtta! beantwortete dieser die stumme Frage. Meinem Onkel würde nichts übrig bleiben, »unter keinem Längen-und keinem Breitengrade« auf die Adresse eines Briefes an mich zu schreiben, vorausgesetzt, daß ich einen Onkel hätte; leider aber hat mir der Himmel bis jetzt diese Freude versagt. Es gibt aber nichts Erstaunliches an der Sache, daß diese Insel sich Antekirtta nennt, weil sie dem Doctor Antekirtt gehört. Ob nun der Doctor seinen Namen der Insel entlehnt hat oder ob die Insel den Namen des Doctors angenommen hat, das zu sagen ist mir ganz unmöglich, und wenn ich selbst Generalsecretär einer geographischen Gesellschaft wäre.«

Die Reconvalescenz Peter’s nahm ihren regelmäßigen Verlauf. Keiner der Zufälle, die befürchtet werden konnten, trat hinzu. Mit Hilfe einer consistenteren, doch vorsichtig bereiteten Mahlzeit nahm der Kranke von Tag zu Tag an Kräften zu. Der Doctor besuchte ihn häufig und sprach mit ihm über alles Mögliche, nur nicht von solchen Dingen, die Peter directer interessiren konnten. Und Peter, der nicht vorzeitige Vertraulichkeiten wachrufen wollte, wartete, bis es dem Doctor gefallen würde, sich ihm zu eröffnen.

Pointe Pescade hatte dem Doctor getreulich die Brocken der Unterhaltung hinterbracht, die zwischen ihm und dem Kranken ausgetauscht worden waren. Das Incognito, welches nicht nur den Grafen Mathias Sandorf beschützte, sondern sich auch auf die von ihm bewohnte Insel erstreckte, beschäftigte die Gedanken Peter Bathory’s augenscheinlich. Ebenso ersichtlich war es, daß er beständig noch an Sarah Toronthal dachte, die ihm jetzt so entfernt weilte, da jede Verbindung zwischen Antekirtta und dem europäischen Continente abgeschnitten schien. Doch der Augenblick war nahe, in welchem er stark genug sein sollte, Alles zu erfahren.

Ja! Alles zu hören, und an jenem Tage wollte der Doctor, wie ein operirender Chirurg, mitleidslos den Wehrufen des Patienten gegenüber sein.

Mehrere Tage verstrichen. Die Wunde des jungen Mannes war vollständig vernarbt. Er konnte schon aufstehen und an dem Fenster seiner Stube Platz nehmen. Die mildthätige Sonne des Mittelländischen Meeres schmeichelte ihm, eine lebhafte Meeresbrise blähte seine Lungen auf und gab ihm Gesundheit und Kraft wieder. Er fühlte sich wider Willen gefunden. Seine Augen hefteten sich hartnäckig an den grenzenlosen Horizont, über den hinaus sein Blick gern geschweift wäre; sein Gemüth war eben noch sehr leidend. Die ungeheure Wasserwüste rings um die Insel lag fast immer verlassen da. Kaum einige Küstenfahrzeuge, Schebecken oder Tartanen, Polaken oder Speronaren tauchten auf der offenen See auf, hielten aber nie auf die Insel zu, um hier anzulegen. Ein großes Handelsschiff oder ein Packetboot einer der Linien, welche diesen großen europäischen See nach allen Richtungen der Windrose durchziehen war hier nie zu sehen.

Man hätte mit Recht behaupten können, daß Antekirtta an die Grenzen der Erde verbannt worden sei.

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