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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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»Ich habe die Prüfungen bestanden, angeblich jedenfalls. Der graue Mann hat das gesagt.«

»Der graue Mann hat das gesagt, ja? Auch den alten Wyrmvater?« Die massige Gestalt wartete die Antwort nicht ab. »Ja, ich glaube schon. Er war in letzter Zeit ziemlich ruhig. Es ist irgendwie komisch, ihn nicht mehr toben und wüten zu hören. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß es jemals so still war. Ich werde mich wohl daran gewöhnen müssen.« Er zuckte mit den Schultern.

»Habe ich Eure Frage zu Eurer Zufriedenheit beantwortet?« Huma hatte zwar sein Selbstvertrauen noch nicht ganz zurückgewonnen, aber wenigstens seine Würde. Er wollte nicht so maßlos überwältigt erscheinen.

»Allerdings«, flüsterte der Schmied, mehr zu sich selbst und zum Ritter. »Allerdings.«

Der Schmied brach in lautes, herzhaftes Gelächter aus. »Großer Reorx! Ich hab’ geglaubt, ich würde diesen Tag nie mehr erleben! Endlich ist mal jemand hier, der meine Arbeit zu würdigen weiß. Weißt du, wie lange es her ist, seit ich mit jemandem vom Fach geredet habe?«

»Was ist mit denen da?« Huma zeigte auf die schemenhaften Gestalten hinter dem Schmied. Sie wirkten ungerührt.

»Die? Das sind meine Gehilfen. Die müssen meine Arbeit mögen. Aber die können den wahren Wert einer Drachenlanze nicht so schätzen wie ein Ritter. Paladin, wie lange habe ich gewartet!« Die Stimme des Riesen dröhnte durch die Höhle.

»Aber ich vergesse mich.« Unvermittelt wurde die Stimme des Schmiedes leiser und sein Gesicht streng. Huma stellte fest, daß seine plötzlichen Stimmungswechsel sehr gut zu seinem eigenartigen Gesicht paßten. »Ich bin Dunkan Eisenwirker, Meisterschmied, Rüstungsbauer und Schüler von Reorx persönlich. Ich warte schon so lange auf dein Kommen, daß ich gar nicht mehr daran denken mag. Seit vielen Jahren befürchte ich, du würdest deinen Fuß nie an diesen Ort setzen, aber ich hätte es besser wissen sollen.« Dunkan Eisenwirker streckte Huma die Hand entgegen, der sie spontan ergriff und erst dann merkte, daß er warmes Metall anfaßte.

Der Schmied bemerkte, wie Huma den künstlichen Arm anstarrte, und grinste. »Wyrmvater hat meinen Arm schon vor Jahren erwischt, als ich noch ein dummer Junge war. Es hat zwar weh getan, aber ich habe den Verlust nie wirklich bereut. Der neue hier ist so praktisch, daß ich mich schon oft gefragt habe, wie es wäre, wenn mein ganzer Körper geschmiedet wäre.« Er schien sekundenlang darüber nachzugrübeln, bevor er merkte, daß er vom Thema abgeschweift war. »Ohne den Silberarm hätte ich natürlich nicht genügend Kraft, um aus dem herrlichen Drachensilber eine Drachenlanze zu schmieden.«

Wieder die Drachenlanze. »Was ist die Drachenlanze? Wenn es das ist, weswegen ich gekommen bin – darf ich sie sehen?«

Eisenwirker riß die Augen auf. »Habe ich sie dir noch nicht gezeigt?« Er schlug sich mit der Hand an die Stirn, ohne den Ruß zu beachten, der an beidem klebte. »Natürlich nicht! Was bin ich durcheinander! Also, los. Komm mit, dann werden wir das Wunder zusammen bestaunen.«

Der Schmied drehte sich um und marschierte in die dunkelsten Tiefen der Kammer. Die vier geisterhaften Gehilfen machten ihrem Meister und dem Ritter Platz. Als Huma sie erreichte, schienen die Helfer in die Dunkelheit geschmolzen zu sein, und das einzige, was er von ihnen sehen konnte, waren vier Augenpaare, die durch ihn hindurch zu sehen schienen.

Einige Schritte vor ihm pfiff Eisenwirker eine Melodie, die entfernt einem solamnischen Marsch ähnelte. Huma wunderte sich, in welchem Verhältnis der Schmied sich wohl zu den Rittern von Solamnia befand und wie lange das schon bestand. Mittlerweile wäre der Ritter nicht mehr überrascht gewesen, wenn er in Burg Vingaard aufgewacht wäre, um festzustellen, daß er alles nur geträumt hatte.

Sie kamen an eine weitere Tür, wo der riesige Schmied stehenblieb und sich Huma zuwendete. »Diese Tür mußt du allein durchschreiten. Ich geh’ zurück an meine Arbeit. Jemand anders wird dich nachher nach draußen zu deinen Gefährten führen.«

Gefährten? Woher wußte Dunkan Eisenwirker von Kaz und Magus? »Und die Drachenlanze?«

»Du wirst sie schon erkennen, wenn du sie siehst, kleiner Freund.«

»Wo kann –?« Huma wollte noch etwas fragen, kam jedoch nicht mehr dazu, seinen Satz zu beenden, weil er plötzlich mit der Luft redete. Er sah in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren, doch selbst die Schmiede war nicht mehr zu erkennen. Nur noch Dunkelheit. Huma ging zögernd ein paar Schritte zurück, um dann angeekelt zurückzuzucken, als sein Gesicht mit einem Spinnennetz von enormer Größe Bekanntschaft machte.

Er spuckte das gräßliche Zeug aus und untersuchte das Netz. Es war alt, ein Werk von Generationen. Dicker Staub bedeckte seine Oberfläche. Hier und da umschloß es rostige Ausrüstungsteile, Schwerter, alte Metallteile – Gegenstände, die ihre Schöpfer schon lange vergessen hatten, bevor Huma überhaupt geboren war.

Aber er war gerade erst aus dieser Richtung gekommen.

Ein beunruhigender Gedanke drängte sich ihm auf: Welche Spinne brauchte ein so großes Netz?

Ohne das Netz aus den Augen zu lassen, streckte Huma die Hand nach der Tür aus. Die Klinke war groß und vom Rost rauh. Sie gab erst nach einigem Rütteln langsam nach. Schließlich ging die Tür auf, nicht ohne eine dicke Staubwolke aufzuwirbeln. Langsam und voller Ehrfurcht betrat Huma den Raum mit der Drachenlanze.

Er sah einen heranstürmenden Hengst mit einer Rüstung aus reinstem Platin, der feurig schnaubte, während er durch den Wind galoppierte. Dann sah er den Reiter, einen kühnen, kampfbereiten Ritter, der seine lange Lanze zum Stoß erhoben hatte. Auch der Ritter war in Platin gekleidet, und das Wappen auf seinem Helm zeigte einen majestätischen Drachen. Über der Brust trug er einen Harnisch mit dem Symbol des Triumvirats: Krone, Schwert und Rose.

Hinter dem Visier, das das Gesicht verdeckte, strahlte lebensspendendes Licht, und Huma wußte, daß es Paladin war.

Der kühne Angreifer sprang plötzlich in die Luft, und gewaltige Schwingen wuchsen aus seinen Seiten. Sein Kopf wurde länger, sein Hals krümmte sich und wuchs, doch er verlor nichts von seiner majestätischen Schönheit. Der platingerüstete Hengst verwandelte sich in einen Platindrachen, und gemeinsam trieben Ritter und Drache die Finsternis vor sich mit Hilfe der Lanze zurück… der Drachenlanze. Sie glänzte aus eigener Kraft, und die Finsternis wich vor ihr zurück. Als Werk der Welt und des Himmels bewies sie die wahre Macht des wahrhaft Guten.

Nachdem die Dunkelheit vertrieben war, landete der Drache vor Huma, der vor ihm auf die Knie fiel. Der Ritter löste die Drachenlanze aus ihrer Halterung und hielt sie der sterblichen Gestalt hin. Zögernd erhob sich Huma und trat langsam vor. Er griff zu und nahm die Lanze entgegen. Dann waren Drache und Reiter verschwunden und ließen Huma mit seinem wundersamen Geschenk allein zurück. Er hielt es in die Höhe und jubelte vor Freude.

Er war schweißgebadet und hatte keine Kraft mehr, doch das störte Huma nicht, denn es war wie die Erschöpfung nach einer glücklichen Ekstase, wenn man das Ziel seiner Wünsche erreicht hatte. In seinem ganzen Leben würde er keinen solchen Freudentaumel mehr erleben.

In reines, weißes Licht getaucht, lag er auf dem Boden des Raumes. Als er auf die Knie kam, starrte Huma in das Licht und war wie erschlagen.

Über ihm stand lebensgroß der Drache. Seine Augen schauten auf den Sterblichen herab, als wäre er gerade erst gelandet. Er war aus reinem Platin, das Werk eines Künstlers mit göttlichen Fähigkeiten. Die Flügel waren ausgebreitet und reichten weit in den Raum hinein. Huma war erstaunt, daß das Metall dieser Belastung standhielt. Jede Schuppe des Drachen, von der kleinsten bis zur größten, war detailgetreu abgebildet. Huma hätte sich nicht gewundert, wenn er geatmet hätte, so echt wirkte er.

Auch der Reiter hätte geradewegs von seinem Himmelsgefährten abspringen können, so wirklich schien er. Wie bei dem Drachen schien auch sein Blick auf Huma zu liegen, selbst wenn man das bei geschlossenem Visier schlecht erkennen konnte. Die Rüstung war ebenso sorgfältig gearbeitet wie die Haut des Drachen. Huma konnte jedes Gelenk, jede Schnalle und sogar die heiligen Gravuren auf dem Brustharnisch erkennen.

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