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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Die Schlange griff erneut an und glitt mit einem Schnauben aus dem Rowen, das alles ringsum mit Wasser besprühte. Ihr Schrei brach als tiefes, ansteigendes Husten hervor, ihr Körper bog sich und richtete sich riesig und monströs vor ihnen auf. Wren und Garth wurden von dem Floß gerissen, als die Bestie zuschlug, und rissen Ellenroh und Faun mit sich. Wren sah Gavilan tauchen und beobachtete, wie die anderen zerstreut wurden. Dann schlug die Schlange erneut zu, und alles verschwand in einer Explosion aus Wasser. Das Floß fiel auseinander und wurde zu Feuerholz zerschlagen. Wren ging unter, wobei sich Faun verzweifelt an sie klammerte. Sie kam wieder an die Oberfläche und rang nach Luft. Köpfe bewegten sich im Wasser auf und ab, und die Wellen, die durch den Angriff erzeugt worden waren, gingen über sie hinweg. Der Kopf der Schlange ragte erneut in den Dunst, aber dieses Mal bekamen Triss und Cort ihn unter Kontrolle, indem sie mit ihren Schwertern wild zustießen und schlugen. Schuppen flogen, und dunkles Blut floß, und das Monster schrie zornig auf. In dem Versuch, seine Angreifer abzuschütteln, schlug es wild um sich, und dann tauchte es. Als es unterging, versenkte Triss sein Schwert in dem schuppigen Kopf und riß sich dann los. Cort griff noch immer an, sein jugendliches Gesicht war voller grimmiger Entschlossenheit.

Der Körper der Schlange zuckte und ließ alles auseinanderstieben, sogar verstreute Stämme des zerschmetterten Flosses wirbelten umher.

Einer davon flog auf Wren zu und streifte sie seitlich am Kopf. Sie sah aus den Augenwinkeln, wie die Schlange abtauchte, wie Garth Eowen auf das Ufer zu zog, wie Ellenroh und die Eule sich an anderen verstreuten Teilen des Flosses festklammerten, und dann wurde alles schwarz um sie.

Sie trieb dahin, empfindungslos, losgelöst, bis in die Seele erstarrt. Sie hätte sagen können, daß sie sank, aber sie schien nicht in der Lage zu sein, etwas dagegen zu tun. Sie hielt den Atem an, als sich das Wasser um sie schloß, atmete dann wieder aus, als sie ihn nicht länger halten konnte, und spürte, wie das Wasser in sie hereinströmte. Sie schrie lautlos auf, ihrer Stimme nicht mächtig. Sie konnte das Gewicht der Elfensteine um ihren Hals spüren. Sie konnte spüren, wie sie zu brennen begannen.

Dann wurde sie von etwas ergriffen, das zu ziehen begann, etwas, das sich zuerst an ihrer Tunika festklammerte und dann an ihrem Körper hinabglitt. Zuerst eine Hand, dann ein Arm – es waren die Griffe eines anderen Menschen. Langsam begann sie wieder aufzusteigen.

Sie kam an die Oberfläche, spuckend und würgend und nach Luft ringend, und hustete das Wasser aus ihren Lungen heraus. Ihr Retter war hinter ihr und zog sie in Sicherheit. Sie legte sich geschwächt zurück und wehrte sich nicht, noch immer wie betäubt von dem Schlag und der Erkenntnis, daß sie fast ertrunken wäre. Sie blinzelte das Wasser aus ihren Augen fort und schaute über den Rowen zurück. Er breitete sich als unruhiges, silbriges Schimmern aus, jetzt leer bis auf die Trümmer, und die Schlange war verschwunden. Sie konnte Stimmen rufen hören – die von Eowen, die der Eule und eine oder zwei andere. Sie hörte, daß ihr eigener Name gerufen wurde. Faun klammerte sich nicht mehr an ihr fest. Was war mit Faun geschehen?

Dann kam auf beiden Seiten das Ufer in Sicht, ihr Retter hörte auf zu schwimmen und stand auf, wobei er sie mit hochzog und sie umdrehte. Es war Gavilan.

»Geht es dir gut, Wren?« fragte er atemlos und erschöpft von der Anstrengung, sie zu schleppen. »Schau mich an.«

Das tat sie, und der Ärger, den sie ihm gegenüber zuvor empfunden hatte, verblaßte, als sie sein Gesicht sah. Sorge und eine Spur Angst spiegelten sich dort wider.

Sie ergriff seine Hand. »Es ist in Ordnung. Alles ist gut.«

Sie atmete die willkommene Luft tief ein. »Danke, Gavilan.«

Er sah überraschend verlegen aus. »Ich habe zwar gesagt, ich sei hier, um dir zu helfen, wenn du Hilfe brauchst, aber ich hatte nicht erwartet, daß du so bald auf mein Angebot zurückkommen würdest.«

Er half ihr, zu der Stelle zu gelangen, wo Ellenroh darauf wartete, sie in ihre Arme zu nehmen. Sie drückte Wren besorgt und flüsterte etwas kaum Hörbares, Worte, die man nicht hören mußte, um sie zu verstehen. Garth war auch da und die Eule, durchnäßt und in bemitleidenswertem Zustand, aber unverletzt. Sie sah, daß der größte Teil ihres Proviantes am Ufer aufgehäuft lag, durchweicht, aber gerettet. Eowen saß zerzaust und erschöpft unter einem Baum und wurde von Dal umsorgt.

»Faun!« rief sie und hörte sofort ein Schnattern. Sie schaute über den Rowen und sah mehrere Dutzend Meter weit entfernt den Baumschreier, wie er sich an ein Stück Holz klammerte. Sie eilte zurück ins Wasser, bis sie fast bis zum Hals darinnen stand, und erst dann gab ihr pelziger Begleiter seine Fahrt auf, schwamm schnell auf sie zu und kletterte auf ihre Schulter, während sie ihn ans Ufer zog. »Nun, nun, Kleiner, du bist jetzt auch in Sicherheit, nicht wahr?«

Kurz darauf stolperte Triss auf den Strand. Eine Seite seines sonnengebräunten Gesichts war bis auf den Knochen zerkratzt, und seine Kleidung war zerfetzt und blutig. Er blieb nur lange genug sitzen, daß die Eule ihn untersuchen konnte, erhob sich dann wieder und ging mit den anderen zurück zum Fluß hinab. Eng beieinander stehend schauten sie über das leere Wasser.

Von Cort oder Stresa war keine Spur zu entdecken.

»Ich habe den Stachel nicht mehr gesehen, seit die Schlange zum letzten Mal auf das Floß eingeschlagen hat«, sagte Gavilan leise, fast entschuldigend. »Es tut mir leid, Wren. Wirklich.«

Sie nickte schweigend. Sie fühlte sich unfähig zu sprechen, denn der Schmerz war zu groß, und stand steif und wie betäubt da, während sie weiter vergeblich nach dem Stachelkater Ausschau hielt.

Zweimal habe ich ihn jetzt verlassen, dachte sie.

Triss bückte sich, um die Riemen an dem Schwert zu befestigen, das er dem Stapel mit den geretteten Sachen entnommen hatte. »Cort ist mit der Schlange untergegangen. Ich glaube nicht, daß er sich noch hat befreien können.«

Wren hörte ihn kaum, denn ihre Gedanken waren finster und brütend. Ich hätte nach ihm sehen sollen, als das Floß sank. Ich hätte versuchen müssen, ihm zu helfen.

Aber sie wußte, obwohl sie anders dachte, daß sie nichts hätte tun können.

»Wir müssen weitergehen«, sagte die Eule leise. »Hier können wir nicht bleiben.«

Als wollte er diese Worte bekräftigen, polterte der Killeshan in der Ferne, und der Dunst wirbelte als Antwort träge umher. Sie zögerten noch einen Moment und warteten schweigend und unbeweglich am Ufer, während das Wasser aus ihrer Kleidung tropfte. Dann wandten sie sich langsam einer nach dem anderen ab. Sie hoben ihre Rucksäcke und die anderen Dinge auf und gingen in Richtung der Bäume davon, wobei sie überprüften, ob ihre Waffen griffbereit waren.

Hinter ihnen streckte sich der Rowen wie ein silbergraues Leichentuch aus.

16

Die Gefährten hatten sich erst knapp hundert Meter vom Ufer des Rowen entfernt, als immer weniger Bäume zu sehen waren und der Alptraum begann. Ein riesiger Sumpf breitete sich vor ihnen aus, eine weite Fläche von Morast, der dicht mit Riedgras und Unkraut bewachsen und nur selten von Gruppen uralter Akazien und Zedern durchzogen war. Die Zweige der Bäume waren fest ineinander verflochten, als versuchten sie verzweifelt, nicht in den Schlamm hinabgezogen zu werden. Viele waren bereits halb zerfallen, und ihr Wurzelsystem war zerfressen. Ihre Stämme waren gebeugt, so daß sie an verwundete Giganten erinnerten. Durch das Gewirr sterbender Bäume und verkümmerten Gestrüpps hindurch breitete sich der Morast aus, so weit das Auge reichte, ein weiter und undurchdringlicher Sumpf, der in Dunst und Schweigen gehüllt war.

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