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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Ellenroh Elessedil schaute zurück zu den acht, die auf dem Sprung waren, und wandte sich dann der Stadt zu. Ihre Hände umklammerten den polierten Schaft des Ruhk, und sie senkte den Kopf.

Sofort begann der Loden zu glühen. Seine Helligkeit wuchs rasch zu einem weißen Feuer an, das ausströmte, bis die Königin darin eingehüllt war. Das Licht breitete sich ständig weiter aus, erhob sich vor der Dunkelheit und erfüllte den Raum innerhalb der Mauern, bis ganz Arborlon hell wie der Tag erleuchtet war. Wren versuchte zu sehen, was geschah, aber die Intensität des Lichts wuchs so sehr, daß es sie blendete und sie zwang, sich abzuwenden. Das weiße Feuer floß zu den Befestigungen des Keels und begann sich zu verdichten. Wren konnte mehr spüren, daß es geschah, als daß sie es sah, denn sie hielt ihre Augen gegen den Glanz geschlossen. Außerhalb des Keels begannen die Dämonen zu schreien. Ein Windstoß kam aus dem Nichts und wuchs zu einem Heulen an. Wren fiel auf die Knie. Sie spürte, daß Garth seine starken Arme um ihre Schultern legte und hörte Gavilans Stimme, der ihr etwas zurief. Bilder formten sich in ihrem Geist. Sie wurden durch Ellenrohs Beschwörung hervorgerufen. Es waren wilde und außergewöhnliche Visionen einer Welt im Chaos. Die Magie bewegte sich an ihr vorbei wie ein Vorbeistreichen flüsternder und singender Finger.

Alles endete in einem Schrei. Es war ein Geräusch, das von keiner menschlichen Stimme herrühren konnte. Und dann eilte das Licht davon. Es schnellte zurück in die Dunkelheit, zog sich zurück, als sei es in einen Wasserstrahl hinabgezogen worden. Wrens Augen hoben sich ruckartig. Sie folgten der Bewegung und versuchten, etwas zu erkennen. Sie war gerade schnell genug, um einen letzten Rest des Lichts zu erhäschen, wie es in der strahlenden Kugel des Loden verschwand. Sie blinzelte, und es war fort.

Auch die Stadt Arborlon war fort – die Menschen, die Gebäude, die Straßen und Wege, die Gärten und Rasen, die Bäume. Alles, was zwischen den Mauern des Keels gewesen war, war verschwunden. Es war nichts übriggeblieben als ein flacher Krater in der Erde – als habe eine Riesenhand Arborlon einfach aufgehoben und es verschwinden lassen.

Ellenroh Elessedil stand allein am Rande dessen, was einst der Graben gewesen und jetzt der Rand eines Kraters war, lehnte sich schwer auf den Ruhkstab, und ihre Energie verließ sie. Über ihr stand der Loden wie ein vielfarbiges Feuer. Die Königin rührte sich und versuchte sich zu bewegen, aber es mißlang, und sie stolperte und fiel auf die Knie. Triss eilte zu ihr, hob sie hoch, als sei sie ein müdes Kind, und eilte wieder zurück. Im selben Augenblick erkannte Wren, daß die Magie, die den Keel geschützt hatte, auch versiegt war, genau wie ihre Großmutter es vorhergesagt hatte. Der Glanz war völlig verschwunden. Der Himmel über ihnen war in einen Dunst aus Vog gehüllt, und der Sonnenaufgang zeigte sich als ein trübes Hellerwerden des Himmels im Osten, das kaum die Schwärze der Nacht durchdrang. Wren atmete ein und bemerkte, daß der Schwefelgestank zurückgekehrt war. Alles, was zum Schutze Arborlons dagewesen war, war verschwunden.

Die Stille des Augenblicks machte einem Durcheinander von Dämonengeheul und Schreien Platz, als die Wesen erkannten, was geschehen war. Das Geräusch von Körpern erhob sich, die auf die Mauern zukrochen, und von Klauen, die von allen Seiten näher kamen.

Triss hatte sie erreicht. Er hielt die Königin und den Ruhkstab krampfhaft mit seinen Armen.

»Hinein, schnell!« rief die Eule und eilte voraus.

Sie wollten nichts lieber, als ihm zu folgen, und so verschwand der Rest der kleinen Gesellschaft, die mit der sicheren Übergabe Arborlons und seiner Elfen betraut war, durch die geöffnete Tür hinunter in die Dunkelheit.

14

In einer Welt aus Licht und Schatten, in der Wahrheiten die schillernde Unbeständigkeit eines Daseins hatten, das der Gegenständlichkeit enthoben und in die Transparenz überführt ist, in die Nichtexistenz und den Dunst, sah Walker Boh das Unmögliche von Angesicht zu Angesicht.

»Ich habe lange Zeit gewartet, Walker, und gehofft, daß du kommen würdest«, flüsterte der Geist, der vor ihm stand. Cogline! Doch der war jetzt schon seit Wochen tot, getötet von den Schattenwesen am Hearthstone, vernichtet von Rimmer Dall – zusammen mit Rumor. Walker hatte gesehen, wie es passiert war. Fast unheilbar krank von dem Gift des Asphinx, hatte er hilflos in seinem Schlafraum gekauert, als der alte Mann und die Moorkatze ihren letzten Kampf ausfochten. Er hatte alles angesehen: den letzten Ansturm der aus der dunklen Magie entstandenen Monster, das Feuer der Magie des alten Mannes, das zur Vergeltung aufloderte, und die Explosion, die in ihrer Reichweite jedermann verschlungen hatte. Cogline und Rumor waren zusammen mit Dutzenden ihrer Angreifer in der Feuersbrunst verschwunden. Niemand hatte überlebt, außer Rimmer Dall und einer Handvoll anderer, die hinausgeschleudert worden waren. Und dennoch waren Cogline und die Katze hier. Als Schatten aus dem Totenreich waren sie irgendwie nach Paranor hineingekommen.

Allerdings hielt Walker Boh sie für genauso real wie sich selbst, eine Reflektion seiner selbst in dieser Welt des Zwielichts, in die der Schwarze Elfenstein ihn gesandt hatte. Sie waren geistergleich und doch lebendig, obwohl sie es nicht hätten sein sollen. Es sei denn, er wäre auch tot und statt dessen alles eine Spiegelung von ihnen. Die Widersprüche überwältigten ihn. Sein Atem wurde knapp, und er konnte nicht sprechen. Wer lebte und wer nicht?

»Walker.« Der alte Mann nannte ihn bei seinem Namen, und dieser Klang brachte ihn von der Klippe zurück, auf der er schwebte.

Cogline näherte sich langsam und vorsichtig. Er schien die Angst und die Verwirrung zu erkennen, die seine Anwesenheit in seinem Schüler ausgelöst hatte. Er sprach leise mit Rumor, und die Moorkatze setzte sich gehorsam und heftete ihre glänzenden Augen hell und interessiert auf Walker. Coglines Körper war unter dem Wust abgetragener Kleider genauso zerbrechlich und steif wie eh und je, und das graue, diesige Licht fiel in schmalen Streifen durch ihn hindurch. Walker wich zurück, als der alte Mann die Hand ausstreckte, um ihn an der Schulter zu berühren. Skelettartige Finger krochen abwärts, um seinen Arm zu ergreifen.

Der Griff war warm und fest.

»Ich lebe, Walker. Und Rumor auch. Wir leben beide«, flüsterte er. »Die Magie hat uns gerettet.«

Walker Boh war einen Augenblick lang still. Er starrte verständnislos in die Augen des anderen und suchte nach etwas, was den Worten des anderen eine Bedeutung geben könnte. Er lebte? Wie konnte das sein? Schließlich nickte er, denn er mußte irgendwie reagieren, um sich von der Angst und der Verwirrung zu lösen, und fragte zögernd: »Wie bist du hierher gekommen?«

»Komm und setz dich zu mir«, erwiderte der andere.

Er führte Walker zu einer Steinbank an der Wand. Sie schimmerten beide so seltsam wie ein undeutliches Relief vor den Schatten, eingehüllt in Nebel und Dunkelheit. Innerhalb des Keeps wurden die Geräusche gedämpft, als werde ein unwillkommener Gast gezwungen, leise aufzutreten, um nicht die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Walker sah sich um. Noch immer ungläubig, suchte er das Labyrinth der Wege, das vor und hinter ihnen verschwand. Er erhaschte kurze Blicke auf Steinmauern und Brüstungen und Türme, die sich rund um ihn herum erhoben. Sie waren genauso bar allen Lebens wie Gräber in der Erde. Er setzte sich neben den alten Mann und spürte, wie sich Rumor dabei an ihm rieb.

»Was ist mit uns geschehen?« fragte er. Und ein gewisses Maß seiner Festigkeit kehrte zurück, seine Entschlossenheit, die Wahrheit herauszufinden, drängte die Unsicherheit zurück.

»Sieh uns an. Wir sind wie Geister.«

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