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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Huma machte sich über den weichen Schnee nach Osten auf. Er stellte fest, daß die Wolkendecke sich nicht verzogen hatte, sondern daß sie nur diesem Gipfel ausgewichen war.

Er war erst zehn Minuten gelaufen, als er eine Stimme vernahm. Da gab es keinen Irrtum: Es war der wütende Kaz. Der Ritter legte einen Schritt zu. Nur eine Person konnte den Minotaurus derart aufregen.

»Wenn ich nur getan hätte, was ich wollte, und dein erbärmliches Leben auf der Stelle beendet hätte. Du hast keine Ehre im Leib und kein Gewissen.« Der Minotaurus hatte sich hoch aufgerichtet. Seine Fäuste verliehen seinen Worten Nachdruck, indem sie die Luft bearbeiteten, als wenn sie das Ziel seiner Vorwürfe wäre.

Magus saß merkwürdig still auf einem großen Stein. Er hatte seinen Kopf in die Hände gestützt und rührte sich nicht, während der Minotaurus ihn beschimpfte. Huma ging langsam auf die beiden zu.

Es war Magus, der sein Kommen als erster spürte. Das Gesicht des Zauberers war blaß und verhärmt, sein Haar stand wild vom Kopf ab. Seine Augen waren tief in ihren Höhlen versunken. Sie weiteten sich, als er den Kopf hob und sein benommener Verstand die Gestalt seines einzigen Freundes erkannte.

»Huma!«

»Was?« Bei Magus’ Ruf fuhr Kaz herum. Er folgte dem Blick des Zauberkundigen. Die Wut in seinen Augen verschwand, und ein breites Grinsen legte sich über das Stiergesicht. Jeglicher Zorn war vorerst verflogen. »Huma!«

Als der Minotaurus vorwärts rannte, schien Magus sich einzuigeln. Er schaut mitleidig in Humas Richtung, schloß sich jedoch Kaz nicht an, um den verlorenen Gefährten zu begrüßen.

Der Minotaurus zerquetschte Huma beinahe mit seiner Umarmung. Kaz sah mit strahlendem Lächeln auf ihn herunter, dann hob er den fassungslosen Ritter plötzlich hoch und wirbelte ihn herum. In den Händen des riesigen Tiermenschen kam sich Huma vor wie ein Kind.

»Wo warst du denn? Ich habe dich gesucht, aber ich konnte dich nicht finden. Ich habe immer wieder gesucht und gerufen, aber nur der Wind und dieses schreckliche Wesen haben geantwortet. Sarg… Götter! Irgendwann dachte ich, du müßtest tot sein.« Er setzte Huma ab. Kaz drehte sich zu Magus um, der zurückwich, als hätte man ihn geschlagen. »Als ich dem da erzählt habe, was passiert war, hat er als erstes einen richtigen Freudenschrei ausgestoßen.«

»WAS?« Huma starrte Magus an. Sein Jugendfreund wich dem Blick aus.

Kaz zeigte mit dem Finger auf den Ritter. »Weißt du, warum du ihm so wichtig warst? Nicht aus Freundschaft. Nicht wegen deiner Fähigkeiten. Seine verrückte Vision hat ihn davon überzeugt, daß hier in der Gegend irgendwo ein Geschenk von Paladin liegt, aber daß er bei dem Versuch, es zu holen, sterben würde. Deshalb wollte er dich an seiner Stelle schicken. Du solltest die Gefahren auf dich nehmen, die ihn getötet hätten! Dein Leben war nicht so wichtig!« Der wütende Krieger lachte kalt. »Kannst du das begreifen? Er behauptet, ein Ritter in sonnenstrahlender Rüstung würde ihn mit einer Lanze von unermeßlicher Macht durchbohren – hast du jemals so einen Blödsinn gehört?

Als er dich für tot hielt, glaubte er, die Vision wäre für immer verändert. Er glaubte fest daran, daß er das große Geheimnis sofort entdecken würde und es dann im Andenken an dich und zu seinem Ruhm benutzen könnte.«

Kaz hielt inne, um Luft zu holen. Diesen Augenblick nutzte Huma, um Magus zu stellen. Der Zauberer sah ihn fast ängstlich an und wich zurück. Huma streckte die Hand aus, doch Magus wollte sie nicht nehmen.

Der Minotaurus tauchte hinter Huma auf. »Als wir weder Pfad noch Höhle fanden, brach er allmählich zusammen. Ich hätte nie gedacht, daß er ein schlechtes Gewissen haben könnte. Ich schätze, daß ich da etwas nachgeholfen habe. Ich habe ihn nämlich Tag und Nacht daran erinnert, was er getan hat. Wie du ihn für einen guten Freund gehalten hast.«

Huma beugte sich vor. Mit leiser Stimme sagte er: »Magus. Hab keine Angst. Ich hasse dich nicht für das, was du getan hast. Du warst nicht du; das warst du nie.«

Der Schatten des Minotaurus fiel über die beiden. Magus drehte sich weg.

»Was redest du da, Huma?« wollte der Minotaurus wissen.

»Der da hat dich verraten, hat schon geplant, dich zu verraten, bevor wir beide uns überhaupt getroffen haben. Und nur wegen so einer dummen, blödsinnigen Wahnidee!«

»Du warst nicht dabei!« fuhr Huma ihn an. »Ich habe davon gehört, wie echt die Prüfungen sind. Manchmal passieren sie nur im Kopf; manchmal finden sie tatsächlich statt. In jedem Fall kann der geprüfte Zauberer sterben.«

»Magus«, flüsterte Huma seinem von Reue geplagten Freund zu. Der Zauberkundige schien am Rande des Zusammenbruchs zu stehen. Es war ihm wahrscheinlich so vorgekommen, als ob der Geist des Ritters zurückgekehrt war, um den zu verfolgen, der ihn verraten hatte. »Magus. Vergiß die Vision. Du hattest recht mit dem Berg. Ich habe gefunden, wonach wir gesucht haben.«

Die Augen des Zauberers wurden groß, um sich dann wieder zu verengen. Er begann sich zu beruhigen. »Du hast es gefunden?«

»Ja. Ich habe mich den Prüfungen des Berges gestellt und sie bestanden.«

»Wovon redest du da?« schnaubte Kaz. »Was für Prüfungen?«

Huma erzählte kurz, was sich im Berg abgespielt hatte. Bei der Geschichte von Wyrmvater flackerte ein seltsames Licht in Magus’ Augen auf, der stammelnd bekannte, daß er vor Jahren die Herkunft der kleinen Statue zurückverfolgt hatte, ohne jedoch mehr als ein paar Bruchstücke von Legenden in Erfahrung zu bringen. Rennards Verrat erschütterte beide Zuhörer. Magus war mit Huma aufgewachsen und hatte sich oft gefragt, wer wohl der Vater des Ritters sein mochte.

»Bei fünfundzwanzig Generationen meiner Vorfahren! Wenn ich nur hätte dabei sein können, als du mit dem Vater aller Drachen gekämpft hast. So ein Kampf, und ich mußte ihn verpassen.« Der Minotaurus schüttelte den Kopf.

Der Ritter verzog das Gesicht. »Es war mehr ein Kampf auf Leben und Tod als alles andere. Und ich hatte viel Glück dabei.«

»Das finde ich nicht. Ich glaube nicht, daß Glück bei diesen Prüfungen eine Rolle spielt. Wie viele hätten so gehandelt wie du? Wie viele wären davongerannt oder hätten zitternd vor dem Drachen gestanden? Viele Minotauren hätten die ganze Sache für Wahnsinn gehalten.«

Magus zupfte Huma am Arm wie ein kleines Kind. »Die Drachenlanze? Hast du sie dabei? Ich muß sie sehen!«

Eine dicke, geballte Faust erschien vor dem Gesicht des Magiers. »Du wirst überhaupt nichts sehen!«

Huma nahm den Zorn des Minotaurus in Kauf, als er dessen Faust nach unten stieß. Kaz funkelte Huma an, riß sich dann aber zusammen.

»Dazu brauche ich eure Hilfe«, erklärte Huma den beiden. »Vielleicht wartet noch jemand darauf, uns zu helfen, aber ich brauche euch jetzt, um die Lanzen aus der Höhle zu ziehen. Bis auf eine sind alle mehr als doppelt so lang wie du, Kaz. Das wird schwierig.«

»Wir schaffen das schon, und dieser Wurm da wird uns helfen.«

Magus wurde blaß, aber er stand seinen Mann. »Ich tue genauso viel wie du – wahrscheinlich sogar mehr.«

Der Wind peitschte dem Minotaurus seine Mähne ins Gesicht, was ihm ein besonders wildes Aussehen verlieh. »Das werden wir ja sehen, Zauberer.«

»Schluß jetzt!« schrie Huma. Wenn nötig, würde er die Lanzen alleine herausholen. »Wenn ihr mitkommen wollt, dann kommt. Von mir aus könnt ihr auch hierbleiben und euch streiten, bis ihr eingeschneit seid!«

Er stapfte davon. Einen Augenblick später folgten ihm die anderen ohne weiteren Kommentar.

Er hatte den Ort so gut wie möglich markiert. Der Stein lag noch da, wo er ihn hinterlassen hatte. Er machte einen Schritt darüber und griff nach unten. Kaz und Magus sahen neugierig zu, besonders als Humas Hand nur auf harte Erde stieß und nicht das fand, was da sein sollte.

»Was ist los?« fragte Kaz.

»Ich kann es nicht finden! Ich kann es nicht finden!«

Die anderen gingen ebenfalls auf die Knie und begannen, den Boden abzusuchen.

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