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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Gedankenverloren wandte er sich einem Gang zu, der ins Zentrum des Keep und zum Eingang der schwarzen Quelle führte, die die Magie erweckt hatte, die Paranor einschloß. Sein Geist war noch immer bei Quickening, und er rief sich einmal mehr die Vision ihres Schicksals in Erinnerung, die der Grimpond ihm gezeigt hatte. Bitterkeit wallte in ihm auf. Die Vision war natürlich richtig gewesen. Die Visionen des Grimpond waren immer richtig. Zuerst der Verlust seines Armes, dann der Verlust von Quickening, dann...

Er blieb plötzlich stehen, zur Unbeweglichkeit erschreckt wie eine Statue, die leer in den Raum in der Mitte eines höhlenartigen Durchgangs starrte. Er hatte es vergessen. Es gab noch eine dritte Vision. Er atmete tief durch und stellte sie sich im Geiste vor. Er stand in einer leeren, leblosen Schloßfestung, in Erwartung eines Todes, dem er nicht entkommen konnte, unaufhörlich verfolgt...

Er hielt inne, schaute sich um und atmete scharf aus. Dieses Schloß? Er schloß die Augen und versuchte, sich zu erinnern. Ja, es war vielleicht Paranor.

Er spürte, daß sich sein Puls beschleunigte. In der Vision hatte er das Bedürfnis verspürt zu laufen, aber jetzt konnte er es nicht. Er stand wie festgefroren, als sich der Tod näherte. Eine dunkel gekleidete Gestalt stand hinter ihm, hielt ihn fest und verhinderte seine Flucht.

Allanon.

Er spürte, wie ihn die Stille erdrückte, und fragte sich, was aus seiner dritten Vision geworden war. Wann sollte sie eintreffen? Sollte es hier geschehen?

Und plötzlich wußte er es. Die Gewißheit dieses Wissens erschreckte ihn, aber er zweifelte nicht daran. Die Vision würde Wahrheit werden, genau wie die anderen Wahrheit geworden waren, und sie würde hier Wahrheit werden. Paranor war das Schloß, und der Tod, der sich an ihn heranschlich, war die dunkle Magie, die herbeigerufen worden war, um den Keep einzuschließen. Allanon stand tatsächlich hinter ihm und hielt ihn fest – nicht physisch, aber auf noch stärkere Weise.

Aber da war noch mehr, irgend etwas, das er noch nicht erkannt hatte. Es war ihm nicht vorherbestimmt, jetzt zu sterben. Das war offensichtlich die Meinung der Vision des Grimpond, wie der Grimpond wollte, was Walker denken sollte. Die Visionen waren immer irreführend. Die Bilder waren verschlüsselt und ließen mehr als eine Deutung zu. Man mußte damit spielen wie mit den Teilen eines Puzzles, um herauszufinden, wie sie zusammenpaßten.

Walkers Augen durchstreiften die dunklen Schatten, die rund um ihn herum lauerten. Was, wenn er eine Möglichkeit finden könnte, die Verschlagenheit des Grimpond zu seinem eigenen Nutzen umzukehren, fragte er sich plötzlich. Was, wenn er dieses Mal die Vorhersage des rachsüchtigen Geistes vor ihrem Wahrwerden enträtseln könnte? Vielleicht würde ihm ja das Enträtseln der Vision den Schlüssel zum Verständnis seines Schicksals innerhalb des Druidenkeep in die Hand geben. Doch das wagte er kaum zu hoffen.

Ein Feuer begann sich in ihm auszubreiten – eine brennende Entschlossenheit. Er hatte die Antworten, die er brauchte, noch nicht, aber er hatte etwas genauso Gutes. Er hatte eine Möglichkeit, herauszubekommen, wie sie lauteten.

Er dachte zurück an seinen Eintritt nach Paranor, an sein Treffen mit Cogline und Rumor. Die fehlenden Teile waren da. Irgendwo. Er verfolgte noch einmal alles zurück, was er in den Druidengeschichten gelesen hatte, sah Wörter auf den Seiten noch einmal, fühlte das Gewicht der Bücher erneut und die Struktur ihrer Einbände. Etwas war dort, etwas, das ihm entgangen war. Er schloß die Augen und versuchte, es sich vorzustellen. Er verfolgte noch einmal alles, was geschehen war, erzählte es sich selbst im Geiste, die ganze Abfolge der Geschehnisse. Er suchte es, während er allein in diesem Raum stand, eingehüllt in Schatten und Stille, und spürte, daß die Konturen seiner Verwirrung zu verschwinden begannen. Er hörte Geräusche, die neu und willkommen waren und ihm etwas zuzuflüstern begannen. Er ging tiefer in sich und streckte sich nach den dunkleren Stellen aus, an denen Geheimnisse verborgen lagen. Seine Magie erhob sich, um ihn willkommen zu heißen. Er konnte alles erkennen, wenn er hart und lange genug danach suchte, sagte er sich. Er tauchte in den ruhigsten, stillsten Teil seines Selbst und ließ alles andere von sich abfallen.

Was hatte er übersehen?

Wer auch immer den Grund und das Recht haben wird, sollte es zu seinem angemessenen Ende führen.

Seine Augen öffneten sich schlagartig. Seine Hand strich langsam und tastend an seinem Körper aufwärts. Seine Finger fanden, was sie gesucht hatten, sorgfältig verborgen in seiner Kleidung, und sie schlössen sich fest darum.

Der Schwarze Elfenstein.

Er umfaßte den Talisman schützend, während sein Geist überschwemmt wurde von neuen Möglichkeiten. Dann eilte er davon.

15

Wren Ohmsford und ihre Begleiter kauerten sich schweigend in die Dunkelheit der Tunnel unterhalb des Keel, während die Eule irgendwo vor ihnen leise hantierte. Er schlug einen Feuerstein gegen Fels, um mit einem Funken die pechumkleidete Fackel entzünden zu können, die auf seinem Knie lag. Die Magie, die den Tunnel erleuchtet hatte, als Wren in die Stadt kam, war verschwunden, sie war jetzt mit Arborlon und den Elfen im Loden eingeschlossen. Triss war der letzte gewesen, der in den Tunnel gekommen war, nachdem er Ellenroh von der Brücke heruntergetragen hatte. Er hatte die Tür fest hinter ihnen geschlossen und sie so von dem Wahnsinn, der draußen tobte, ausgeschlossen, gleichzeitig waren sie aber auch der Hitze des Gestanks von Killeshans Feuern ausgeliefert.

Ein Funke glomm in der Dunkelheit vor ihnen, und eine lohfarbene Flamme wurde flackernd lebendig und warf ringsum Schatten. Ihre Köpfe wandten sich der Stelle zu, von wo sich die Eule von den Knien erhob.

»Beeilt euch«, flüsterte er ihnen mit rauher und drängender Stimme zu. »Die dunklen Wesen werden nicht lange brauchen, bis sie diese Tür gefunden haben.«

Sie hasteten geduckt hinter ihm her, Eowen, Dal, Gavilan, Wren, Garth und Triss, der Ellenroh trug. Cort bildete den Schluß. Mit der Beharrlichkeit von Maulwürfen, die sich in die Erde hinabgraben, folgten ihnen in der Ferne das Heulen und die Schreie der Dämonen. Schweiß perlte auf Wrens Haut, denn die Hitze des Tunnels war intensiv und nahm ihr den Atem. Sie rieb sich die Augen, blinzelte die klebrige Feuchtigkeit fort und bemühte sich, Schritt zu halten. Ihre Gedanken schweiften ab, während sie sich vorwärts arbeitete. Sie sah wieder Ellenroh vor sich, wie sie in der Mitte des Brückenkopfes gestanden, die Magie des Loden angerufen und damit das Licht hervorgebracht hatte, das ganz Arborlon aufgenommen und in die schimmernden Tiefen des Steins getragen hatte. Wren hatte sehen können, wie die Stadt verschwunden war, davongetragen, als sei sie nie gewesen – Gebäude, Menschen, Tiere, Bäume, Gras, alles. Jetzt hatte sie die Verantwortung für Arborlon. Es war ihre Aufgabe, es zu beschützen, geborgen in einer Magie, die nur so stark war wie die neun Männer und Frauen, denen sie überantwortet worden war.

Wren schob sich an herabhängenden Wurzeln und Spinnweben vorbei, und die Ungeheuerlichkeit der Aufgabe lastete auf ihr wie ein Gewicht. Sie fühlte sich sehr allein, und sie war nicht die stärkste, wie sie wußte. Doch irgendwie konnte sie sich des Gefühls nicht erwehren, daß die Verantwortung letztendlich allein bei ihr lag und daß sie zu der Aufgabe Allanons gehörte, derentwegen sie auf der Suche nach den Elfen hierhergekommen war.

Sie schüttelte das Gefühl ab und stolperte in ihrem eifrigen Bemühen, Schritt zu halten, gegen Gavilan.

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