Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Der Ritter schaute ihn an. »Du hast mich gerettet – und meine Seele.«
»Ich?« Der graue Mann wirkte leicht amüsiert. »Ich habe dir doch bloß ein paar nette Vorschläge gemacht. Du warst es, der den eigentlichen Kampf bestehen mußte. Und du hast es überstanden.«
»Was jetzt?« Huma richtete sich langsam auf. Sein Kopf schmerzte. Er glaubte nicht, daß er jetzt zu irgend etwas in der Lage war. Huma lehnte sich wieder an die Wand.
»Jetzt?« Der graue Mann lachte erheitert. Huma wußte nicht, was so lustig sein sollte. »Jetzt… gehst du vorbei und holst dir deinen Preis. Du hast alle drei Prüfungen bestanden.«
»Bestanden – « Der Ritter schüttelte traurig den Kopf. »Du mußt dich irren. Ich bin gerade noch mal mit dem Leben davongekommen, von meiner Seele ganz zu schweigen.«
»Du lebst. Ja. Das ist der Sinn des Ganzen. Um das Leben zu kämpfen.«
»Wyrmvater. Das Schwert der Tränen. Das sind nur zwei Prüfungen. Außer – «
Die Wahrheit traf Huma unvorbereitet.
Der graue Mann zeigte ein betrübtes, graues Lächeln. »Dein Ausflug durch den Spiegel war kein Zufall. Ein dunkler Fleck hatte sich im Herzen der Ritterschaft breit gemacht, und wer könnte es besser von solcher Verruchtheit befreien als einer aus ihren eigenen Reihen? Die meisten wären wohl glücklich darüber gewesen, Rennard zu erschlagen, ohne ihm Gelegenheit zu lassen, sich zu ergeben. Du wolltest ihn auch da noch retten. Das – die Hingabe an das Leben – ist es, was die Ritterschaft in erster Linie anstrebt.«
Huma richtete sich wieder auf, um in den scheinbar endlosen Tunnel hinter dem grauen Mann zu starren. Dann drehte er sich zu der verhüllten Gestalt zurück.
»Bist du Paladin?«
Der graue Zauberer lächelte verschmitzt und rieb sich die Nase. »Das könnte ich so sagen, aber ich tue es nicht. Sagen wir es mal so: Das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse muß aufrechterhalten werden, und ich bin einer von denen, die sich darum zu kümmern haben – so wie du, auch wenn ich fürchte, daß mein Beitrag nur gering ist im Vergleich zu deinem.«
Er ließ Huma keine Gelegenheit, etwas zu entgegnen. »Es ist Zeit, daß du durch diesen letzten Tunnel gehst und dir deine Belohnung holst. Wie schon gesagt, du mußt ohne Waffen gehen. Deine einzige Waffe ist dein Glaube.«
Der graue Mann hob die Hand und hielt zwei Dolche darin. Huma faßte sich an den Gürteclass="underline" Seine Dolche waren verschwunden. Jetzt gehörten sie dem grauen Mann, doch dieser war inzwischen genauso verschwunden. Nur der Gang tat sich vor Huma auf.
Er machte einen Schritt vorwärts in den dunklen Tunnel.
Huma sprach zwei Gebete – eins an Paladin, das zweite an Gilean, den Herrn der Neutralität – und ging in die Finsternis.
Huma war lange gelaufen, als ihn die ersten Echos des Hammers erreichten. Sie schienen weder nah noch fern zu sein, und die Lautstärke war immer die gleiche. Es war nicht mehr so laut wie in der großen Höhle, wo der riesige, zum Wahnsinn getriebene Lindwurm unter Qualen gebrüllt hatte. Statt dessen erfreuten die Klänge des fleißigen Schmieds den Ritter, weil sie ihm den Teil seiner Ausbildung ins Gedächtnis riefen, bei dem er Grundbegriffe des Handwerks gelernt hatte. Alle Ritter mußten sich eine gewisse Fertigkeit darin aneignen, denn jeder konnte in die Lage kommen, daß er eine Rüstung reparieren oder ein Pferd beschlagen mußte. Ein guter Schmied, so hieß es in der Ritterschaft, konnte mit einem Amboß, einem Hammer und rotglühendem Metall praktisch alles anstellen.
Wer auch immer an diesem Amboß arbeitete – es mußte ein starker Mann sein, überlegte Huma, denn der Hammer tönte so regelmäßig und so ausdauernd, daß die meisten Männer schon längst in die Knie gegangen wären. Allerdings, wer sagte denn, daß es ein Mensch sein mußte? Konnte es nicht Reorx persönlich sein? Er wußte, daß er sich an einem Ort der Götter und der Macht befand. Vor ihm konnte einfach alles liegen.
Dann stand Huma plötzlich in einer riesigen Waffenkammer, ohne zu wissen, wie er dahin gekommen war.
Zahllose Gerätschaften für Krieg und Frieden hingen, standen oder lagen von Wand zu Wand herum und sogar von der Decke herunter, so weit er das im Dämmerlicht beurteilen konnte. Eine Sichel, deren gebogene Klinge geradegezogen mindestens die Länge von Humas Körper haben würde. Schwerter in allen Formen und Größen, manche gekrümmt, manche gerade, manche dünn, manche schwer. Edelsteinbesetzt oder schlicht. Einhänder und Zweihänder.
Hier gab es noch mehr Rüstungen als zuvor in den Schatzkammern. Die Auswahl reichte von primitivsten Brustpanzern bis zu Prunkharnischen, wie sie der ergodianische Kaiser trug. Über den Rüstungen hingen Schilde, die jedes erdenkliche Wappen trugen, eingeschlossen die der Ritter von Solamnia.
Es gab noch so viel mehr, und Huma hätte sich gern alles angesehen. Er kam sich vor, als hätte er die verschollene Grabstätte eines mächtigen Kriegers betreten. Doch das hier war keine Ruhestätte von Toten, denn auf den Waffen und sonstigen Gegenständen lag kein Staub, und sie zeigten kein Zeichen von Alter. Jedes Teil, das er begutachtete, hätte erst gestern geschmiedet sein können, so scharf waren die Klingen, so glatt die Seiten. Kein Rost befleckte die Rüstungen; die hölzernen Griffe der Sicheln waren makellos. Huma wußte jedoch, daß diese Werke älter waren als die tiefer liegenden Höhlen. In diesem Labyrinth unter dem Berg waren diese Kammern als erstes entstanden. Huma konnte nicht erklären, woher er das wußte; er wußte es einfach.
Seine Ohren hatten sich an den regelmäßigen Schlag des Hammers gewöhnt. Zuerst bemerkte er gar nicht, daß er aufgehört hatte. Als es ihm auffiel, war er bereits staunend mitten in die Waffenkammer hineingewandert. Huma blieb verunsichert stehen. Dann sah er vor sich das flackernde Licht und hörte, wie der unbekannte Schmied seine Arbeit wieder aufnahm. Zwei massive Türen versperrten ihm den Weg.
Huma streckte die Hand aus, um an eine der Türen zu klopfen, als diese aufflog. Ein ohrenbetäubendes Quietschen begleitete die fließende Bewegung, und der Ritter wunderte sich, daß die Hammerschläge nicht endeten, so als ob der Schmied nichts gehört hätte oder sich nicht darum kümmerte.
Es war eine Schmiede von göttlichen Ausmaßen. Ein riesiger Wassertank, der nur dazu dienen konnte, die fertigen Werke abzukühlen. Eine gewaltige Esse, an der – Huma zuckte zusammen – schattenhafte Gestalten den Schmelzofen mit Eifer anheizten.
Wieder hörte das Gehämmer auf. Huma riß seinen Blick von der sonnenheißen Esse los und drehte sich um.
Der Amboß reichte Huma bis zur Taille und mußte mindestens sechsmal soviel wiegen wie ein Ritter in voller Rüstung. Die rußverschmierte Gestalt daneben, die mit Leichtigkeit einen Hammer in der einen Hand hielt, der eigentlich als Zweihänder gedacht war, drehte sich ihrerseits um, um den Besucher zu mustern. Die Gestalten an der Esse hielten ebenfalls in ihrem Tun inne, genauso wie zwei weitere am Amboß. Der Schmied senkte den Arm und trat vor. Humas Blick wanderte nicht sofort zu seinem Gesicht, sondern blieb wie gebannt an seinem Arm hängen. Er war aus Metall, einem Metall, das glänzte wie jenes Material, in das sich Wyrmvater verwandelt hatte.
Dann sah Huma dem Schmied ins Gesicht. Wie der restliche Körper war er rußig, doch Huma konnte erkennen, daß der Schmied die Merkmale verschiedener Rassen trug: Seine Züge waren gleichzeitig elfisch, menschlich, zwergisch und etwas – Undefinierbares.
Der Schmied musterte ihn von Kopf bis Fuß und fragte mit erstaunlich gelassener Stimme: »Bist du endlich gekommen, um die Drachenlanze zu holen?«
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Huma sah den mächtigen Schmied verwirrt an und fragte: »Die was?«
»Die Drachenlanze. Bist du endlich der eine?« Die Augen des Schmiedes verengten sich, während er auf die Antwort wartete, und sein schmallippiger Elfenmund war nur mehr eine dünne Linie in dem überwiegend menschlichen Gesicht. Das »andere« verlieh ihm eine furchterregende, aber schöne Erscheinung, die für keine der anderen drei Rassen typisch war.