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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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Ausgebrannt

Es war schwer zu glauben, dass der Zwischenfall ihm eine Verspätung von nur dreißig Minuten eingetragen hatte. Morgan wäre bereit gewesen, einen Eid darauf abzulegen, dass die Kapsel wenigstens eine Stunde lang angehalten hatte. Oben im Turm, der jetzt wesentlich weniger als zweihundert Kilometer entfernt war, bereitete sich in diesem Augenblick das Empfangskomitee auf seine Begrüßung vor. Die Möglichkeit, dass es zwischen hier und dem Ziel noch weitere Schwierigkeiten geben könne, kam ihm erst gar nicht in den Sinn.

Als er die Fünfhundert-Kilometer-Linie überschritt, erhielt er eine Glückwunschbotschaft von der Erde. »Übrigens«, fügte Kingsley hinzu, »meldet der Tierwärter des Ruhana-Naturparks einen Flugzeugabsturz. Wir haben ihn inzwischen beruhigt. Falls wir das Loch finden können, haben wir bei deiner Rückkehr ein Souvenir für dich.« Morgan zeigte keine Begeisterung. Es lag ihm nichts daran, die Batterie jemals wieder zu Gesicht zu bekommen. Es wäre etwas anderes gewesen, wenn sie die Spinette hätten finden können. Aber das war ein aussichtsloses Unterfangen.

Das erste Anzeichen von Schwierigkeiten ergab sich in einer Höhe von fünfhundertundfünfzig Kilometern. Die Steiggeschwindigkeit hätte über zweihundert Kilometer pro Stunde betragen sollen, stattdessen lag sie bei einhundertachtundneunzig. Obwohl der Unterschied gering war und seine Ankunft beim Turm nicht merklich verzögern würde, war Morgan darüber besorgt.

Als er nur noch dreißig Kilometer vom Turm entfernt war, hatte er eine Diagnose des Problems erstellt und wusste, dass es diesmal absolut gar nichts gab, das er hätte dagegen unternehmen können. Die Batterie, die eigentlich noch über eine beachtliche Reserve hätte verfügen müssen, brannte allmählich aus. Vielleicht hatten die Bremsrucke und das häufige An- und Abschalten das Problem verursacht; womöglich hatten die empfindlichen Bauteile sogar Schaden erlitten. Was immer die Erklärung sein mochte, der Batteriestrom wurde allmählich geringer, und mit ihm die Steiggeschwindigkeit der Kapsel.

Auf der Erde entstand Bestürzung, als Morgan die Datenanzeige vorlas.

»Ich fürchte, du hast recht«, klagte Kingsley, der, dem Klang seiner Stimme nach zu urteilen, den Tränen nahe war. »Wir schlagen vor, dass du die Geschwindigkeit auf 100 km/h reduzierst. Wir versuchen, die Lebensdauer der Batterie zu errechnen, aber mehr als eine technisch fundierte Schätzung wird dabei wohl nicht herauskommen.«

Nur noch fünfundzwanzig Kilometer — lächerliche fünfzehn Minuten! Hätte Morgan zu beten verstanden, er wäre augenblicklich in die Knie gegangen.

»Wir nehmen an, dass dir zwischen zehn und zwanzig Minuten verbleiben. Die Schätzung beruht auf der Geschwindigkeit, mit der die Stromstärke sinkt. Es wird ziemlich knapp werden, fürchte ich.«

»Soll ich die Geschwindigkeit weiter drosseln?«

»Im Augenblick nicht. Wir versuchen, die Leistungsabgabe der Batterie zu optimieren, und gegenwärtig liegst du richtig.«

»Du kannst euren Scheinwerfer jetzt einschalten. Wenn ich den Turm schon nicht erreiche, dann will ich ihn wenigstens sehen.«

Weder Kinte noch eine der anderen Raumstationen konnte ihm jetzt helfen. Er wollte die Unterseite des Turmes sehen. Das war eine Aufgabe für den Scheinwerfer auf Sri Kanda, der senkrecht zum Zenit hinaufstrahlte.

Einen Augenblick später durchdrang ein Schwall blendender Helligkeit, aus dem Herzen von Taprobane kommend, die Kabine. Nur ein paar Meter entfernt — so nahe, dass er meinte, nach ihnen greifen zu können — erschienen die restlichen drei Leitbänder wie Bahnen aus Licht, die sich in Richtung des Turmes miteinander zu vereinigen schienen. Er folgte ihrem konvergierenden Verlauf — und da war er!

Nur noch zwanzig Kilometer entfernt! In einem Dutzend Minuten hätte er dort sein können. Er wäre durch den Fußboden des kleinen, quadratischen Bauwerks gestiegen, das er dort oben im Himmel schimmern sah, mit Geschenken beladen wie ein urzeitlicher St. Nikolaus. Sein Vorsatz, sich zu entspannen und KORAs Vorschriften einzuhalten, war vergessen. Er ertappte sich dabei, wie er die Muskeln spannte, als könne er durch körperliche Anstrengung dem Fahrzeug auf dem allerletzten Streckenstück Beistand leisten.

In zehn Kilometern Abstand wurde das Summgeräusch des Motors um ein paar Töne tiefer. Morgan hatte damit gerechnet und reagierte sofort. Ohne auf die Anweisung von der Erde zu warten, drosselte er die Geschwindigkeit auf fünfzig km/h. Bei diesem Tempo würde es noch zwölf Minuten dauern, bis er den Turm erreichte, und er fragte sich verzweifelt, ob er in einem asymptotischen Annäherungsmanöver begriffen sei. Er spielte eine Variation des berühmten Wettrennens zwischen Achilles und der Schildkröte. Wenn er die Geschwindigkeit jedes Mal dann halbierte, wenn er die Hälfte der noch verbleibenden Strecke zurückgelegt hatte, würde er den Turm in endlicher Zeit erreichen? Früher hätte er die Antwort sofort gewusst, jetzt war er zu müde, sich den Kopf darüber zu zerbrechen.

Aus fünf Kilometern Entfernung konnte er die Konstruktionseinzelheiten des Turmes erkennen — den Rundgang und das Schutzgeländer sowie das Fangnetz, das völlig nutzlos war und lediglich den Zweck hatte, die öffentliche Meinung zu beruhigen. Allerdings fand er, sosehr er auch die Augen anstrengte, keine Spur des Schleusenschotts, auf das er sich jetzt mit nervenzerrüttend langsamer Geschwindigkeit zubewegte.

Und dann spielte alles plötzlich keine Rolle mehr. Zwei Kilometer vor dem Ziel versagte der Motor der Spinne völlig. Die Kapsel rutschte sogar ein paar Meter in die Tiefe, bevor Morgan die Bremsen ansetzen konnte.

Diesmal jedoch, zu Morgans großer Überraschung, klang Kingsley gar nicht so verzweifelt.

»Wir schaffen es noch«, sagte er. »Lass die Batterie sich zehn Minuten ausruhen. Sie enthält noch genug Leistung für die letzten zwei Kilometer.«

Das waren die längsten zehn Minuten, die Morgan je durchgemacht hatte. Er hätte sich die Zeit vertreiben können, indem er Maxine Duvals immer dringender werdende Anrufe beantwortete. Aber er fühlte sich zu erschöpft, als dass er mit ihr hätte sprechen mögen. Es tat ihm ausgesprochen leid, und er hoffte, dass Maxine ihm verzeihen werde.

Er führte eine kurze Unterhaltung mit Pilot Chang, der ihm berichtete, dass die Flüchtlinge im Turm sich in recht guter Verfassung befänden und angesichts der nahen Rettung wieder Zuversicht gefasst hätten. Sie wechselten sich dabei ab, durch das kleine Bullauge des äußeren Schleusenschotts nach der Spinne Ausschau zu halten, und waren nicht bereit zu glauben, dass er den winzigen Rest der Strecke nicht zurücklegen könne.

Morgan gestand der Batterie eine Extraminute zu. Er war erleichtert, als er den Motor aufsummen hörte; die Messgeräte zeigten eine entsprechende Leistungsabgabe. SPINNE näherte sich dem Turm bis auf einen halben Kilometer, bevor der Motor wieder aussetzte.

»Beim nächsten Mal schaffen wir's«, sagte Kingsley, wobei es Morgan allerdings vorkam, als rede sein Freund sich diese Zuversicht nur ein. »Tut mir leid, dass es so zögernd vorwärtsgeht.«

»Noch mal zehn Minuten?«, erkundigte sich Morgan resigniert.

»Ich fürchte, ja. Diesmal nimm den Motor jeweils nur für dreißig Sekunden in Betrieb und leg dann eine Pause von einer Minute ein. Auf diese Weise saugst du die letzte Wattsekunde aus der Batterie.«

Und aus mir, dachte Morgan müde. Seltsam, dass KORA sich so lange ruhig verhalten hatte. Allerdings stand er diesmal nicht unter physischer Beanspruchung. Es fühlte sich nur so an.

In seiner Sorge um das Fahrzeug hatte er sich selbst vernachlässigt. Seit einer Stunde hatte er nicht mehr an die Glukosetabletten und die kleine Plastikflasche mit Fruchtsaft gedacht. Nachdem er von beiden zu sich genommen hatte, fühlte er sich gekräftigt, und sein einziger Wunsch war, dass er der sterbenden Batterie ein paar von den Kalorien hätte zukommen lassen können.

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