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Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)

Электронная книга - «Headhunt - Feldzug der Rache (German Edition)». Краткое содержание книги:

Nur nicht den Kopf verlieren, heißt es für Special Agent Aloysius Pendergast und Lieutenant Vincent D'Agosta: In New York treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der die Köpfe seiner Opfer als Trophäen behält. Doch er hinterlässt kaum verwertbare Spuren, und die Ermordeten scheinen nichts gemeinsam zu haben – außer Geld, Macht und keinerlei Skrupel. Geht im Big Apple ein Rächer um? Eine Welle der Hysterie stürzt die ganze Stadt ins Chaos. Mittendrin Pendergast und D'Agosta, die kaum einen Schritt weiterkommen und nicht ahnen, dass die Motive des Killers finsterer sind als die neun Kreise der Hölle.
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Dreißig Sekunden.

Doch dann, noch während die Sekunden verstrichen, kamen Pendergast erneut Bedenken. Dachte er zu viel über die Situation nach, überschätzte er Ozmian womöglich? Vielleicht verfolgte Ozmian ja einen ganz simplen Plan und würde das Gebäude durch die rückwärtige Tür verlassen. Wenn ja, würde Pendergast nicht nur seine Chance verpassen, sondern würde zudem in seiner Position auf dem Ast höchst verwundbar sein, vor allem, wenn Ozmian tatsächlich vorhatte, von der Rückseite her ums Haus herumzugehen und von dem mit Unkraut bewachsenen kleinen Hügel aus auf ihn zu schießen.

Zehn Sekunden.

Was immer auch jetzt geschah, Pendergast hatte seine Entscheidung getroffen. Die eiserne Kimme auf das metallene Rolltor gerichtet, die Schulter gegen den Baumstamm gelehnt, wartete er mit angehaltenem Atem.

54

Gefesselt und geknebelt, beobachtete Vincent D’Agosta Ozmian, der ihm gegenüber ruhig auf dem Stuhl saß. Ozmian, der vor Pendergasts Ankunft so aufgekratzt und unruhig gewesen war, war inzwischen in höchstem Maße still. Aufrecht auf dem alten Holzstuhl sitzend, hielt er die Augen geschlossen, die Hände lagen auf den Knien. Er schien zu meditieren.

D’Agosta ließ den Blick durch den großen, ungeheizten Raum schweifen. Es war darin so kalt, dass das Blut, das aus Longstreets Kopf gesickert war und auf dem Metalltisch kleine Lachen gebildet hatte, bereits gefror. Drei mit Fernbedienung gesteuerte Halogenstrahler, die in den Ecken hingen, spendeten ein harsches Licht.

Abermals schwirrte ihm der Kopf. Er machte sich wüste Vorwürfe wegen seiner Leichtgläubigkeit. Nicht nur, weil er in diese Falle getappt war, sondern auch, weil er wütend auf Pendergast gewesen war und sich geweigert hatte, zu versuchen, die Dinge so zu sehen wie er. Longstreet war bereits tot – und es war ein ganz fürchterlicher, qualvoller Tod gewesen. Und jetzt konnte es durchaus sein, dass auch Pendergast, wegen seiner, D’Agostas, Dummheit, ums Leben kam.

Vor allem aber war er beseelt von einem glühenden Hass auf Ozmian und einem unbändigen Wunsch nach Rache. Doch noch während er alle Optionen durchging und darüber nachgrübelte, was er tun könnte, um den Spieß umzudrehen, war ihm bewusst, dass er hilflos war und nicht handeln konnte. Alles lag in Pendergasts Hand. Ozmian würde nicht davonkommen. Er würde Pendergast unterschätzen, wie das so viele in der Vergangenheit zu ihrem Leidwesen erfahren hatten. Doch was dachte er denn da? Pendergast würde nicht getötet werden – eine absurde Idee. Dies alles würde bald vorbei sein. Er wiederholte den Satz wie ein Mantra. Alles bald vorbei.

Mehrere gefühlt sehr lange Minuten verstrichen. Und dann regte sich Ozmian. Er öffnete die Augen, stand auf, hob die Arme und machte ein paar Streckübungen. Anschließend ging er zum Tisch, auf dem seine Ausrüstung lag, überprüfte die Taschenlampe und steckte sie in eine der Taschen, hakte das Messer an seinen Gürtel, überprüfte seine Pistole, vergewisserte sich, dass eine Kugel im Lauf war, und steckte sich die Waffe hinter den Hosenbund. Das Zusatzmagazin steckte er in eine andere Tasche. Dann drehte er sich zu D’Agosta um. Sein Gesichtsausdruck verriet Eifer und Konzentration. D’Agosta nervte Ozmians ruhige, selbstbewusste Art ganz gewaltig.

»Spielen wir ein kleines Spiel, Sie und ich. Mal sehen, ob ich in den fünf Minuten, die noch verbleiben, bevor ich mit der Jagd beginne, in der Lage sein werde, die Aktionen Ihres Freundes vorauszusehen.« Er machte einen Schritt, dann noch einen, wobei er seine Hand auf dem Metalltisch entlangzog. »Wollen wir?«

Ein merkwürdiges Lächeln umspielte Ozmians Lippen. D’Agosta konnte natürlich nicht antworten, selbst wenn er es gewollt hätte.

»Ich vermute mal, dass Ihr Partner sich keinesfalls geradewegs zu Gebäude 93 begibt. Er ist ja keiner, der sich drückt.«

Wieder ein nachdenklicher Gang um den Tisch.

»Nein … Er entschließt sich vielmehr, umgehend zum Angriff überzugehen. Er entscheidet sich dafür, mich in einen Hinterhalt zu locken, sobald ich dieses Gebäude verlasse.«

Abermals umrundete Ozmian den Tisch. Er hat sichtlich Spaß, dachte D’Agosta. Wie viel Spaß das Schwein wohl haben würde, wenn ihm eine Kugel aus Pendergasts 45er das Hirn wegpustete? Er würde den Schock seines Lebens erleben.

»Ihr Partner kundschaftet also dieses Gebäude aus. Und siehe da, er entdeckt den hinteren Eingang. Und dann bemerkt er, dass die Türangeln gereinigt und geölt wurden.«

Er hielt inne. D’Agosta starrte ihn mit hasserfülltem Blick an.

»Natürlich kommt er zu dem Schluss, dass ich diese hintere Tür heimlich präpariert habe und aus ihr das Gebäude verlassen werde. Er observiert die Tür, bereit, mich niederzuschießen, sobald ich erscheine.«

Wie der Drecksack den Klang der eigenen Stimme genoss …

»Was denken Sie, Lieutenant? Konnten Sie mir bis hierher folgen?« Ozmian legte nachdenklich einen Finger ans Kinn. »Aber wissen Sie was? Ich glaube nicht, dass er die rückwärtige Tür überwacht. Und wissen Sie auch, warum?«

Wieder begann Ozmian, langsam auf und ab zu gehen. »Weil er schlau ist und weiß, wie schlau ich bin, wird er weiter nachdenken. Und er wird zu dem Schluss kommen, dass die geölten Türangeln in Wahrheit eine List darstellen. Er wird glauben, dass ich die Türangeln geölt habe, um ihn in dem Irrglauben zu lassen, dass ich das Gebäude durch den hinteren Ausgang verlassen werde.«

Nachdenklich machte er einige weitere Schritte. »Und was tut er also? Er observiert die vordere Tür!« Leises Gekicher. »Okay, jetzt überwacht er also die vordere Tür. Aber von welchem Beobachtungsposten aus? Wie jeder Jäger weiß, erwartet Großwild normalerweise keinen Angriff von oben. Jagd auf Rotwild machte man deshalb zum Beispiel am besten von einem Hochsitz aus.« Langsame Schritte. »Menschen sind wie Hirsche. Sie denken nicht daran, hochzuschauen. Und so steigt Agent Pendergast also in die große abgestorbene Eiche vor dem Gebäude, hervorragend positioniert und in tiefem Schatten wartend. Ich sage voraus, dass er in jenem Baum sitzt, während wir uns hier unterhalten, die Waffe auf die Tür der Laderampe richtet und darauf wartet, dass ich dort das Gebäude verlasse.«

Keine Logik, ganz gleich wie aufwendig, dachte D’Agosta, kann diesem Hundesohn den Arsch retten. Pendergast würde ihn überlisten, und das an jedem Punkt dieser »Jagd«. Der Kerl würde keine fünf Minuten überleben.

»Und deshalb ist mein Schritt folgender: Ich werde zur hinteren Tür hinausgehen, um das Gebäude herum, bis zu einer mit Buschwerk überzogenen kleinen Erhebung rechts davon – und Ihren Partner im Baum abknallen.« Ein freudloses Lächeln. »Wenn meine Argumentation korrekt ist, dürfte Ihr Partner in …«, er sah auf die Uhr, »… zwei Minuten und zwanzig Sekunden tot sein.«

Ozmian blieb stehen, er ging jetzt nicht mehr weiter auf und ab, sondern beugte sich oberhalb des enthaupteten Kopfes und der gefrorenen Blutlache über den Tisch. »Ich hoffe bei Gott, dass ich mich irre. Ich hoffe, Ihr Freund ist intelligenter. Sollte die Jagd vorzeitig enden, würde mir das eine herbe Enttäuschung bereiten.«

Er drehte sich um, schlug sich auf die Kleidung, überprüfte alles ein letztes Mal, dann verneigte er sich knapp. »Und nun verabschiede ich mich … durch die Hintertür. Wenn Sie auf der Rückseite des Gebäudes Schüsse hören, dann wissen Sie, dass er mich überrumpelt hat. Wenn Sie andererseits auf der Vorderseite Schüsse hören, dann wissen Sie, dass sich mein Szenario bewahrheitet hat.«

Und damit wandte er sich um, ging zur Tür und entschwand in einen Gang, der zur Rückseite des Gebäudes führte.

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