Azrael: Die Wiederkehr
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Год: 2000
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Azrael: Die Wiederkehr». Краткое содержание книги:
»Ich weiß es nicht«, sagte Mecklenburg. Für Bremers Geschmack benutzte er diese vier Worte im Verlauf ihres Gespräches entschieden zu oft. Bisher war er eher der Meinung gewesen, daß dieses Eingeständnis aus dem Munde eines Wissenschaftlers einer der sieben Todsünden gleichkam. Aber er beherrschte sich. Er spürte, daß Mecklenburg jenen Punkt erreicht hatte, an dem er ganz von selbst weiterreden würde und Fragen eher schädlich waren.
»Vielleicht sind wir einen Schritt zu weit gegangen«, fuhr Mecklenburg fort. »Irgend etwas passiert. Aber ich weiß nicht was. Ich weiß nur, daß es mir angst macht. Ich glaube, wir haben etwas ... geweckt.«
Bremer lachte, leise und ohne die Spur von Überzeugung. »Sie wollen mir doch nicht erklären, daß Sie plötzlich anfangen, an Geister zu glauben, Professor. Sie? Ein Mann der Wissenschaft?«
»Vielleicht gerade ich«, antwortete Mecklenburg. »Ich weiß genug, um zu wissen, daß ich sehr viel mehr Dinge nicht erklären kann, als ich weiß. Was passiert mit unserem Bewußtsein, wenn wir sterben, Herr Bremer? Erlischt es einfach, wie eine durchgebrannte Glühbirne? Ist es wirklich nur ein elektrisches Feld, das einfach aufhört zu existieren? Oder ist da noch mehr? Sagen Sie es mir. Sie haben es erlebt!«
Es war praktisch die gleiche Frage, die Angela ihm auch schon gestellt hatte, und er antwortete mit der gleichen Lüge: »Ich muß Sie enttäuschen, Professor. Ich erinnere mich an nichts. Ich wurde angeschossen, und das Licht ging aus. Danach bin ich in Ihrer Klinik wieder aufgewacht. Das ist alles.«
Mecklenburgs Blick machte klar, daß er ihm nicht glaubte. Er hatte recht damit. Da war mehr gewesen. Sehr viel mehr sogar. Er erinnerte sich nicht an Details, aber im Grunde nur, weil er sich mit aller Willenskraft verbot, sich zu erinnern. Sein Unterbewußtsein war voll von Bildern, Erinnerungen, Gefühlen. Da war etwas gewesen; etwas Großes, unbeschreiblich Machtvolles. Er hatte es nur flüchtig berührt, und wäre trotzdem an diesem Hauch beinahe verbrannt. Er konnte nicht einmal sagen, ob die Macht, die er gefühlt hatte, guter oder schlechter Natur war, oder vielleicht nichts von beiden, und er hütete sich auch, zu genau in seinen Erinnerungen zu forschen. Er hatte einen guten Grund, all diese Dinge tief in sich begraben zu haben. Wie hätte er weiterleben können, mit dem Wissen, daß ihn die Hölle erwartete? Und warum hätte er weiterleben sollen, wenn es das Gegenteil war?
»Schade«, sagte Mecklenburg, als er begriff, daß Bremer nicht antworten würde, ganz egal, wie lange er darauf wartete. »Ich hatte gehofft, daß Sie mir diese Frage beantworten könnten.«
»Leider«, sagte Bremer. »Ich könnte Ihnen jetzt etwas von einem langen Tunnel erzählen und einem strahlenden Licht an seinem Ende. Aber es wäre nicht wahr.«
»Es wäre auch nicht das, was ich hören wollte«, antwortete Mecklenburg. »Das Rätsel des Tunnelerlebnisses ist längst gelöst, glauben Sie mir. Die Antwort ist ziemlich ernüchternd. Vielleicht wollen die Leute sie deshalb nicht hören und klammern sich deshalb weiter an die Version von der Reise ins Licht.«
»Sehen Sie?« sagte Bremer. »Sie wissen doch mehr als ich.« Angela kam zurück und schloß die Terrassentür hinter sich.
»Was war los?« fragte Bremer.
»Nichts«, sagte Angela. »Ich dachte, ich hätte etwas gehört. Aber draußen ist alles ruhig. Ich bin wohl nur nervös.« Dieses Eingeständnis trug nicht unbedingt zu Bremers Beruhigung bei.
Er wartete, bis Angela sich gesetzt hatte, dann wandte er sich wieder an Mecklenburg. »Sie haben meine Frage nicht beantwortet«, sagte er. »Was ist schiefgegangen?«
»Doch, das habe ich. Ich weiß es nicht. Irgend etwas geht vor, das ist alles, was ich Ihnen sagen kann. Wir sollten dieses Experiment beenden. Aber das wird Braun nie zulassen.«
»Beenden? Sie meinen damit, Haymar zu töten?«
Mecklenburg gab einen seltsamen Laut von sich. »Er ist längst nicht mehr am Leben.« In dieser Behauptung verbarg sich eine Frage, die Bremer fast so deutlich hörte, als hätte er sie tatsächlich ausgesprochen. Er ignorierte sie, und bevor das Schweigen wirklich unangenehm werden konnte, stand Angela abermals auf und ging zur Tür. Kein Zweifeclass="underline" Sie war nervös.
»Es tut mir leid, daß ich Ihnen nicht weiterhelfen kann«, sagte Mecklenburg. »Aber ich habe Ihnen jetzt alles gesagt, was ich weiß. Wenn ich Ihnen noch einen Rat geben darf...«
»Nur zu.« Draußen in der Diele polterte etwas. Sehr leise, aber hörbar.
»Verlassen Sie die Stadt«, sagte Mecklenburg. »Braun ist der Überzeugung, daß Sie irgend etwas mit der Sache zu tun haben, und Sie haben ja schon erlebt, wozu er fähig ist. Nehmen Sie Ihre kleine Freundin, und verschwinden Sie, bevor Sie ihm in die Hände fallen. Ich kann Ihnen etwas Bargeld geben. Nicht viel, aber genug, um in die nächste Maschine zu steigen und auf irgendeine Karibikinsel zu fliegen. Ich weiß nicht, ob Sie dort vor ihm sicher sind, aber...« Das Poltern wiederholte sich. Im nächsten Sekundenbruchteil erklang ein abgehackter Schrei, und Angela kam im hohen Bogen durch die Tür geflogen, landete auf dem Parkettfußboden und schlitterte ein paar Meter davon, ehe sie zur Ruhe kam. Noch bevor sie sich wieder aufrappeln konnte, traten zwei Männer in dunklen Anzügen durch die Tür. Jeder von ihnen hielt eine großkalibrige Waffe in der Hand, mit der er auf Angela zielte.
»Nein, Professor, das wäre er nicht. Es gibt keinen Ort, an dem man sich vor mir verstecken kann. Wenigstens nicht auf diesem Planeten. Ich dachte, Sie wissen das.« Ein dritter Mann trat ins Zimmer. Er war nicht ganz so groß wie die beiden Bewaffneten und ein wenig älter, aber ebenso elegant gekleidet. Offenbar hatte die ganze Truppe nicht nur den gleichen Autolieferanten, sondern auch denselben Schneider.
Bremer erkannte ihn auf der Stelle wieder. Es war fünf Jahre her, daß er ihn das letztemal gesehen hatte. Damals war er jünger gewesen, und noch nicht der Chef, sondern ein unscheinbares Mitglied von Sendigs Schlägertrupp, aber es gab keinen Zweifel.
»Guten Morgen, Herr Bremer«, sagte Treblo. »Ich freue mich wirklich, daß wir uns wieder einmal begegnen.«
»Treblo!« murmelte Bremer.
»Braun«, antwortete Treblo. »Sie können das nicht wissen, aber im Moment ziehe ich den Namen Braun vor. Das macht Ihnen doch nichts aus, oder?« Bremer wollte aufstehen, und in Brauns Hand erschien wie hingezaubert eine Pistole. »Bitte!« sagte er kopfschüttelnd. Die Waffe war gespannt. Bremer sah, daß er den Abzug bereits halb durchgezogen hatte. Braun war tatsächlich bereit, zu schießen. Er lächelte weiter, und sein Gesicht wirkte entspannt. Aber er hatte sich nur zu neunundneunzig Prozent in der Gewalt, nicht zu hundert. Eine Spur von Unsicherheit blieb. Auch wenn Bremer es sich nicht ganz erklären konnte, wurde ihm doch schlagartig klar, daß Braun ... Angst vor ihm hatte.
Angela erhob sich vorsichtig. Die Waffen der beiden Männer an der Tür folgten ihrer Bewegung akribisch, und Braun sagte: »Langsam, wenn ich Sie bitten darf. Ich weiß, was ihr zwei mit Reinhold und Cremer gemacht habt. Ich kann mir zwar beim besten Willen nicht erklären, wie, aber ich bin ehrlich gesagt auch gar nicht sehr scharf darauf, es herauszufinden.« Angela führte ihre Bewegung sehr viel langsamer zu Ende und hob die Hände, und Bremer ließ sich vorsichtig wieder in seinen Sessel zurücksinken. Brauns Waffe blieb weiter starr auf sein Gesicht gerichtet.
»Ich bin für klare Verhältnisse«, sagte Braun. »Sehen Sie auf Ihre Brust.« Bremer gehorchte. Unmittelbar über seinem Herzen zitterten zwei winzige, rote Lichtflecke.
»Damit das ganz klar ist«, sagte Braun. »Zwei meiner Männer zielen vom Dach des gegenüberliegenden Gebäudes mit Präzisionsgewehren auf Sie. Wenn hier drinnen irgend etwas passiert, was ihnen nicht ganz koscher vorkommt, drücken sie ab. Nicht einmal ich kann sie daran hindern. Tun Sie also lieber nichts Unüberlegtes. Haben Sie mich verstanden?« Bremer nickte. Die Spannung wich ein wenig aus Brauns Gesicht, aber seine Waffe blieb weiter auf Bremer gerichtet, als er sich herumdrehte und an Mecklenburg wandte. »Sie enttäuschen mich, Professor«, sagte er. »Ich hätte wirklich nicht geglaubt, daß Sie mir so in den Rücken fallen.« Er schüttelte den Kopf, schwenkte seine Waffe herum und schoß Mecklenburg zwischen die Augen. Mecklenburg wurde mitsamt der kleinen Couch, auf der er saß, nach hinten gerissen und schlug mit verdrehten Gliedern auf dem Parkettfußboden auf, und Braun richtete die Waffe wieder auf Bremer.