Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Was den Raum erleuchtete, war die Drachenlanze.
Lang und schlank war die Lanze – über fünf Meter lang. Die Spitze lief so scharf zusammen, daß nichts ihren Stoß aufhalten konnte. Zwei Fuß hinter der Spitze ragten auf beiden Seiten scharfe Widerhaken hervor, damit ein Treffer den Gegner teuer zu stehen käme.
Hinten endete die Lanze mit einem geschickt gearbeiteten Schutzschild, der das schreckliche Gesicht eines angreifenden Drachen zeigte, aus dessen Maul der Schaft wie ein Feuerstrahl hervorschoß. Hinter dem Schild hielt der Arm des Platinritters die Lanze kampfbereit.
Huma fühlte sich unwürdig, die Drachenlanze von dem Ritter anzunehmen, so makellos war sie. Dennoch riß er sich zusammen. Er kletterte hoch, um sie aus der Halterung zu lösen, mit der sie am Sattel befestigt war. Die Halterung drehte sich, wodurch Huma mehr Bewegungsfreiheit bekam, doch er wußte nicht recht, wie er die Hand des Platinritters von der Waffe lösen sollte. Als er die Finger berührte, schienen sie sich freiwillig zu öffnen, und die Lanze fiel Huma regelrecht in die Arme.
Die Drachenlanze war schwer, doch das kümmerte Huma nicht. Er war überwältigt, daß ausgerechnet ihm so etwas passiert war – ihm, dem Einfachsten aller Ritter. Daß Paladin ihn damit segnete, war ein Wunder für sich, und als er die Lanze auf den Boden gelegt hatte, sank er für ein Dankgebet auf die Knie. Die Drachenlanze schien noch heller zu leuchten.
Als seine anfängliche Ehrfurcht endlich verflogen war, bemerkte er die anderen Lanzen an den Wänden um ihn herum. Es verdutzte ihn, daß er sie irgendwie übersehen hatte, doch er dankte Paladin wiederum, daß er die Dinge vorhergesehen hatte, denn eine Lanze allein würde sicher nicht reichen. Er zählte insgesamt zwanzig, neunzehn wie seine eigene und eine kleinere, die nicht weniger herrlich war und wohl für Fußsoldaten gedacht war.
Stück für Stück holte er die Lanzen aus ihren Halterungen, wobei er jede mit Ehrfurcht behandelte. Das waren die Werkzeuge, mit denen Krynn von der Drachenkönigin befreit werden sollte. Es würde unzählige Freiwillige geben.
Komischerweise schien es keinen anderen Ausgang zu geben als die Tür, durch die er eingetreten war. Huma fragte sich, wie er die Lanzen aus dem Berg und nach Solamnia bringen sollte. War er so weit gekommen, um dann an einer solchen Kleinigkeit zu scheitern?
Als er sich in der Kammer umsah, fielen seine Augen auf die Gestalt des Ritters, der etwas seitwärts und nach oben blickte, als ob er in einer entfernten Ecke an der Decke etwas suchen würde. Huma drehte sich unwillkürlich um und schaute in dieselbe Richtung.
Zuerst entdeckte er nichts. Doch dann erkannte Huma die fast unsichtbaren Umrisse einer Falltür. Als er hinüber hastete, um die Entdeckung zu untersuchen, fand der Ritter Tritte und Griffe in der Wand unter der Falltür. Es waren einfache Vertiefungen, die man erst sehen konnte, wenn man genau davor stand.
Huma blickte besorgt zu den Lanzen hinüber, die er zusammengetragen hatte. Er ließ sie nur schweren Herzens zurück, aber er wußte, daß er für jede einzelne Hilfe brauchte, wenn er sie aus der Höhle schaffen wollte. Er brauchte Kaz und Magus.
Voller Elan begann er zu klettern. Es war nicht so schwer, wie er erwartet hatte, und bald war er an der Decke. Es erwies sich jedoch als schwierig, die Tür zu öffnen, denn Huma mußte sich gefährlich weit zurücklehnen, um ordentlich drücken zu können. Die Muskeln in der Hand, die ihn vor dem tödlichen Sturz bewahrte, verkrampften sich. Huma hatte seine Handschuhe ausziehen müssen, um besser klettern zu können, und bezahlte jetzt dafür, weil es ihm langsam die Haut von den Fingerspitzen riß.
Als die Tür endlich offen war, seufzte er erleichtert. Wer auch immer diese Tür gebaut hatte, er hatte es besonders schwierig gemacht. Huma bezweifelte, daß er die Gründe dafür erraten konnte. Aber was zählte, war der Weg nach draußen.
Er griff nach oben und fühlte einen kühlen Windhauch über seine Finger streichen. Beim Umhertasten fühlte er, daß etwas Weiches, vielleicht Schnee, den Boden bedeckte. Huma zog sich hoch, indem er beide Seiten des Loches packte.
Draußen war hellichter Tag. Kein Regen. Keine Wolkendecke. Die Sonne schien auf die Berge, und Huma blieb halb im Loch, um sich zuerst an dem Anblick sattzusehen. Wie lange war es her, seit er die Sonne gesehen hatte? Huma konnte sich nicht mehr erinnern. Es war ein herrlicher Anblick und vielleicht ein Zeichen, daß das Schicksal sich gewendet hatte.
Tatsächlich bedeckte eine dünne Schneedecke den Boden. Es gab keine Spuren im Schnee, so daß er allein sein mußte, wenn nicht gerade etwas über ihm flog. Der Himmel war jedoch klar. Klar und blau. Huma hatte fast vergessen, daß der Himmel eigentlich blau war.
Er zog sich aus dem unscheinbaren Loch und prägte sich den Ort dann sorgfältig ein. Der Ritter bemerkte einen großen Stein in der Nähe, den er als Markierung neben das Loch wälzte.
»Ich hatte gehofft, daß du es schaffen würdest. Ich habe darum gebetet. Wenn du es nicht geschafft hättest, weiß ich nicht, was ich getan hätte.«
»Gwyneth!«
Sie trug einen einfachen, silbrigen Umhang. Ihr Haar hing wallend herunter. Jene junge Frau, die sich um seine Genesung gekümmert hatte, hatte keine Ähnlichkeit mit dieser würdevollen – Priesterin? Welche Rolle spielte sie bei der ganzen Geschichte?
»Ich habe es wirklich geschafft, Gwyneth! Gleich unter deinen Füßen liegen die Waffen, die diese Welt von der Drachenkönigin befreien werden!«
Sie lächelte angesichts seiner Überschwenglichkeit und ging auf ihn zu. Ihre Füße schienen den verschneiten Untergrund kaum zu berühren. Huma bemerkte, daß sie keinerlei Spuren hinterließ.
»Erzähl mir davon.«
Er versuchte es, doch die Worte, die aus seinem Mund strömten, waren zu schwach, zu verworren, zu einfach für das, was er beschreiben wollte. Es klang alles so unglaublich, was er Gwyneth von seinen Aufgaben erzählte. Hatte er das wirklich alles erlebt? Wie war der alte Unhold namens Wyrmvater zu dem glänzenden Metallklotz geworden, der viele Male größer war als der Ritter? War die Vision in der Lanzenkammer real gewesen oder nur ein Produkt seiner Phantasie?
Gwyneth hörte mit unbewegter Miene zu. In ihren Augen lag etwas Unergründliches. Als er fertig war, nickte sie weise und sagte: »Beim ersten Mal, als ich dich traf, sah ich deine Größe. In dir fand ich, was so viele andere vor dir nicht besaßen. Du sorgst dich von ganzem Herzen um das Leben auf Krynn. Deshalb haben die anderen versagt: Sie sorgen sich auch, doch an erster Stelle stehen ihre persönlichen Ziele.«
Huma hielt sie an den Armen fest. »Wirst du jetzt genauso verschwinden wie der graue Mann und der Schmied?«
»Das werde ich – für eine Zeitlang. Du mußt deine Gefährten suchen. Wenn du zurückkehrst, wird jemand anderes auf dich warten. Jemand, den du bereits kennst und der dir in der kommenden Zeit beistehen wird.«
»Und Kaz und Magus?«
»Sind ganz nah.« Sie lächelte. »Ich staune, daß die beiden einander so lange ertragen haben.«
»Ich muß sie suchen«, beschloß Huma plötzlich. Es gab viel zu tun. Er verließ Gwyneth nur sehr ungern, auch wenn sie sich wiedersehen würden. Oder nicht?
Ein verlegener Ausdruck trat in ihre Augen, und sie wand sich aus seinem Griff. Sie lächelte noch immer, doch es ließ nach. Jetzt war es eher maskenhaft. »Deine Freunde sind dort.« Sie zeigte nach Osten. »Du gehst jetzt besser zu ihnen. Sie machen sich schon Sorgen um dich.«
Sie drehte sich um und lief schnell und leichtfüßig davon. Huma wäre ihr am liebsten gefolgt, doch er machte sich zu viel aus ihr, um ihre Wünsche nicht zu respektieren. Daß er sie vielleicht nie wiedersehen würde, quälte ihn, doch er mußte sie gehen lassen.