Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Morgan hörte bereits das gedämpfte Klopfen auf der anderen Seite des Schleusenschotts. Er schnallte den Sicherheitsgurt ab, stieg umständlich auf den Sitz und kletterte die Leiter hinauf. Das Topluk leistete eine Sekunde lang matten Widerstand, als machten die Kräfte, die sich gegen ihn vereint hatten, eine letzte, matte Geste. Es zischte kurz, während der Druckausgleich hergestellt wurde. Dann schwang die kreisförmige Platte nach innen, und hilfreiche Hände halfen ihm nach oben in den Turm. Als Morgan zum ersten Mal von der faulig riechenden Luft atmete, fragte er sich, wie die Flüchtlinge hier hatten überleben können. Wenn seine Mission fehlgeschlagen wäre, dessen war er jetzt so gut wie sicher, wäre jeder weitere Vorstoß zu spät gekommen.
Die nackte, nüchterne Zelle wurde von nichts weiter als ein paar Solarscheiben beleuchtet, die geduldig jahrelang das Sonnenlicht in sich aufgenommen und wieder abgestrahlt hatten, um für den Notfall gerüstet zu sein, der dann ja schließlich auch eingetreten war. Ihr mattes Licht enthüllte eine Szene, die einem längst vergangenen Krieg entstammen mochte: Hier lagen die abgerissenen Gestalten der Flüchtlinge aus einer verwüsteten Stadt, zusammengepfercht in einem Bunker, mit den wenigen Habseligkeiten, die sie hatten retten können. Nicht viele solcher Flüchtlinge würden allerdings Taschen und Tragbehälter besessen haben, deren Aufschriften lauteten: PROJEKTION, LUNAR HOTEL CORPORATION, EIGENTUM DER BUNDESREPUBLIK MARS oder das allgegenwärtige DARF NICHT IN VAKUUM GELAGERT WERDEN. Noch hätten die Flüchtlinge der Vergangenheit so viel Freude gezeigt. Selbst die, die sich nicht vom Boden erhoben, um Sauerstoff zu sparen, brachten ein Lächeln und ein müdes Winken zuwege. Morgan hatte den Gruß eben erwidert, als ihm plötzlich die Beine einknickten und die Welt ringsum in Dunkelheit versank. Er war sein Leben lang nie bewusstlos gewesen, und als eine fauchende Entladung kalten Sauerstoffs ihn wieder zu sich brachte, da empfand er als Erstes ein Gefühl akuter Verlegenheit. Seine Augen blickten nur langsam wieder klar. Er erblickte maskierte Gesichter, die ihn anstarrten. Zuerst dachte er, er sei in einem Krankenhaus. Dann aber kamen Augen und Verstand wieder miteinander in Gleichklang, und er begriff, dass man sein Fahrzeug entladen haben musste, während er ohnmächtig war.
Die Masken waren jene Molekularsiebe, die er mitgebracht hatte. Sie wurden über Mund und Nase getragen und blockierten den Durchfluss von Kohlendioxyd, während sie Sauerstoff frei passieren ließen. Einfach, aber auf einem fortgeschrittenen Konzept beruhend, ermöglichten sie dem Menschen das Überleben in einer Atmosphäre, in der er sonst unverzüglich hätte ersticken müssen. Sie machten das Atmen ein wenig mühseliger — aber die Natur hat für alles ihren Preis, und dieser hier war, gemessen an den Vorteilen, gering.
Immer noch benommen, aber dennoch jede Hilfe ausschlagend, kam Morgan wieder auf die Füße und wurde nun mit Verspätung den Männern und Frauen vorgestellt, die er gerettet hatte. Eines beunruhigte ihn noch immer: Hatte KORA während seiner Bewusstlosigkeit eine ihrer vorprogrammierten Ansprachen losgelassen? Er wollte die Sprache nicht direkt auf dieses Thema bringen; er fragte sich nur …
»In unser aller Namen«, sagte Professor Sessui aufrichtig, aber mit der offensichtlichen Unbeholfenheit des Mannes, der Höflichkeit nicht zu seinen hervorragendsten Eigenschaften zählt, »möchte ich Ihnen für das, was Sie getan haben, danken. Wir danken Ihnen unser Leben.«
Jede Antwort, die darauf denkbarerweise hätte gegeben werden können, musste nach falscher Bescheidenheit klingen. Morgan zog sich aus der Schlinge, indem er vorgab, er müsse seine Maske richten, und dabei einige unverständliche Laute von sich gab. Er wollte sich gerade vergewissern, dass auch wirklich alles, was er mitgebracht hatte, entladen worden war, als Professor Sessui in unverkennbarem Eifer fortfuhr: »Es tut mir leid, dass wir Ihnen keinen Sessel anbieten können. Etwas Besseres als das dort haben wir nicht.« Er deutete auf zwei Instrumentenkästen, die man aufeinandergesetzt hatte. »Sie dürfen sich wirklich nicht zu sehr anstrengen.«
Der Satz hatte einen vertrauten Klang; also hatte KORA tatsächlich gesprochen. Es trat eine verlegene Pause ein, als Morgan dies zur Kenntnis nahm und die Umstehenden zu erkennen gaben, dass sie davon wussten und er wiederum durchblicken ließ, dass er wusste, dass sie wussten — in einem Prozess rasch konvergierender psychologischer Regression, bei dem mehrere Menschen ein Geheimnis teilen und fest entschlossen sind, es nie wieder zu erwähnen.
Er holte ein paar Mal tief Atem — es war erstaunlich, wie rasch man sich an die Masken gewöhnte — und ließ sich auf dem angebotenen Sitz nieder. Ich werde nicht noch einmal ohnmächtig, versprach er sich mit grimmiger Entschlossenheit. Ich liefere die Ware ab und mache mich so schnell wie möglich wieder auf den Weg — hoffentlich, bevor KORA das nächste Mal zu plappern anfängt.
»Diese Dose Dichtungsmittel«, sagte er und deutete auf den kleinsten Behälter, den er mitgebracht hatte, »sollte ausreichen, um das Leck zu stopfen. Sprühen Sie es rings um die Dichtung an der Schleuse; es härtet in wenigen Sekunden. Verbrauchen Sie Sauerstoff nur, wenn es nötig ist. Sie brauchen ihn womöglich zum Schlafen. Ich habe eine CO2-Maske für jeden mitgebracht, plus ein paar Ersatzmasken. Dort sind Nahrung und Trinkwasser für drei Tage — mehr als ausreichend. Der Transporter von 10K müsste morgen hier ankommen. Was die medizinischen Vorräte anbelangt — die werden Sie hoffentlich überhaupt nicht brauchen.«
Er unterbrach sich, um Luft zu holen. Es war nicht leicht, unter einer CO2-Maske hervor zu sprechen, und er empfand mit jedem Augenblick deutlicher die Notwendigkeit, Kräfte zu sparen. Sessuis Leute konnten sich von hier an um sich selbst kümmern. Er jedoch hatte noch eine weitere Aufgabe zu erledigen — und je schneller, desto besser.
Er wandte sich an Chang: »Bitte helfen Sie mir, den Anzug anzulegen. Ich möchte mir die Spur ansehen.«
»Das ist aber nur ein Dreißig-Minuten-Anzug!«
»Ich brauche nur zehn — höchstens fünfzehn.«
»Dr. Morgan — ich bin ein qualifizierter Raumarbeiter, Sie sind es nicht. Niemand darf mit einem Dreißig-Minuten-Anzug ohne Ersatztank oder Versorgungsleitung hinausgehen. Außer in einer Notlage natürlich.«
Morgan lächelte müde. Chang hatte recht. Eine dringende Gefahr bestand nicht mehr. Aber eine Notlage war, was der Chefingenieur als solche definierte.
»Ich möchte mir den Schaden ansehen«, erklärte er, »und die Spuren überprüfen. Es wäre doch ein Jammer, wenn die Leute von 10K Sie nicht erreichen könnten, nur weil man Sie nicht rechtzeitig auf ein Hindernis aufmerksam gemacht hat.«
Chang war mit der Entwicklung offenbar gar nicht zufrieden (der Himmel mochte wissen, was die geschwätzige KORA während seiner Bewusstlosigkeit alles von sich gegeben hatte!), erhob jedoch keinen weiteren Einwand, als er Morgan in die Nordschleuse folgte.
Kurz bevor er den Helm schloss, erkundigte sich Morgan: »Hat der Professor noch weiteren Ärger gemacht?«
Chang schüttelte den Kopf. »Ich nehme an, das CO2 hat ihm die Kraft genommen. Und wenn er wieder anfängt — nun, wir sind ihm sechs zu eins überlegen, wobei man natürlich nicht weiß, ob man sich auf die Studenten verlassen kann. Ein paar von ihnen sind genauso verrückt wie er. Sehen Sie sich nur das Mädchen an, dass dort drüben in der Ecke andauernd vor sich hin kritzelt. Sie ist überzeugt, dass die Sonne ausgeht oder am Explodieren ist — ich weiß nicht genau, welches von beiden — und will die Welt noch vor ihrem Tod warnen. Was uns das wohl einbrächte! Wenn es wirklich so wäre, wüsste ich lieber nichts davon.«