Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Maxine Duval war gerade zehn Minuten zu spät angekommen, um Morgan noch zu sehen. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, da wäre sie über ein solches Verpassen sehr ärgerlich geworden. Diesmal zuckte sie dagegen nur mit den Schultern und redete sich ein, dass sie die Erste sein würde, die Morgan nach seiner Rückkehr zu fassen bekam. Kingsley hatte ihr nicht erlaubt, mit ihm zu sprechen, und sie hatte selbst diese Anordnung mit Anstand entgegengenommen. Ja, sie wurde alt …
Seit fünf Minuten hatte man von der Kapsel nichts anderes als ein stetiges »In Ordnung« zu hören bekommen, während Morgan sämtliche Funktionen seines Raumanzugs mit der Unterstützung eines Experten von der Station Mitte überprüfte. Die Prüfung war jetzt abgeschlossen. Jedermann wartete voller Spannung auf den entscheidenden nächsten Schritt.
»Ich lasse die Luft aus«, sagte Morgan. Jetzt, da er den Helm geschlossen hatte, erzeugte seine Stimme ein schwaches Echo. »Kabinendruck null. Kein Atemproblem.« Eine Pause von einer halben Minute, dann: »Ich öffne die Tür — schon geschehen! Jetzt löse ich den Sicherheitsgurt.«
In der Menge entstand Bewegung und Gemurmel. Es gab nicht einen, der in diesen Augenblicken nicht in Gedanken dort oben in der Kapsel gewesen wäre, des Abgrunds bewusst, der sich plötzlich vor ihm aufgetan hatte.
»Der Verschluss arbeitet einwandfrei. Ich strecke die Beine aus. Über mir ist nicht viel Platz …
Ich gewöhne mich langsam an die Montur — sehr flexibel — jetzt trete ich auf die Veranda hinaus — keine Angst! — ich habe mir den Sicherheitsgurt um den linken Arm gewickelt …
Puh! Das Bücken ist ziemlich mühselig. Aber ich sehe die Flügelmutter unterhalb der Veranda. Ich rechne mir aus, wie ich an sie herankomme …
Ich knie — nicht sehr bequem — ich habe sie! Jetzt müssen wir feststellen, ob sie sich drehen lässt …«
Die Zuhörer wurden starr und stumm — dann ließen sie die Spannung mit einem nahezu einstimmigen Seufzer der Erleichterung von sich.
»Keine Schwierigkeit! Ich kann sie leicht drehen. Zwei Umdrehungen — ich spüre, wie sie locker wird — IN DECKUNG DORT UNTEN!«
Begeisterungsschreie und Applaus brandeten auf. Ein paar Leute hielten die Hände über den Kopf und taten so, als hätten sie Angst. Ein paar, die noch nicht begriffen hatten, dass die fallende Mutter erst in fünf Minuten eintreffen und zehn Kilometer weit ostwärts aufschlagen würde, sahen echt besorgt drein.
Nur Warren Kingsley nahm an der allgemeinen Begeisterung nicht teil. »Klatschen Sie nicht zu früh«, riet er Maxine. »Wir haben noch nicht alles hinter uns.«
Die Sekunden zogen sich dahin … eine Minute … zwei Minuten …
»Es hat keinen Zweck«, sagte Morgan schließlich, seine Stimme belegt vor lauter Zorn. »Ich bringe den Gurt nicht los. Das Gewicht der Batterie hat ihn in den Windungen festgezurrt. Die Bremsrucke haben ihn wahrscheinlich mit dem Bolzen verschweißt.«
»Komm runter, so schnell du kannst«, sagte Kingsley. »Eine neue Batterie ist unterwegs. Wir können das Fahrzeug in weniger als einer Stunde wieder auf den Weg bringen. Also schaffen wir es bis zum Turm in — ah, ungefähr sechs Stunden. Falls es keine weiteren Unglücksfälle gibt.«
Genau, dachte Morgan. Er selbst würde mit der Spinne nicht wieder losfahren, bevor nicht der malträtierte Bremsmechanismus mit aller Sorgfalt überprüft worden war. Außerdem traute er sich selbst keine zweite Fahrt zu. Er empfand bereits jetzt die Anstrengung der vergangenen Stunden. Müdigkeit würde bald seine geistigen und körperlichen Reaktionen verlangsamen — und das zu einer Zeit, da ein Höchstmaß an Effizienz von beiden verlangt wurde.
Er saß jetzt wieder in seinem Sitz, aber das Schott war noch offen, und draußen, im Widerschein des Lichtkegels der Raumstation Kinte, schimmerte das metallene Band, das den Rumpf der Spinne umlief und das er auf den Namen »Veranda« getauft hatte. Den Sicherheitsgurt hatte er noch nicht wieder angeschnallt. Eine solche Geste hätte bedeutet, dass er seine Niederlage eingestand, und das war ihm noch nie leichtgefallen. Er versuchte, seinen Verstand so genau auf das vorliegende Problem zu konzentrieren, wie der Strahl des Lasers sich auf ihn und sein Fahrzeug konzentrierte.
Was er brauchte, war ein Metallschneider — eine Metallsäge oder eine Zange — um den Haltegurt zu durchtrennen. Zum soundsovielten Mal verfluchte er den Umstand, dass es an Bord der Spinne keinen Werkzeugkasten gab. Aber selbst wenn es einen gegeben hätte, wären darin die Geräte, deren er bedurfte, wahrscheinlich nicht enthalten gewesen.
Die Bordbatterie der Spinne enthielt etliche Megawattstunden. Konnte er diese in irgendeiner Weise zum Einsatz bringen? Er stellte sich eine Funkenbrücke vor, die sich durch den Gurt brannte. Aber selbst wenn der dafür erforderliche dicke Draht vorhanden gewesen wäre — was er natürlich nicht war —, hätte es immer noch keine Möglichkeit gegeben, von der Kabine aus an die Hauptbatterie heranzukommen.
Kingsley Warren mitsamt allen Expertengehirnen, die um ihn versammelt waren, hatte bislang keine Lösung gefunden. Er war auf sich selbst angewiesen, körperlich ebenso wie geistig. So aber hatte er es immer schon haben wollen.
Und dann — gerade als er den Arm ausstreckte, um die Kabinentür zu schließen — wurde ihm plötzlich klar, was er zu tun hatte. Die ganze Zeit über hatte die Lösung des Problems sich in unmittelbarer Nähe befunden.
Der zweite Fahrgast
Morgan fühlte sich erleichtert und auf nicht sonderlich rationelle Art zuversichtlich. Diesmal musste es einfach klappen.
Dennoch rührte er sich nicht von seinem Sitz, bis er den gesamten Vorgang im Einzelnen analysiert und geplant hatte. Als Kingsley sich von neuem meldete und ihn noch eindringlicher als zuvor zu einer schnellen Rückkehr aufforderte, da gab er eine ausweichende Antwort. Er wollte keine falschen Hoffnungen wecken — weder auf der Erde noch oben im Turm.
»Ich habe ein Experiment vor«, sagte er. »Lasst mich ein paar Minuten lang in Ruhe.«
Er nahm die Hyperdrahtspule an sich, die er bei so vielen Vorführungen verwendet hatte — die Spinette, die ihn vor etlichen Jahren an der senkrecht abfallenden Wand des Jakkagala entlang hatte spazieren gehen lassen. Seitdem war aus Sicherheitsgründen der erste Meter Hyperdraht mit einem Plastiküberzug versehen worden, so dass er nicht mehr ganz so unsichtbar war und, bei einiger Vorsicht, selbst mit nackten Fingern gehandhabt werden konnte.
Als Morgan die kleine Schachtel in seiner Hand anblickte, kam ihm zu Bewusstsein, wie sehr sie für ihn die Rolle eines Talismans spielte. Natürlich glaubte er nicht wirklich an solche Dinge; es gab immer einen durchaus logischen Grund dafür, warum er die Spinette mit sich herumtrug. Auf dieser Fahrt hatte er sie wegen der Stärke und Zugbelastbarkeit des Hyperdrahts mitgenommen, und eine weitere Fähigkeit des Drahtes darüber so gut wie vergessen …
Ein weiteres Mal kletterte er aus seinem Sitz, durch das Schott und kniete auf dem schmalen Metallband, das draußen rings um die Peripherie des Fahrzeugs lief und das er die Veranda nannte. Die Wurzel allen Übels, der Bolzen, befand sich nur zehn Zentimeter von ihm entfernt auf der anderen Seite der Metallfläche. Er konnte ihn erreichen, indem er am Rand der Fläche vorbeigriff.